Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney - Review

Wenn es zwei Spieleserien gibt, die den Nintendo DS geprägt haben, dann waren es definitiv Professor Layton und Phoenix Wright: Ace Attorney. Wenn man einen DS besaß, kam man unmöglich an den beiden vorbei - mindestens ein Ableger wurde doch garantiert schon in den Modulschlitz geschoben. Und der Erfolg will und wird nicht abreißen, haben doch beide Serien mit Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant bzw. Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies schon den Sprung auf den 3DS und damit in die dritte Dimension gemeistert. Gerade angesichts der nach wie vor exzellenten Qualität der Serien war ich schon unheimlich gespannt auf Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney. Ein Crossover für den 3DS, das die nervenauftreibenden Gerichtsverhandlungen von Capcom mit den vertrackten Puzzles und der erzählerischen Genialität von Level-5 verbindet? Das hört sich so verdammt gut an, dass es gar nicht schlecht sein kann. Ich habe mich durch das Abenteuer gerätselt - hier kommt meine Review!

Als das Crossover offiziell angekündigt wurde (das ist übrigens schon zweieinhalb Jahre her - schade, dass wir Europäer immer so lange warten müssen), war meine Überraschung groß. Ich bin großer Fan von Professor Layton und auch mit Phoenix Wright habe ich schon einige packende Prozesse erlebt. Bei der Ankündigung dachte ich mir also: "Wie geil ist das denn?". Und nachdem das Spiel auf meinem 3DS eingetroffen war, lief der Handheld gefühlt Tag und Nacht. Ein Rätsel nach dem anderen wurde gelöst, eine Hinweismünze nach der anderen entdeckt, eine Figur nach der anderen befragt und alle paar Stunden kämpfte ich als Verteidiger vor Gericht gegen den Schuldspruch. Nicht einmal The Legend of Zelda: A Link Between Worlds hat mich so sehr an den 3DS gefesselt wie Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney. Dass mich das Spiel kaum losgelassen hat, hat mehrere Gründe. Grund 1: Ich habe seit Professor Layton und die Maske der Wunder kein Layton mehr gespielt. Grund 2: Level-5 hat es abermals geschafft, eine packende Geschichte zu erzählen. Grund 3: Das Spiel macht einfach Spaß!


Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney
Ein mysteriöses Buch hat Layton und Luke nach Labyrinthia gezaubert. War das etwa Magie?


Ein Gentleman löst jedes Rätsel - und ein guter Anwalt gewinnt jeden Prozess!



Worum geht es dieses Mal? Die Story ist gewohnt mysteriös: Eines Tages taucht plötzlich die fremde Sophie de Narrateur bei Hershel Layton und Luke im Büro auf und überbringt einen Brief, der nur noch mehr Fragen aufwirft. Er erzählt von einer geheimnisvollen Stadt namens Labyrinthia, von Hexen und Magie - alles doofer Hokuspokus, oder? Es gibt keine Hexen und erst recht keine Magie! Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Layton und Luke werden von einem dicken alten Schmöker direkt in diese fremde Parallelwelt Labyrinthia teleportiert, in der ein gewisser "Schöpfer" Geschichten schreibt, die das Leben all der Bewohner der Stadt bestimmt - seine Geschichten werden immer zu 100% wahr. Und alle haben panische Angst vor Hexen, denn mitten unter ihnen lebt die gefürchtete Arcana, die vor hundert Jahren ganz Labyrinthia niedergebrannt hat, als sie einen riesigen Feuerdrachen beschwor. Sind das nun Ammenmärchen oder ist hier wirklich Magie im Spiel? Was hat es mit der mittelalterlichen Stadt und ihren Einwohnern auf sich, die alle noch nie von London gehört haben? Und wer genau ist eigentlich diese Sophie de Narrateur, das freundliche junge Mädchen, das mit Phoenix Wright und seiner Assistentin Maya Fey in der Bäckere... moment, Phoenix Wright arbeitet in Labyrinthia in einer Bäckerei?! Ja, richtig gelesen, denn auch den Staranwalt und seine putzige Gehilfin hat es in diese seltsame Stadt verschlagen. Wieso, weshalb, warum und was das Geheimnis dieses Ortes ist, das gilt es jetzt herauszufinden - in einem mit knapp 22 Stunden Spielzeit angenehm umfangreichen Abenteuer.

Während die spannend erzählte Geschichte, in der Layton, Luke, Phoenix und Maya auf allerlei bunte und quirlige Charaktere treffen, mit vielen Überraschungen aufwarten kann, gibt sich die Spielmechanik erstaunlich konventionell. Ihr könnt euch das Spiel am besten vorstellen, indem ihr einen beliebigen Professor-Layton- und irgendeinen Phoenix-Wright-Teil nebeneinander haltet und euch vorstellt, beides nicht mehr auf zwei, sondern auf einem einzelnen Modul erleben zu können. Denn genau so und nicht anders funktioniert das Crossover: Je nach Kapitel ist man entweder mit Layton und Luke auf Rätselreise, was exakt genau so funktioniert wie in den Ablegern der Serie, oder schlägt sich mit Phoenix und Maya durch einen harten Prozess vor Gericht. Die Balance stimmt: Insgesamt hatte ich zwar das Gefühl, häufiger mit dem Professor unterwegs gewesen zu sein, allerdings dauert so mancher Gerichtsprozess schon mal seine 2-3 Stunden, in denen man mit voller Aufmerksamkeit dabei sein muss.

Für den Spieler bedeutet das, dass man entweder durch die Gebiete schlendert, die Umgebung nach Hinweismünzen absucht (welche wiederum vor Gericht oder bei Puzzles für Hilfestellungen ausgegeben werden können), Bewohner anspricht und sich durch ellenlange Textfenster klickt, immer auf der Suche nach einem neuen Denk-, Schiebe-, Puzzle-, Geschicklichkeits- oder Raterätsel oder dem Fortschritt in der Story - das ist der Professor-Layton-Part. Gibt es das Spiel vor, schlüpft man in die Rolle von Phoenix Wright und darf vor dem Hohen Gericht seine Denkkünste zum Besten geben, indem man den vorgegebenen Fall Stück für Stück aufschlüsselt, um herauszufinden, wer beispielsweise die beiden Wegelagerer im Wald umgebracht hat. Hierzu befragt man Zeugen, ruft fleißig "OBJECTION!" bzw. in der deutschen Version "EINSPRUCH!" in den Saal und versucht, Widersprüche zu finden und anschließend mit Beweisen zu untermauern. Wie genau diese beiden Spielprinzipien im Detail ablaufen, entnehmt ihr am besten Katjas Reviews zu Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant bzw. Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies. Vor dem Crossover, das in ungefähr einer Woche offiziell erscheint, haben beide Helden der Geschichte nämlich schon Ende 2013 ein jeweils eigenes Abenteuer durchgestanden.


Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney
Ihr spielt abwechselnd Professor Layton oder Phoenix Wright, Spiel und Geschichte geben es vor.


"OBJECTION!" - wer hätte gedacht, dass dieser Spruch Gänsehaut auslösen kann?



Der Crossover-Part besteht im Wesentlichen also eigentlich nur daraus, dass beide markanten Charaktere und Spielkonzepte in einem einzelnen Abenteuer vereint werden - größere Überraschungen oder spielerische Neuerungen gibt es nicht. Trotzdem gebührt den Entwicklern großes Lob dafür, wie wunderbar harmonisch die beiden völlig unterschiedlichen Teile zusammenpassen, denn nie fühlen sich die Brüche im Spieldesign unpassend oder gar störend an, ganz im Gegenteil: Der Wechsel kommt immer im richtigen Moment und genau dann, wenn man sich denkt: "So, jetzt habe ich aber erst mal genug davon". Für ein Crossover ist das vielleicht zu wenig Mut zum Risiko, das muss man dem Spiel definitiv ankreiden. Auf der anderen Seite ist es angenehm erfrischend, die beiden Universen so glaubwürdig miteinander kombiniert zu sehen - alleine das sorgt für frischen Wind, auch wenn man sich natürlich relativ bald daran gewöhnt hat. Trotzdem ist der Moment, wenn Layton und Phoenix nach etlichen Spielstunden endlich gemeinsam das "OBJECTION!" in den Gerichtssaal rufen, ein wahrlich erhabener Moment, und auch der gezielte Einsatz der Professor-Layton-Musik hat bei mir immer wieder kurz Gänsehaut ausgelöst. Ich kann also mit 100%iger Sicherheit sagen, dass jeder, der mindestens eine der beiden Serien liebt, auch mit diesem Spiel verdammt viel Spaß haben wird. Und wer beide Serien mag, für den ist hiermit ein Traum Realität geworden, und diejenigen müssen sowieso zugreifen.

Technisch gibt sich das Spiel ganz serientypisch keine Blöße: Die 3D-Modelle der Charaktere sind großartig, die Zwischensequenzen im Anime-Stil eine Wucht - nur die Hintergründe könnten hier und da etwas aufregender gestaltet sein. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, den 3D-Regler immer mal wieder nach oben zu schieben, alleine schon der tollen Modelle wegen. Und die Lautstärke gehört natürlich auch aufgedreht, denn die Musik vermischt bekannte Melodien beider Serien so herrlich, dass es jederzeit zum Geschehen passt wie der Zylinder auf Laytons Kopf. Neue Musikstücke gibt es aber erstaunlich wenige - dafür ist das Titelthema, das euch schon im Hauptmenü begrüßt, wirklich gelungen.

Und wo wir doch gerade bei der Akustik sind, darf auch die abermals überzeugende Lokalisierung nicht unterschlagen werden. Anders als Phoenix Wright: Dual Destinies ist das Crossover komplett auf Deutsch und es gibt sogar deutsche Sprecher, die die meiste Zeit über wirklich gute Arbeit leisten. Selbstverständlich sind nicht alle Dialoge vertont - was nicht verkehrt ist, denn bei der Menge an Text würde es wohl noch bis 2018 dauern, wenn jedes Wort auch auf Deutsch gesprochen wird, aber den wichtigsten Passagen kann man auch lauschen, ohne in die Textboxen schauen zu müssen. Trotzdem ist das Spiel sehr textlastig, was Veteranen der jeweiligen Serien kaum überraschen dürfte, für Neulinge vielleicht aber eine Hürde darstellen könnte. Dafür sind die Dialoge aber durchweg solide geschrieben.



Tim

Fazit von Tim:

Es war das Aufeinandertreffen zweier Legenden. Und damit war es eine große Herausforderung für die Entwickler. Doch zu meiner großen Freude ist das Experiment super aufgegangen! Auf dem Modul (oder auf der Download-Datei) befinden sich nicht etwa einfach ein halbes Professor Layton und ein halbes Phoenix Wright; es befindet sich ein komplettes Spiel darauf, das nicht wie ein zusammengeklebtes Konstrukt aus Versatzstücken wirkt, sondern sich harmonisch und authentisch anfühlt. Es ist ein Abenteuer, das den großen Namen beider Serien gerecht wird, und allein damit schon ein Pflichtkauf für alle Fans des rätsellösenden Gentlemans und des tollpatschigen Anwalts. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht, denn unter dem Strich haben es sich die Entwickler vielleicht etwas zu einfach gemacht und die beiden völlig unterschiedlichen Spielkonzepte lediglich 1:1 übernommen, anstatt auch spielerisch für frischen Wind zu sorgen, und die meiste Zeit über sind die Rätsel zu leicht. Außerdem wirkt das "Vs." im Namen irgendwie etwas unglücklich gewählt, denn eigentlich arbeiten die beiden Parteien ja zusammen, um den Geheimnissen von Labyrinthia auf die Schliche zu kommen. Das alles ändert aber überhaupt nichts daran, dass ich die gesamten 22 Stunden über großen Spaß an der Detektivarbeit hatte und den 3DS kaum noch aus der Hand legen wollte. Mehr noch: Ich hätte liebend gerne eine Fortsetzung!

Nicht einfach nur ein halbes Professor Layton und ein halbes Phoenix Wright: Das Crossover vermengt die nervenauftreibenden Gerichtsverhandlungen und das süchtigmachende Rätsellösen zu einem harmonischen, spannenden und sympathischen Adventure-Cocktail, mit dem jeder Hobby-Anwalt und Puzzlefan sehr zufrieden sein kann.

Besonders gut finde ich ...
  • harmonische Verbindung der beiden Universen
  • spannende Story mit vielen Überraschungen
  • 70 meist gelungene Rätsel in Layton-Manier
  • nervenauftreibende Gerichtsverhandlungen
  • sympathische, quirlige, bunte Figurenriege
  • lange Spieldauer von mehr als 20 Stunden
  • gute Grafik mit sehr gelungenen 3D-Modellen
  • vorbildliche Lokalisierung für Deutschland
Nicht so optimal ...
  • spielerisch durchweg absolut konventionell
  • einige unverständliche Lösungen im Gericht
  • meistens eher recht niedrige Herausforderung
  • etwas abstruse & seltsame Story-Auflösung

Tim hat Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.

Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney - Boxart
  •  
  • Entwickler:Level 5
  • Publisher:Capcom
    Nintendo
  • Genre:Adventure
  • Plattform:3DS
  • Release:28.03.2014
    (Japan) 29.11.2012

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Kommentare & Likes

Deine Meinung ist gefragt.
  • Hardcora
    #1 | 20. März 2014 um 23:25 Uhr
    Oh man, wegen diesem Spiel wollte ich damals eigentlich den 3DS. Und jetzt kommt das tatsächlich endlich und ich habe keinen. ARGH!
  • Darius
    #2 | 21. März 2014 um 00:38 Uhr

    Hardcora: Oh man, wegen diesem Spiel wollte ich damals eigentlich den 3DS. Und jetzt kommt das tatsächlich endlich und ich habe keinen. ARGH!


    Noob!   
  • Hardcora
    #3 | 21. März 2014 um 22:20 Uhr
      

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