Transistor - Review
Die Krux mit der Cloud, gefangen im System()
Es dürfte wohl nur wenige Spieler da draußen geben, die Bastion von Supergiant Games nicht toll fanden. Dieser Sprecher, der Soundtrack, das Artdesign, die Story. Das alles sorgte vor rund drei Jahren vielerorts für große Begeisterung. Der Platz in der Hall of Fame der Indie-Perlen ist dem Spiel seither nicht streitig zu machen. Mit Transistor folgt nun das zweite Spiel aus dem sonnigen San Francisco und ist in gewisser Weise der Nachfolger zu Bastion. Wie mein Trip in der Science-Fiction-Welt verlief und was euch erwartet, erzähle ich in meiner Review.

Alles anders und doch vertraut
Wir begreifen recht schnell, dass die Stimme aus Transistor (dem Schwert) die unseres Freundes ist und das eine ominöse Gruppierung namens Camarata für die menschenleere Stadt verantwortlich ist. Das Warum und Wie gilt es auf unserer Reise zu ergründen. Dabei kommt uns manches vertraut vor, denn die Entwickler präsentieren uns in vielen Bereichen liebgewonnene Zutaten aus Bastion. Das fängt bereits beim Soundtrack an, der abermals von Darren Korb komponiert wurde und bei dem Ashley Barrett die Vocals zu einzelnen Tracks beisteuerte. Manch einem dürfte vermutlich allein dies als Kaufargument reichen, aber da ist noch mehr. Auch die neue Welt präsentiert sich wieder mit einem liebevollen, detailreichen Artdesign und lässt uns hier und da verträumt die Farbenpracht genießen. Und dann wäre da noch das Gameplay.
In der Sci-Fi-Stadt Cloudbank begegnen wir immer wieder sogenannten Prozessen, die Gegner im Spiel, die wir in einem Mix aus Echtzeit-Action und Rundentaktik zur Strecke bringen müssen. Rundentaktik ist eigentlich der falsche Begriff, vielmehr handelt es sich um eine Art "Bullet-Time", in der wir verschiedene Fertigkeiten - hier Funktionen() genannt - gezielt planen und anschließend in einem Rutsch abspulen können. Im Anschluss läuft alles erstmal in Echtzeit weiter, während sich unser "Bullet-Time-Balken" wieder erneuert und wir mit gesperrten Funktionen versuchen, dem Feind aus dem Weg zu gehen - bis der nächste Turn() beginnt. Die Kämpfe finden dabei in einem abgesperrten Gebiet statt, so dass wir also nicht einfach abhauen oder Konfrontationen auslassen bzw. umgehen können; das ergibt natürlich auch einen sehr linearen Spielverlauf. Man kann sich jedoch frei entscheiden, wann und ob man den Planungs-Modus aktiviert oder ob man lieber komplett in Echtzeit spielt. Sollte einer der Prozesse unsere Lebensenergie unter Null bringen, verlieren wir eine unserer maximal vier ausgerüsteten Aktiv-Funktionen durch Überladung. Wir sind nicht tot, sondern durch den Wegfall einer Fertigkeit in unserem Handeln eingeschränkt - dafür aber mit erneuertem Lebensbalken. Ist man dem Feind dann wirklich absolut nicht gewachsen, kann man beim letzten Speicherpunkt neu beginnen. Das sind gut verteilte Zugangsstationen an denen man gleichzeitig auch seine Skillung neu justieren kann.
Ihr merkt schon, hier erwartet euch kein Hack'n'Slay, sondern vielmehr ein eher taktisches System, das ein wenig Einarbeitung benötigt. Insgesamt stehen euch nämlich 16 Funktionen zur Verfügung, die ihr im Laufe des Spiels durch den Stufenaufstieg erlangt. Es sind die Seelen von Bürgern aus Cloudbank, die sich nun in Transistor entfalten. Außerdem lassen sich alle Funktionen in drei verschiedenen Slots platzieren: Aktiv, Passiv und als Upgrade für eine aktive Funktion. Damit nicht genug, jede Kombination der Funktionen hat andere Auswirkungen und Effekte. Klingt komplex? Ist es auch. Kostprobe gefällig? So schaut das Ganze zum Beispiel für die Funktion Crash() aus:



Access denied?
Dieses gewisse Maß an Komplexität, das man auch als Freiheiten im Kampfsystem ansehen kann, gepaart mit der doch recht langsam in Fahrt kommenden und eher undurchsichtigen Story, könnte für manchen ein Manko darstellen. Zumindest bin ich recht schwer in das Spiel gekommen und habe zunächst nicht wirklich verstanden um was es eigentlich geht und welche Möglichkeiten mir die Funktionen bieten. Das liegt wohl auch daran, dass einen Supergiant Games in dem Bereich ziemlich alleine lässt und nur wenige bis kaum Erklärungen übrig hat. Hat man erstmal den Bogen raus, läuft alles wie geschmiert - sollte es zumindest. Dank bekannter Elemente aus Bastion ist man zudem nicht ganz verloren. Wundert man sich zu Beginn noch, warum man keinen Schwierigkeitsgrad auswählen konnte, wird nach ein, zwei Stufenaufstiegen klar: Achja, die hatten ja das Ding mit diesen Handicaps. Dies ist auch bei Transistor so. Hier schaltet ihr nach und nach sogenannte Prozess-Begrenzer frei, die durch unterschiedliche Effekte das Spiel erschweren. Auch unsere Zuflucht ist wieder da, diesmal in Form einer Insel auf der wir verschiedene Challenges absolvieren können um mehr Erfahrung zu erhalten oder Musikstücke und Achievements freizuschalten.
Die Herausforderung besteht also im Wesentlichen darin, die perfekte Kombination aus Funktionen herauszufinden um in den immer härter werdenden Kämpfen zu bestehen. Wie ein gutes Deck bei Hearthstone oder ein Build bei Diablo III eben, auch wenn hier die Balance leider ab einem gewissen Punkt nicht mehr gegeben ist. Die Gegnervielfalt gestaltet sich dabei recht akzeptabel und auch Bosskämpfe sind vertreten, wenn auch leider mit nur drei "echten" viel zu wenige. Die Spielzeit wird stark durch eure Spielweise und den Schwierigkeitsgrad beeinflusst, dürfte aber im Schnitt bei ca. 5-8 Stunden liegen. Habt ihr die Geschichte einmal durchgespielt, wartet ein New Game Plus Modus auf euch, bei dem das Spiel neugestartet wird, euer Level und die freigeschalteten Funktionen aber beibehalten werden. Dafür sind jetzt die Prozesse deutlich knackiger, das System denkt mit. Wodurch sich nicht nur für Achievement-Jäger ein gewisser Wiederspielwert ergibt.
Fazit von Darius:
Transistor lässt mich etwas zwiegespalten zurück, auch wenn es schlussendlich Spaß gemacht hat. Zum einen schafft es das Artdesign und der Soundtrack erneut, mich in den Bann zu ziehen, wie seinerzeit bei Bastion. Zum anderen ist allerdings die Story undurchsichtiger und der Sprecher aus dem Off wirkt nicht mehr so erfrischend. Das Kampfsystem ist eine tolle Idee, geht nach einer unumgänglichen Einarbeitungszeit recht gut von der Hand und macht mit der richtigen Funktions-Kombination die Begegnungen gegen Prozesse effektiver. Dennoch verschenkt Supergiant Games ein gewisses Maß an Potential, nicht zuletzt durch die relativ kurze Spieldauer und gewisse "Über-Funktionen" - die man natürlich erstmal freischalten und richtig zusammenstellen muss. Dem steht jedoch wieder die Wahlmöglichkeit der Spielweise im Kampf und das offene Schwierigkeits-System als Ausgleich dagegen. Wer Bastion mochte, sollte auch bei Transistor wieder zuschlagen, auch wenn es sich anders spielt. Spätestens bei einem guten Angebot, eine Demo gibt es aktuell nämlich leider nicht.
- Artdesign & liebevolle Präsentation
- Kampfsystem und Fertigkeiten-Vielfalt
- Stimmiger Soundtrack
- Freies Schwierigkeits-Management
- New Game Plus
- Schwergängige Story
- Relativ kurze Spielzeit (5-8h)
Darius hat Transistor auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Supergiant Games zur Verfügung gestellt.


#1 | 26. Mai 2014 um 18:36 Uhr
#2 | 26. Mai 2014 um 20:56 Uhr
Tim: 5-8 Stunden gehen für mich auch in Ordnung, oft dauern ja 60€-Spiele nicht allzu viel länger.
Bastion solltest wirklich mal nachholen. Das Problem an den 5-8 Stunden ist nicht die Zeit als solches, sondern dass man eher eine gewisse Zeit benötigt, um erstmal in das Spiel zu kommen, um Dinge zu verstehen - und dann ist das Ende eben verhältnismäßig schnell erreicht, wo es doch gerade erst loszugehen schien.