Hohokum - Review
Wie als Kind den Spielplatz entdecken: Ein wunderschönes Abenteuer!
Einmal wieder träumen. Einmal wieder entdecken. Einmal wieder reisen. Einmal wieder rätseln. Einmal wieder alles mit großen Augen anschauen. Einmal wieder Kind sein. Diese Gefühle sind für jeden Erwachsenen wohl eine gefühlte Ewigkeit her. Hohokum macht es sich zur Aufgabe, diese so nah wie nie wieder an die Spielergemeinde heranzuführen. Warum das klappt und wieso ich dennoch keine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben darf, das erfahrt ihr jetzt.

Freies Entdecken und Erleben, ganz ohne Stress
Das Tutorial dient nicht nur als Einstiegshilfe und Ausgangspunkt des kleinen Abenteuers, in dem wir versuchen, unsere Schlangenfreunde wieder zu finden - es fungiert auch als Sinnbild für das gesamte Spielprinzip hinter Hohokum. Denn schon hier bemerkt man die verspielte Brillanz, die den Entwicklern beim Gestalten der Umgebung innewohnte, wie auch eine ebenso verspielte Neugier, die diese Umgebung im Spieler weckt. Es gibt bereits im Tutorial unzählige Dinge zu entdecken.
Darauf liegt auch der Hauptfokus des Spiels. Dem Entdecken. Es gibt keinen Druck, keine direkten Ziele. Man lässt sich einfach treiben. Auch eine richtige Story ist nicht vorhanden. Stattdessen sind überall in der sehr variantenreichen Vielzahl an Levels, die allesamt schon zu Beginn des Spiels erreichbar sind, Überraschungen und kleine Rätsel versteckt. Beispielsweise schwebt man durch eine Landschaft voller kleiner, fliegender Inseln, auf welchen ein Drachenfestival veranstaltet wird. Die Inseln sind übersät mit einer ebenso skurrilen wie süßen Schar an Bewohnern. Sie lassen sich wie kleine Anhalter aufsammeln und an ihren Wunschstationen absetzen. Dabei sammeln sie auch gerne mal spontan Dinge wie Maiskolben auf, welche sie nach dem Absetzen zu kleinen Drachen formen, die sie daraufhin steigen lassen. Ich kann aber auch die kleinen Figuren dazu bringen, sich an riesigen Pusteblumen-Samen festzuhalten und sie durch die Welt fliegen zu lassen, indem ich um sie schwebe und Wind erzeuge. Der Spaß daran ist das Herausfinden, was sich alles mit ihnen anstellen lässt, und womit man in den unterschiedlichen Gebieten überhaupt interagieren kann.
So geschieht es schnell, dass man mit einer kindlichen Spielfreude einfach durch die zahlreichen, sehr unterschiedlichen Welten fliegt und dabei immer die Frage im Kopf hat: "Was wird mich als nächstes erwarten?"

Eine malerische Reise zwischen Spiel und audiovisuellem Kunstwerk
Dass es keine große Ziele oder eine richtige Story gibt, fällt dabei kaum auf. Das Ziel wird vergessen, denn viel zu schön ist die Welt, durch die man sorglos gleitet. Das ganz klare Highlight in den fünf Stunden, die man durch das Spiel fliegt, sind nämlich die zahlreichen Welten, welche nur darauf warten, vom Spieler erkundet zu werden. Immer anders und immer fantasievoll gestaltet, sorgen sie nicht nur mit ihrer farbenfrohen und einzigartigen 2D-Optik - die dank der klaren Formen, kombiniert mit den intensiven Farben, an eine Mischung aus Adventure Time und Sound Shapes erinnert - sondern auch mit ihrem kreativen Inhalt für eine Vielzahl an Emotionen. Wenn man über einen ebenso bunten wie dicht besiedelten Freizeitpark fliegt, dann hat man selbst genau so viel Freude wie die kleinen Kerle an ihren Aktivitäten. In einer anderen Welt, in der kleine Bienenwesen Honig für eine riesige Fabrik sammeln, ist man wirklich ein wenig betroffen, wenn man sieht, wie die ausgebeuteten Arbeiter erschöpft zum weit abgelegenen Grund der Welt fliegen, um dort ihr Ende zu finden. Den tollen, wenn nicht sogar teilweise atemberaubenden Animationen ist es zu verdanken, dass man als Spieler gerne teilnehmen möchte an der Umwelt, die man durchfliegt.
Vergessen darf man hier aber auch auf keinen Fall den grandiosen Soundtrack, der dazu beiträgt, den Spieler komplett in dieses einmalige Abenteuer eintauchen zu lassen. Die musikalische Untermalung stimmt zu jeder Zeit. Darüber hinaus nimmt sie viele meiner Aktionen in der Spielwelt aktiv wahr und bindet sie klanglich in das Geschehen ein, wie anfangs bereits geschildert. Nicht selten hat man das Gefühl, Hohokum wäre zu weiten Teilen auch ein Musikspiel im Stile von Sound Shapes, da Klang und Spielerverhalten so fantastisch aufeinander abgestimmt sind.

Ein wahrer Paradiesvogel und deshalb nicht für jeden geeignet
So schön meine Lobeshymne über dieses magische Kleinod nun klingen mag: Es ist kein Spiel für jedermann. Dafür bewegt es sich zu sehr abseits vom aktuellen Status Quo der Triple-A-Spielebranche. Hohokum ist dafür zu eigen. Man wird nicht strikt einem Handlungspfad entlang geschleift. Man bekommt nie gesagt, was man tun soll oder überhaupt tun kann. Man wird hier keine schweren Rätsel oder tiefen Spielmechaniken finden. Und anspruchsvoll ist Hohokum auch nicht gerade. Ganz im Gegenteil: Es passiert spielerisch so gesehen nicht viel, denn Entspannung liegt hier im Vordergrund. Das mag vielen Spielern einfach nicht reichen. Nicht jeder wird den Reiz an Hohokum verstehen können.
Denn um mit Hohokum den größtmöglichen Spaß haben zu können, sollte man aufgeschlossen sein. Man muss sich entspannen wollen. Ruhe genießen können. Man muss entdecken und rätseln wollen. Hohokum kann mehr sein als ein einfaches Spiel. Durch die unglaubliche Optik zusammen mit den flüssigen Animationen verschwimmen bei Hohokum, ähnlich wie bei Flower oder einem Loco Roco, die Linien zwischen Spiel und visuell beeindruckender Kunst. Wer mit genannten Spielen schon Spaß hatte, der wird sich mit Sicherheit auch hierauf einlassen können. Und wer sich unsicher ist, der sollte es einfach wagen, denn zu seinen besten Zeiten ist Hohokum wahre Poesie.
Fazit von Phaz:
Selten hat sich Ruhe so gut angefühlt wie in diesem Spiel. Ohne Druck, ohne den Zwang irgendwelche Aufgaben erfüllen zu müssen, erkunde ich eine sagenhaft schöne Spielwelt in meinem persönlichen Tempo. Die Spiel- und Erkundungsfreude in mir selbst steht im Vordergrund. Ich darf mich nochmal ganz wie ein Kind fühlen, das zum ersten Mal alle tollen Unterhaltungsmöglichkeiten auf einem Spielplatz austesten darf. Und von diesen gibt es in Hohokum eine ganze Menge. Dunkle Höhlen, wunderschöne Gewässer oder quirlige Partys – überall darf ich mich austoben und entdecken, was Honeyslug für mich bereithält. Dass es wenig gibt, was ich als Herausforderung betrachten kann, stört mich wenig. Viel zu schön ist die wundervolle Welt von Hohokum und viel zu sehr verschmilzt sie mit dem überwältigenden Sound. Ich bin froh, dass ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe und kann mit Fug und Recht behaupten, dass Hohokum eine der besten Erfahrungen ist, die ich dieses Jahr bisher machen durfte.
Mit Hohokum habe ich wohl eine der größten Überraschungen dieses Jahr erlebt. Wer nicht weiß, womit er aktuell seine Sony-Konsole füttern soll, oder genug hat vom drögen Gaming-Alltag und etwas spielerischen Urlaub vertragen kann, der sollte es sich nicht zweimal überlegen. Hohokum ist ein einzigartiges Spiel. Träumen, staunen und entdecken, wie damals, als man noch in Kindesschuhen steckte!
- einmalige Optik
- viele, sehr unterschiedliche Welten
- etliche motivierende Überraschungen
- wunderschöner Soundtrack
- rätselhafte und zum Erkunden einladende Spielwelt
- eine Reise voller Entspannung
- keine richtige Geschichte
- wenig Anspruch
- Spielzeit ggf. etwas knapp (fünf Stunden)
Phaz hat Hohokum auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Sony CEE zur Verfügung gestellt.


#1 | 25. August 2014 um 20:10 Uhr
P.S. GZ zum Revieweinstand auf pressakey.com!
#2 | 25. August 2014 um 20:13 Uhr
Und vielen Dank!
#3 | 25. August 2014 um 22:18 Uhr
Glückwunsch zum Einstand natürlich auch von mir!