Hyrule Warriors - Review 2

Das Königreich von Hyrule schwebt in allerhöchster Gefahr. Finstere Kreaturen aus einer dunklen Dimension sind überall aufgetaucht, im Feld vor dem Schloss, im Wald von Pherone, ja selbst in den glühend heißen Höhlen des Eldin-Vulkans. Und eine alte Legende besagt: Ein junger Knabe in grünem Gewand wird dazu auserkoren werden, die Welt zu retten. So weit, so klassisch. Doch als sich Link in Hyrule Warriors Seite an Seite mit Impa, Shiek, Zelda, Ganondorf & Co. endlosen Massen an Klongegnern entgegenstellt, wird schnell klar, warum das Spiel kein "Zelda" und stattdessen ein "Warriors" im Namen trägt. Aber reicht die berühmte Zelda-Lizenz alleine aus, damit auch wir westlichen Spieler der stumpfen Japano-Klopperei mehr abgewinnen können?

Nennt mich "Nerd" oder "Fanboy", aber wäre Hyrule Warriors nicht Hyrule Warriors, sondern ein x-beliebiges anderes, dann wäre es mir herzlich am Hintern vorbeigegangen. Samurai, Dynasty, Gundam, One Piece - Es gibt so viele Warriors-Teile da draußen, und kein einziger hatte mich bisher auch nur im Geringsten tangiert. Stumpfe Japano-Slasher sind das, dachte ich mir seit je her, und damit war das Thema für mich abgehakt. Und dann kam Hyrule Warriors. Im Kern zwar das gleiche Spiel wie alle anderen, aber eben mit Zelda-Lizenz - und siehe da, mein Interesse ward geweckt! Damit stehe ich bestimmt beispielhaft für tausende andere Hobby-Links: Nie ein Warriors gezockt, nie Interesse dran gehabt, aber plötzlich richtig heiß darauf, mit Link, Zelda & Co. massenhaft dämliche Klongegner abzuschlachten. So gesehen ist Hyrule Warriors das vielleicht erste Warriors-Spiel, das im Westen festen Fuß fassen und die Serie etablieren wird. Denn es ist vermutlich das erste Mal überhaupt, dass nicht nur die Serien-Fans, sondern auch unzählige andere ihren Blick auf das Spiel richten und gewillt sind, ihm eine Chance zu geben. Eben so einer bin ich. Ich gab Hyrule Warriors eine Chance. Und ich kann euch sagen: Bereut habe ich die vergangenen knapp 20 Stunden nicht.


Hyrule Warriors
Dieses Bild sagt eigentlich alles, was man über Hyrule Warriors wissen muss: Es wird gekämpft!


Fast-Food-Action für Jedermann: Schnetzeln, bis der Bosskampf kommt



Wer immer nur im Edel-Restaurant essen geht, der weiß die teuren, leckeren, fein zubereiteten und hübsch dekorierten Speisen irgendwann nicht mehr zu schätzen. Zwischendurch darf es auch mal Fast-Food sein - fettiges, ungesundes, billiges, hässliches Reste-Essen. Und bei allem, was man McDonalds, Burger King & Co. vorwerfen kann: Irgendwie schmeckt der hingeklatschte Big Mac ja doch verdammt gut. Hyrule Warriors ist ein solcher Big Mac, und The Legend of Zelda: XYZ ist das 5-Gänge-Menü im Edel-Restaurant. Denn wo jedes große Zelda mit spielerischer Raffinesse und kreativer Vielfalt protzt, ist Hyrule Warriors einfach nur doof. Das hier ist ein verdammt primitives Spiel, in dem es im Wesentlichen nur darum geht, seine Feinde niederzumetzeln, und das mit einem Kampfsystem, über das Bayonetta nur lachen kann - es gibt nur eine Handvoll Angriffe und die lassen sich nicht mal zu Combos aneinanderreihen. Hat man einen Echsalfos besiegt, steht der nächste bereits dahinter, umringt von unzähligen kleinen unfähigen Goblins, die aus einer unerschöpflichen Klongegner-Quelle entsprungen sein müssen. Man kloppt und metzelt und sticht und schnetzelt und pflügt wie ein Mähdrescher durch die feindlichen Horden, während der K.O.-Counter im unteren rechten Eck steigt und steigt. Wie lange dauert es, bis man die 1000er-Marke knackt? Zwei Minuten? Fünf Minuten? Meine Güte! Erst beim Schreiben merke ich, wie stumpf das Gameplay wirklich ist.

Bin ich jetzt völlig verblödet, wenn ich an dieser Stelle sage, dass mir das tatsächlich Spaß gemacht hat? Ja, wirklich: Es war toll! Vielleicht nicht so toll wie ein richtiges The Legend of Zelda, aber irgendwie doch amüsant, vor allem natürlich, weil ich nicht alleine war - mein Bruder ist im lokalen Coop-Modus eingestiegen, und gemeinsam haben wir die dunkle Armee dem Erdboden gleichgemacht - er mit dem Pro Controller am Fernseher, ich mit dem GamePad. Er spielt wahrlich nicht viele Videospiele, aber mit Hyrule Warriors wurde er sofort warm, und es bedurfte nicht einmal einer ausführlichen Erklärung: Mit diesen beiden Tasten schlägst du, der Rest ergibt sich von selbst, Ausweichen und Blocken kannst du hier, brauchst du aber eh nicht. Und siehe da: Keine fünf Minuten später riss er die Gegner am Fernseher in Stücke, als hätte er jahrelang nichts anderes getan. Auch das strategische Element war sofort begriffen: Die großen Punkte auf der Karte sind Festungen, die müssen wir einnehmen. Der Schlachtplan: Hineinstürmen, alle Gegner ausschalten, den Festungskommandanten niederstrecken und zack, die Festung gehört uns und der hylianischen Armee. Damit das Ganze nicht zu eintönig wird (haha, der war gut), streut das Spiel hier und da ein paar Bossgegner ein, deren Schwachpunkte man erst mit Pfeil & Bogen, Bumerang oder Greifhaken offenlegen muss, bevor man sie endlich per Buttonmashing nach Strich und Faden vermöbeln darf - das verhindert, dass das Gehirn für die Dauer der Schlacht automatisch in den Standby-Modus herunterfährt.

Zugegeben: In den letzten paar Absätzen war der Sarkasmus-Faktor vielleicht etwas höher, als er in einer seriösen Review sein sollte, aber streng genommen funktioniert Hyrule Warriors exakt auf diese Art und Weise. Auf höheren Schwierigkeitsgraden sind die Kämpfe dann auch fordernder und Gegner richten mehr Schaden an, aber die reine Spielmechanik bleibt stumpf, repetitiv und oberflächlich. Man muss dem Spiel zugute halten, dass es trotzdem Spaß macht, und das nicht zu knapp. Vielleicht ja gerade deshalb, weil man nicht groß nachdenken braucht, sondern einfach und schnell loslegen kann - das tut manchmal einfach gut.


Hyrule Warriors
Darf ich vorstellen? Lana, Neuzugang im Zelda-Universum und eine der spannenderen Figuren.


Der Rekrut, der Hyrule vor den Klongegner-Wellen bewahrte



Den Rahmen um den "Abenteuermodus" spannt eine Geschichte, die selbst für Zelda-Verhältnisse selten doof und hanebüchen ist - aber zumindest schafft sie es, Figuren unterschiedlichster Zeitlinien und Welten, darunter Ocarina of Time und Skyward Sword, halbwegs glaubhaft zusammenzubringen und zu vereinen. Dazu zählen selbstverständlich nicht nur Link, Zelda und Armee-Führerin Impa, sondern auch exotischere Charaktere wie die Zora-Prinzessin Ruto, der Goronen-König Darunia und Twilight-Princess-Fanliebling Midna. Alle davon sind spielbar (und noch viele mehr, die ich natürlich nicht spoilern werde) und sie alle besitzen ein grundverschiedenes Waffen-Arsenal, das wiederum gänzlich andere Attacken erlaubt. Genau hier liegt auch die größte Stärke des ganzen Spiels begraben: Man schaltet im Spielverlauf immer mehr Kämpfer, Waffen und Angriffe frei, und jede Variation fühlt sich auf dem Schlachtfeld anders an. Auch in der Kampagne selbst muss man nicht immer als Link spielen, sondern kann auf Wunsch auch zu einem anderen Kämpfer aus dem Roster greifen. Allerdings nagt das ein wenig an der Glaubwürdigkeit der Story, denn wenn Zelda und Ganondorf gemeinsam gegen einen zweiten Ganondorf antreten, dann ist das schon fragwürdig - dem Spieler die Wahl zu lassen, ist ja schön und gut, aber Doppelgänger auf dem Schlachtfeld, am besten noch auf unterschiedlichen Seiten? Das sollte einfach nicht sein und wirkt schlampig konzipiert.

Außerhalb der eigentlichen Schlachten kann man Kämpfer und Waffen auf dem Basar aufleveln und verbessern, zusätzliche Angriffe und praktische Tränke kaufen - bezahlt wird mit den Rubinen, die in den Kriegszonen aus Vasen und besiegten Feinden heraussprudeln. Abgesehen davon wirkt das Menü inhaltlich erstaunlich mager: In der Galerie kann man sich Porträts der Figuren anschauen und Musik hören, aber neben der Kampagne gibt es lediglich drei andere Spielmodi, von denen einer auch noch ein "Freier Modus" ist, in dem man Schlachten aus der Kampagne nochmals mit anderen Charakteren nachspielen kann - das ist für meinen Geschmack einfach zu wenig Content, zumal die Kampagne nach ca. acht Stunden schon vorbei ist. Auch Karten hätte es einige mehr geben dürfen bzw. geben müssen: Zwar sind mit dem Eldin-Vulkan, der Gerudo-Wüste und dem Hylia-See viele traditionelle Zelda-Schauplätze dabei, aber die Anzahl ist dennoch zu gering und die Unterschiede sind marginal; abseits von einer anderen Form gibt es kaum Alleinstellungsmerkmale, und schön sind die Umgebungen sowieso nicht. Generell ist Hyrule Warriors ein vergleichsweise hässliches Spiel, wenn man mal von den Charaktermodellen und Effekten im Kampf absieht. Die Kulissen selbst sind trostlos und die Texturen stellenweise wahrlich beschämend. Hier war mehr drin.

Da kommt es auch nicht unbedingt gelegen, dass die Kamera gerne mal auf Wände und Böden zoomt oder sich komplett hinter Hindernissen versteckt - so fallen die grafischen Schwächen nur noch mehr auf. Andererseits: Wer sich für Hyrule Warriors mit all seinen Klongegnern interessiert, für den dürfte die Grafik ohnehin von geringerem Interesse sein. Und wie gesagt: Die Charaktermodelle sind ja ganz gut.


Hyrule Warriors
Story? Kommt schon, erwartet ihr von diesem Massengekloppe ernsthaft eine gute Story?


Große Feen und Truhen-Jingles - der Fanservice macht den Unterschied



Interessanter als der Freie Modus und für meinen Geschmack sogar ansprechender als die klassische Kampagne ist der Abenteuermodus. Hier kämpft man sich Stück für Stück bzw. Schlacht für Schlacht durch eine traditionelle Zelda-Pixel-Oberwelt, wobei sich die Schlachten selbst durch spezielle Herausforderungen auszeichnen. Mal muss man 700 Feinde in 10 Minuten ausschalten, während große Bossgegner Jagd auf den Spieler machen, ein anderes Mal muss man die feindlichen Kommandeure herauslocken und bezwingen und wiederum in einer anderen Partie muss man mehrere Bossgegner innerhalb eines engen Zeitrahmens erledigen - teilweise wird auch euer Kämpfer schon im voraus festgelegt. Hier zieht das Spiel Anspruch und Herausforderung enorm an und hier sind Blocken und Ausweichen zwingend erforderlich, um nicht den Bildschirmtod zu sterben. Das Coolste am Abenteuermodus sind allerdings die unzähligen Inhalte, die man durch die gewonnenen Schlachten freischalten kann: neue Kämpfer, neue Waffen, Herzteile und -container und und und, quasi jeder Sieg bringt eine schöne Belohnung ein. Bis man die gesamte Oberwelt erkundet hat, vergeht Stunde um Stunde, unter 30 Stunden dürfte man das komplette Spiel kaum abschließen können. Mit dem Day-One-Patch kommt zudem noch der vierte Spielmodus "Herausforderung" hinzu.

Dennoch sind es am Ende nicht die Modi, sondern der Fanservice, der den Unterschied macht zwischen Hyrule Warriors und jedem anderen Serienableger. Von den Kämpfern über die Szenarien, kleinere Anspielungen wie die Große Fee, die traditionellen Schatztruhen samt Jingle und den fetzigen Soundtrack, der klassische Zelda-Melodien neu zusammenmischt - es ist das Drumherum, das aus Hyrule Warriors ein letztendlich doch spielenswertes Erlebnis macht für alle Zelda-Fans, die Lust haben auf unkomplizierte, schnelle, im Optimalfall auch kooperative Hack'n'Slay-Action - vorausgesetzt, ihr habt einen Mitspieler im gleichen Raum, denn ein Online-Coop ist leider nicht mit an Bord. Man weiß ja, wie das bei Nintendo so ist.

Was mir persönlich übrigens sehr negativ aufstößt, ist die Pre-Order-Prozedur, die Nintendo mit Hyrule Warriors betreibt. Je nachdem, bei welchem Händler man das Spiel vorbestellt (hat), gibt es ein anderes Kostümset für Link und Zelda dazu; entweder eines von Ocarina of Time, eines von Twilight Princess oder eines von Skyward Sword. Die Skins werden zwar irgendwann auch im eShop landen, allerdings wohl kaum kostenlos und damit schlägt Nintendo einen Pfad ein, der mich an der Branche schon lange stört. Schade, dass sich Nintendo dem wohl nicht länger verwehren kann oder will. Immerhin: Auch nach dem Launch soll es regelmäßig kostenlose DLC-Pakete mit neuen Modi etc. geben. Schauen wir mal, was da noch kommt.



Tim

Fazit von Tim:

Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Hyrule Warriors ist stumpf, primitiv und doof. Sich ohne ein nennenswertes Kampfsystem durch Massen an Klongegnern zu pflügen, das ist alles andere als der heilige Gral des Gamings - wieso also fahren die Japaner so auf die Warriors-Serie ab? Ganz kann ich den fernöstlichen Hype um dieses stupide Gemetzel zwar nicht nachvollziehen. Aber ich muss zugeben, dass auch ich mich einer gewissen Faszination dieser Massenschlachten nicht entziehen kann. Vielleicht liegt es am unkomplizierten, leicht zugänglichen Gameplay, das eine willkommene Abwechslung zum Rest der Videospiel-Welt darstellt - vielleicht liegt es auch einfach an der gesamten Inszenierung des Spiels, die die Augen von Zelda-Fans wie mir immer wieder zum Leuchten bringt. Um den Fast-Food-Vergleich aus dem Hauptteil noch einmal zu rezitieren: Hyrule Warriors ist der Big Mac des Gamings. Man könnte so vieles an ihm kritisieren und sich ihm aus zig guten Gründen verwehren. Aber sobald man den ersten Bissen wagt, schmeckt er plötzlich doch überraschend gut - und trotzdem würde man ihn weder auf eine Stufe mit einem guten argentinischen Rindersteak heben noch den Koch für seine ausgezeichnete Arbeit loben. Hyrule Warriors hat mir geschmeckt und meinen Appetit vorerst gestillt, doch für die Zukunft verlangt es meinem Spielermagen nach einem leckeren 5-Sterne-Zelda aus dem Nintendo-Edel-Restaurant ...

Das interessanteste Warriors aller Zeiten, aber immer noch weit von einem guten Spiel entfernt. Und ein typischer Fall von "guilty pleasure". Man weiß, dass es doof ist, aber hey: Was ist verkehrt daran, Spaß zu haben? In diesem Sinne: Fröhliche Schnetzelei!

Besonders gut finde ich ...
  • zugängliches und schnell verinnerlichtes Gameplay
  • große Anzahl an Kämpfern, Karten & Waffentypen
  • cooler Abenteuermodus mit Pixel-Oberweltkarte
  • fetzige Remixes von klassischen Zelda-Melodien
  • Offline-Coop mit GamePad als separatem Screen
  • Unmengen an Content & Erfolgen freischaltbar
  • Zelda-Fanservice an allen Ecken und Enden
Nicht so optimal ...
  • auf Dauer stumpfes und repetitives Gekloppe
  • lieblose Karten ohne Alleinstellungsmerkmale
  • Bildrate geht im Coop-Modus oft in die Knie
  • nur vier Spielmodi und keinerlei Online-Coop
  • unnötig: Doppelgänger auf dem Schlachtfeld
  • fehlende Sprachausgabe stört bei Cutscenes

Tim hat Hyrule Warriors auf der Nintendo Wii U gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Omega Force
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Action
  • Plattform:WiiU
  • Release:19.09.2014
    (Japan) 14.08.2014

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Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Atze, ... und einem Gast.
  • DarkRaziel
    #1 | 24. September 2014 um 18:00 Uhr
    Habe mir bei Twitch mal einige Streams angeschaut und mir sagt das Game überhaupt nicht zu auch wenn ich Zelda Games mag. Wie die ganzen Warriors Teile ansich habe ich noch nie gemocht und da wird auch eins im Zelda Stil nicht darüber hinweg täuschen und so warte ich liebe auf ein richtiges Zelda Game auf der WiiU.

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