Murasaki Baby - Review
Da gibt man den kleinen Finger und schon ist die Hand weg
Wahnsinn, 2014 ist schon wieder fast vorbei - der gigantische Haufen Lebkuchen neben mir ist der Beweis - und das bedeutet natürlich eines: Ab sofort wird es draußen dunkel, ungemütlich und vor allem unheimlich. Unheimlich ist auch, dass seit der Ankündigung von Murasaki Baby auf der gamescom 2013 schon wieder ein Jahr rum ist und das, obwohl ich mich persönlich sehr auf den eigenwilligen Handheld-Titel gefreut hatte. Endlich wurde mal wieder ein neuer, innovativer Spielansatz versprochen, welcher natürlich all die tollen Features der PS Vita verwenden sollte. Was sich auf dem Papier beziehungsweise auf der kölnischen Bühne gut anhörte, macht im wirklichen Leben aber eher eine gruslige Figur.

Komm, führe mich durch den Wald
Spannend ist die Rahmenhandlung von Murasaki Baby, welche sich vor allem darum dreht, ein kleines Mädchen in einer albtraumhaften Welt vor unzähligen Gefahren zu schützen. Wieso? Nun, als euer Kleines aus einem Schlaf erwacht, zeigt es sich natürlich sehr verängstigt sowie einsam, da seine Mutter nicht da ist und auch nicht auf das Rufen reagiert. So geht das natürlich nicht und mit einem Herzen voller Liebe gilt es den Spross nach Hause zu bringen. Kleine Kinder werden gern an der Hand genommen und genau das ist eure Aufgabe: Festgekrallt an einen herzförmigen Luftballon bewegt sich das Baby nur fort, wenn ihr es dank Touchscreen an die Hand nehmt und führt. Ganz so einfach ist das Ganze aber nicht, denn abgesehen vom allgemeinen Angst-Level fürchtet sich das Baby zusätzlich vor allerlei Dingen und es gilt, die kleine Reisebegleitung mit sanftem An-der-Hand-Ziehen zum Laufen zu überreden. Gerade Eltern dürften so manche Situation vielleicht aus dem wirklichen Leben nachempfinden können. Und vielleicht war Game Director Massimo Guarini, welcher zuvor bei Grasshopper Manufacture an Projekten wie Killer 7 und Shadows of the Damned arbeitete, selbst oftmals in einer ähnlichen Situation.
Während des Abenteuers von Murasaki Baby ist man nicht allein beziehungsweise zu zweit unterwegs. Bereits nach kurzer Zeit stößt man zum Beispiel auf einen Jungen mit einer Art ... mhm ... sagen wir "Elefantenmaske", der einen trotz seinem Charme immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Alle Charaktere führen unterschiedlich farbige Luftballons in der Hand, die einem farblich stimmige Fähigkeiten (oftmals symbolisiert durch Stimmungen) verleihen - vorausgesetzt, man ist so herzlos und zerstört das liebste Spielzeug der armen, kleinen Kinder. Übrigens sollte der lilafarbene Ballon von unserem Baby nicht zerstört werden, sonst ist das Spiel vorbei. Und da sind wir schon mitten in den Spielmechaniken des von Studio -Ovosonico- entwickelten Games, denn Story, Empfindungen, Stimmungen und Gameplay gehen hier Hand in Hand (Wortwitz ahoi).

Links, Rechts, Oben, Unten - Ja, wie denn nun?
Während es also gilt, das unschuldige Mädchen durch die Levels zu führen, muss mehr oder weniger permanent ein Finger an ihrer Hand (sprich auf dem Touchscreen) bleiben. Damit aber noch nicht genug: Mittels Rearpad werden der Hintergrund und damit verbunden die eigenen Fähigkeiten sowie die Stimmung des Babys geändert, die unter anderem seine Laufgeschwindigkeit beeinflusst. Anschließend muss nur auf das hintere Touchpad geklopft werden und schon kann zum Beispiel Regen einen See entstehen lassen oder Frost macht die Gegend unsicher. Für manche Rätsel muss sogar die PS Vita gedreht werden, um Knobelaufgaben mit Schwerkraft zu lösen. Hier liegt wirklich die Stärke von Murasaki Baby, denn während der gesamten Spielzeit doppelt sich keine Aufgabe und stetig gibt es durch neue Fähigkeiten andere Dinge zu entdecken. Langeweile sollte so schnell nicht aufkommen, auch wenn die verschiedenen Rätsel nicht gerade durch einen herben Schwierigkeitsgrad beeindrucken.
Und auch wenn man das Baby mal für wenige Minuten mit seinem Luftballon stehen lässt, um Gegner oder Hindernisse aus dem Weg zu schaffen, spürt man die stetige Verbundenheit und Verantwortung gegenüber dem Lebewesen. So machte es mich schnell betroffen, als der herzige Luftballon zerplatzte, weil ich nicht davor gesorgt hatte, dass sich meine Begleitung duckt - und so eckte sie gegen spitze Stacheln. Auch als ich es zu eilig hatte, doller am Ärmchen gezogen habe und es letztendlich zu einem Stolperer kam, verfluchte ich mich innerlich. Umso fröhlicher stimmt es aber, wenn das Baby sich freut und man die Dankbarkeit direkt spürt. Schade nur, dass die Steuerung stellenweise mehr als fummelig sein kann: Während die Hand gehalten wird, müssen gleichzeitig der Hintergrund gewechselt und Hindernisse umgangen werden - knifflig, wenn man Koordinierungsschwierigkeiten hat. Dazu kommt, dass die ganze Touch-Steuerung nicht optimal funktioniert. Gerade Richtungswechsel und die damit verbundenen Kameraverschiebungen sind sehr lästig und zerstören die ansonsten dichte Atmosphäre.
Error - bitte Hand nicht loslassen
Auch wenn sich das Grundkonzept von Murasaki Baby positiv anhört, fehlt einfach was. Und das war an diesem Punkt anscheinend Entwicklungszeit: Bei mehreren Spieldurchläufen kam es zu technischen Aussetzern, die ich mir aufgrund der (nicht negativ gemeinten) Einfachheit des Spiels nicht erklären kann. Das automatische Speichern funktionierte zu Beginn nur mit einer Error-Meldung, die behauptet, dass die Datei nicht gespeichert werden kann. Startet man das Spiel jedoch neu, beginnt man an der gewohnten Stelle. Nervig! Zum Glück hat Sony einen Patch nachgereicht, der genau dieses Problem behebt und so kann endlich ohne Speichermacken weitergespielt werden. Und Spielabstürze? Ja, die kamen auch vor.
Fazit von Lenela:
Murasaki Baby kann sicherlich mit einem trumpfen: der Präsentation. Selten ist ein Spiel so stimmig, sowohl im Hinblick auf die kleine, aber dennoch tiefe Geschichte und auf das Artdesign samt Soundtrack. Die Idee, dass man seinen Protagonisten wortwörtlich an die Hand nimmt und ihn so durch die Levels führt, ist erfrischend, macht Spaß und kann durch das Hintergrund-Luftballon-System punkten. Doch leider ist die Spielwelt so kurz, dass man eigentlich gar nicht die Zeit findet, sich einzuleben - man braucht knapp zwei bis drei Stunden, um alles zu erleben. Drei Stunden, die ohne die technischen Fehler wirklich überzeugen würden.
Letztendlich bleibt eine gute Idee und ein spannendes Konzept, das aber leider an der Umsetzung sowie der mehr als geringen Spieldauer krankt. Manchmal fühlte ich mich so, als ob ich einen spannenden, demohaften Ausflug machte. Schnell macht mir das Ende des Spiels aber klar, dass es nicht mehr zu entdecken gibt. Bei einem Preis von knapp 10 Euro sollte man vielleicht auf eine Preisreduzierung und/oder einen Patch warten.
- Spannender, atmosphärischer und sehr gut umgesetzter Grafikstil
- Unglaublich guter Soundtrack
- Gameplay mit frischen Elementen
- Sehr, sehr kurze Spieldauer mit nur vier Welten
- Eher leichtere Rätsel
- Oftmals wird das Spielen schwierig, da das Halten und Steuern komplex ist
- Touchscreen-Umsetzung oftmals fummelig bzw. Reaktion ungenügend
- Technische Mängel (Trophäen ploppen nicht auf, Abstürze ...)
Lenela hat Murasaki Baby auf der PlayStation Vita gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Sony CEE zur Verfügung gestellt.


#1 | 26. September 2014 um 11:11 Uhr
#2 | 26. September 2014 um 19:59 Uhr
#3 | 26. September 2014 um 22:10 Uhr
Tim: Schade, aber vielleicht nehme ichs mal mit, wenn es günstig im Angebot ist.
Typischer PS+ Titel, insbesondere da es auf der PS Vita kaum Alternativen gibt.
Lenela: Für weniger Geld lohnt es sich sicherlich, weiß auch nicht, wieso man den Preis so hoch ansetzen musste.
Naja, 10 Euro (zeitlang 7,99 PS+) ist ja ein normaler Preis für Download-Titel, wenn sie auch gut funktionieren etc. Aber wie gesagt, wird wohl über kurz oder lang ein PS+ Titel.