Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution - Review

Jeder hatte sie doch, die großen Helden seiner Kindheit. Kinder der 80er und 90er wählten vermutlich die Teenage Mutant Ninja Turtles oder Ghostbusters als Ziele größter Bewunderung. Für Generationen danach traten Son Goku plus Kameradschaft oder vielleicht die One-Piece-Crew in den Vordergrund. Mein Held war jedoch immer Naruto. Grund hierfür waren nicht nur die sagenhaften Kämpfe, sondern dass in Naruto tatsächliche Charakterentwicklungen stattfanden. Ein Fest der Emotionen also. Inzwischen hat die obligatorisch dazugehörige Spielereihe ebenfalls an Qualität gewonnen. Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution muss sich nun mit den vorherigen Ninja-Spektakeln messen lassen. Es bleibt die Frage: Wird Revolution den inzwischen hohen Standards der Serie gerecht wird oder haben wir hier etwa nur eine Filler-Episode?

Naruto ist Bestandteil des wirklich dürftigen Kreises an bereits populären Marken, die mit gelungenen Lizenzspielen beschenkt werden. Dank der Storm-Abenteuer hat sich in der Tat eine Reihe an qualitativ hochwertigen Prügelspielen mit sensationeller Inszenierung angesammelt. Über kurz oder lang bekam man als Spieler mit, was für eine Güteklasse hinter CyberConnect2's Herzens-Projekt verborgen steckt.

Wie bei vielen anderen Kindheitshelden dürfte es natürlich niemanden ins Staunen versetzt haben, als publik wurde, dass auch Naruto allerhand Konsolen besuchen würde. Stets verantwortlich für jene Abstecher war besagtes Studio CyberConnect2, ein etwa 170 Mann starkes Team aus Japan. Vorerst gezeichnet von nur mäßiger Qualität, wie es eben leider für die meisten Lizenz-Versoftungen üblich war, ließ der Erfolg der Naruto-Spiele jedoch auf sich warten.

Umso erfreuter war ich, als es CyberConnect2 2008 mit der Veröffentlichung von Naruto Ultimate Ninja Storm tatsächlich gelang, einen Achtungserfolg für sich zu verbuchen und zu beweisen, was für talentierte Entwickler sie eigentlich sind. Seit diesem Punkt steht die Ultimate-Ninja-Storm-Serie für zahlreiche Tugenden: rasantes, aber leicht zu erlernendes Beat'em-Up-Gameplay, eine fulminant in Szene gesetzte Geschichte plus eine Grafik, die es Betrachtern dank hoher Authentizität sehr einfach macht, die Spiele mit dem Anime zu verwechseln. Fünf Spiele umfasst dieser Erfolg nun bereits. CyberConnect2 schaffte es, sich von Ableger zu Ableger stetig qualitativ zu steigern. Einzig und allein einen Ausrutscher haben sie sich geleistet: Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Generations. Dieser Exkurs schaffte es aufgrund seines fehlenden Story-Modus nicht, den Zauber der Vorgänger auszulösen. Man versäumte es, die Fans in den Bann zu ziehen, wie es die anderen Episoden der Storm-Reihe getan haben. Leider hat das neue Spiel, Revolution, genau mit diesem Ableger der ansonsten bestechenden Reihe einiges gemeinsam.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution
Unsere Helden erwartet ein neues Abenteuer.



Das ultimative Turnier – Hurra!



Eines vorweg: Wer sich auf eine groß angelegte Kampagne im Stile der Haupt-Storm-Trilogie gefreut hat, darf schon jetzt Enttäuschung walten lassen, denn im Fokus der Wurfstern-Fortsetzung steht das alles entscheidende "Ninja World Tournament" - ein Turnier zur Bestimmung des stärksten Ninja aller Zeiten. Die Ausgangssituation verrät bereits, dass es sich hierbei um eine Fanservice-Episode handelt. Demnach ist es auch kein Wunder, dass die geschichtlich-immanente Logik des Anime hier in den Hintergrund gestellt wird. So geschieht es dann beispielsweise auch mal, dass sich Madara mit Naruto zusammentut.

Im Prinzip kann das auch ein ganz interessantes Konzept sein, wäre ebenjenes Turnier nur ansprechend inszeniert worden. Nach der Charakterwahl für den Turniermodus und einer toll animierten Intro-Sequenz folgt bald das müde Erwachen. Per kleinem Boot wird der zuvor selbst ausgewählte Hauptcharakter auf der Turnierinsel ausgesetzt. Jene fungiert für den sehr kurzen Zeitraum, den das Turnier einnimmt, als HUB-Welt. Hier wird sich nicht nur für die Kämpfe eingetragen, man kann sich zudem mit den anderen Ninja unterhalten, sich von ihnen Sidequests aufbrummen lassen, einkaufen gehen und natürlich ordentlich trainieren. Leider ist diese Insel so unschön modelliert, dass die Fortbewegung auf ihr schlicht keinen Spaß macht. Schneller als erwartet geschieht es, dass man jeglichen Nebenaktivitäten, die meistens das Durchqueren der viel zu kleinen Insel beinhalten, aus dem Weg geht, nur um Turnierkämpfe rasch abzuhaken. Die eingangs erwähnte Charakterwahl ist für den Verlauf dabei von keinerlei Relevanz.

Nach beendigtem Turnierdurchgang wird eine schwierigere Variante, samt zuvor nicht betretbarem Inselabschnitt, freigeschaltet. Das Ganze beginnt also von Neuem. Zunächst startet ihr in Rang D, ihr könnt euch aber bis zu S+ hocharbeiten. Jeder Durchgang dauert in etwa eine Stunde und umfasst drei Hauptkämpfe. Alles in allem wirkt ein solches Turnier allerdings viel zu uninspiriert, da diese Art der Kampfaneinanderreihung schon beinahe zum guten Ton der Beat'em-Up Welt gehört. Zu den Story-Modi, die uns ein Naruto sonst immer vorgesetzt hat, ist das also kein Vergleich. So verblüfft es kaum, dass sich Revolution sehr belanglos anfühlt.


Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution
Wie für ein großes Turnier üblich gibt es massig Kämpfe.



Acht Fäuste für ein Halleluja?!



Auf den ersten Blick ist bei den Kämpfen, den Highlights eines jeden Storm-Spiels, alles beim Alten geblieben. Vielleicht zu sehr sogar, denn wirklich viel geändert hat sich nicht. Viele der sage und schreibe 118 Charaktere, welche man zum Großteil aus den Vorgängern kennt, haben bedauerlicherweise immer noch das selbe Moveset. Ebenfalls gleich geblieben ist das generelle Kampfsystem. Eine Taste, um auszuteilen, eine für Fernangriffe und eine, um sein Chakra, das Gegenstück zur Mana in der Ninja-Welt, zu benutzen, welches für die Freisetzung kräftiger Spezialangriffe sorgt. So weit, so gut. Man hat nun jedoch vor Kampfbeginn die Wahl, sich für eine Möglichkeit der Chakra-Nutzung zu entscheiden. Hier gibt es drei verschiedene Varianten: Entscheidet man sich für "Ultimate Jutsu", wird das Chakra für einen Superangriff, eben ein Ultimate Jutsu verwendet. Der "Awakening"-Type hat keine Möglichkeit, dieses Jutsu anzuwenden, dafür lässt er sich in einen Zustand erhöhter Kampfkraft bringen. Nummer drei wäre die "Drive"-Option. Hier lässt sich das Schlachtfeld mit einem Siegel belegen, welches dazu führt, dass Support-Charaktere aktiv in die Kombos des Kämpfers eingreifen können oder ihm beim Blocken helfen.

Die größte Erweiterung findet sich aber in den Vier-Mann-Kämpfen. Am häufigsten trifft man auf sie in jedem Fall während des Ninja World Tournament, da jeder Hauptkampf als ein solches Vierer-Match ausgetragen wird. Die Idee dahinter ist per se ja nicht schlecht. Auch im Anime gibt es zuhauf Kämpfe, an denen mehr als nur zwei Kontrahenten teilnehmen, weshalb dieser Gedanke von Anfang an nahe lag. Die Umsetzung hingegen lässt noch sehr zu wünschen übrig. Das Lock-On-System, welches für diese Kämpfe eben notwendig ist, funktioniert per rechtem Stick nicht nur extrem hakelig, es lässt auch kaum Übersicht zu. Während man sich auf einen Gegner fokussiert und die Kamera versucht, den Fausthieb-Austausch so reizvoll wie möglich einzufangen, hat man kein Auge mehr dafür, welche Angriffe die restlichen Widersacher in der Fighting-Stage verüben. Ergo: Man verliert enorm schnell die Übersicht. Die Situation wird extrem konfus. Gut, mag man denken, dafür sieht es doch aber bestimmt sehr ansprechend aus, oder etwa nicht? Falsch. Denn auch wenn versucht wird, die angenehm flexible Kameraarbeit der Standard-Fights zu imitieren, es klappt nicht gut genug. Man ist nie nah genug dran, um den selben wuchtigen Effekt zu erzielen, weshalb die Kämpfe immer einen fahlen Beigeschmack hinterlassen.

Zum bereits Genannten kommt noch hinzu, dass diese Auseinandersetzungen auch noch über ein anderes Prinzip als reguläre Faustwechsel funktionieren. Anstatt den Gegnern die Health-Bar direkt aus dem Leib zu prügeln, besitzt jeder Teilnehmer eine bestimmte Anzahl an "Orbs". Über physische Einwirkung können diese eben aus jedem Charakter entfernt werden, um sie für sich selbst zu beanspruchen. Wer am Ende der Runde die meisten Orbs für sich erkämpfen konnte, der entscheidet das Gefecht für sich. Diese Art, die Kämpfe zu bestehen, wirkt auf mich eher wie ein leicht gemachter Ausweg, der ehrlich gesagt nicht ins Universum der Naruto-Welt passt.

Wenn euch das nicht den Spaß am neuen Modus verdirbt, dann sollte das spätestens beim Betrachten der K.I. passieren. Anstatt jeden Teilnehmer gleichmäßig anzugreifen, stürzen sich alle NPCs auf den Spieler. Dies war für mich seit jeher nicht nur ein Zeichen zu simpler Gegner-Intelligenz, sondern ein richtiger Immersions-Killer. Anstelle eines ausgewogenen Gefechts fühlt es sich schlicht so an, als wäre allen Kämpfern bewusst, dass sie den Schlagabtausch gegen einen menschlichen Spieler führen und sich gegen ihn verbünden müssten, um eine valide Chance auf den Sieg zu haben. So bleibt das Spiel leider eben nur das besagte "Spiel" - nicht länger ist es dann eine andere Welt, in die man eintaucht.

Konzeptionell mag es wohl sinnvoll erscheinen, die Vierer-Kämpfe einzubauen, jedoch wurden diese derart nachlässig implementiert, dass man sie genauso gut von Anfang an hätte streichen können. Ich würde mich freuen, wenn bis zum nächsten Teil einige klare Verbesserungen gefunden werden würden. Hier sind sie, ganz besonders solo, einfach nicht sehr spielenswert.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution
Vierer-Kämpfe sind das große Feature in Revolution.



Ein Funke Hoffnung



Allerdings gab es, abseits allen Missmuts, ein paar Dinge, die es dann doch schafften, mich wenigstens minimal mit Narutos neuem Kampf-Aufguss zu versöhnen. Auch wenn es nicht so scheint, es haben sich tatsächlich ein paar echte Story-Missionen in Revolution versteckt. Davon gibt es allerdings nur drei an der Zahl, die allgemein relativ kurz sind. Mit einer Spielzeit von etwa einer halben Stunde bis Stunde insgesamt hat man hier natürlich keine lange Beschäftigung, dennoch herrscht schon beim Start ein ganz anderes Flair.

Jede der Missionen erzählt eine kleine, unabhängige Geschichte, die abseits des Anime stattfindet und Hintergrundgeschichten mancher Ereignisse beleuchtet. Beispielsweise erlebt man die Gründung Akatsukis aus erster Hand oder erfährt mehr über die Uchiha-Familie. Dank eigens angefertigter Anime-Sequenzen stimmt auch die Inszenierung. Man trauert schon fast, wenn die letzte Geschichte ausgespielt ist. An die tollen Geschichts-Kampagnen der anderen Ableger kommen diese aber auch nicht heran. Ihnen fehlt nicht nur die Spielzeit, sondern in erster Linie der Abwechslungsreichtum, den andere Abenteuer der Serie boten. Letztendlich haben wir hier auch nur eine Ansammlung an einfachen Kämpfen, nur eben in schicken Zwischensequenzen verpackt.


Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution
Story gefällig? Anime-Sequenzen erzählen u.a. von der Gründung Akatsukis.



Hier glänzen die Wurfsterne



Falls ihr euch nun fragt, für wen das Spiel geschaffen ist, dann ist die einfachste Antwort wohl: für die Online-Spieler unter euch. Mit, ich wiederhole, unglaublichen 118 Charakteren ist die Vielfalt so groß wie nie. Dazu gibt es eine größere Variation an Spiel-Modi. Das Matchmaking funktioniert immer noch so tadellos wie in den Vorgängern. Hier gelingt es Revolution wirklich zu glänzen, fehlerfrei ist es aber trotzdem nicht. Das größte Problem, unter dem der Online-Modus leidet, ist wohl die Ungleichmäßigkeit der Stärke, was die verschiedenen Ninja angeht. Richtiges Balancing ist nur in Teilen vorhanden. Es gibt also durchaus eine gewisse Anzahl an Kämpfern, die dem Großteil schlichtweg überlegen sind. Ich befürchte, dass sich das in naher Zukunft auch nicht bessern dürfte.

Die Präsentation ist erneut sehr gelungen. Eine originalgetreue Anime-Optik zu kreieren, das schafft die Engine wieder mal nahezu perfekt. Dank ihr wird auch der Geist der Vorlage präzise eingefangen. Leider fällt langsam auf, dass die Engine betagterer Natur ist. Seit 2008 wird von ihr nahezu unverändert in jedem Naruto-Spiel Gebrauch gemacht. Insbesondere das teilweise starke Kantenflimmern sowie die oft eher sterilen Umgebungen machen dies bemerkbar.

So lässt sich sagen, dass sich Revolution zum Rest der Reihe - Generations ausgeschlossen - wie eine Best-Of einer Band verhält. Jeder, der einfach mal ein bisschen reinschnuppern möchte oder ausschließlich die Lieblingshits (in Narutos Fall: Kämpfer) genießen will, der ist mit der Best-Of-Platte an sich gut beraten. Für die echten Fans ist das alles aber ein alter Hut - sie wollen einfach nur das neue Album.



Fazit von Phaz:

Ist es nicht lustig, dass sich gerade ein Spiel „Revolution“ nennt, das noch nicht einmal eine Weiterentwicklung bietet? Ganz zu schweigen von einer tatsächlichen „Revolution“. Viel eher sehe ich in Narutos neuem Abenteuer einen Rückschritt, denn wo bei anderen Prügelspielreihen der Verkauf einer solchen Charaktererweiterung als einfacher Stillstand abgetan wird, fällt hier eindeutig auf, dass die Storm-Reihe anders funktioniert. In klassischen Beat'em-Ups ist die Kampagne nur zu belächelndes Beiwerk. In Naruto aber ist sie integraler Bestandteil. Und da ebenjener Story-Modus fehlt, wird Revolution für mich somit nur bedingt empfehlenswert. Die Qualitäten, die die Serie groß gemacht haben, sind spielerisch generell alle da, jedoch fehlt einfach zu viel. Wer als Naruto-Fan noch keinen Ableger spielen konnte, dem würde ich die erste Episode ans Herz legen. Storm-Veteranen können diesen Teil ebenfalls getrost ignorieren, da er kaum Neues bietet und das, was er neu macht, eben nicht unbedingt die Zeit wert ist. Leider hat mir Revolution nur wenig Freude bereitet – auf das große Finale in Teil 4 freue ich mich aber umso mehr.

Revolution ist wie die klassische Filler-Episode in Naruto: Entweder ist man geduldig und überspringt sie einfach - oder man schaut sie, weil sie eben gerade da ist, aber im Endeffekt hat man nicht allzu viel davon.

Besonders gut finde ich ...
  • enorm große Auswahl an Charakteren
  • tolle Anime-Optik
  • spaßiges Online-System
  • gewohnt gutes 2-On-2-Kampfsystem
  • drei verschiedene Kampftypen
  • spaßig inszenierte Fights
  • nette Story-Sequenzen
Nicht so optimal ...
  • fehlender Storymodus
  • uninspirierter, langweiliger Turniermodus
  • karge Oberwelt
  • einseitige Nebenaufgaben
  • wenig Abwechslung im Turniermodus
  • überwiegend gleichgebliebenes Moveset
  • Grafik wirkt langsam betagt
  • chaotischer, unspaßiger Vier-Mann-Kampf
  • K.I. teilweise grenzwertig
  • Story-Missionen sehr kurz geraten

Phaz hat Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von NamcoBandai Games zur Verfügung gestellt.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution - Boxart
  •  
  • Entwickler:CyberConnect2
  • Publisher:NamcoBandai Games
  • Genre:Beat 'em up
  • Plattform:PC, PS3, Xbox360
  • Release:12.09.2014
    (PC, Steam) 16.09.2014