Pro Evolution Soccer 2015 - Review

Wer hat als kleiner Junge nicht einmal davon geträumt, selbst als Fußballprofi auf dem Platz stehen zu dürfen? Bis dorthin ist es allerdings ein sehr steiniger und vor allem auch langer Weg. Auf eben jenem Weg befindet sich auch die selbsternannte Fußballsimulation Pro Evolution Soccer - insbesondere im letzten Jahr enttäuschte die Serie die Fans massiv, weshalb sich Entwickler Konami diesmal sogar ganze zwei Monate mehr Entwicklungszeit gegönnt hat. Ob es sich gelohnt und hat und ob es vor allem reicht, den Konkurrent aus dem Hause Electronic Arts endlich wieder in die Kabine zum Duschen zu schicken, kläre ich in meiner Review zum neuesten Ableger.

Ach, was war das für ein herrliches Fußballjahr: Deutschland wird seit 1990 endlich wieder Weltmeister. Spätestens jetzt haben auch Fußballmuffel wieder einen Grund, sich auf das virtuelle Grün zu begeben. Doch mit welchem Titel ist der geneigte Fußballfan besser bedient? Während sich Pro Evolution Soccer seit jeher näher am realen Fußball orientiert hat, trumpft die FIFA-Reihe seit Jahren mit einem enormen Lizenzpaket auf. Schon im letzten Jahr verlor die Fußballsimulation aus dem Hause Konami allerdings Boden gegenüber der Konkurrenz, weshalb nun die Zeit gekommen ist, Pro Evo wieder auf die richtige Bahn zu lenken.


Ein Treffen mit einem alten Freund



Die erste Begegnung mit Pro Evolution Soccer 2015 erinnert dabei an ein Treffen mit einem alten Freund, den man schon lange nicht mehr gesehen hat, sich mit ihm aber auf Anhieb bestens versteht. Doch irgendetwas ist anders an ihm... Der erste Blick ins Spiel zeigt das komplett überarbeitete Menü, welches nicht nur sehr übersichtlich daher kommt, sondern in moderner Kachel-Optik zu überzeugen weiß. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, Spielmodi, welche besonders häufig gespielt werden, individuell anzupinnen. So spart man sich die nervige Sucherei nach dem Lieblingsmodus, auf den man gerade Lust hat. Auffallend ist dabei der neue myClub-Modus: Dieser lässt euch ähnlich wie in FIFA Ultimate Team eine Mannschaft nach eurem Belieben erstellen - für Echtgeld, versteht sich. Dennoch verhält sich PES hier wesentlich fairer als die Konkurrenz - für jeden erspielten Sieg erhalte ich ca. 1500 Punkte, die ich wiederum benötige, um den einen oder anderen Star an meine Mannschaft zu binden. Um diesen allerdings erst einmal kontaktieren zu können, benötige ich einen sogenannten Agenten, welcher für mich die Verhandlungen mit dem Spieler übernimmt.

Ein sogenannter Star-Agent geht beispielsweise für knappe 10.000 Punkte auf Spielerjagd. Da sich die Preise im Rahmen halten, kann man sich, je nach Geduld, also auch ohne den Einsatz von Echtgeld eine Top-Mannschaft erspielen - ein durchaus fairer Schachzug der Japaner. Wem dieser Spielmodus weniger zusagt, der hat außerdem die Möglichkeit, in fünf verschiedenen Wettbewerben gegen die KI anzutreten. Neben der UEFA Champions und Euro-League bietet PES seinen Fans außerdem die Asiatische Champions League (AFC Champions League), die südamerikanische Champions League (Copa Libertadores) sowie die Copa Sudamericana, welche im südamerikanischen Vereinsfußball als zweitwichtigstes Turnier gilt und daher gut mit der Euro-League zu vergleichen ist. Insbesondere die Präsentation der eben angesprochenen Turniere auf dem Platz ist exzellent umgesetzt - Konami hat nicht nur die originalen Logos und Spieleinblendungen übernommen, sondern passt den Einlauf der Teams an das entsprechende Turnier an. Die Spieler stellen sich originalgetreu in Reih und Glied auf und lauschen vor Spielbeginn der Champions League-Hymne.


Pro Evolution Soccer 2015
Screenshots aus der PlayStation-4-Version


Ein kleiner Makel mit großen Auswirkungen



Wie schon in den vergangenen Jahren fehlt es Konami leider weiterhin an wichtigen Lizenzen. Zwar sind die oben genannten Turniere lizenziert und perfekt in das Spiel integriert, das heißt aber noch lange nicht, dass eben auch alle Teams, welche eigentlich an diesem Wettbewerb dabei sind, lizenziert sind. So ist es zum Beispiel unmöglich, das letztjährige Champions League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München zu wiederholen - die Borussen wurden einfach ersatzlos aus dem Spiel gestrichen. Ebenso fehlen die deutschen Euro-League-Vereine wie Mönchengladbach und Wolfsburg. Letztere sollen immerhin per Patch im Verlauf des Dezembers hinzugefügt werden. Dennoch ist dieser Einschnitt insbesondere für Fans, welche auf originale Trikots, Logos und Spieler Wert legen, unverzeihbar. Immerhin hat sich Konami dafür jeweils die zweite Spielklasse der englischen, spanischen, französischen sowie der italienischen Liga lizenzieren lassen - aber auch hier fehlt das eine oder andere Team oder trägt einen Fantasienamen sowie Trikot.


Genug geschimpft, ab auf den Platz!



Endlich auf dem Grün angekommen fällt direkt die neue FOX-Engine auf. Diese werkelt auch beim kommenden Blockbuster Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain im Hintergrund und verübt einen ähnlichen Job wie EAs Allzweckengine Ignite. Diese zeichnet für die fantastischen Regeneffekte und Animationen verantwortlich, welche zu jeder Zeit glaubwürdig wirken und somit direkt ins Stadion abtauchen lassen. Dabei wirkt das Wetter nicht nur in optischer Natur mit, sondern verändert auch das Verhalten der überarbeiteten Ballphysik. Regnet es in Strömen, muss der Ball im Dribbling stärker hinterhergezogen werden. Das ganze resultiert natürlich aus dem höheren Widerstand der einzelnen Grashalme, welche in den verschiedenen Kameraeinstellungen fast schon zählbar sind. Ebenso rutscht der Ball schneller vom Fuß und ist für die Torhüter schwieriger haltbar. Dieses Feature fällt in der von mir getesteten PC-Version übrigens nicht ganz so stark auf wie in der PS4-Fassung.


Pro Evolution Soccer 2015
Kurz vor Spielbeginn machen sich die Spieler bereit für den Einlauf (PS4-Version)


Auch in stressigen Situation fällt positiv auf, dass sich die Spieler bei jedwedem Wetter immer sehr direkt steuern lassen. Was im Vorgänger weniger gut klappte, läuft nun reibungslos - hier hat Konami definitiv nachgebessert. Durch eben diese Verbesserungen entsteht ein wesentlich dynamischeres und vor allem flüssigeres Spielerlebnis, welches aber jederzeit realistisch bleibt. Nicht immer hilft der Steilpass in den 16-Meter Raum, um vor das Tor zu kommen - hier sind taktische Entscheidungen gefragt. Und ist man einmal vor dem Tor angekommen, kann man noch lange nicht mit einem sicheren Treffer rechnen. Grund hierfür sind die überarbeiteten Torhüter, die - anders als in FIFA 15 -, ihren Job ordentlich machen. In keiner meiner Test-Partien habe ich ein Tor durch einen Torwartfehler kassiert - dies sieht beim Konkurrenzprodukt bekanntlich gerne mal anders aus. Um dann doch einmal am Keeper vorbei zu kommen, hat Konami die Schussmechanik grundlegend überarbeitet. Die Schüsse können nun über eine Schussleiste, welche unter dem Spieler angezeigt wird, besser kontrolliert werden - je nach Aufladung der Leiste verändert sich der Druck und Effet des Balls. Allein durch diesen Aspekt wirkt kein Schuss wie der andere und lässt somit das Spiel nach eurem Belieben bestimmen.


PC oder PS4?



Habt Ihr die Wahl zwischen der PlayStation 4 oder PC-Version, rate ich Euch trotz des etwas höher ausfallenden Anschaffungspreises zur PS4-Version des Spiels zu greifen. Zwar sind die Unterschiede fast nur rein optischer Natur - dennoch ist die PS4-Version die "vollkommene" Version des Spiels. Die Haare wehen im Wind, Animationen wirken flüssiger und das Gesamtbild ist einfach runder als bei der leicht abgespeckten PC-Version. Dennoch weiß auch diese durch flüssige Bildraten und einen durchweg stabilen Multiplayer-Modus zu überzeugen. Letzerer zickte bei meinen Testspielen insbesondere auf der PS4 herum. Zwar werde ich nicht ganz so oft mit Verbindungsabbrüchen verärgert wie letztes Jahr, etwas Nachholbedarf besteht aber auch hier noch. Damit Ihr euch einen besseren Eindruck über die optischen Unterschiede machen könnt, hänge ich Euch hier noch ein paar Screenshots der PC-Version an (1080p @60fps auf höchsten Grafikeinstellungen). Die Auswahl an Spielmodi ist bei beiden Versionen übrigens identisch.


Pro Evolution Soccer 2015
Screenshots aus der PC-Version

Predator

Fazit von Kevin:

Um mit Pro Evolution Soccer warm zu werden, muss man etwas Zeit mitbringen. Das herausragende Gameplay entfaltet sich erst nach einiger Gewöhnungszeit. Die ersten Spiele gegen die KI wirken erfrischend anders und hauptsächlich wird eins klar: Sie sind näher an der Realität. Es reicht eben kein hoher Steilpass mehr, um die komplette Abwehr auszuspielen - gerade hier kann PES gegenüber der Konkurrenz glänzen. Zwar fehlen einige Lizenzen, wer darüber hinweg sehen kann, trifft mit dem diesjährigen Ableger der Serie die bessere Wahl.

Weniger Glitches, ein stabiler Multiplayermodus und ein herausragendes Gameplay: Pro Evolution Soccer ist auf dem richtigen Weg zur Spitze des Fußballthrons.

Besonders gut finde ich ...
  • klasse Animationen
  • Schreie bei Fouls
  • Fans reagieren auf den Spielverlauf
  • Starspielerfähigkeiten gut umgesetzt
  • jedes Spiel verläuft anders
  • lizenzierte Turniere
  • Spieler steuern sich ohne nennenswerte Verzögerung
  • überarbeitetes Menü
  • umfangreicher Editor
  • Spieltempo orientiert sich an der Realität
  • Torhüter spielen gut mit
  • viele Taktikoptionen
  • stabiler Multiplayermodus
Nicht so optimal ...
  • fehlende Lizenzen
  • Zuschauer in verschiedenen Sequenzen pixelig
  • nervige Kommentatoren
  • Menü hat keine Mausunterstützung (PC-Version)
  • wenig originale Stadien
  • angestaubte Optik

Kevin hat Pro Evolution Soccer 2015 auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Konami zur Verfügung gestellt.

Pro Evolution Soccer 2015 - Boxart
  •  
  • Entwickler:Konami
  • Publisher:Konami
  • Genre:Fußball
  • Plattform:PC, PS3, PS4, Xbox360, Xbox One
  • Release:13.11.2014

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Kommentare & Likes

Folgenden Usern gefällt der Beitrag: HerrBeutel ... und einem Gast.
  • Darius
    #1 | 5. Dezember 2014 um 20:25 Uhr
    Die PS4-Screens schauen schon etwas gruselig aus, wenn ich das mal so sagen darf. Aber, auf der einen Seite sagst du ja, dass das Spiel geiler ist - wenn man das mal so zusammen fassen will - und ich weiß zumindest, das man die Spieler nie so nah sieht, wie in den Screenshots  
  • Kevin
    #2 | 6. Dezember 2014 um 00:22 Uhr
    Vorallem Manuel Neuer ist unheimlich gut getroffen wie ich finde  
    Generell hast Du natürlich recht - das Spiel ist sowas von kein Next-Gen, aber es ist (noch) im erträglichen Rahmen. Dafür sticht das absolut geniale Gameplay heraus und macht die schlechte Optik wett. Für nächstes Jahr muss da aber in jedem Fall mehr kommen  

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