Game of Thrones - Episode 1 Review
Entscheidungen, Intrigen, alte Bekannte und tote Lords
Nach Tales from the Borderlands habe ich mir dieser Tage auch die zweite neue Adventure-Serie von Telltale Games näher angeschaut. Ja, ich weiß, dass ich ursprünglich warten wollte, bis alle Episoden veröffentlicht wurden - aber ich wurde leider schwach. Die erste Episode von Game of Thrones konnte mich jedoch nicht so sehr begeistern wie mein Ausflug nach Pandora. Mehr noch, ich war regelrecht enttäuscht. Warum das so ist, erfahrt ihr in meiner spoilerfreien Kurz-Review.
Haus Forrester - ziemlich stark, oder?
Im Spiel schickt euch Telltale Games mit dem Haus Forrester ins Abenteuer, ein eher kleines Haus, das bisher als Fahnenträger treu hinter dem Hause Stark stand und im Norden von Westeros angesiedelt ist. Mit insgesamt fünf Charakteren möchte man euch in der sechsteiligen Serie auf die Reise schicken, drei davon dürft ihr bereits in der ersten Episode steuern. Der Wechsel zwischen den Schauplätzen und Figuren geschieht dabei im Verlauf der Geschichte automatisch und wirkt ähnlich wie in der Vorlage, verhindert jedoch auch, dass man sich tiefer in die Rolle der jeweiligen Figur hineinversetzen kann. Spielt ihr zunächst noch Gared Tuttle, den Knappen von Lord Forrester, geht es schon recht bald mit zwei der Familienmitglieder weiter. Ohne jetzt tiefer in die Story eintauchen oder gar Teile daraus verraten zu wollen, ähnelt mir die Handlung jedoch noch zu sehr dem bekannten Muster des Hauses Stark. Zwar kann Telltale dies durch geschickten Einsatz von bekannten Schauplätzen und vor allem durch bekannte Figuren aus der Serie - wie zum Beispiel Tyrion Lannister, Cersei Lannister oder Ramsay Bolton - ein wenig vertuschen, dennoch darf es gerne spannender und unvorhersehbarer weitergehen.




Bei den sieben Königreichen ...
Die Game-Engine von Telltale hat bisher noch nie sonderliche Glanzleistungen vollbracht, allerdings blieb ich auch diesmal auf der PlayStation 4 von störenden Nachladerucklern und sonstigen Übeln verschont. Was jedoch meinen Spielspaß ziemlich getrübt hat, ist der scheußliche Grafik-Filter, den man über das Spiel gelegt hat. Alles wirkt ausgefranzt und wie ein erster Artwork-Versuch mit Wasserfarben, der über lange Zeit jegliche Liebe zum Detail oder halbwegs ansehnliche Szenen vermissen lässt. Beispiele gefällig: Gared, Talia oder eine Szene im Wald. Nun lässt sich natürlich über Kunst und Artstil streiten, aber ich frage mich: Musste das sein? Hübsch ist das nicht.
Zum Gameplay gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen. Kennt ihr bereits eines der telltale'schen Graphic-Novel-Adventure, kennt ihr sie alle. Multiple-Choice-Dialoge, die euch gerne mal unter Zeitdruck eine Antwort abringen, gepaart mit vermeintlich Story-beeinflussenden Entscheidungen und der gelegentliche Einsatz von Quick-Time-Events mit überschaubaren Interaktions-Möglichkeiten - das ist erneut alles, was uns das Entwicklerstudio an "Spiel" in die Episoden-Serie packt. Das muss man generell mögen, sonst wird man spielerisch sicherlich enttäuscht werden. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass Fans von Game of Thrones, die eher wenig mit Videospielen am Hut haben, durchaus auch ihren Spaß daran haben könnten.
Außerdem darf man an dieser Stelle abermals die gute Vertonung mit überzeugenden Sprechern loben und leider auch erneut das Fehlen von deutschen Untertiteln bemängeln. Während man in Tales from the Borderlands eine witzigere Richtung einschlagen konnte, wird es in Game of Thrones wieder düster, dreckig und hart. Intrigen und hinterhältige Freundschaften sind genauso enthalten wie Blut und Gewalt - einzig nackte Haut gab es bisher nicht zu sehen, aber wenn man dem Vorschaubild zur dritten Episode Glauben schenken darf, dann ist ein Auftritt von Daenerys Targaryen gewiss. Überhaupt darf man hoffen, dass die Story in den nächsten Folgen an Fahrt aufnimmt und einen die Begeisterung für selbige den hässlichen Grafik-Filter vergessen lässt. Es wäre schade, wenn Telltale diese starke Vorlage zu einer müden Lizenzgurke verkommen ließe.
Fazit von Darius:
Auch im neuen Game of Thrones Abenteuer bleibt Telltale seiner Gameplay-Linie treu und verstreut in der Geschichte hier und da Multiple-Choice-Dialoge und Quick-Time-Events, um uns ein wenig am Geschehen teilhaben zu lassen. Das Geflecht aus Intrigen, das man bereits aus der TV-Serie kennt, ist auch in der ersten Episode des Spiels vorhanden - natürlich dürfen die obligatorischen Entscheidungen, die den Verlauf der Story beeinflussen sollen, nicht fehlen. Insgesamt wurde die Westeros-Atmosphäre zwar gut eingefangen, allerdings verhindert ein hässlicher Grafik-Filter eine stimmungsvolle Optik, darüber hinaus wirkt auch die Geschichte von "Iron from Ice" noch etwas uninspiriert. Die Handlung rund um das Haus Forrester ähnelt in vielen Bereichen zu sehr der des Hauses Stark, ob und wie sich das ändert, bleibt abzuwarten. Apropos abwarten: Wer die dritte Staffel der TV-Serie noch nicht beendet hat, sollte dies unbedingt nachholen, bevor er mit dem Telltale-Adventure beginnt. Die 6-teilige Abenteuer-Serie startet nämlich beim Kapitel "Die rote Hochzeit" und verläuft dann parallel zum TV-Handlungsstrang, wenn auch mit anderen Figuren und aus einer anderen Perspektive.
- mehrere spielbare Charaktere
- gewohnt überzeugende Sprecher
- Westeros-Atmosphäre mit bekannten Schauplätzen
und Figuren aus dem Buch bzw. der Serie - Spielzeit ca. 2 Stunden
- hässlicher Grafik-Filter
- magere uninspirierte Story (bisher)
- keine deutschen Untertitel
- Gameplay nach wie vor eher zweitrangig
Darius hat Game of Thrones auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Spiel für diese Review wurde von Darius selbst erworben.


#1 | 15. Januar 2015 um 14:41 Uhr
Sind ja zum Glück "nur noch" drei Monate bis zur 5. Staffel ...
#2 | 16. Januar 2015 um 21:05 Uhr
#3 | 16. Januar 2015 um 21:24 Uhr
Billie_Who_Else: Spoilert das Spiel eigentlich die Serie? Kenne die Serie noch nicht, hab aber Interesse am Spiel, weil mir Walking Dead schon richtig gut gefallen hat.
Ja, in gewisser Weise schon, wenn du die dritte Staffel noch nicht fertiggeschaut hast. Läuft wie gesagt parallel und greift natürlich die Geschehnisse in der Serie auf.
#4 | 17. Januar 2015 um 22:13 Uhr