Resident Evil - Remastered Review
Remaster mit fauliger Leiche im Keller
Kaum ein anderes Spiel hat bei seiner Veröffentlichung für so viel Wirbel gesorgt wie einst Resident Evil. 1996 veröffentlichte Capcom unter diesem Namen den Vorreiter des Survival-Horror-Genres. Nur sechs Jahre später wagte man sich an ein Remake, das seinerzeit exklusiv für Nintendos GameCube erschienen ist. Vor einigen Tagen veröffentlichte man eine überarbeitete Version eben jenes Remakes für die aktuelle Konsolen-Generation und den PC. Warum Capcom dabei eine neue Leiche im Keller des Herrenhauses versteckt hält, erkläre ich euch in meiner Review.
Mysteriöse Morde
Die Story des Serien-Erstlings ist eigentlich ziemlich simpel ausgefallen. In Racoon City und Umgebung geschehen seltsame Morde. Überall finden sich verstümmelte Leichen und keiner kennt die Hintergründe dafür. Um die örtliche Polizei zu unterstützen, wird die Bravo-Gruppe der Sondereinheit S.T.A.R.S. in das Krisengebiet ausgesandt. Aus noch unbekannten Gründen verlor sich der Kontakt zur Gruppe in der nähe der Arklay-Mountains. Um zu klären, was mit den Kollegen vor Ort passiert ist, wird nun auch das Alpha-Team ausgesandt, um die Hintergründe ein für alle Mal aufzuklären. In der Rolle von Jill Valentine und Chris Redfield gilt es nun, die Kollegen zu finden und die Morde in der Stadt aufzuklären. Zu Beginn des Spiels lässt uns das Spiel die Wahl mit welchem Charakter wir in den "Überlebenshorror" starten wollen. Die Auswahl sollte mit Bedacht getätigt werden, denn beide Charaktere unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten und in der Anzahl ihrer verfügbaren Inventarplätze.
Anders als in heutigen Spielen können Jill und Chris nur eine Handvoll Gegenstände mit sich herumtragen. Ist das Inventar voll, können keine weiteren Gegenstände aufgenommen werden und der Gang zur Truhe in einer der rar gesäten Speicherräume wird zur lästigen Pflicht.
Erkundungstour im Herrenhaus
Nach einem komplett gerenderten Intro (im Original noch von echten Schauspielern gespielt), sind wir auch schon im Herrenhaus angekommen. In der Rolle von Jill muss ich mich auf die Suche nach Chris machen. Dieser ist bei der Flucht vor den blutrünstigen Hunden im Vorgarten des Hauses verloren gegangen. Bei der Missionsbesprechung mit Barry Burton und dem Einsatzleiter Wesker wird zunächst das Esszimmer nebenan untersucht. Dort findet sich eine Blutlache von der anzunehmen ist, dass diese von unserem Kollegen stammen könnte. Schon im Raum nebenan begrüßt uns der erste Untote, der sich an Kenneth, Mitglied des Bravo-Teams, zu schaffen macht. Also zurück zu Barry, der das Ungeheuer mit seiner dicken Magnum erst einmal ins Jenseits befördert. Was ist hier nur geschehen? Diese Frage gilt es nun in den knapp 10 Stunden Spielzeit, die ihr für den ersten Durchlauf benötigen werdet, zu klären. Zurück in der Eingangshalle ist nun auch noch Wesker verschwunden. Ohne jeden Hinweis was jetzt zu tun ist, lässt uns das Spiel mit dem riesigen Anwesen allein. Zunächst einmal gilt es, jetzt alle zugänglichen Räume zu untersuchen und ggf. noch weitere Überlebende zu finden. Schon bei dieser Erkundungstour wird klar, dass es kein schnelles Entkommen aus dem Haus geben kann. Überall finden sich verschlossene Türen und der Ausweg aus dem Horror rückt in weite Ferne.




Nie mehr erreichte Horror-Atmosphäre
Der Streifzug durch das Herrenhaus überzeugt dabei durch die bisher nie mehr erreichte dichte Atmosphäre. Die starren Kameraperspektiven lassen nur vermuten, was sich hinter der nächsten Ecke befindet. Steht dort ein Untoter, der es auf mich abgesehen hat, oder ist der Weg frei? Diese Frage klärt sich meist nur durch genaues Hinhören oder Hinsehen: Jeder Schritt, jedes Grunzen, jeder Schatten lässt ein extremes Gänsehautfeeling entstehen, dass seinesgleichen sucht. Unterstützt werden diese Geräusche durch den fantastischen, minimalistisch gehaltenen Soundtrack. Ohne die Überstrapazierung sogenannter Jumpscares schafft es Resident Evil den Spieler schnell in seinen Bann zu ziehen. Hinzu kommt die ständige Unterlegenheit gegen die Gegner. Munition und Baller-Orgien wie in Resident Evil 5 und im sechsten Teil? Fehlanzeige! Und das ist auch gut so. Das Spiel besticht durch seinen knackigen Schwierigkeitsgrad und der völlig verrückten Rätsel. Oder habt ihr schon einmal ein bestimmtes Klavierstück spielen müssen, damit sich ein bis dahin verschollener Raum öffnet, der euch ein Item überlässt, mit dem ihr drei Räume weiter eine Uhr verschieben könnt, um an einen Schlüssel zu kommen, der euch das Fortkommen ermöglicht?
Schenk uns grüne Kräuter
Um den Puls vor lauter Aufregung etwas runterfahren zu können, gibt es im Haus sogenannte Speicherräume. In diesen Räumen könnt ihr nicht völlig unerwartet von Gegnern überfallen werden und in jedem befindet sich eine Truhe, die ein zentrales Element in Resident Evil darstellt. Hier können alle nicht benötigten Gegenstände abgelegt werden. Alle Truhen sind miteinander verbunden, sodass es möglich ist, auch von woanders auf alle Gegenstände zuzugreifen. Dies ändert sich allerdings mit höherem Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich zur Truhe befindet sich außerdem eine Schreibmaschine in jedem der Save-Rooms. Um diese nutzen zu können, benötigen wir allerdings Farbbänder - nur mit diesen ist es möglich, den Fortschritt zu speichern. Sind diese mal ausgegangen, muss so lange weiter gespielt werden, bis eines gefunden ist. Sollten wir auf dem Weg zur Truhe sterben, geht der komplette Fortschritt verloren. Dieser Umstand kann natürlich schnell zu Frust führen, lässt aber auch das Herz in Schock-Momenten umso höher schlagen.
Anders als noch im Original von 1996 können die Zombies nach ihrem Ableben wieder auferstehen. Um das zu verhindern gibt es Verbrennungsutensilien, die es ermöglichen, den noch "lebenden" Untoten zu verbrennen - erst dann ist die Gefahr endgültig gebannt. Sollte es dennoch passieren, dass ihr von einem Ungeheuer angefallen werdet, gibt es nun Dolche und einen Elektroschocker, die euch vor einem Angriff schützen. Beide Gegenstände sind nicht unendlich verfügbar, sodass beispielsweise immer wieder Batteriepacks für den Elektroschocker gefunden werden müssen.

Der Fehler liegt im Detail
Neben diesen neuen Gimmicks hat Capcom das Spiel im Vergleich zum Original teilweise umgekrempelt. So gibt es neue Räume, einen neuen Zwischengegner und auch sonst neue Story-Wendungen und Zwischensequenzen. Diese Änderungen sind alle nachvollziehbar und glaubhaft in das Spiel eingeflochten. Das ist alles ist schön und gut, schließlich gab es diese Änderungen schon 2002 zur Veröffentlichung der GameCube-Version. Doch was hat Capcom für die Neuveröffentlichung in diesem Jahr geändert?
Zum einen wurden alle Texturen auf 1080p hochskaliert und zusätzlich gibt es eine komplett überarbeitete Steuerung, welche es wesentlich einfacher macht, durch die Gänge und um die Gegner herum zu laufen. Hierbei gibt man uns sogar die Wahl zwischen der klassischen Panzer- und der neuen überarbeiteten Steuerung zu wählen. Hinzu kommt die Überarbeitung des Soundtracks, welcher nun in 5.1. Surround aus den Kopfhörern klingt. Und dennoch ist da etwas, das doch sehr stört: Während insbesondere in der ersten Spielhälfte sich fast alle Hintergründe auf Full-HD-Niveau bewegen, lässt die Qualität der Grafik im weiteren Spielverlauf spürbar nach. In den letzten Minuten des Spiels kommt es dann sogar noch zu nervigen Rucklern, welche das Spielerlebnis in den eigentlichen aufregenden Momenten des Spiels extrem mindern. Schade! Denn hier wäre mit etwas mehr Liebe im Detail definitiv mehr drin gewesen als den Eindruck entstehen zu lassen, dass es sich hier fast nur um eine Eins-zu-eins-Portierung der Gamecube-Version handele.
Fazit von Kevin:
Das Remaster zum Remake von Resident Evil begeistert und enttäuscht mich zugleich. Capcom hat 2002 mit der Erstveröffentlichung des Remakes wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Die dichte Atmosphäre wurde durch die überarbeitenden Hintergründe nochmals vertieft. Zudem gab es neue Räume, neue Gegner und sogar neue Story-Wendungen. Fast 13 Jahre nach Release des Remakes hätte ich mir dennoch erhofft, dass die grafische Umsetzung des Titels etwas besser ausfällt. Die Charaktermodelle sehen leider noch sehr aus der Zeit des GameCube stammend aus. Auch die Hintergründe sehen viel zu oft verwaschen und matschig aus. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, einzelne Hintergründe neu zu rendern und nicht nur auf die gewünschte Auflösung zu skalieren. Dennoch ist das Spiel für den Preis von gerade mal 20 Euro allen Resident-Evil-Fans der ersten Stunde zu empfehlen.
Resident Evil bleibt nach wie vor das Horror-Spiel schlechthin! Kein anderes hat es in den letzten Jahren geschafft, eine derart dichte und düstere Atmosphäre über den kompletten Spielverlauf aufzubauen. Durch die Charakterauswahl ergeben sich verschiedene Story-Stränge, weshalb das Spiel einen hohen Wiederspielwert bietet.
- dichte Atomsphäre
- herausragender Soundtrack
- trashige Story
- echtes Survival-Horror-Feeling
- gute 16:9 Anpassung
- überarbeitete Charaktermodelle
- verbesserte Steuerung
- neue Gegner (im Vergleich zum PS1-Original)
- neue Räume (im Vergleich zum PS1-Original)
- unscharfe Texturen
- Bildrateneinbrüche (PS4-Version)
- teils nerviges Backtracking
Kevin hat Resident Evil auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.


#1 | 28. Januar 2015 um 22:20 Uhr
#2 | 5. Februar 2015 um 18:07 Uhr