Hand of Fate - Review

Ihr wolltet schon immer mal eine Mischung aus einem Tabletop und einem Sammelkartenspiel, gewürzt mit einer ordentlichen Ladung Hack'n'Slay? Gut, wahrscheinlich haben die Wenigsten wirklich einen solchen Wunsch geäußert, allerdings zeigt das australische Indie-Team Defiant Development mit Hand of Fate, dass dieser unkonventionelle, aber interessante Mix, tatsächlich Potenzial hat. Das Projekt wurde im Dezember 2013 über Kickstarter finanziert und war seit Mitte letzten Jahres als Early-Access-Titel über Steam spielbar. Jetzt hat die finale Version des Spiels neben dem PC bzw. Mac auch die neue Konsolen-Generation erreicht.


In den Bann gezogen



"Aaaah, ein weiterer Spieler. Komm, setz dich.", erklingt eine raue Stimme. "Du hast die 13 Tore hinter dir gelassen... und du sitzt mit mir am Tisch, um das Spiel um Leben und Tod zu beginnen." Ich schaue mich um. Ein alter Mann sitzt mir gegenüber - vermummt. Auf dem alten Holztisch vor uns steht eine Wachskerze, die einen Teil der Umgebung beleuchtet. "Ich verweigere niemanden den Zutritt, aber ich rate dir, umzukehren." Zwischen den Händen des alten Mannes schweben Spielkarten. Ich bin fasziniert und trotz seiner Warnung zeige ich ihm, dass ich bereit bin. Die Karten fallen zu Tisch und bilden einen Stapel. "Nun gut. Das Spiel beginnt. Einer lebt und der andere stirbt. Schauen wir doch einmal, aus welchem Holz du geschnitzt bist." Der alte Mann zieht die erste Karte. Das Bild zeigt einen bärtigen Banditen. "Das ist das erste Mitglied meines Hofes. Der Staub-Bube. Zwölf müssen fallen, bevor du mich herausfordern kannst." Er legt die Karte zurück. Wie von Geisterhand geführt werden die Karten gemischt und bilden verschiedene Stapel. "Lass die Karten fallen, wie sie wollen. Wir beginnen."

Hand of Fate wirft mich direkt in das Geschehen. Ich weiß weder, wer, noch wo ich bin und schon gar nicht, warum ich mich in dieser Situation befinde. Alles, was vermittelt wird, ist, dass mir ein Kartenspiel bevorsteht, bei dem es um Leben und Tod geht. Die Atmosphäre ist absolut gelungen und das Spiel zieht mich sofort in seinen Bann. Dazu trägt, neben der stimmigen Kulisse, auch die grandiose Synchronstimme des vermummten Mannes bei, jedoch nur auf Englisch. Lediglich den Texten wurde eine deutsche Lokalisierung spendiert. Darüber möchte ich aber mal hinwegsehen, da ich mir nur schwer vorstellen kann, dass eine deutsche Synchronisation ähnlich zufriedenstellend gewesen wäre.


Hand of Fate
Ereignisse, Gegner und Ausrüstung werden über Karten ausgewürfelt


Die Sammelkarten



Ich bin im Besitz eines Kartendecks, welches aus Ausrüstungskarten und Ereigniskarten besteht. Ausrüstungskarten bestimmen, welche Items ich während des Spiels finden kann. Vom einfachen Schwert zum mächtigen Kriegshammer, vom spröden Holzschild zum stählernen Bollwerk und von leichter bis schwerer oder gar magischer Rüstung ist alles dabei. Ereigniskarten hingegen, lassen, wie der Name vermuten lässt, Ereignisse geschehen. Das reicht von der spendablen Maid, die ich im Wald treffe und welche mich mit Gesundheit, Rationen oder Gold versorgt, über Händler, bei denen ich Waffen, Rüstung und Rationen sowohl kaufen, als auch verkaufen kann, bis hin zu Schatzkammern, die mit Fallen, aber auch Belohnungen, auf mich warten. Vor jeder Runde habe ich die Möglichkeit, mein Kartendeck zusammen zu stellen. Wenn ich keine Lust habe, mich damit zu beschäftigen, gibt es auch die Möglichkeit, den Assistenten zu nutzen, welcher das Deck zusammenstellt.

Bevor die Runde jedoch startet, wird unser Kartendeck noch mit einigen Karten des geheimnisvollen Mannes aufgepeppt, oder wie er sagen würde: "Let's spice things up". Hierbei handelt es sich meist um Banditen oder Goblins, die mich überfallen wollen oder wütende Dorfbewohner, die nach meinen Rationen gieren.


Tischlein. Deck. Dich.



Die Karten werden gemischt und auf dem Spielfeld verdeckt ausgelegt. Eine kleine Figur stellt den Spieler, also mich, dar. Jetzt gilt es, die Figur von einer Karte zur nächsten zu bewegen. Mal liegen die Karten in Reihe und geben den Weg vor, mal stehe ich vor der Entscheidung, nach links oder nach rechts, nach oben oder nach unten zu gehen. Dabei verbraucht jeder Schritt eine Ration. Gehen die Rationen aus, verliere ich Gesundheit. Betrete ich eine Ereigniskarte und werde z.B. von Banditen überfallen bzw. habe die Möglichkeit, eine Schatzkammer zu betreten, ändert sich das Spielprinzip. Doch bevor ich mich ins Getümmel stürzen kann, legt mein Gegenüber mit dem ziehen weiterer Karten, Typ, Stärke und Anzahl der Gegner fest. Das Ganze kann zu sehr unfairen Momenten führen. Zunächst wechselt das Spiel von der Tabletop-Ansicht zu einem Third-Person Hack'n'Slay. Dann erhalte ich entweder meine Standardausrüstung oder bereits gefundene Items und anschließend begebe ich mich in die Schlacht gegen Räuber, Goblins, Skelette oder Rattenmenschen bzw. versuche, unbeschadet die Schatztruhe zu erreichen. Die Steuerung ähnelt hierbei Spielen wie der Batman Arkham Reihe. Leider hinkt der Vergleich bezüglich der Komplexität des Kampfsystems, denn außer einer Standardattacke, einem Schildschlag, der den Gegner betäubt, einem einfachen Konter und einer Ausweichrolle, gibt es keine Möglichkeit den Kampf interessanter zu gestalten.


Hand of Fate
Geschafft! Die Münze gehört uns


Immer, wenn ich ein besonderes Ereignis erfolgreich abgeschlossen habe, legt der vermummte Mann eine Belohnung in Form einer Münze in die Kupferschale zu meiner Rechten. Wenn ich am Ende der Runde den Endgegner, also einen der Zwölf Mitglieder seines Hofes, besiegt habe, kann ich die Münzen einlösen bzw. in diesem Falle aufbrechen und erhalte neue und meist bessere Karten für mein Deck. So steigern sich Runde für Runde sowohl die Menge der Karten, die sich in meinem Deck befinden, als auch deren Qualität.


Wer bin ich überhaupt?



Hand of Fate ist mit seinen verschiedenen Elementen bereits ein sehr gewagter, aber gelungener Mix. Allerdings stören mich fehlende Rollenspielaspekte. Es gibt z.B. für meinen Charakter keine Anpassungsmöglichkeiten wie z.B. Geschlecht, Hautfarbe oder Haarfarbe. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau. Viel störender ist etwas anderes. Ich bin im Besitz von Ausrüstungskarten, die meinem Deck hinzugefügt werden. Trotzdem starte ich jede Runde mit meiner Standardausrüstung und KANN meine Karten dann finden. Bietet das Spielfeld jedoch verschiedene Wege an und ich entscheide mich für den falschen, kommt es vor, dass ich dem Endgegner mit einem Zahnstocher und einem spröden Holzschild gegenübertreten muss. Das zählt wohl als "works as intended", mag also gewollt sein, trotzdem fühlt es sich falsch an. Schöner wäre gewesen, wenn ich vor jeder Runde meinen Charakter mit den mir zur Verfügung stehenden Waffen etc. hätte ausrüsten können. Dadurch wäre mein Fortschritt besser spürbar gewesen und die bereits erwähnten Ungerechtigkeiten etwas entschärft.



Fazit von Kai:

Neben der fehlenden deutschen Sprachausgabe, die allerdings zu verzeihen ist, leidet das Spiel unter einem zu simplen Kampfsystem, welches Kämpfe auf Dauer leider langweilig werden lässt. Das ist ein Negativpunkt, unter dem auch die Langzeitmotivation leidet. Teilweise unfaire Ereignisse führen zu zusätzlichen Frustmomenten. Zudem fehlen, wie bereits erwähnt, gewisse Rollenspielaspekte, die es zulassen würden, mich näher mit der Spielfigur zu identifizieren. Dadurch könnte Hand of Fate den Spieler noch mehr in seinen Bann ziehen.

Hätte, wäre, wenn ... Fakt ist: Hand of Fate ist trotz aller Makel ein gelungener Mix drei verschiedener Genre und bringt frischen Wind in die sich sonst ständig wiederholenden Weiten des Spielemarktes. Hoffen wir auf anständige Umsatzzahlen, einen somit finanzierten Nachfolger und die Tatsache, dass sich die Entwickler meine Wünsche zu Herzen nehmen.

Besonders gut finde ich ...
  • innovatives Konzept
  • einfaches Spielprinzip
  • tolle Atmosphäre
  • sehr guter Synchronsprecher
Nicht so optimal ...
  • keine deutsche Sprachausgabe
  • zu simples Kampfsystem
  • Zufallsprinzip führt zu unfairen Momenten
  • fehlende Rollenspielaspekte

Kai hat Hand of Fate auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Defiant Development zur Verfügung gestellt.

Hand of Fate - Boxart
  •  
  • Entwickler:Defiant Development
  • Publisher:Defiant Development
  • Genre:Action-RPG
  • Plattform:PC, PS4, Xbox One, PSVita
  • Early Access:08.07.2014
  • Release:17.02.2015