Ori and the Blind Forest - Review
Anspruchsvolle Metroidvania-Action im Märchenwald
Mit Ori and the Blind Forest präsentiert uns der in Österreich ansässige Entwickler Moon Studios seinen Debüttitel und hat damit gleich einen echten Metroidvania-Hit gelandet, wenn man den Spielern und Berichten der Fachpresse Glauben schenken mag. Der tolle Artstil und der niedliche kleine Held des Spiels haben mich bereits zur Ankündigung verzaubert und auch die Anspielversion im letzten Jahr konnte überzeugen. Doch so niedlich und süß auch alles auf den ersten Blick aussehen mag, das Spiel bietet knallharte Jump'n'Run-Kost für geübte Gamepad-Akrobaten. Was euch alles erwartet, erfahrt ihr in meiner Review.
Dank eines Lichtwesens, das von nun an unser ständiger Begleiter wird und um ums herumschwirrt wie einst Igniculus in Child of Light, erfahren wir, dass das Gleichgewicht der Elemente wiederhergestellt werden muss, damit alles wieder wunderschön wachsen und farbenfroh erstrahlen kann. Hierzu reisen wir mit Ori durch verschiedene Gebiete und müssen einige knifflige Aufgaben lösen, damit der Mutterbaum des Nibel-Waldes seine Stärke zurückerlangt.




Großartige Märchenland-Atmosphäre
Die optische Präsentation und die märchenhafte Atmosphäre ist den Entwicklern wirklich klasse gelungen und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man an vielen Stellen dank der Detailverliebtheit, der butterweichen Animationen sowie der tollen Effekte und der erstklassigen Soundkulisse aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich seinerzeit beim ersten Ableger von Trine - zu dem kürzlich übrigens ein dritter Teil angekündigt wurde. Dass hier vier Jahre Entwicklungszeit investiert wurden, merkt man dem Spiel auch an. Ganz gleich, ob auf der Xbox One oder dem PC.
Spielerisch erhält man hier ein 2D-Plattform-Adventure, bei dem ihr in klassischer Jump'n'Run-Manier durch die Spielwelt hüpft und springt. Doch ganz so simpel, wie es sich zunächst anhört, verläuft das Ganze natürlich doch nicht. Die einzelnen Kartenabschnitte sind zunächst verdeckt und überall lauern Gefahren. Außerdem schaltet ihr auf eurer Reise verschiedene Fertigkeiten frei, durch die ihr nicht nur weiter vorankommt, sondern auch bisher unpassierbare Wege bestreiten könnt. Ähnlich wie in Outland durchstreift man also auch in Ori einzelne Gebiete nicht nur einmal. Doch über Langeweile oder gar mangelnde Abwechslung kann man sich hier nicht beschweren, schließlich gibt es mehr als ein halbes Dutzend unterschiedlicher Abschnitte, die sich auch am jeweiligen Element orientieren, dessen Gleichgewicht wir wieder herstellen müssen.
Natürlich lauern in dieser Märchenwelt auch finstere Gestalten auf euch, die sich nicht durch Hüpfen und Springen beeindrucken oder verwirren lassen. Daher erhaltet ihr von dem bereits erwähnen Lichtwesen Sein als allererste Fähigkeit die "Geisterflamme". Damit könnt ihr mit blitzartigen Geschossen auch Schaden austeilen und seid somit nicht mehr ganz so hilflos. Sobald einer der Widersacher das Zeitliche segnet, könnt ihr Erfahrungspunkte anhand von gelben Kugeln einsammeln und wenn ihr genügend davon eingesammelt habt, schaltet ihr einen Punkt für euren Talentbaum frei. Dort stehen euch drei Stränge mit Verbesserung zur Verfügung, in denen ihr eure erbeuteten Punkte investieren könnt. Neben den Talentbäumen, die euch eine gewisse Freiheit bieten, gibt es noch insgesamt neun verschiedene Fähigkeiten. Diese erlernt ihr im Laufe des Spiels an festgelegten Stellen, in dem ihr das Wissen von alten Bäumen aufsaugt. Die erste haben wir mit der "Geisterflamme" bereits kennengelernt, daneben erwarten euch im weiteren Verlauf des Spiels solche Dinge wie "Stampfen", "Stichflamme", "Doppelsprung" oder "Schweben". Durch die Vielzahl der Möglichkeiten steigt jedoch auch die Anforderung an euer Jump'n'Run-Geschick, denn natürlich wollen diese tollen Fähigkeiten auch eingesetzt werden. Die Spielwelt verlangt also stets eure vollste Konzentration, denn meist werden auch gleich mehrere Fähigkeiten in Kombination benötigt.


Anspruchsvolles Jump'n'Run Gameplay
Die Herausforderungen im Spiel sind teilweise wirklich knifflig, zudem werden besonders heikle Passagen mit dramatischer Musik untermalt, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen. Man wird mit Ori also zwangsläufig auch an einigen Stellen scheitern - mehrfach. Denn die Lebensenergie von Ori ist begrenzt und jeder Fehler wird mit Energieabzug und schließlich mit dem Tod bestraft. Dann ist es praktisch, wenn man einen guten Speicherpunkt gewählt hat. Hier erwarten euch keine festgelegten Checkpoints, sondern ihr könnt euer Spiel an beliebigen Stellen speichern, jedoch mit Ausnahmen: Mitten im Kampf geht es natürlich nicht und auch unsichere Gebiete sind tabu. Um einen solchen Speicherpunkt mittels Seelenverbindung zu erstellen, muss man auch genügend dieser blauen Kugeln eingesammelt haben, die euren Seelenbalken aufladen. Das gleiche funktioniert mit grünen Kugeln für die Lebensenergie. Beide Balken lassen sich durch bestimmte Sammelobjekte auch erweitern, sodass ihr mehr Energie speichern könnt, diese sind natürlich an besonders kniffligen oder geheimen Stellen im Spiel versteckt. Habt ihr im Talentbaum eine bestimmte Fertigkeit freigeschaltet, werden euch diese Orte sogar teilweise auf der Karte angezeigt.
Während die Story und das Vorankommen im Spiel verhältnismäßig linear verlaufen, könnt ihr die Spielwelt natürlich auch in gewisser Weise frei erkunden, speziell wenn es um die besagten Sammelobjekte geht. Die Gegner werden nach ihrem Ableben jedoch recht schnell wiedergeboren und erscheinen an gleicher Stelle erneut. Dadurch könnt ihr also nicht einfach gemütlich durch bereits besuchte Gebiete schlendern, sondern müsst euch abermals um die lästigen Widersacher kümmern. Mit stärkeren Fähigkeiten und einer gewissen Erfahrung sollte das in den meisten Fällen jedoch kein Problem darstellen. Außerdem verteilen diese auch nach wie vor wichtige Erfahrungspunkte und Energie. Knifflige Rätsel sucht man in Ori indes jedoch eher vergebens, was allerdings nicht wirklich schlimm ist, denn die Herausforderung durch die Umgebung ist schließlich schon knifflig genug. Schwer knackbare Kopfnüsse habe ich daher nicht wirklich vermisst.
Neben den unterschiedlichen Gegnern warten auf Ori auch vereinzelt kleinere Bosskämpfe, welche meist ohne große Aufregung zu meistern sind. Wirklich fies hingegen sind die jeweiligen Endsequenzen eines Baumlevels. Eine davon kennt ihr vielleicht schon aus dem Gameplay-Trailer, der zur gamescom 2014 veröffentlicht wurde und den Tim seinerzeit auch in seiner Preview beschrieben hat. Hier gilt es, unter Zeitdruck dem schnell aufsteigendem Wasser zu entkommen. Die Fähigkeit, die wir hier exzessiv einsetzen müssen heißt "Stoßen" welche es ermöglicht, sich anhand von Objekten und Gegnern durch die Gegend zu schleudern. Rückwirkend betrachtet, war dies noch eine der einfacheren Passagen. Unverkennbar hat mir Ori großen Spaß gemacht, auch wenn es nach neun Stunden immer noch das letzte Stück meines Abenteuers zu bewältigen gilt. Wer einen Wiederspielwert benötigt, kann sich an das Auffinden aller Sammelobjekte machen und natürlich locken auch Achievements - zum Beispiel ein Abschluss des Spiels in weniger als drei Stunden.
Fazit von Darius:
Der Ersteindruck und die Begeisterung haben sich bestätigt, Ori and the Blind Forest ist ein echter Hit geworden. Der Download- und Debüttitel der Moon Studios besticht durch eine großartige Atmosphäre, die nicht nur durch die tollen Animationen und eine beeindruckend detailreiche Grafik vermittelt wird, sondern auch durch den stimmungsvollen Soundtrack. Auch spielerisch kann Ori auf ganzer Linie überzeugen, wenn man auf anspruchsvolle und herausfordernde Jump'n'Run-Kost steht. Dank zahlreicher erlernbarer Fähigkeiten und eines Talentbaums mit zusätzlichen Verbesserungen werden die Möglichkeiten und gleichzeitig auch die Anforderungen immer umfangreicher. Zwar wird man einzelne Abschnitte in der Spielwelt mehrfach durchlaufen, dennoch bietet Ori genügend Abwechslung bei den Umgebungen und im Gameplay. Schlussendlich bleibt als Fazit also eine klare Kaufempfehlung, für 20 Euro kann man hier rein gar nichts falsch machen - außer, es nicht zu kaufen. Ein Dank geht an dieser Stelle auch an die Microsoft Studios, die das Spiel nicht nur für die Xbox One veröffentlicht haben, sondern es auch den PC-Spielern zugänglich machen.
- Grafik, Animationen & Effekte
- Atmosphärische Spielwelt
- Abwechslungsreiches Leveldesign
- Stimmungsvolle Musikuntermalung
- Herausforderndes Gameplay
- Preis-/Leistungsverhältnis
- Spielzeit (ca. 8-10 Stunden)
- gelegentliches Frustpotential an fiesen Stellen bzw. Abschnitten
Darius hat Ori and the Blind Forest auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Microsoft Studios zur Verfügung gestellt.
Fazit von Philipp:
Darius hat schon alles gesagt, was man über Ori wissen muss. Trotzdem wiederhole ich es gerne: es ist wirklich lange her dass ich ein Spiel förmlich verschlungen habe. Das Art-Design ist mit das Beste was die letzten Jahre über den Bildschirm geflimmert ist, die Welt ist absolut zum Verlieben und der Soundtrack hervorragend. Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Ori and the Blind Forest hat eine brutale Lernkurve und ist teilweise sogar richtig frustrierend. Da stört es dann auch, dass die Story nach einem tollen Anfang oftmals kaum weiterverfolgt und nur noch am Rande erzählt wird.
Dennoch: für 20€ bekommt man hier einen Plattformer präsentiert, der mit den Titeln der letzten Jahre den Boden wischt und zeigt, was man mit langer Entwicklungszeit und viel Hingabe erreichen kann.
- Butterweiche Animationen
- Grafik & Soundtrack herausragend
- Forderndes aber spaßiges Spielprinzip
- Sinnvoller Skill-Tree
- Viel Liebe zum Detail
- Kaum repetitive Elemete
- Kein "NewGame+" Modus
- Teils brutale Lernkruve
- Frust-Passagen
- Story flacht schnell ab
Philipp hat Ori and the Blind Forest auf der Xbox One gespielt.


#1 | 17. März 2015 um 19:57 Uhr
Wenn ja sind 367 Tote eine Menge und das zeigt das man oft Stirbt an kniffligen Stellen.
Weil mir geht es auch so, aber das Spiel erinnert mich grob an den SNES Hit Metroid. Schöne Levels welche einer fordern, aber nie unfair sind bis man sich eine Taktik zurecht legen muss um weiter zu kommen.
Also für mich ein Hit Kandidat für die Top vs. Flop Liste am Ende des Jahres 2015.
#2 | 17. März 2015 um 20:00 Uhr
DarkRaziel: Sind die Bilder von dir Kithaitaa? Wenn ja sind 367 Tote eine Menge und das zeigt das man oft Stirbt an kniffligen Stellen.
Ähm, ja. Aber ich stelle mich auch manchmal selten doof an und naja, das Alter und so. Es gibt halt Passagen, gerade diese fiesen, aber toll inszenierten Endsequenzen, wo man auch gerne mal 40-50 Versuche verballert - das läppert sich dann schnell
#3 | 17. März 2015 um 23:12 Uhr
#4 | 18. März 2015 um 11:40 Uhr
#5 | 19. März 2015 um 13:34 Uhr
Von mir auch nochmal die Empfehlung für alle, die es noch nicht ausprobiert haben aber auf dieses Genre grundsätzlich stehen: kaufen!
#6 | 19. März 2015 um 20:16 Uhr
Fetzig: Ich muss die Joystick Akrobatik machen, sie übernimmt das Ausschauhalten nach versteckten Bonis.
Hehe, es geht doch nichts über Teamwork
#7 | 14. April 2015 um 13:22 Uhr