Bladestorm: Nightmare - Review

Mit Bladestorm Nightmare liefert Koei Tecmo gleich zwei Spiele auf einer Disc. Neben dem neuen Fantasyableger mit dem Untertitel Nightmare, wird ebenfalls der Vorgänger Bladestorm - The Hundred Years' War mitgeliefert, welcher seine Premiere bereits 2007 auf der letzten Konsolengeneration feierte. Während sich das Original zumindest weitestgehend an der Geschichte Europas orientiert, halten mit der neuen Kampagne nun Drachen und Dämonen Einzug auf die Schlachtfelder Frankreichs. Wie passend das ganze inszeniert wurde, habe ich versucht, in vielen Stunden der Kriegsführung herauszufinden.


Einmal mit, einmal ohne Fantasy, bitte!



The Hundred Years' War: In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versucht England den Anspruch auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchzusetzen. Dabei kommt es zu immer größeren und blutigeren Gefechten auf französischem Boden. Die englischen Truppen, angeführt von Edward the Black Prince, stehen dabei Phillippe le Bon und seinen Chevaliers gegenüber. Mit zunehmender Intensität des Krieges steigt auch der Bedarf an Söldnern, die entweder irreguläre und unritterliche Aufgaben erledigen, oder, Schulter an Schulter mit dem regulären Heer, in die Schlacht ziehen. Ihr schlüpft dabei in die Rolle eines anfangs noch unbekannten und später gefürchteten Söldners, der für beide Fraktionen kämpfen kann. Ob ihr euch dabei für den Meistbietenden entscheidet, oder die, durch den Französischunterricht entstandene, Frankophobie oder auch Frankophilie auslebt, ist euch überlassen.

Nightmare: Joan of Arc, die eigentlich dafür bekannt ist, für den Sieg der französischen Truppen bei Orléans verantwortlich zu sein, schließt einen Pakt mit dunklen Mächten und führt ein Heer von Drachen und Dämonen gegen die englischen und französischen Streitkräfte, die sich daraufhin vereinen und gemeinsam gegen die dunkle Maid kämpfen. Ihr schlüpft dabei erneut in die Rolle eines Söldners, der auf Grund eines magischen Schwertes die Fähigkeit besitzt, selbst Dämonen zu kontrollieren und in die Schlacht zu führen. Abgefahren!


Bladestorm: Nightmare
Bei Bladestorm Nightmare habt ihr es nicht nur mit Chevaliers und Langbogenschützen zu tun


Taktisch oder operativ, was darf es denn sein?



Bei beiden Spielen verbringt ihr die Zeit zwischen den Schlachten in einem Auswahlbildschirm, der euch verschiedene Funktionen bietet. Dort erhaltet ihr Zugriff auf die Statistik eures Söldners und könnt erhaltene Erfahrungspunkte nutzen, um die Werte verschiedener Waffengattungen zu erhöhen. Außerdem könnt ihr beim Händler eures Vertrauens Ausrüstung, Waffen, Banner und Bücher kaufen und Gefundenes verkaufen. Die Rekrutierungsfunktion erlaubt es euch, Truppen anzuwerben und in der operativen Phase auf dem Schlachtfeld direkt zur Hilfe zu rufen. Während es bei "Nightmare" so nüchtern bleibt, ist das Ganze bei "The Hundred Years' War" schön verpackt im Ambiente einer Taverne, in der ihr nebenbei Konversationen mit dem Schankwirt oder auch anderen Gästen führen könnt. Zudem erhaltet ihr dort die Möglichkeit, auf eine Art Tagebuch zurückzugreifen, um euch die bis dahin vergangene Geschichte durchzulesen oder das Profil diverser Hauptcharaktere anzusehen.

In den Schlachten selbst steuert ihr nicht nur euren Söldner sondern eine ganze Gruppe an Kämpfern, deren Stärke - abhängig von euren Führungsfähigkeiten - variiert. Jede Waffengattung hat dabei ihre eigenen Spezialattacken, die ihr, als ihr Anführer, automatisch übernehmt. Abhängig von der Waffengattung hat man mal einen Vorteil, mal aber auch einen Nachteil gegenüber den feindlichen Truppen. So wird euch z.B. angezeigt, wenn ihr - in dem Fall als Chevalier - auf Lanzenträger zureitet. Wie effektiv Speere und Lanzen gegen Pferden sind, wissen wir alle spätestens seit Braveheart. Natürlich zwingt euch keiner zu einem Himmelfahrtskommando und so könnt ihr zwischen den verschiedenen Waffengattungen hin- und herwechseln, indem ihr euch einer bestehenden Formation nähert und sie per Tastendruck übernehmt. Neben den Truppen, die sich auf dem Schlachtfeld hin und her bewegen, gibt es außerdem eigene Truppenteile in Burgen, Dörfern und Städten.

Andere Truppenteile könnt ihr indirekt steuern, indem ihr ihnen Befehle erteilt. Außerdem könnt ihr mit den Truppen anderer Offiziere eine Formation bilden. Hier stehen euch entweder andere selbst erstellte Charaktere zur Auswahl, oder Söldner, die ihr im Verlauf der Kampagne kennenlernt und die ihre eigenen Fähigkeiten haben. Nach genug erfolgreichen Standardmanövern, die ihr als Formation durchgeführt habt, besteht die Möglichkeit zu einem "Bladestorm". Dabei stürmt ihr durch die Gegnermeute und macht alles dem Erdboden gleich.


Bladestorm: Nightmare
In Formation lassen sich die Fähigkeiten verschiedener Waffengattungen kombinieren


Der japanische Einfluss ist nicht zu übersehen



Ich bin ja ehrlich gesagt ein Freund von Stereotypen. Es ist schließlich nicht verwerflich, wenn es unverkennbar ist, dass ein Spiel aus dem Land der aufgehenden Sonne kommt. In manchen Fällen passt das nur leider nicht so ganz. Bladestorm versucht z.B. nicht ansatzweiße zu verstecken, wo es her kommt, wodurch das Spiel an vielen Stellen an Charme gewinnt. Allerdings gibt es auch Momente, in denen es doch einen Tick europäischer hätte sein dürfen. Neben der Tatsache, dass sämtliche Männer des Spiels, trotz Bart, unglaublich androgyn wirken, stößt man immer wieder auf kuriose Charaktere, die aussehen, als wären sie einem Manga oder Anime entsprungen. Darüber mag man bei Nightmare noch hinweg sehen können aber bei "The Hundred Years' War" wirkt das ganze nicht nur kurios sondern schon fast lächerlich. Das äußert sich bereits in der Charaktererstellung und der Möglicheit, einen Söldner mit grünen Haaren und z.B. einem roten Auge und einem Katzenauge zu erstellen. Was aber letzten Endes dem Fass den Boden raushaut, ist wohl die Option, dem Söldner eine Wayfarer-Brille aufzusetzen. Koei, ...the fuck? srsly?

Dazu kommen die fehlende deutsche und die schlechte englische Lokalisierung. Während der Schankwirt und die englischen Charaktere noch glaubhaft wirken, muss man sich bei der Vertonung vieler Franzosen wirklich fremdschämen. Nicht nur, dass der Tonfall schrecklich übertrieben ist. Auch der Akzent wirkt mehr als aufgesetzt und darüber kann ich bestenfalls urteilen, da mein Französisch zur Zeit des Schüleraustauschs viel zu schlecht war, um eine anständige Konversation zu führen und ich deswegen auf Englisch zurückgreifen musste. Ich weiß also sehr wohl, wie unsere Nachbarn klingen, wenn sie sich im angelsächsischen versuchen. Sehr passend ist hingegen die Soundkulisse auf den Schlachtfeldern. Das Stampfen und Brüllen der Truppen und das Klirren der sich kreuzenden Klingen, begleitet von orchestraler Hintergrundmusik, sorgen für die richtige Stimmung.


Bladestorm: Nightmare
Der Herr rechts im Bild ist Offizier der englischen Streitkräfte. Sieht man doch, oder?


Deswegen wohl auch kein "HD" im Titel...



Bladestorm The Hundred Years' War ist mittlerweile 8 Jahre alt und genau so sehen leider auch die Neuauflage und die Nightmarekampagne aus. Die Kantenglättung ist praktisch nicht vorhanden, Texturen sind unglaublich niedrigauflösend und die Framerate geht selbst auf der neuen Konsolengeneration in den Keller, wenn mal eine etwas anspruchsvollere Landschaft dargestellt werden soll. Das raubt zwar noch nicht den ganzen Spielspaß, ist aber trotzdem störend und vor allem unverständlich, wenn man die Hardwareentwicklung bedenkt.

Sehr ansprechend sind hingegen die neue Onlinefunktionenen. So besteht die Möglichkeit, zusammen mit einem anderen Spieler kooperativ in die Schlacht zu ziehen. Zur Auswahl stehen dabei Ereignisse aus beiden Kampagnen. Wem dabei der Wettbewerb fehlt, der darf sich bei der Eroberung von Burgen oder dem besiegen von feindlichen Offizieren messen. Außerdem könnt ihr in der Lobby, dargestellt durch eine Taverne, die Söldner anderer Spieler betrachten. Leider hat auch der Multiplayer seine Schattenseite. Ein großes Manko ist die fehlende Warteschlange bei der Suche nach anderen Spielern. Sollte zur gleichen Zeit niemand anderes nach einem Partner suchen, müsst ihr ständig eine neue Suchanfrage starten. Da es keinen Splitscreen-Modus gibt, seid ihr auf die Onlinefunktion angewiesen, wenn ihr nicht alleine spielen wollt.



Fazit von Kai:

Bladestorm ist ein klassisches Beispiel dafür, dass die durchschnittliche Meinung der Fachpresse und die der User weit auseinander gehen kann. Müsste ich das Spiel objektiv bewerten, würde es nicht mehr als drei von fünf Sternen erhalten. Für eine bessere Bewertung hat es einfach zu viele technische Macken und spielerische Ungereimtheiten. Subjektiv kann ich jedoch über viele Schwächen hinweg sehen. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass mir das Szenario des hundertjährigen Krieges sehr zusagt und zum anderen an der Spielmechanik! So abwechslungslos das Ganze auch ist: es macht immer wieder Spaß - untermalt von einer imposanten Soundkulisse - durch die gegnerischen Reihen zu stürmen, Burgen oder gar ganze Städte einzunehmen und die Schlacht für mich zu entscheiden. Sicherlich ist das Spiel kein Musterbeispiel dafür, was auf der aktuellen Konsolengeneration möglich ist aber für alle, die etwas Abwechslung suchen, definitiv einen Blick wert!

Besonders gut finde ich ...
  • zwei Spiele zum Preis von Einem
  • unverbrauchtes Szenario
  • imposante Soundkulisse
  • tolle Atmosphäre bei Truppenbewegungen
Nicht so optimal ...
  • Last-Gen-Grafik ohne echtes HD-Update
  • teilweise zu japanisch #noracist
  • wenig Abwechslung bei den Schlachten
  • kein lokaler Multiplayermodus

Kai hat Bladestorm: Nightmare auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Koei Tecmo zur Verfügung gestellt.

Bladestorm: Nightmare - Boxart
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  • Entwickler:Omega Force
  • Publisher:Koei Tecmo
  • Genre:Action-Strategie
  • Plattform:PS3, PS4, Xbox One
  • Release:20.03.2015