Xenoblade Chronicles 3D - Review
I'm really feeling it! - Jetzt auch in 3D und für die Hosentasche
Ein wenig überraschend war es schon, dass Nintendo vergangenes Jahr als ersten (und hoffentlich nicht einzigen) Exklusivtitel für den New Nintendo 3DS ausgerechnet eine Portierung von Xenoblade Chronicles ankündigte. Nichts gegen das Spiel an sich, ich habe es damals auf der Wii geradezu verschlungen, aber ich war doch sehr skeptisch, ob sich ein solch monumentales Rollenspiel überhaupt auf den kleinen Bildschirm quetschen ließe. Mit Xenoblade Chronicles 3D beweisen Monolith Soft und Monster Games, dass es rein prinzipiell möglich ist - aber dass ein solcher Systemwechsel nicht ganz ohne unschöne Einschränkungen vollzogen werden kann.




Das Rollenspiel-Epos im Kleinformat
Xenoblade Chronicles ist ein fantastisches Japan-Rollenspiel, vielleicht gar das beste, was das Genre in den vergangenen zehn Jahren hervorgebracht hat, daran gibt es nichts zu rütteln und erwartungsgemäß hat sich daran auch am New 3DS - die Betonung liegt auf "New", der alte 3DS kann das Spiel nicht starten - nichts geändert. Wer schon auf der Wii in den Genuss dieses meisterhaften Epos' gekommen ist, der weiß, was ihn erwartet: ein über hundert Stunden langes, spannend erzähltes, mit wunderschöner Grafik und Musik untermaltes Abenteuer, das von "I'm really feeling it!" über die erste Erkundung der Gaur-Steppe bis hin zu dem herrlichen Panorama der Küste des Eryth-Meers etliche Momente bietet, die einem noch Jahre hinweg im Gedächtnis bleiben. Das sind Superlative, mit denen ich schon vor knapp vier Jahren in meiner Review zum Wii-Original um mich geworfen habe, und die ich an dieser Stelle nur wiederholen kann, denn wenn die New-3DS-Umsetzung eines beweist, dann, dass Xenoblade Chronicles kaum etwas von seiner Faszination eingebüßt hat. Ein klein wenig vielleicht, bedingt durch den zwangsläufig kleineren und körnigeren Bildschirm.
Abgesehen von diesem verschmerzbaren grafischen Downgrade und einiger für heutige Verhältnisse katastrophaler Texturen ist und bleibt Xenoblade dennoch ein wahrer Augenschmaus - die enorme Sichtweite und der Blick über die gigantischen Landschaften, die von saftigen Steppen über dichte Wälder, glitzernde Meere und verschneite Berge reichen, sind wahrlich beeindruckend. Wer möchte, kann all das nun erstmals auch in stereoskopischem 3D betrachten - einen wirklichen Mehrwert gibt es dadurch nicht, aber durch das Eye-Tracking-System des New 3DS bleibt die Dreidimensionalität wenigstens stabil. Nett und anfangs schön anzuschauen, ich habe den Effekt aber nach einer Weile wieder deaktiviert, um die Augen zu schonen.
Was gibt es sonst noch zu Xenoblade Chronicles 3D zu sagen? An sich nicht viel - das Spiel im Modul ist das gleiche wie auf der Wii-Disc. Die alternative japanische Sprachausgabe wurde gestrichen, als Entschädigung eine Jukebox ergänzt, in der man sich den fantastischen Soundtrack nochmals separiert zu Gemüte führen kann. Und: Setzt ihr den Shulk-amiibo auf die NFC-Fläche des Handhelds auf, schaltet ihr gleich eine Reihe an Musikstücken frei. Damit hätten wir die Unterschiede zwischen beiden Versionen auch schon abgehakt. Euch steht es frei zu wählen, welche ihr bevorzugt. Ich persönlich rate für das vollkommene Erlebnis nach wie vor zur Wii: Am großen Fernseher machen die Landschaften einfach so viel mehr her und gerade bei solch umfangreichen Spielen wie Xenoblade bevorzuge ich es, an einer Konsole zu spielen. Habt ihr keine Wii da oder spielt gerne unterwegs, macht ihr mit der mobilen Version aber ebenfalls keinen Fehlgriff. Die Entscheidung liegt bei euch - spielen solltet ihr Xenoblade aber unbedingt, wenn ihr mit JRPGs etwas anfangt!
Plant ihr mit der Anschaffung der digitalen Download-Version, solltet ihr übrigens eine ausreichend große Speicherkarte besitzen, da Xenoblade Chronicles 3D satte 3.6 Gigabyte bzw. 28.832 Blöcke wiegt - eine gewaltige Datengröße für ein 3DS-Spiel. Damit passt das Spiel nicht auf die standardmäßig mitgelieferte 4GB-Speicherkarte!
Fazit von Tim:
Mich wundert es kaum, dass der originale 3DS nicht in der Lage war, dieses monumentale Spiel zu stemmen. Allerdings wirkt Xenoblade Chronicles auch für den New 3DS noch eine Spur zu groß. Zwar ist die Umsetzung bis auf den leichten grafischen Downgrade und einige Texturen, die noch gruseliger aussehen als damals auf der Wii, sehr gut gelungen, aber trotzdem fühlt sich das Spiel auf dem Handheld nicht ganz so wohl wie auf dem großen Fernseher. Ich würde euch weiterhin raten, dieses wunderbare Meisterwerk der JRPG-Geschichte auf der Wii zu spielen. Habt ihr keine Wii, sondern lediglich einen New 3DS, dann macht ihr jedoch auch mit der Handheld-Version nichts verkehrt. Entscheidend ist, dass ihr Xenoblade erlebt - wie und wo, das bleibt eure Entscheidung.
Ein nach wie vor magisches und fantastisches Abenteuer - das seine Qualitäten allerdings auf dem kleinen Bildschirm nicht ganz so gut entfalten kann wie auf der Wii.
- immer noch eines der allerbesten JRPGs
- herrliche Panoramen und tolles Artdesign
- freies Speichern passt gut auf Handheld
- zauberhafte musikalische Untermalung
- neu: Jukebox und schöner 3D-Effekt
- teilweise geradezu katastrophale Texturen
- Faszination der Welt etwas geschrumpft
- Spiel fühlt sich zu groß für den 3DS an
Tim hat Xenoblade Chronicles 3D auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

