Affordable Space Adventures - Review

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, ferne Welten zu erkunden - und das in seinem eigenen kleinen Raumschiff? In Affordable Space Adventures für die Nintendo Wii U wird dieser Traum dank des fiktiven Unternehmens UExplore Realität. Gegen kleines Geld kann man dort eine Dreitagesreise nach Spectaculon buchen und in einem Miniatur-Raumschiff, einem SmallCraft, durch märchenhafte Meere, saftige Wälder und geheimnisvolle Höhlen schippern - zumindest auf dem Papier. Denn aus der geplanten Weltraum-Safari wird durch ein schweres Gewitter ein harter Überlebenskampf, in dem das Wii U GamePad als zentrales Steuersystem des SmallCraft fungiert. Letzteres ist das große Alleinstellungsmerkmal des ungewöhnlichen Indie-Titels - die Frage ist nur, ob das auch Spaß macht, oder ob das Gimmick unnötig aufgeblasen wurde.

Viel mehr als das, was ich euch schon oben im Teasertext verraten habe, gibt es zur Geschichte von Affordable Space Adventures auch eigentlich nicht mehr zu sagen. Dialoge finden im ganzen Spiel nicht statt, erzählerisch tut sich bis zum Epilog quasi gar nichts mehr. Was für andere Spiele zum Genickbruch werden kann, ist hier allerdings nur halb so schlimm. Denn einerseits ist diese Simplizität sehr erträglich für die Atmosphäre - man fühlt sich umso isolierter, wenn man durch die finsteren Grotten taucht, und achtet umso mehr auf die leise, aber stimmungsvolle Hintergrundkulisse. Und andererseits muss man natürlich beachten, dass es sich bei Knapnok um ein kleines Indie-Studio handelt - dafür wirkt das Spiel erstaunlich professionell.


Affordable Space Adventures
Nicht in den Laserstrahl hineinfliegen, sonst wird der arme Weltraumtourist zum Brathähnchen!


All engines running ...



Das Spielgeschehen selbst ist ziemlich schnell erklärt: Man steuert das SmallCraft durch 38 kleine, aber teilweise clever verzweigte Abschnitte der zweidimensionalen Spielwelt, löst hier und da ein Rätsel, schiebt Steinblöcke vor Laserstrahlen und bugsiert sich langsam und vorsichtig zwischen den Sicht- und Gehörradien antiker Selbstschussmaschinen hindurch. So weit, so unspektakulär - doch nimmt man das Wii U GamePad erst einmal selbst in die Hand, dann merkt man schnell, dass Affordable Space Adventures so klassisch gar nicht ist. Denn der erste Eindruck täuscht gewaltig - mit simplem Knöpfchen-Drücken ist es hier nicht getan.

Es ist nicht das erste Mal, dass Knapnok mit der Wii U arbeitet; manch einer erinnert sich womöglich an das ziemlich schräge Spin the Bottle: Bumpie's Party (oder hat die Erinnerung schon verdrängt - so ganz offiziell hat das doch keiner gespielt, oder?). Schon dort hatte sich das Team Gedanken darüber gemacht, wie man das Wii U GamePad clever und innovativ nutzen kann. Bei Affordable Space Adventures geht Knapnok allerdings noch einen Schritt weiter. Hier dient der Touchscreen des GamePads als ein virtuelles Cockpit mit einer Vielzahl an Hebeln, Schaltern, Anzeigen und Skalen - und alle Steuerelemente müssen selbst bedient werden. Das klingt unfassbar kompliziert, dankbarerweise werden die einzelnen Features des SmallCraft aber erst mit der Zeit freigeschaltet. So kann man sich nach und nach in die Materie einarbeiten und alles der Reihe nach erlernen. Zumal nahezu jedes Level ein neues Spielelement einführt, bis dann später in den letzten Levels alles miteinander vermischt wird und absolutes Multitasking notwendig ist - sehr schön.

In der Praxis tippt man also ständig auf dem GamePad umher, aktiviert und deaktiviert einzelne Geräte, Werkzeuge und Features des SmallCrafts und bugsiert das Raumschiff so sanft und vorsichtig wie möglich durch die mit Hindernissen gespickten Levels. Um beispielsweise an den erwähnten Selbstschussmaschinen vorbeizukommen, muss man unbedingt leise sein, um nicht gehört zu werden. Also nichts wie aus mit dem lauten und scheppernden Benzinmotor - der Elektroantrieb ist nahezu geräuschlos und außerdem kann man damit viel geschmeidiger fliegen. Doch schon aus der Ferne erkennt man hinter der Selbstschussanlage eine Mine mit Hitzesensor - die würde unweigerlich auf das SmallCraft reagieren, wenn ich da mit meiner aktuellen Konfiguration vorbeigleiten würde. Was kann ich tun? Den Schwebestabilisator ausschalten? Das würde schon funktionieren, das Fliegen aber enorm erschweren. Die Antigravitation um einige Stufen zurückschrauben? Das würde wiederum mehr Motorleistung erfordern und die Hitze wieder erhöhen - geht also auch nicht ...


Affordable Space Adventures
Die meiste Zeit geht es durch finstere Höhlen. Gut, dass es einen Scanner und eine Lampe gibt!


Mayday, Mayday!



Es ist also viel Nachdenken gefragt und oft lohnt sich auch das Experimentieren, da es für fast jedes Hindernis mehrere Lösungswege gibt. Glücklicherweise ist es auch nicht schlimm, wenn man nicht richtig aufpasst und sich von wabernden Greifpflanzen oder versteckten Minen erwischen lässt - dank fair gesetzter Checkpoints kann man meist direkt vor dem entsprechenden Hindernis weitermachen. Genau das ist auch das Herzstück von Affordable Space Adventures. Es gibt so viele Möglichkeiten, das SmallCraft durch die Hindernisparcours zu navigieren - und das manuelle Bedienen der Steuerelemente auf dem Touchscreen fühlt sich dabei richtig intuitiv an! Dieses Spiel zeigt einmal mehr, zu was das Wii U GamePad alles in der Lage ist, wenn man sich Gedanken darüber macht - zu schade, dass so wenige andere Entwickler den Controller zu schätzen wissen.

Bei all der Arbeit, die in die Entwicklung der Spielmechanik geflossen ist, ist aber leider das Drumherum ein wenig untergegangen. Nichts gegen den Schauplatz an sich: Die dunklen, oft von kleinen Pflanzen minimal beleuchteten Höhlensysteme sind ungemein atmosphärisch, erst recht im Zusammenspiel mit der stimmungsvollen (aber einseitigen) Hintergrundmusik. Auch wenn man mit dem Raumschiff den Boden beleuchtet oder dem Scanner die Umgebung analysiert, sieht das wirklich schick aus. Und gerade der Anfang des Abenteuers mit dem Gewitter sorgt wirklich für ein beklemmendes Gefühl. Knapnok hat es jedoch verpasst, mehr aus dem extraterrestrischen Setting herauszuholen - auf Dauer gleichen sich die Umgebungen sehr, auch die Farbgebung könnte mehr Varianz vertragen. Es fehlt langfristig an visueller Abwechslung - was gerade deshalb besorgniserregend ist, weil das Spiel mit knapp 4 1/2 Stunden Spielzeit sowieso nicht allzu lange dauert - und an Überraschungen in der Spielwelt. Gegen Ende verliert Affordable Space Adventures damit einfach an Wirkung und Sogkraft. Und auch die Rätsel hätten verdrehter, anspruchsvoller sein können.

Nichtsdestotrotz: Es ist den Jungs und Mädels aus Dänemark bravourös gelungen, das GamePad sinnvoll einzubinden bzw. ein Spiel um das GamePad herum zu designen. Wer Angst vor Isolation im Weltraum hat, kann übrigens auch bis zu zwei Freunde als Co-Piloten mit in das SmallCraft nehmen - die spielen dann mit WiiMote und Pro Controller, wobei die Bedienung der Steuerelemente einfach untereinander aufgeteilt wird. Das ist schon ganz nett, alleine empfand ich den Überlebenskampf aber als packender und intuitiver.



Tim

Fazit von Tim:

Endlich wieder ein Spiel, das das Wii U GamePad sinnvoll nutzt! In Affordable Space Adventures dreht sich alles um den Controller und sein Touchpad - und das wirkt nicht aufgesetzt, sondern absolut natürlich und spielt sich richtig intuitiv. Jedes Hindernis in den 38 Spielabschnitten macht neugierig und weckt die Experimentierfreude. Leider geht auf Dauer einiges von der anfänglichen Begeisterung und Faszination flöten - zu gleichförmig werden die Rätsel und Umgebungen. Das ist gerade deshalb etwas schade, weil das Abenteuer mit seinen knapp 4-5 Stunden Spielzeit sowieso nicht wirklich lang anhält. Trotzdem hat mich Affordable Space Adventures gut unterhalten und es zeigt so vielen anderen Entwicklern da draußen, warum es sich lohnt, das GamePad für mehr als nur eine Minimap und Off-TV-Play zu nutzen. Für seinen Preis von 18,99€ ist das Spiel vielleicht noch etwas zu teuer, aber sobald es einen Sale gibt, ist es absolut "affordable". Ich kann euch nur ans Herz legen, die Reise mit dem SmallCraft zu wagen.

Ein sehr atmosphärisches und spielerisch einzigartiges Abenteuer, dessen anfängliche Faszination langfristig etwas schwindet. Nichtsdestotrotz: So nutzt man das GamePad!

Besonders gut finde ich ...
  • indirekte Steuerung, einzigartiges Spielgefühl
  • Rätsel bieten ausreichend Raum für Experimente
  • atmosphärische Kulissen, tolle Beleuchtung
  • vorbildliche Implementierung des GamePads
  • auch zu dritt an einer Konsole spielbar
Nicht so optimal ...
  • langfristig visuell eher abwechslungsarm
  • zu schnell durchgespielt (nur 38 Levels)

Tim hat Affordable Space Adventures auf der Nintendo Wii U gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nifflas Games zur Verfügung gestellt.

Affordable Space Adventures - Boxart
  •  
  • Entwickler:KnapNok Games
  • Publisher:Nifflas Games
  • Genre:Plattform-Puzzler
  • Plattform:WiiU
  • Release:09.04.2015