Devil May Cry: Definitive Edition - Review
Wie wär's mal mit gesunder Ernährung?
Hat noch jemand etwas Geld in seinem Portemonnaie? Inmitten der schier unüberschaubaren Anzahl etlicher HD-Remakes hat auch Capcom wieder zugeschlagen und liefert die nächste Neuauflage ab. Dieses Mal ist es kein Resident Evil, sondern ein Devil May Cry. Schon bei seiner Erstveröffentlichung sorgte der fünfte Serienteil für einiges an Aufschrei. Auch ich habe mir mit den ersten Schritten im Limbus nicht wirklich leicht getan. Warum der neue Dante in 1080p und schicken 60fps mich schlussendlich doch noch überzeugen konnte, könnt ihr in meiner Review zur Definitive Edition nachlesen.
Coca-Cola ist ungesund ...
Hat man den Prolog erst einmal überstanden, wird klar, worum es in Devil May Cry eigentlich geht. Es stehen nicht nur Partys, Drogen und Alkohol im Vordergrund - Dante hat stattdessen den Auftrag, mal wieder die Welt zu retten. Limbo City, Spielort der Story, liegt unter einer Dunstglocke und unter Kontrolle von Kyle Ryder, der sich die Menschheit mit Hilfe eines Energydrinks zum Untertan gemacht hat. Schon die Zahnfee in der Grundschule hat gesagt, dass zu viel Zucker bleibende Schäden an Zähnen und vielleicht auch im Gehirn hinterlassen kann. Tja, so doof wie die Menschheit nun mal ist, konsumiert sie weiter den Drink, weshalb nur ein Schlag gegen den Boss der Firma etwas bewirken kann. Doch warum sollte eben genannter Kyle Ryder so etwas tun? Welche Absichten stecken hinter seinem Unterfangen? Nun, der Körper von Ryder dient quasi als Tarnung für den Dämonenfürsten Mundus, der es auf die totale Herrschaft abgesehen hat. Zugegeben, etwas verrückt ist dieser Ansatz ja schon, aber dennoch zieht eben genau jener nette Parallelen zur echten Welt, in der Reality-TV und YouTube-Katzenvideos die Menschheit von den wirklich wichtigen Dingen ablenken.

Neben der echten Welt, in der die Menschen sich weiter mit zuckerhaltigen Getränken vollpumpen, wird Dante immer wieder in die Welt des Limbus entführt. Diese Welt ist quasi eine Vorhölle, in der teuflische Dämonen ihr Unwesen treiben. Mit dem Unterschied, dass sich hier alles transformieren kann und Dante über seine übernatürlichen Kräfte verfügt. So schweben schon mal etliche Gegenstände durch die Gegend, ganze Straßenzüge brechen ab oder schieben sich zusammen oder verwandeln sich gar in eine abgedrehte digitale Disco-Welt. Dennoch bleibt das Leveldesign stets linear, was nicht zwingend bedeutet, dass es nicht trotzdem genug zu entdecken gibt. Überall gibt es sogenannte verlorene Seelen zu finden, welche in den Wänden gefangen gehalten werden. Zudem gibt es in jedem Level noch einen geheimen Abschnitt zu entdecken – dieser kann allerdings nur mit dem passenden Schlüssel geöffnet werden. Dort müssen dann beispielsweise 20 Dämonen innerhalb von zwei Minuten getötet werden. Zwar ist dieser Ansatz nicht wirklich bahnbrechend, trotzdem lockern die kleinen Herausforderungen den Spielverlauf auf und können zudem nach Abschluss der Story aus dem Hauptmenü heraus erledigt werden.
Gut oder Böse?
Auch wenn der Ur-Dante den Serientod gestorben ist, hat er doch etwas mit dem neuen Dante gemeinsam. Der auf modern getrimmte Protagonist führt nämlich sein Schwert Rebellion und die beiden Pistolen Ebony und Ivory mit sich. Im weiteren Spielverlauf findet Dante darüber hinaus noch etliche andere Waffen, welche die Combo-Anzeige in die Höhe treiben sollen - den richtigen Einsatz vorausgesetzt. Dieser ist, zugegeben, für einen Serienneuling (oder doch Opa?) eventuell nicht ganz so einfach zu meistern. Alle erspielten Waffen können über das Steuerkreuz des PS4-Pads angewählt werden. In der ganzen Hektik passiert es gerne mal, dass die falsche Waffe erwischt wird und die Combo schnell zu scheitern droht. Beherrscht man dieses System allerdings mit zunehmender Spielzeit problemlos, bekommt man eines der dynamischsten und coolsten Kampfsysteme der letzten Jahre serviert.
Serientypisch kombiniert Dante Nahkampfangriffe, um Gegner in die Luft zu schleudern, und zieht diese dann mit seinem Enterhaken zurück zu sich, um sie mit einer fetten Axt in zwei zu spalten. Selten machen immer wiederkehrende Kämpfe so Spaß wie im Reboot von Devil May Cry. Im Kampf treibt die Combo-Anzeige außerdem immer wieder dazu an, die Kombinationen zu wechseln, um einen höheren Rang zu erreichen. Nur wer sich mit dem SSS-Rang schmücken darf, hat wirklich mit Stil und jeder Menge Kombinationen die Gegner-Horden eliminiert und verdient am Ende jeder Mission sogar noch einige Belohnungen. Durch eben jenes System kommt so gut wie jede Waffe zum Einsatz, sodass es allein beim Spieler liegt, wie er diese letztendlich einsetzen möchte. Dabei sollte beachtet werden, dass sowohl dämonische als auch Engelswaffen zum Einsatz kommen. Als sogenannter Nephilim ist Dante nämlich ein Mischwesen aus Dämon und Engel, was ihm ermöglicht, auf Waffen und Fähigkeiten aus beiden Lagern zuzugreifen. Dies ist auch bitter nötig, da einige Gegner nur mit bestimmten Engels- oder eben Dämonenwaffen erledigt werden können.

Schenk mir Skillpunkte
Ist eine Mission abgeschlossen, erhält Dante für getötete Gegner einen hohen Combo-Rang und für die benötigte Zeit Erfahrungspunkte. Diese können an einer Statue verwendet werden, um Gegenstände zu kaufen oder Skillpunkte einzusetzen. Dabei ist der Fähigkeitenbaum von Dante ziemlich umfangreich ausgefallen. Sollten während der Hauptstory nicht alle verlorenen Seelen und Geheimtüren gefunden sein, ist es nicht möglich, alles aufs Maximum zu leveln. Daher sollte, je nach Kampfstil, immer gut überlegt werden, wie die Skillpunkte eingesetzt werden. Brauche ich einen Doppelsprung oder motze ich mir doch lieber meine beiden Pistolen auf?
Neben der Möglichkeit zu skillen kann man im Shop auch Gegenstände kaufen, die Dantes Energie auffüllen oder gar die Möglichkeit geben, nach dem Ableben exakt an der gleichen Stelle wieder einzusteigen.
Ist der Held erst einmal ordentlich aufgewertet, bekommt es Dante mit einer Vielzahl an verschiedenen Gegner zu tun, die alle über ihr eigenes Angriffsmuster verfügen. Somit müssen die Abläufe, wie die Gegner angreifen, genau analysiert werden, bevor man stumpf drauflosschlägt und selbst jede Menge Schaden kassiert. Insbesondere die Bossgegner stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Um deren jeweilige Schwachstelle finden zu können, muss hin und wieder auch die Umgebung mit einbezogen werden. Diese Kämpfe sind während der Spielzeit ordentlich verteilt und jederzeit spektakulär inszeniert. Ach, und wenn Dante nicht gerade am Kämpfen ist, bekommt er es mit einigen Geschicklichskeitpassagen zu tun. Diese haben mir als Jump'n'Run-Fan erster Stunde besonders gut gefallen. Zwar sind sie meist recht einfach zu meistern, gönnen mir aber auch mal eine Verschnaufpause und lassen mich noch tiefer in die Welt des Limbus eintauchen.
Und was ist jetzt wirklich neu?
Als größter Unterschied zu den Last-Gen-Fassungen dürfte die hohe Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde ins Auge fallen. Selbstverständlich berechnen die Current-Gen-Konsolen Devil May Cry nun auch in scharfem Full-HD. Zwar kommt es auch hier und da mal zu gelegentlichen Bildrateneinbrüchen, doch da diese wirklich sehr selten auftreten, fallen sie im Kampfgeschehen weniger auf. Zusätzlich zur Hauptstory gibt es den DLC Vergils Untergang obendrauf. Der knapp drei- bis vierstündige Zusatzinhalt lässt den Spieler in die Rolle von Dantes Bruder Vergil schlüpfen, der aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschichte anders erlebt und hier und da noch ein paar Hintergrundinformationen über die Hauptstory einstreut. Außerdem dürfen im Kampf nun Gegner wieder manuell anvisiert werden. Dies war zuletzt im ersten Teil der Serie möglich. Da dieser der letzte war, den ich gespielt habe, freute mich diese Design-Entscheidung natürlich sehr.
Sollte trotz der fantastisch erzählten Story mal die Luft raus sein, gibt es da noch den neuen Turbomodus. Dabei lässt Capcom Dante 20% schneller durch die Spielwelt hüpfen und kämpfen. Besonders Veteranen und Serienkenner sollten an diesem Feature den meisten Spaß finden. Erinnert ihr euch noch, als ich zu Beginn geschrieben habe, dass der alte Dante tot sei? Naja, so ganz stimmt das nicht. In den Charaktereinstellungen gibt es nun auch Skins, welche den neuen Dante ganz schnell in den alten verwandeln können. Zwar taucht der neue Dante dann in der einen oder anderen Zwischensequenz auf, doch wer auf den alten Protagonisten nicht ganz verzichten kann, hat hier die Möglichkeit, zumindest etwas Nostalgie aufleben zu lassen. Die Skins sind im Übrigen direkt über das Menü in jedem Missionsbildschirm anwählbar.
Fazit von Kevin:
Devil May Cry hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Im Grunde steckt hinter der auf hip und modern getrimmten Fassade noch immer das Devil May Cry, welches ich vor Jahren lieben gelernt habe. Ninja Theory hat es dabei geschafft, einige der alten Tugenden gekonnt weiterzuentwickeln und ein effektreiches Actionfeuerwerk abfackeln. Ob es diese Umsetzung nun wirklich gebraucht hat? Nun, für alle die Devil May Cry auf der Last-Gen verpasst haben, ist der Titel in der Remaster-Welle durchaus eine Alternative. Zumal der Preis für eine Neuveröffentlichung meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt ist. Kenner des Spiels sollten sich die Neuerungen (Turbo Modus, Vergils DLC) ganz genau anschauen und dann überlegen, ob sich ein Neukauf wirklich lohnt.
- passender Soundtrack (Heavy-Metal, Elektro)
- fantastisches Kampfsystem
- gelungene Boss-Kämpfe
- viele verstecke Gimmicks
- hervorragendes Level-Design
- flüssige Animationen
- Gegnervielfalt
- altbackene Texturen
- teils leblose Gesichter
- gelegentliche Bildrateneinbrüche
- Anfängerunfreundlich
Kevin hat Devil May Cry: Definitive Edition auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.


#1 | 7. Mai 2015 um 20:18 Uhr