Auto-Werkstatt-Simulator 2015 - Review

... mit Ölverschmierten Flossen in der Werkstatt steh'n! Was von Werner Beinhart und Torfrock schon seit bald 20 Jahren besungen wird und was seit noch vielen weiteren Jahrzehnten nicht nur Beruf für viele ist, sondern auch Hobby, findet mit dem Auto-Werkstatt-Simulator 2015 zum zweiten Mal seinen Weg auf den PC. Doch während der Vorgänger noch sehr einseitig war und man mehr den Mechatroniker-Gesellen gespielt hat, der lediglich moderne Autos repariert, geht der Nachfolger neue Wege. Der neue Mechaniker ist bärtig, tätowiert und repariert nicht nur moderne Autos sondern ersteigert auch Oldtimer, die er restauriert. Ob sich das für jedermann interessant gestaltet oder ob das Spiel lediglich für eine kleine Nischengruppe geeignet ist, habe ich versucht, in mehr als 15 Stunden Spielzeit für euch herauszufinden.


Das Spiel beginnt recht simpel. Ihr legt euch ein Profil an, startet das Spiel und steht inmitten eurer Werkstatt. Dort habt ihr – neben einer normalen Stellfläche – zwei Hebebühnen, eine Werkbank, einen Werkzeugkasten, eine Leiter zur Werkstatt-Anpassung und einen Schreibtisch mit Computer und Telefon. Der Diagnosepfad, das Farbgeschäft (eigentlich Lackiererei) und der Parkplatz kommen erst im späteren Verlauf hinzu. Das Spiel läuft dann folgendermaßen ab: das Telefon klingelt und ihr bekommt verschiedene Aufträge angeboten. Gleichzeitig seht ihr, welche Probleme die Fahrzeuge haben. Nachdem ihr euch für einen Auftrag entschieden habt, landet das Fahrzeug auf der Stellfläche, von der aus ihr es auf die Hebebühne oder später auch in das Farbgeschäft bewegen könnt. Über ein Menü könnt ihr sehen, welche Teile am Fahrzeug ausgetauscht werden müssen. Anfangs werden euch noch alle Teile genannt, später müsst Geräte wie den Elektronischen Zähler, das Druckprüfgerät oder den OBD-Scanner nutzen, um Fahrzeugkomponenten auf ihre Funktion zu überprüfen. Außerdem könnt ihr auf den Diagnosepfad oder auf eine Teststrecke, um mehr Informationen über die Probleme zu erhalten.

Sobald ihr einen Überblick über alles habt, beginnt die eigentliche Reparatur. Dazu entfernt ihr alle fehlerhaften und defekten Teile. Einige davon könnt ihr an der Werkbank reparieren, andere wiederum müsst ihr an eurem Computer bestellen. Anschließend baut ihr die funktionstüchtigen Teile ein, beendet den Auftrag und erhaltet Geld und Erfahrung. Ihr steigt Stufen auf, verbessert eure Fähigkeiten am Werkzeugkasten (wie z.B. schnelles Schraubenlösen, schnelles Zerlegen/Zusammenbauen und schnelle, manuelle Prüfung) und schaltet die restlichen Abschnitte der Werkstatt frei, die gleichzeitig einiges an Geld kosten. Dabei werden die neuen Aufträge immer komplexer und schwieriger, bringen aber auch mehr Geld ein.


Auto-Werkstatt-Simulator 2015
Überraschend: optisch kann sich der Auto-Werkstatt-Simulator 2015 wirklich sehen lassen


Die Werkstatt kann sich sehen lassen



Optisch ist der Auto-Werkstatt-Simulator 2015 wirklich gut gelungen. Nicht nur die Werkstatt sieht gut aus, sondern auch die Fahrzeuge und mit ihnen alle Komponenten. Sobald ihr das Fahrzeug auf der Arbeitsfläche oder der Hebebühne habt, könnt ihr die Karosserie ausblenden und einen Blick auf das Fahrgestell werfen. Dort seht ihr den Motor mit Anbauteilen, das Getriebe, das Fahrwerk, die Bremsanlage und die Abgasanlage. Sämtliche Teile sind dreidimensional modelliert und lassen sich nahezu komplett zerlegen. Natürlich nur in der richtigen Reihenfolge, allerdings hilft euch hierbei das Spiel, da es angezeigt wird, sollten erst andere Teile entfernt werden müssen, um an die eigentliche Problemstelle zu gelangen.

Mit steigender Erfahrung kommen auch komplexere Aufgaben auf euch zu. Neben dem regulären Reihenvierzylinder Motor gibt es klassische und moderne V8 Motoren, das Getriebe sitzt mal vorne und mal hinten am Fahrzeug (inkl. Gelenkwelle) und natürlich gibt es auch Allrad. Fahrwerk und Bremsanlage unterscheiden sich auch gewaltig. So kommt das alte Muscle Car mit Blattfedern und Trommelbremsen hinten, während moderne Autos entsprechend anders aufgebaut sind. Selbst die Abgasanlage ist an den jeweiligen Motor angepasst.


Auto-Werkstatt-Simulator 2015
Es beginnt beim Reihenvierzylinder und wird immer komplexer


Autos restaurieren – jetzt geht's ans Eingemachte



Habt ihr Stufe 9 erreicht, könnt ihr den Parkplatz freischalten und Autos ersteigern. Ersteigerte Autos lassen sich dann – inkl. der Karosserie – restaurieren und gewinnbringend verkaufen. Allerdings ist das ein ganzes Stück Arbeit, denn im Gegensatz zu regulären Reparaturen, die meist zwischen 5 und 20 Minuten dauern, muss das Fahrzeug komplett zerlegt werden. Außerdem fällt der Gewinn mal größer und mal geringer aus, je nachdem, ob ihr Teile reparieren könnt oder alles neu einkaufen müsst. Am Ende habt ihr gut 30 bis 40 Minuten damit verbracht, den Wagen zu restaurieren und das Ergebnis kann sich auch meistens sehen lassen. Alternativ könnt ihr die Fahrzeuge auch auf eurem Parkplatz (einer Garage) abstellen und sie so sammeln bzw. immer wieder betrachten. Das mag bisher noch etwas sinnlos klingen, allerdings lässt das Spiel sowohl offizielle-, als auch Community-Mods zu. Mal sehen, was da noch alles auf uns zukommt. Sicher ist bisher nur, dass es Zusatzinhalte geben wird, die weitere Fahrzeugtypen wie Youngtimer und Hot Rods enthalten.

Ein großer Wermutstropfen ist, dass ihr viele Stunden damit verbringen werdet, an Kleinwagen rumzuschrauben, bis ihr endlich mit dem Restaurieren beginnen könnt. Ich habe beispielsweise 8 Stunden benötigt um endlich Stufe 9 zu erreichen und hatte nach dem Kauf des Parkplatzes nicht mehr das nötige Geld, überhaupt den ersten Wagen zu ersteigern. Das ist auch der größte Kritikpunkt. Gerade die Möglichkeit, Oldtimer zu restaurieren, hat das Spiel für mich besonders interessant gemacht und wie der Trailer suggeriert, sollte das auch die eigentliche Aufgabe des Spiels sein. Dem ist jedoch (noch) nicht so.


Auto-Werkstatt-Simulator 2015
Im Auktionshaus habt ihr die Möglichkeit, Autos zu ersteigern


Virtuell das Schrauben lernen?



Es wäre vielleicht etwas übertrieben zu behaupten, dass man durch das Spiel lernt, am echten Auto zu schrauben, aber wer sowieso Interesse daran hat, der wird der Thematik definitiv etwas näher gebracht. Am echten Auto gibt es allerdings noch Kleinigkeiten, die im Spiel so nicht vorkommen. Bremsscheiben müssen z.B. mit einer Sicherungsschraube an der Radnabe befestigt werden. Außerdem müssen sie sauber sein (Bremsenreiniger). Bremsbacken müssen "zurückgedrückt" werden, bevor die Bremsklötze Platz finden. Dazu muss das Bremsflüssigkeitsbehältnis geöffnet werden, um den Überdrück zu verhindern. Das sind Kleinigkeiten, die letzten Endes notwendig sind und so im Spiel nicht abgebildet werden. Beim Motor oder auch der Zündanlage ist noch viel mehr Vorsicht geboten. Hier lest ihr besser die passende Lektüre dazu, schaut euch Videos an oder wagt euch beim ersten Mal zusammen mit einem Bekannten an die Reparatur, der bereits Erfahrung hat.


Was dem Spiel fehlt ...



... sind Modifikationsmöglichkeiten für die Fahrzeuge. Der Parkplatz macht eigentlich keinen Sinn, wenn man mit den Fahrzeugen nichts anstellen kann, außer sie dort zu parken. Ich würde mir z.B. mehr Tuningmöglichkeiten wünschen, durch die ich meinen Motor mit einem Turbo oder Kompressor verstärken kann. Auf einem alten V8 würde sich sicherlich auch ein riesiger "Blower" gut machen, der aus der Motorhaube herausragt. Zudem könnte man die Schaltzeiten durch bessere Getriebe optimieren. Das Sahnehäubchen wären dann z.B. Rennen auf der Viertelmeile und die Möglichkeit, Preise zu gewinnen. Das Fahrzeuginterieur gibt es ja bereits, schließlich steuert ihr auf der Teststrecke euer Fahrzeug selbst. Mal sehen, was uns die Zukunft bringt!

Ach, bevor ich es vergesse: dem Spiel fehlt ein anständiger Soundtrack. Während der Trailer noch mit industriellen und rockigen Klängen untermalt ist, nervt mich das Spiel ständig mit elektronischer Musik. Das mag zwar dem Zahn der Zeit geschuldet sein aber gerade wenn es darum geht, Oldtimer zu restaurieren, ist die Musik wohl mehr als unpassend.



Fazit von Kai:

Mit dem Auto-Werkstatt-Simulator 2015 wirft PlayWay Games ein wirklich interessantes und gut durchdachtes Spiel auf den Markt. Zwar wird ganz klar eine Nische bedient, allerdings ist das Spiel auch für jene einen Blick wert, die allgemein Interesse am KFZ haben und gerne mehr darüber wissen würden als das, was im Handbuch steht. Bisher leidet das Spiel zwar noch an fehlender Langzeitmotivation aber für 20 Euro kann man getrost zuschlagen. Für 10 bis 20 Stunden Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt. Wer noch skeptisch ist, sollte allein auf Grund möglicher zukünftiger Mods das Spiel im Auge behalten. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Entwickler weiterhin an dem Spiel arbeiten und es mit Add-Ons versorgen, die mehr als nur neue Fahrzeuge beinhalten.

Besonders gut finde ich ...
  • optische Präsentation
  • nachvollziehbare Darstellung
  • viele Details
Nicht so optimal ...
  • zu langer Weg bis zur ausgebauten Werkstatt
  • fehlende Langzeitmotivation
  • Soundtrack

Kai hat Auto-Werkstatt-Simulator 2015 auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von PlayWay Games zur Verfügung gestellt.

Auto-Werkstatt-Simulator 2015 - Boxart
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  • Entwickler:PlayWay Games
  • Publisher:PlayWay Games
  • Genre:Simulation
  • Plattform:PC
  • Release:23.04.2015
    (Retail) 22.05.2015