Payday 2: Crimewave Edition - Review
Die zähe Jagd nach Bargeld, Schmuck und Goldbarren
Wenn auch bei euch mal wieder Ebbe im Portemonnaie herrscht, das Konto bereits bis auf den letzten Cent leergeräumt ist und selbst Peter Zwegat nicht mehr weiter weiß, gibt es wohl nur noch eine Lösung. Man schnappt sich drei Freunde und plündert den nächstbesten Lebensmittelmarkt um die Ecke. Dass man dabei nicht allzu plump und unüberlegt vorgehen sollte, beweisen die Jungs im Online-Multiplayer von Payday 2 in der kürzlich veröffentlichen Crimewave Edition immer wieder aufs Neue. Was die virtuellen Überfälle auf den aktuellen Konsolen so hergeben, kläre ich in meiner Review zum Spiel.
Im besten Fall finden sich nämlich vier Spieler zusammen, die vor dem Auftrag das Gebiet um den Laden oder die Bank herum zunächst genauer unter die Lupe nehmen. Wo befinden sich Überwachungskameras? Wo ist ein Fenster, in welches man einsteigen könnte? Sind die Schwachstellen erst einmal ausgemacht, gilt es möglichst unentdeckt in das Gebäude zu kommen und die dort anwesenden Mitarbeiter und Kunden im Zaum zu halten. Denn nichts ist schlimmer, als bei der Beutejagd von der Polizei überrascht zu werden. Deshalb müssen die Geiseln zuallererst genügend eingeschüchtert und gefesselt werden, sodass es für diese keine Möglichkeit gibt, den Alarm auszulösen. Soweit die Theorie, denn ohne eingespieltes Team klappt das in den wenigsten Fällen problemlos. Ist die Polizei nämlich erst einmal auf dem Weg, verwandelt sich Payday 2 schnell in ein verdammt schlechtes Call of Duty. Scharen von Polizisten stürmen ohne Sinn und Verstand das Gebäude, um von den Mitspielern oder mir selbst auf gleichem Weg umgemäht zu werden. Das macht die ersten Minuten auch durchaus Spaß, doch verkommt diese Hatz mit den Gesetzeshütern schnell zum sinnlosen Geballer, weshalb ich immer wieder froh war, wenn die Beute endlich im Fluchtfahrzeug untergebracht gewesen ist.

Wie bestellt und nicht abgeholt
Nach einem wirklich winzigen Tutorial, in welchem man lediglich erklärt bekommt, wie man mit den verschiedenen Waffen umgeht, wirft mich Payday mitten ins Getümmel. Vom durchaus spannenden Ansatz geblendet, starte ich meinen ersten Auftrag offline. Wie sich schnell herausstellt, war das keine gute Idee. Meine KI-Kollegen sind zwar physisch vorhanden, laufen mir aber nur stumpf nach und sind gerade noch so zu gebrauchen, um mich in brenzligen Situationen vor dem Tod zu retten. Die Beute mal zum Zielfahrzeug transportieren? Für die KI-Kollegen wäre das wohl zu viel verlangt. Nach meinem kurzen Ausflug im Offline-Modus widme ich mich dann doch lieber den Überfällen mit realen Personen.
Auf einer Stadtkarte werden mir verschiedenste Aufträge empfohlen, bei denen ich den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen kann. Umso höher dieser eingestellt ist, umso mehr Beute gibt es zu finden. Selbsterklärend werden wir dann aber auch mehr von Gegner-Wellen heimgesucht. Diese sind in den höheren Schwierigkeitsgraden zudem noch ordentlich gepanzert, weshalb es besonders am Anfang nahezu unmöglich erscheint, diese mit den zu Beginn des Spiels verfügbaren Waffen in die Flucht zu schlagen. Sofern ich nach minutenlanger Lobbysuche endlich mal ordentliche Mitspieler gefunden habe, geht es nun ans Eingemachte. In den ersten Momenten wird die Umgebung um ein Schmuckgeschäft näher abgesucht. Im besten Fall schaltet ein Spieler die Überwachungskamera am Hintereingang aus und überbrückt das Sicherheitssystem. Ist dies erledigt und alle Geiseln gefesselt, wird der Laden ordentlich ausgeräumt. In größeren Taschen, die mich wesentlich verlangsamen, soll nun die gestohlene Beute zum Zielfahrzeug transportiert werden.
Sofern ich über nicht ganz so versierte Mitspieler verfüge, muss ich diese Aufgabe im Kugelhagel der Polizisten, welche überall auf der Karte verteilt sind, erledigen. Dabei spawnen die Gesetzeshüter allerdings auch unschön zwischen Wänden, fallen vom Himmel oder tauchen aus Levelbegrenzungen auf. Insgesamt sind die einzelnen Auftragsgebiete eher klein und immer wieder durch unsichtbare Wände eingeschränkt. Allein aus diesem Grund laufen die Überfälle meist ähnlich ab. Immerhin: Die Level sind teilweise zufallsgeneriert, weshalb sich der gesuchte Tresor wieder an einer anderen Stelle des Levels befinden kann. Das bringt zwar etwas Abwechslung in die rund 30 Aufträge, kann aber nur über eine bestimmte Spieldauer hinweg motivieren.

Haben Sie noch einen Wunsch?
Ist die Beute erst einmal in Sicherheit gebracht und durch vier geteilt, kann diese gegen neue Waffen und Masken eingetauscht werden. Für jeden erfolgreich abgeschlossenen Überfall erhalte ich zudem weitere Erfahrungspunkte, die ich in einem der vier verschiedenen Skillbäume eintauschen kann. Zwar steigt das Level recht rasant, doch leider sind die durchaus nutzvollen Fähigkeiten an Geld geknüpft. Möchte ich die Kettensäge freischalten, die es mir ermöglicht, kleinere Geldautomaten sofort aufzuknacken, muss ich nicht nur über genügend Erfahrungspunkte, sondern auch über genug Geld auf meinem Bankkonto verfügen. Andernfalls kann ich die Fähigkeit nicht freischalten.
Diese Designentscheidung zieht das Spiel natürlich gewaltig in die Länge und soll so auf Dauer dazu motivieren, alle Fähigkeiten nach und nach freizuspielen. Habe ich mich dann doch erst einmal dazu entschieden, das hart erarbeitete Geld in eine bessere Waffe zu investieren, kann ich diese auch mit verschiedenen Visieren und Schalldämpfern verbessern, welche allerdings auch nicht von Beginn an freigeschaltet sind. Nach jedem Überfall muss aus einer von drei umgedrehten Karten ausgewählt werden. Hinter jeder dieser einzelnen Karten steckt dann eine besondere Belohnung. So erhalte ich entweder einen neuen Aufsatz für meine Waffe, ein neues Maskendesign oder zusätzliche Erfahrungspunkte sowie etwas zusätzliches Geld. Besonders in den mehrtätigen Aufträgen, welche erst mit den DLC-Inhalten in Payday 2 eingepflegt wurden, ist es von Vorteil, mit besseren Waffen und genug Erfahrung in den Auftrag zu starten. Scheitert die Mission nämlich am zweiten Tag, geht der gesamte Fortschritt und die Beute verloren - das kann ziemlich schnell frustrierend sein.
Schwache technische Präsentation
Zugegeben, dass Payday 2 kein schönes Spiel sein wird, war schon den Trailern zu entnehmen. Doch dass die grafische Präsentation derart allen technischen Fortschritten hinterher hinkt, hätte ich nicht erwartet. Es gibt weder aufgehübschte Texturen noch neue Charaktermodelle. Dies lässt das Spiel sehr nach frühen Spielen aus der letzten Konsolen-Generation aussehen - schade, denn hier wäre sicher mehr drin gewesen. Immerhin läuft das Spiel konstant mit 30 fps in scharfer Full-HD-Auflösung. Darüber hinaus wurde das Balancing angepasst und das Schussverhalten fühlt sich auch mit dem Gamepad sehr direkt an. Dies sind deutliche Fortschritte im Gegensatz zur ursprünglichen PC-Version. Dennoch hätte das Spiel eine dringende Verbesserung der KI-Kollegen verpasst bekommen müssen.
Fazit von Kevin:
Die Payday 2: Crimewave Edition ist mit den richtigen Mitspielern sicher ein Heidenspaß. Abgesprochene Pläne darüber, wie beim nächsten mehrtätigen Überfall vorgegangen werden soll oder die später verfügbaren Profi-Jobs motivieren mit Sicherheit mehrere Stunden, die immer wieder gleich aussehenden Level zu spielen. Ohne diese Mitspieler gestaltet sich die Jagd nach Schmuck und jeder Menge Bargeld leider sehr schleppend und wirkt stellenweise einfach derart veraltet und angestaubt, dass sich nur selten so etwas wie Spielspaß einstellen kann. Ich kann das Spiel wirklich nur jenen empfehlen, welche sich mit mindestens zwei Freunden in das Getümmel stürzen wollen. Allen anderen sei empfohlen, einen Bogen um das Spiel zu machen, zumal sich die Neuerungen in Grenzen halten. Außer den aus den DLCs bekannten Inhalten bietet die Crimewave Edition zu wenig Anreize, um hier für knapp 50 Euro erneut zuzuschlagen.
- verschiedene Vorgehensweisen pro Mission möglich
- fünf Schwierigkeitsgrade
- gutes Waffenbalancing
- Teamwork zahlt sich aus
- passender Soundtrack
- 30 Aufträge
- jede Menge Aufsätze & Waffen
- 500 mögliche Levelaufstiege
- stabile Bildrate
- Charaktermodelle aus der Last-Gen
- KI im Grunde nicht vorhanden
- Lange Ladezeiten
- schwach aufgelöste Texturen
- hirnlose Gegnerwellen
- leichter Input-Lag
- unübersichtliches Auftragsmenü
Kevin hat Payday 2: Crimewave Edition auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von 505 Games zur Verfügung gestellt.


#1 | 3. Juli 2015 um 15:36 Uhr