Journey - Review

Endlich kann man das vielfach gelobte Journey von ThatGameCompany auch auf der neusten Konsolen-Generation genießen. Drei Jahre nach seinem PS3-Debüt portierten Tricky Pixels das Erkundungsabenteuer dieser Tage auf die PlayStation 4 und da man allerorts soviel Gutes darüber zu berichten weiß, sogar seit Jahren von einem Meisterwerk die Rede ist, war es nun auch endlich für mich an der Zeit, in das Spiel einzutauchen. Die Eindrücke meiner Reise verbergen sich in dieser Review.

Dem Soundtrack von Austin Wintory habe ich bereits unzählige Male gelauscht, ein schönes Beispiel für Musik, die man auch losgelöst von Spielen genießen kann. Auf das Abenteuer selbst musste ich hingegen in Ermangelung einer PlayStation 3 lange warten, denn nach der ursprünglichen PS4-Ankündigung im vergangenen Jahr sollte es noch fast weitere zwölf Monate dauern, bis ich endlich in den Genuss dieses vermeintlichen Meisterwerks kommen durfte. Nun war es also soweit, die Reise beginnt.


Ohne Worte



Mit den Lobeshymnen und begeisterten Kommentaren im Hinterkopf, starte ich in freudiger Erwartung das Spiel und freue mich darauf, endlich erkunden zu dürfen, was die Faszination von Journey ausmacht. Regelrecht euphorisiert blicke ich auf den Bildschirm. Keine lästigen Menüs, keine störenden HUD-Einblendungen. Der Fokus liegt auf der Präsentation der Umgebung und meiner Spielfigur, die sich mitten in der Wüste wiederfindet und von den Klängen Austin Wintory's begleitet wird. Wie komme ich dahin? Was mache ich hier? Fragen, auf die man hoffentlich im Laufe der rund 2-stündigen Story-Kampagne Antworten finden wird. Geleitet durch die Neugier mache ich mich zunächst auf den Weg zu einem Hügel, von dem aus ich das Meer aus Sandkörnern überblicken kann. Eine Ruine am Horizont soll mein nächstes Ziel sein.


Journey


Kurzweiliges Abenteuer für zwischendurch



Schnell wird klar, dass Journey kein Spiel wie jedes andere ist und ähnlich wie mein kürzlicher Ausflug in The Vanishing of Ethan Carter steht die Erkundung stärker denn je im Vordergrund. Die Liste an Interaktions-Möglichkeiten ist sehr kurz. Wir lernen gleich zu Beginn, dass wir durch das Aufsammeln von leuchtenden Artefakten den magischen Schal unserer vermummten Spielfigur verlängern können. Dieses Stoffanhängsel speichert zudem eine Form von Energie, dank der wir in der Lage sind große Sprünge und ein sanftes Schweben zu bewerkstelligen. Außerdem können wir mit einer weiteren Fähigkeit alte Steintafeln in den Ruinen aktivieren, die uns anschließend mit ikonenhaften Abbildungen belohnen. Spielerisch ist Journey demnach kein Schwergewicht, denn neben dem Sammeln der Artefakte und dem Freischalten der Tafeln steht sonst nur die Reise als solches auf dem Programm, anspruchsvolle Puzzle oder ähnliche Herausforderungen sucht man vergebens. Der Weg ist also das Ziel.

Dennoch oder gerade deshalb besitzt das Spiel einen ganz eigenen Charme. Die Atmosphäre wird maßgeblich durch den stimmungsvollen Soundtrack und die eigene Neugier bestimmt. Wir werden nicht durch einen Sprecher begleitet, der uns die Story erklärt oder uns bei selbiger begleitet. Vielmehr erhalten wir nach jedem Levelabschnitt, also nach jedem erfolgreich durchquerten Gebiet, in einer Zwischensequenz den Fortschritt unseres Abenteuers dargeboten. Eine geheimnisvolle Kultur, eine mysteriöse Gottheit, die mir den Weg zu einem leuchtenden Berg deutet. Ob man aus den Wandmalereien schlau wird oder nicht, steht hierbei natürlich auf einem anderen Blatt. Bezaubernd sind diese allemal.

Die abwechslungsreichen Schauplätze reichen von der anfangs erwähnten Wüste über einer versunkene Stadt bis hin zu winterlichen Berghängen, doch aufgrund der recht kurzen Spielzeit von gerade einmal 2-3 Stunden sollte man dahingehend nicht zu viel erwarten. Während unseres Abenteuers begegnen wir nicht nur seltsamer Architektur und freundlich gesinnten Wesen, sondern auch anderen Mitspielern. Dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Multiplayer mit obligatorischen Gamertags über dem Kopf handelt, sollte klar sein. Vielmehr tritt hier wieder die Faszination und Neugier auf den Plan, die sich als roter Faden durch das ganze Spiel zieht. Wer ist das? Was können wir tun? So kann man das Spiel also neben der "einsamen" Einzelspieler-Erfahrung auch gemeinsam mit einem Unbekannten erkunden und gewissermaßen kooperativ angehen. Dadurch ergeben sich neue Gameplay-Elemente, die euer Erlebnis entsprechend bereichern können - durch freies, grenzenloses Fliegen zum Beispiel.


Tricky Pixels



Technisch liefert Tricky Pixels saubere Arbeit ab, Journey präsentiert sich auf der PlayStation 4 in den vielfach zitierten 1080p60 und bietet ein reibungsloses Spielerlebnis. Die vielen kleinen Details, wie zum Beispiel das Wandern der Dünen, stürmische Böen oder das eindrucksvolle Schweben und "Durch-den-Sand-Gleiten" unserer Spielfigur, wissen zu gefallen. Wie schon erwähnt trägt jedoch der Soundtrack von Austin Wintory maßgeblich zur Stimmung im Spiel bei. Die Musikstücke verzaubern einen fast im Alleingang und lassen einen tiefer in das Erlebnis eintauchen. Dass das Spiel schlussendlich so kurz ausfällt, bleibt ein Wermutstropfen, den man leider schlucken muss. Einen hohen Wiederspielwert liefert Journey meiner Meinung nach leider nicht, da alles vom erstmaligen "Aha-Effekt" lebt und nach mehrmaligem Durchspielen sicherlich an Reiz verliert. Dennoch bieten Koop-Aktionen und die dafür vorgesehenen Trophies einen gewissen Anreiz. Bedingt durch die jahrelangen Lobeshymnen und Begeisterungsbekundungen anderer Spieler haben sich im Laufe der Zeit natürlich auch meine Erwartungen entsprechend entwickelt. Enttäuscht wurde ich schlussendlich nicht, meinen Spaß hatte ich auch, dennoch hätte ich ein wenig mehr erwartet.




Kithaitaa

Fazit von Darius:

Das Werk von ThatGameCompany ist wie schon Flower und Flow ein Erlebnis für die Sinne. Wer eine stimmungsvolle Reise mit großartiger Musikuntermalung und geheimnisvollen Schauplätzen erleben möchte, kommt hier sicherlich voll auf seine Kosten. Spielerisch bietet Journey keine Herausforderungen und auch keine anspruchsvollen Aufgaben, es lebt allein von der Atmosphäre und der eigenen Neugier und bietet somit eine gewisse Abwechslung im sonst so action-betonten Videospielemarkt. Die relativ kurze Spielzeit von gerade einmal 2-3 Stunden dürfte, in Relation zum Preis, viele eventuell abschrecken. Wer jedoch halbwegs etwas mit atmosphärischen Erkundungs-Abenteuern anfangen kann, sollte das Spiel dennoch nicht verpassen. Schon allein, um mitreden zu können.

Besonders gut finde ich ...
  • großartiger und stimmungsvoller Soundtrack
  • abwechslungsreiche Schauplätze
  • Artdesign und Effekte
  • minimalistisches Gameplay
  • atmosphärische Inszenierung
  • Cross-Buy (PS3, PS4)
Nicht so optimal ...
  • recht kurze Spielzeit (2-3 Stunden)
  • geringer Wiederspielwert

Darius hat Journey auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Sony CEE zur Verfügung gestellt.

Journey - Boxart
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  • Entwickler:ThatGameCompany
  • Publisher:Sony CEE
    Annapurna Interactive
  • Genre:Adventure
  • Plattform:PC, PS3, PS4
  • Release:14.03.2012
    (CE Retail) 05.06.2013
    (PS4) 21.07.2015
    (PC) 2024

Kommentare & Likes

Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Predator ... und einem Gast.
  • Kevin
    #1 | 31. Juli 2015 um 18:31 Uhr
    Muss ich mir unbedingt noch im Store kaufen ^^ Flower und Flow sind schon richtig nice gewesen, hoffentlich werde ich mit dem hier ähnlich viel Spaß haben.
  • Tim
    #2 | 31. Juli 2015 um 19:29 Uhr
    Ich fand Journey schon auf der PS3 super und freu mich nach der Review richtig drauf, es nochmal zu erleben. Das Spiel hatte so viele richtig "magische", märchenhafte Momente, an die ich mich gerne zurückerinnere. Und diese wundervolle Musik ...   
  • DarkRaziel
    #3 | 1. August 2015 um 09:03 Uhr
    Habe zwar Flower und es hat mir gefallen die Levels zu erkunden, aber ich habe es mal im Angebot gekauft. Sollte es hier auch genauso im Angebot sein kann man es ja mal kaufen.
  • Jari
    #4 | 16. August 2015 um 14:22 Uhr
    Eines der berührendsten Spiele, das ich auf der PS3 gespielt habe. An Journey zeigt sich, dass Videospiele mehr sein können, als nur Explosionen und Ballerei.

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