Xenoblade Chronicles X - Preview
Ein Spaziergang auf Mira: Monster, Mechs und Panoramen
Ein aktueller Blogartikel zum Spiel: Xenoblade Chronicles X - Review
Unverhofft kommt oft, sagt man, und tatsächlich war wohl das letzte, womit ich auf der diesjährigen gamescom gerechnet hatte, die Möglichkeit, Xenoblade Chronicles X zu spielen. Umso willkommener war es also für mich, als man mir bei meinem Nintendo-Termin, der immerhin für einen Überblick über das gesamte Lineup gedacht war, das GamePad in die Hand drückte und sagte: "Du kannst ruhig die ganze Zeit über nur Xenoblade spielen." Wie könnte ich diese Einladung ausschlagen? Was also folgte, war ein 45 Minuten langer Spaziergang auf dem Planeten Mira. Und auch wenn 45 Minuten für ein hunderte Stunden großes Rollenspiel wahrlich keine Länge sind, so habe ich trotzdem einige interessante Erkenntnisse mitnehmen können.

Xenoblade Chronicles X ist jedoch nicht einfach nur ein Wander-Simulator - auch wenn es als solcher super funktionieren würde -, sondern in seinem Kern ein komplexes Rollenspiel, ganz genau so, wie es der Vorgänger auch gewesen ist. Daher wird nicht nur spaziert und geguckt, sondern auch gekämpft und gelootet, taktiert und ausgerüstet, kommuniziert und gelevelt - und vermutlich auch abermals ziemlich viel gegrindet, was in der DNA von Xenoblade verankert war und damit wohl auch im Nachfolger nötig sein wird. In 45 Minuten hatte ich selbstverständlich nicht die Zeit, mir alle dieser Elemente anzuschauen (zumal die Demo inhaltlich limitiert war), zumindest das Kampfsystem konnte ich aber schon unter die Lupe nehmen. Und da gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen: Wer zuvor schon Xenoblade gespielt hat, weiß auch in X sofort Bescheid, da sich die Systeme quasi 1:1 entsprechen - mit dem Unterschied natürlich, dass es bei Xenoblade X komplett andere Fähigkeiten geben wird und das legendäre Schwert Monado keine Rolle mehr spielt.
Gekämpft wird folglich in einer Mischung aus Echtzeit- und Rundentaktik, bei der man sich frei im Kampfareal bewegen kann und aus einer Fertigkeitenleiste jeweils diejenige Aktion auswählt, die sich gerade am besten anbietet, bevor sie anschließend in eine Cooldown-Phase übergeht. All die Aspekte, die das System so gelungen gemacht haben, scheinen auch wieder an Bord zu sein: Der angerichtete Schaden verändert sich je nach anvisiertem Körperteil, es gibt wie gewohnt Element-Effekte, man kann die Party mit Buffs und Gegner mit Debuffs versehen und große, schwere Feinde und Monster mit intelligenten Angriffsketten zum Taumeln und anschließend zum Umfallen bringen. Neu fühlte sich das alles abgesehen von einem dynamischen Waffentausch im Kampf noch nicht an, aber es funktionierte wie gewohnt super und hat mir bereits richtig viel Spaß gemacht. Einzig ein Heiler schien in der Demo-Party gefehlt zu haben, weshalb ich leider einige Male von den Monstern der Steppe zerlegt worden war - vielleicht war es aber auch einfach nur eine blöde Idee gewesen, das Bein des riesigen Sauriers, der da gemütlich durch die Umgebung streifte, anzugreifen ...


Davon abgesehen bot mir die Demo trotz 45 Minuten nur recht wenige inhaltliche Einblicke; weder wurde etwas von der Story gezeigt noch konnte ich das Crafting oder Ausrüstungs-Management austesten. Und sogar das Element, auf das ich mich am allermeisten gefreut hatte, war in der Demo verschlossen: Ich durfte leider keinen Mech betreten und mit ihm durch diese wundervolle Spielwelt fliegen. Das fand ich ein bisschen schade, da genau dies das größte Alleinstellungsmerkmal von X gegenüber dem Vorgänger darstellen dürfte.
Einschätzung: Ich halte Xenoblade Chronicles für das beste Japan-Rollenspiel der vergangenen Jahre, auf jeden Fall für das beste der letzten Generation. Es sind keine kleinen Fußstapfen, die Monolith Soft und Nintendo da mit X zu füllen haben, und ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob X tatsächlich auch das Zeug hat, die Klasse des Vorgängers zu halten - dafür scheinen Erzählung und Charakterzeichnung deutlich zu kurz zu kommen. War es wirklich nötig, den Spieler einen eigenen Charakter erstellen zu lassen und die Story mit einem Gedächtnisverlust zu beginnen? Hier bin ich noch skeptisch, ob dieses altbackene Plotkonzept aufgeht. Was allerdings die Spielwelt, das Kampfsystem und die Freiheit angeht, hat mich X in der Demo bereits vollkommen überzeugt. Monolith scheint genau dort weitergemacht zu haben, wo Xenoblade aufhörte: Große, märchenhaft schöne Welten, riesige Kreaturen, die die Wildnis bevölkern, und Postkartenmotive, die man so nicht einmal auf PlayStation 4 und Xbox One geboten bekommt, zeigen einfach, wo die Stärken dieses Studios liegen. Ich freue mich unglaublich darauf, den Planeten Mira im Dezember zu erkunden. Xenoblade Chronicles X wird ein tolles Spiel! Ob es allerdings auch die herausragende Qualität von seinem Vorgänger erreichen kann, wird sich zeigen.

