Minecraft: Story Mode - Episode 1 Review
Klötzchen-Abenteuer mit Ecken und Kanten
Die unermüdlichen Adventure-Konstrukteure von Telltale Games schicken uns mit Minecraft: Story Mode in ein neues Episoden-Abenteuer, welches sich diesmal nicht an einer bekannten Buch- oder Film-Vorlage orientiert. Wie schon bei Tales from the Borderlands bedient man sich hier vielmehr der Spielwelt eines anderen Videospiels – in diesem Fall beim Sandbox-Baukasten Minecraft von Mojang. Ob die Kalifornier erneut ihr Erfolgsrezept bestehend aus einer spannenden Story gepaart mit überzeugenden Sprechern zu einem interessanten Spiel formen konnten, habe ich anhand der ersten Episode "The Order of the Stone" überprüft.


Wir bauen uns ein Abenteuer
Wie auch die zahlreichen Ubisoft-Studios in aller Welt, die bei nahezu allen Open-World-Titeln der letzten Jahre – ob Far Cry, Assassin’s Creed oder Watch Dogs - die gleiche Mixtur verwenden, setzt auch Telltale Games in seinen Adventures auf das immer gleiche, bewährte Konzept. Bisher wurde man zwar spielerisch nahezu kaum herausgefordert, dafür aber mit einer tollen Story, authentischen Sprechern und einem insgesamt spannenden Spielerlebnis belohnt. In Minecraft: Story Mode begegnen uns daher die gewohnten Spielelemente: Dialoge mit vermeintlichen Entscheidungen, Quick-Time-Events und das gelegentliche Auffinden und Anklicken von Hotspots. Als spaßige Hommage an die Mojang-Vorlage hat man dem Spiel nicht nur die entsprechende Optik, sondern auch ein Inventar und Zeitraffer-Sequenzen verpasst, in denen man das typische, monotone Abbauen von Ressourcen nachahmt. Außerdem darf man gelegentlich Gegenstände anhand von Rezepten herstellen.
Spielerisch ändert sich also im Wesentlichen nichts. Zu Beginn wird man diesmal jedoch mit einer Charakter-Auswahl überrascht, bei der ihr aus drei weiblichen und drei männlichen Klötzchen-Figuren euren Helden wählen könnt. In beiden Fällen geht es anschließend mit Jesse an den Start, inhaltliche Auswirkungen hat diese Auswahl nicht - bis auf unterschiedliche Sprecher. Eine weitere "Besonderheit" sind deutsche Untertitel, die erstmals direkt zum Start einer Staffel vorhanden sind. Dies und die Tatsache, dass das Spiel mit einer USK6-Alterseinstufung versehen wurde, deuten bereits ein klein wenig die Zielgruppe an. Weshalb man sich wohl auch dazu entschloßen hat Minecraft: Story Mode, als erstes Telltale-Adventure und Telltale-Spiel überhaupt, auch auf der Nintendo Wii U zu veröffentlichen. Um an dieser Stelle mal die üblichen "Kinderkram-Klischees" zu bedienen.

Der Story-Hintergrund ist schnell erzählt. Jesse und ihre beiden Freunde Olivia und Alex nehmen an einem Bauwettbewerb teil, um den "Orden des Steins" zu ehren und die Möglichkeit zu erhalten, dass ihr Kunstwerk auf der EnderCon ausgestellt wird – scheinbar DAS Highlight-Event im Klötzchenparadies. Um die Chancen der Truppe ist es jedoch nicht sonderlich gut bestellt, gelten diese allgemein doch als "Verlierer". Doch dieses Jahr soll alles anders werden. Mit den beiden Freunden und unserem tierischen Begleiter Reuben, einem Schweinchen, machen wir uns also auf den Weg zur Veranstaltung. Unterwegs schmieden wir dann noch schnell einen Plan, mit was wir die Jury begeistern könnten und sammeln entsprechende Ressourcen ein.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Unser Bauwerk kann zwar begeistern, allerdings fallen wir einer Sabotage zum Opfer, lernen die taffe Petra und Lukas von den Ozelots kennen, landen anschließend mitten in einen Rachefeldzug mit einem fiesen, übermächtigen Monster, treffen auf ein Mitglied des "Orden des Steins", finden uns anschließend im Nether wieder und ... versuchen von nun an die Welt zu retten. Spoiler?! Nein.
Mal abwarten
Wie eingangs erwähnt muss man den grafischen Stil des Adventures mögen und die Telltale-Spiele als solche sowieso. Zumindest Letzteres trifft auf mich zu, daher habe ich trotz anfänglicher Skepsis auch hier zugegriffen. Nach der ersten Episode, die euch rund 90 Minuten lang beschäftigt, bin ich jedoch noch nicht überzeugt. Man kann aber schon sagen, dass Telltale und Mojang hier wohl einen Fanservice für Minecraft-Fans abliefern und man sich eher auf eine kindgerechte Geschichte einstellen muss.
Keine Survival-Tour wie in The Walking Dead, kein Detektiv-Thriller wie The Wolf Among Us, kein blutiger Intrigenkrieg im Stile von Game of Thrones und auch kein amüsantes Potpourri wie in Tales from the Borderlands. Minecraft: Story Mode lässt sich bisher für mich schwer einordnen, denn die Story ist recht seicht, größtenteils vorhersehbar und wohl auch bereits "in Stein gemeißelt", ganz gleich welche Entscheidungen wir treffen. Der Witz, auch wenn das Schweinchen Reuben seine Momente hat, kommt ebenfalls kaum rüber. Und spielerisch waren die Telltale-Spiele sowieso noch nie sonderlich anspruchsvoll, weshalb die Interaktionsmöglichkeiten auch hier auf simples Knöpfchendrücken reduziert sind. Technisch stellt das Spiel noch nicht mal die oft kritisierte Telltale (Konsolen-)Engine vor große Herausforderungen, wodurch man angenehm kurze bis kaum vorhandene Ladezeiten geboten bekommt. Man muss abwarten, ob die Story noch irgendwie in Fahrt kommt und der Funke überspringt, bisher wirkt das auf mich noch nicht sonderlich überzeugend, auch die Charaktere könnten eine Portion mehr Tiefe vertragen.
Fazit von Darius:
Als Freund von Telltale-Adventures konnte ich auch bei Minecraft: Story Mode nicht widerstehen, auch wenn anfänglich eine gewisse Skepsis bestand und ich mit der eigentlichen Faszination Minecraft nicht viel anfangen kann. Enttäuscht bin ich nach der ersten Episode nicht wirklich, schließlich waren die Erwartungen nicht sonderlich hoch. Im Kern steckt sicherlich die klassische Telltale Adventure-Mixtur, doch bisher fehlen schlicht die Highlights, die man aus diversen anderen Abenteuern kennt. Die Story scheint bereits jetzt sehr vorhersehbar und versteht sich wohl eher als Fan-Service - auch wenn ein Hauch von Goonies präsent ist -, die Charaktere wirken eher blass und auch der Witz mag (noch) nicht so recht zünden. Das kann auch Schweinchen Reuben nicht mehr retten. Der an Minecraft angelehnte Grafikstil muss gefallen und ist bisweilen auch sehr anstrengend, insbesondere in den Nahaufnahmen. Die gut ausgewählten Sprecher kommen ob der flachen Charaktere bisher leider kaum zur Geltung. Immerhin kann Minecraft: Story Mode mit ein paar Gimmicks "überraschen". So kann man erstmals zwischen einem weiblichen und einem männlichen Helden wählen, bekommt direkt zum Start deutsche Untertitel präsentiert und wird mit Minecraft-typischen Details gelockt. Eine Episode macht noch keine Staffel, daher muss man wohl abwarten, wie sich die neueste Adventure-Serie weiterentwickelt.
- Schweinchen
- Charakterwahl (m/w)
- Minecraft-Feeling gut umgesetzt
- Kurze Ladezeiten
- Deutsche Untertitel
- Bisher eher schwache Story und Charaktere
- anstrengende Minecraft-Klötzchen-Grafik
- gewohnt anspruchsloses Gameplay
Darius hat Minecraft: Story Mode auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Spiel für diese Review wurde von Darius selbst erworben.


#1 | 19. Oktober 2015 um 23:44 Uhr