Tales from the Borderlands - Review 4

Zeitgleich zum Life is Strange Finale von Dontnod Entertainment haben auch Telltale Games kürzlich die fünfte und damit letzte Episode von Tales from the Borderlands vom Stapel gelassen. Damit geht eines der witzigsten und zugleich besten Graphic-Novel-Adventures zu Ende, die uns die Kalifornier seit dem Start dieser Adventure-Form mit The Walking Dead präsentiert haben. Frei nach dem Fast & Furious Motto "Neues Modell. Originalteile." haben Telltale erneut kaum etwas am Gameplay-Grundgerüst verändert und schicken uns in Zusammenarbeit mit Gearbox Software in das abgedrehte Borderlands-Universum. Meine anfängliche Begeisterung ob der ersten Episode "Zer0 Sum" war nicht nur von kurzer Dauer ...

Wie schon in meiner Review zur ersten Episode geschrieben, benötigt ihr für Tales from the Borderlands keinerlei Kenntnisse aus den drei bisher erschienenen Shooter-Ablegern oder einem der eher unbekannteren Bücher & Comics, um mit dem Spiel und dessen Charakteren Spaß zu haben. Schaden kann solches Hintergrundwissen aber natürlich grundsätzlich auch nicht.


Gemeinsam gefangen im Rückblende-Abenteuer



"Wir starten unser Spiel irgendwo in der Wüste auf Pandora, als Rhys - der erste von zwei spielbaren Charakteren - auf der Suche nach seiner Partnerin von einem unbekannten Fremden niedergeknüppelt, gefesselt und verschleppt wird". Moment mal. Ja, genau! Das habe ich bereits in meiner "Zer0 Sum" Review geschrieben. Absicht. Damit möchte ich euch besser in das Gefühl des Storytellings von TFTB hineinversetzen. Denn zu Beginn der Geschichte ist bereits schon fast alles passiert, was es in dem etwas über 10-stündigen Abenteuer zu erleben gibt. Unsere beiden ungleichen Protagonisten erzählen dem unbekannten Fremden die selbige und als Spieler können wir so nochmal alles miterleben und mitgestalten. Neben dem bereits erwähnten Rhys steuern wir zudem noch Fiona. Ein ungleiches Paar, das durch die Fügung des Schicksals in dieses Abenteuer geschlittert ist und es fortan gemeinsam bestreiten muss – bis zum Ende, also dem Anfang unserer Geschichte. Versteht ihr?


Tales from the Borderlands
Ob seltsam, gefährlich, liebenswert oder schräg - das Potpourri an Figuren weiß zu gefallen.


Rhys ist ein aufstrebender Mitarbeiter der Hyperion Cooperation und wird als zweiter Handsome Jack gehandelt. Eigentlich hatte er auf eine Beförderung gehofft, doch Hugo Vasquez hat ihm diesen Traumjob in letzter Sekunde ordentlich versaut. Gemeinsam mit zwei seiner besten Freunde schmiedet er daher einen Racheplan, bei dem nicht nur 10 Millionen Dollar, sondern auch ein Vault-Key, ein Schlüssel für Schatzkammern auf Pandora, ins Spiel kommt. Mit seinem kybernetischen Auge kann er Dinge, die anderen verborgen bleiben, wahrnehmen und scannen und auch sein bionischer Arm und weitere Implantate machen ihn zu etwas Besonderem. Fiona hingegen ist schon von klein auf in einer Familie von Trickbetrügern auf Pandora aufgewachsen und hegt, gemeinsam mit ihrer Schwester Sasha und dem Ziehvater Felix, ganz eigene Pläne, um endlich aus diesem Leben zu entfliehen. Wie die beiden zusammenkommen und alles weitere aus der Story möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Die Erzählung der Geschichte aus den Perspektiven der beiden Hauptakteure hat Telltale ziemlich gut hinbekommen, insbesondere da die beiden zu Beginn recht unterschiedliche Ansichten davon haben, was passiert ist. Abermals sind die zahlreichen Charaktere und deren Sprecher ein Highlight des Spiels und, wie es sich für ein Borderlands gehört, sind die Figuren auch im Telltale-Adventure mindestens abgefahren. Viele bleiben nicht nur durch die Borderlands-typische Präsentation im Gedächtnis und stellenweise schließt man sogar die vermeintlichen Bösewichte ins Herz.

Spielerisch bekommt man auch auf Pandora gewohnte Kost serviert, auch wenn diesmal Quick-Time-Events und Action-Einlagen insgesamt öfter vorkommen. Dafür sind diese glaubwürdiger ins Spielgeschehen integriert und haben mich eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich gestört. Dialoge mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten, die gelegentlich unter Zeitdruck stattfinden und uns hin und wieder eine Entscheidungsvielfalt (mit Konsequenzen) vorgaukeln, dürfen natürlich auch nicht fehlen. Rätsel, ob mit oder ohne Objekten, wird man jedoch auch diesmal eher selten bis gar nicht antreffen - klassisches Point'n'Click ist hier nicht, aber dies sollte mittlerweile bekannt sein. Telltale-Adventure leben von der Geschichte.


Tales from the Borderlands
Kein Platz für Langeweile: Neben der Action sorgen auch abwechslungsreiche Schauplätze für Stimmung.


Storywendungen und WTF-Momente



Telltale Games hat es schon seit The Walking Dead verstanden, mit überraschenden Wendungen und Ereignissen in der Story zu überraschen und/oder uns mit einem Cliffhanger zum Episodenende zu beglücken. Während man in Game of Thrones, das zeitgleich mit TFTB gestartet ist, halbwegs erahnen kann, dass viele Figuren sterben werden und uns dies zusammen mit den Intrigen zwangsläufig eine wendungsreiche Story liefert - in welcher Form auch immer -, fühlt man sich in der Pandora-Geschichte auf einem anderen, ungewissen Level.

Bis zum Spielstart ist zwar bereits fast alles geschehen, wir jedoch wissen von nichts, können es aber nochmal erleben, in gewissen Teilen sogar beeinflussen - das Wie, Was und Warum sind die entscheidenden Punkte. Wobei ich hier weniger auf die obligatorischen Entscheidungen mit "Konsequenzen" anspiele, denn diese sind auch bei TFTB mehr Schein als Sein. Dennoch: Gerade, als man sich womöglich selbst sicher fühlt und denkt "Na klar, da passiert jetzt dies und das", überrascht uns Telltale mit einer komplett unerwarteten Situation – den WTF-Momenten, die diese Spiele ausmachen.

Die beiden The Walking Dead Staffeln hatten es, The Wolf Among Us hatte das und auch Tales from the Borderlands setzt abermals auf überraschende Twists, die uns wahrlich nicht in den Sinn kommen würden. Das macht die Geschichte spannend und motiviert zum Weiterspielen, nicht nur, weil TFTB diesmal mehr auf Humor setzt und sich damit von den eher düsteren und ernsten Stories der oben genannten Adventures absetzt, sondern weil man – wie immer – wissen will, wie das Ganze ausgeht. Meiner persönlichen Einschätzung nach hat man sich dahingehend in TFTB selbst übertroffen. Kaum ein anderes Spiel bot mir derartig viele Wow-Momente, so viele abwechslungsreiche Schauplätze und so ein gut verzahntes Gesamtergebnis der bekannten Gameplay-Elemente.


Geduld ist eine Tugend, Technik eine Herausforderung



Bis man jedoch zum Finale einer solchen Staffel gelangt, ist Geduld gefragt. Zum Glück animiert das Spiel in jeder Episode durch eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Geschehnisse unsere grauen Zellen und lässt einen auch nach längerer Pause wieder direkt ins Spielgeschehen eintauchen. Es ist dem Episoden-Format geschuldet, dass man Wochen und teils Monate auf eine Fortsetzung warten muss, dennoch würde ich mir wünschen, dass Telltale Games den Punkt "Wartezeit" optimiert. Im Falle von TFTB hat es fast ein ganzes Jahr gedauert und nein: darauf zu warten, bis die Staffel komplett ist, ist keine Alternative. Auch technisch dürfen die Kalifornier gerne eine Schippe drauflegen, vor allem auf den Konsolen. Ganz so schlimm wie in der letzten Konsolen-Generation stellt sich die Engine zwar nicht mehr an, allerdings wird viel zu oft der (ruckelnde) Ladebildschirm bemüht und reißt einen somit immer wieder kurzzeitig aus dem Geschehen.

Far, far away, in einer nahen Zukunft: Was präsentiert uns Telltale als nächstes? Neben Minecraft: Story Mode hat man derzeit kein weiteres Episoden-Spiel mehr am Start, denn auch Game of Thrones wird in wenigen Tagen zu einem Ende geführt. Zumindest für 2017 darf man wohl ein Marvel-Spiel erwarten und auch die Partnerschaft mit Lionsgate könnte in absehbarer Zeit für eine Spiel-Ankündigung sorgen. Natürlich würde mich auch eine zweite Staffel zu Tales from the Borderlands freuen, die dürfte sogar ziemlich sicher sein. Zu Recht.



Kithaitaa

Fazit von Kithaitaa:

Das parallele Finale von Life is Strange und Tales from the Borderlands war für mich ein Doppel(sp)ass im Sinne von "großartigen Spielen". Während mir LiS zum Ende hin sogar Pipi in die Augen getrieben hat, war ich bei TFTB seit dem Ende der ersten Episode fest davon überzeugt: Das wird was! Mit jeder Episode hat Telltale Games dieses Gefühl verstärkt und am Ende gezeigt: That's it! Für mich ist es nach TWD DAS beste Telltale Adventure, obwohl natürlich alle der letzten Zeit auf einem hohen Niveau angesiedelt sind. Neben den üblichen Features, sprich einer spannenden Story, großartigen und authentischen Sprechern und dem perfekt eingefangenen Artstyle der Vorgabe, haben mich bei TFTB vor allem der Witz und das Storytelling überzeugt. Zwei ungleiche Charaktere im Rückblick-Adventure, mit denen man durch abwechslungsreiche Umgebungen wandert, interessante Figuren kennen- und teils lieben lernt, und vieles mehr hieven TFBT für mich auf die interne Best-of-Telltale-Liste. Muss man erleben. Wer Spaß an den jüngsten Telltale-Spielen hatte, sollte auch unbedingt bei Tales from the Borderlands zugreifen!

Besonders gut finde ich ...
  • interessante Charaktere und Story
  • gewohnt tolle Sprecher
  • witziger Borderlands-Charme und Atmosphäre
  • abwechslungsreiche Schauplätze
  • zwei spielbare Charaktere
  • Preis-/Leistungsverhältnis
Nicht so optimal ...
  • keine deutschen Untertitel
  • häufige (ruckelnde) Ladepausen
  • Wartezeit zwischen den Episoden

Kithaitaa hat Tales from the Borderlands auf der PlayStation 4 gespielt.

  •  
  • Entwickler:Telltale Games
  • Publisher:Telltale Games
  • Genre:Adventure
  • Plattform:PC, Mac, PS3, PS4, Xbox360, XboxOne, iOS, Android
  • Release:25.11.2014
    (Xbox One) 26.11.2014
    (PS4, PS3, Xbox 360) 03.12.2014
    (Retail) 22.04.2016

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: ... 4 Gästen.
  • Tim
    #1 | 4. September 2016 um 19:48 Uhr
    Habe es nun auch endlich gespielt und ... bin absolut begeistert! Für mich mit riesigem Abstand das spannendste, sympathischste, witzigste und insgesamt beste Telltale-Spiel - da können auch The Walking Dead und der Märchenwolf nix mehr reißen. Hab fast jeden Charakter irgendwie ins Herz geschlossen und es gab so viele Wow-Momente. Das ist das erste Mal seit langer Zeit, dass mich ein Spiel mal wieder wie "aus dem Nichts" total erwischt hat. Großartig. Bitte, bitte mehr davon!   
  • Kithaitaa
    #2 | 6. September 2016 um 01:44 Uhr

    Tim: Großartig. Bitte, bitte mehr davon!


    Meine Rede =)

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