Tom Clancy's: The Division - Review 7

Nachdem ich bei zwei Beta-Events zu Tom Clancy's: The Division Blut geleckt hatte, konnte ich mir die finale Version des neuen Ubisoft-Blockbusters auf keinen Fall entgehen lassen. Dementsprechend habe ich es Kollege Haschbeutel nachgemacht, den eingurtigen Rucksack geschultert und mich nach Manhattan begeben. Was das Open-World-Spiel zu bieten hat, inwiefern die ihm oft nachgesagte Monotonie tatsächlich Auswirkung auf die Langzeitmotivation hat und wie zufrieden ich letzten Endes bin, erfahrt ihr in meiner Kritik.

New York City versinkt im Chaos. Nachdem am "Black Friday" ein künstlich hergestelltes Virus über Banknoten in den Umlauf gebracht wurde, sterben nicht nur unzählige Einwohner an den Folgen. Banden nutzen die Chance geschwächter Infrastruktur und mangelnder Exekutive und treiben ihr Unwesen in den Straßen des Big Apple. Manhattan wird völlig unter Quarantäne gestellt und Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter werden zur Joint Task Force zusammengefasst, um Notfallstationen aufzubauen und diese gegen angreifende Banden zu verteidigen. Zur Unterstützung aktiviert die US-Regierung Agenten, die in der Bevölkerung als Schläfer bisher ein völlig normales Leben führten. Als Mitglied der Strategic Homeland Division, kurz The Division, liegt es nun also mit an mir und an euch, New York City vor dem kompletten Zerfall zu bewahren.


Tom Clancy's: The Division
Die über ein Tablet gesteuerte Drohne hat es leider nicht in das finale Spiel geschafft.


Das "The Division 1x1"



Das Spiel wirft mich mitten ins Geschehen. In Brooklyn blicke ich in das Fenster eines Streifenwagens, woraufhin der Charaktereditor startet und somit auch die erste Ernüchterung ansteht, denn die Möglichkeiten halten sich stark in Grenzen und auch die Auswahl an vorgegebenen Gesichtern ist mit acht pro Geschlecht mehr als dürftig. Neben Haut-, Haar- und Augenfarbe können verschiedene Frisuren und Bärte ausgewählt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dem eigenen Agenten Gesichtstarnung anzulegen, ihm Narben zu verpassen oder ihm den Hals zu tätowieren. Zuletzt steht noch diverses "Zubehör" zur Auswahl, was sich auf Piercings und Brillen beschränkt, die sich später jedoch nicht mehr ablegen lassen. Anschließend beginnt das eigentliche Spiel in Form eines Tutorials, bei dem das Schießen, der Waffenwechsel und die Deckungsmechanik erklärt werden, während ich mich in die erste Basis begebe. Dort angekommen erwartet mich das gleiche Bild wie zukünftig in jeder Basis. Ein JTF-Officer hält Nebenmissionen bereit, durch dem Scan einer Pinnwand lassen sich zusätzliche Aufträge abrufen und ein weiterer JTF-Soldat verkauft entweder Waffen oder Ausrüstung. Noch stört mich der Aufbau der Basis nicht, doch später werde ich feststellen müssen, dass es – abseits der Einrichtung – immer dasselbe ist.

Nachdem ich alles abgegrast habe, begebe ich mich also zu meiner ersten (Neben-)Mission, wo ich die etwas schwerfällige Deckungsmechanik zum ersten Mal in Action erlebe. Gut, das war jetzt gelogen, denn ich konnte bereits erste Erfahrungen währen der Beta sammeln. Allerdings habe ich die Beta-Version am PC gespielt und kämpfe mich nun mit dem PS4-Controller durch die Straßen von New York. Tatsächlich geht die Deckungsmechanik mit dem Controller besser von der Hand, was leider nichts daran ändert, dass sich die Bewegungen an sich trotzdem viel zu steif anfühlen. Es ist mir nicht möglich, außerhalb der Deckung in die Hocke zu gehen, geschweige denn mich hinzulegen. Dementsprechend sitze ich entweder in der Deckung und schieße auf die Gegner, während sie ihre Waffe nachladen oder sich von A nach B bewegen, oder ich wechsle die Deckung, weil eine Granate neben mir liegt und das Spiel den Sprengradius anzeigt. Das mache ich solange, bis alle Gegner(wellen) erledigt sind und auch der finale Boss das Zeitliche gesegnet hat. Anschließend sammle ich den "Loot" auf und kehre zum JTF-Officer zurück. Von dort aus werde ich zur ersten Story-Mission geschickt, die regulär im Team mit bis zu drei weiteren Spielern absolviert wird.

Story-Missionen sind in etwa vergleichbar mit Dungeons aus diversen MMOs. Am Ende wartet meist ein Gegner, der besonders viel aushält. Hat ihn das Team erst einmal besiegt, winkt eine Belohnung in Form guter Ausrüstung. Am Ende der jeweiligen Mission gibt es dementsprechend Punkte, die in der Hauptbasis genutzt werden können, um sie auszubauen. Von nun an werden sämtliche Missionen so ablaufen. Ich bewege mich von Bereich zu Bereich, strecke wellenweise Gegner nieder und hin und wieder betätige ich einen Schalter oder schieße auf Behältnisse, die es zu zerstören gilt. Dabei bewege ich mich von Deckung zu Deckung und versuche, den Kopf unten zu halten.


Tom Clancy's: The DivisionTom Clancy's: The Division
Auch tief unter dem Big Apple kommt es zu Feuergefechten.


In den Straßen von New York



Nachdem mich die Story nach Manhattan verschlägt, beziehe ich die Hauptbasis bzw. Base of Operations. Neben dem Eingangsbereich warten die Bereiche Technik, Sicherheit und Medizin. Die erworbenen Missionspunkten kann ich nun in den jeweiligen Flügel investieren und ihn somit ausbauen, was Zugriff auf neue Fähigkeiten gewährt. Demnach funktioniert das Skillsystem von The Division anders als bei den meisten Rollenspielen, da ich nicht in den Charakter (Agenten) direkt investiere, sondern in seine Basis. Durch die ausgewählten Fähigkeiten lassen sich später auch Einteilungen innerhalb der Gruppe wie z.B. Tank (Sicherheit), Damage Dealer (Technik) und Healer (Medizin) treffen.

Außerdem ändert sich durch den Ausbau die Basis auch optisch, was den Fortschritt der Story erkennen lässt. Besonders durch die stetige Veränderung und zwischendurch auch einzelne Dialoge, welche die Story vorantreiben, wird das Gefühl geweckt, dass ich etwas bewirke. Leider beschränkt sich das auf die Hauptbasis. Die einzelnen Stadtteile verändern sich optisch überhaupt nicht. Auch dann, wenn sämtliche Nebenmissionen und Aufträge erledigt sind, bleibt trotzdem das marode Stadtbild erhalten und Banden treiben weiterhin ihr Unwesen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die einzelnen Stadtgebiete sich an den Missionsfortschritt anpassen und beispielsweise Bewohner die Straßen aufräumen und verunfallte Autos zur Seite schaffen, bei zeitgleich erhöhter JTF-Präsenz. Gerade bei The Division wäre das ohne Probleme möglich gewesen, da die Gebiete sowieso instanziert sind und ich andere Spieler nur in den Basen sehe bzw. dann, wenn sie sich in meiner Gruppe befinden.

Wenn wir schon beim Thema Optik sind, möchte ich nicht unterschlagen, dass das Spiel unglaublich gut aussieht und das unabhängig von der Plattform. Die Umgebung ist detailliert gestaltet, die Texturen sind scharf und ganz besonders die Lichteffekte verpassen dem Spiel eine super Atmosphäre. Wenn Sonnenstrahlen um die Ecken der Hochhäuser schielen, vereister Boden die Umgebung spiegelt oder ein Schneesturm durch die Häuserschluchten tobt, wirkt das schon fast fotorealistisch. Überraschenderweise kommt es trotz der imposanten Präsentation nahezu nie zu Slow-Downs bzw. habe ich selbst nie welche erleben müssen. Bei der Darstellung der Personen lässt die Qualität leider nach. Das Gegnerdesign ist sehr eintönig und innerhalb der einzelnen feindlichen Gruppierungen gibt es lediglich eine Hand voll unterschiedlicher Designs, die wiederum zeigen, welche Bewaffnung der Gegner hat. Auch Passanten werden recycelt und sehen nahezu immer gleich aus. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, den eigenen Agent anzupassen. Neben der eigentlichen Ausrüstung, die auch Einfluss auf die persönlichen Werte und Fähigkeiten hat, gibt es zusätzlich Kleidung, die lediglich optische Unterschiede bringt. Darunter fallen Schuhe, Hose, Shirt, Jacke, Schal und Mütze. Hier kann sich nach Belieben gekleidet werden, ohne dass letzten Endes auf besondere Fähigkeiten verzichtet werden muss. Das ist insofern ein Vorteil, als dass Optik und Nutzen nur bedingt voneinander abhängig sind, z.B. beim Rucksack oder den Handschuhen.


Tom Clancy's: The Division
Für Beute gibt es nur einen Weg aus der Dark Zone: via Abholung durch einen Helikopter.


Auge um Auge



Auch bei The Division kommt das klassische PVP bzw. Spieler-gegen-Spieler nicht zu kurz. Da ihr euch regulär in instanzierten Gebieten bewegt, wo euch kein anderer Spieler über den Weg laufen kann, wurde die sogenannte Dark Zone eingerichtet. Storytechnisch erklärt sich die Dark Zone als eine Art Quarantäneabschnitt in Manhattan, der von hohen Mauern umfasst ist. Anfänglich wurden alle Erkrankten in diesen Abschnitt gebracht, der (anscheinend) von der US Army kontrolliert wurde und in welchem Wissenschaftler nach einer Heilung suchten. Als der Strom ausfiel, ging jedoch das Plündern los und die Zone musste aufgegeben werden. Gleichzeitig waren die Truppen gezwungen, ihre Ausrüstung zurückzulassen, was dazu geführt hat, dass in der Dark Zone nun die besten Gegenstände zu finden sind.

Als ich zum ersten Mal die Dark Zone betrete, werde ich positiv überrascht. Die Funkverbindung bricht ab, die Anzeige flimmert und eine andere Soundkulisse stimmt auf das ein, was mir bevorsteht. Die Straßen sind neben regulären Fahrzeuge voll mit Jeeps und Trucks der US-Army. In den U-Bahn-Tunnels stapeln sich die Leichensäcke, viele Gebiete sind verstrahlt und benötigen eine dementsprechend hohe Ausbaustufe des eigenen Atemfilters und immer wieder kreisen Helikopter über den Stadtbezirk. Verschiedene Gebäude werden von größeren Gruppen NPCs besetzt, die es auszuschalten gilt. In der U-Bahn stoße ich zudem auf einen stark gepanzerten Gegner, der mit einem Flammenwerfer ausgerüstet ist und den ich erst nach mehreren verschossenen Magazinen und Granaten aus der Deckung heraus niederstrecke. Er hinterlässt ein Pistolenholster, welches ich jedoch nicht anlegen kann. Stattdessen wandert es in eine Tasche, die sich fortan unter meinem Rucksack befindet und anderen Spielern verrät, dass ich Ausrüstung gefunden habe. Glücklicherweise finde ich Anschluss bei zwei weiteren Spielern, mit denen ich im Anschluss den Helikopter am Evakuierungspunkt rufe. Nun gilt es, den Punkt 90 Sekunden gegen andere Spieler, aber auch angreifende NPCs zu verteidigen. Ist das geschafft, wird der Beutel mit gefundener Ausrüstung an einem Seil angebracht. Sterbe ich bis dahin, verliere ich lediglich die in der Dark Zone gefundene und noch nicht ausgeflogene Ausrüstung.


Tom Clancy's: The Division
Das Schild (rechts im Bild) ist Teil des Fähigkeitenbaums "Sicherheit".


Immer dasselbe?



Gerade im Singleplayer bzw. möglichen Multiplayer des PvE konnte mich The Division noch nicht überzeugen. Das Missionsdesign ist einfach nicht abwechslungsreich genug und letzten Endes sind es nur Echos, also sogenannte Aufzeichnungen vergangener Ereignisse, die das Interesse wecken und motivieren, weiterzuspielen. Trotzdem kommt kommt es viel zu häufig vor, dass ich einfach keine Lust mehr habe, noch weitere Aufträge oder Nebenmissionen zu erledigen. Nie muss ich abbrechen, weil der Akku des Controllers zur Neige geht oder es draußen bereits hell wird. Das spricht für sich und sollte bei einem Multiplayer-Koloss wie The Division eigentlich nicht passieren.

Persönlich habe ich viel mehr Spaß an der Dark Zone. Im Gegensatz zum PvE setzt sich dort nur selten die Monotonie durch. Teamplay, umkämpfte Boss-Encounter und die Extraktionen von gefundenem Loot wissen lange zu begeistern. Die Trennung zwischen Ausrüstung, die sich bereits im Besitz befindet und Ausrüstung, die eben erst in der Dark Zone gefunden wurde, nimmt zudem einiges an Frustfaktor. Gleichzeitig sorgt es für genug Nervenkitzel, die 90 Sekunden am Evakuierungspunkt zu überleben und – was häufig die größere Herausforderung ist – die Ausrüstung sicher am Seil anzubringen. Durch den Beutel, der erst bei gefundener Ausrüstung unterhalb des Rucksacks erscheint, hält Ubisoft zudem die Übergriffe auf Spieler gering, die lediglich die Gegend erkunden und noch keinerlei "Loot" bei sich tragen.



Nawrock

Fazit von Nawrock:

Trotz der monotonen Spielmechanik weiß The Division zu überzeugen. Die Grafik wirkt sowohl am PC als auch auf Konsole imposant, ganz besonders durch die schönen Lichteffekte. Hinzu kommt die Performance, die trotz der anspruchsvollen Optik auch auf Konsolen keine Einbrüche hat. Abseits der technischen Standpunkte liefert das Spiel außerdem eine interessante Story, deren Hauptstrang zwar hätte besser erzählt werden können, die aufgrund vieler guter Nebenmissionen jedoch lange interessant bleibt. Auch im PVP liefert The Division viele spannende Momente, ganz besonders dann, wenn die Beutetaschen voll sind, während der Helikopter im Anflug ist. Bleibt zu hoffen, dass Ubisoft in naher Zukunft genug Content für das Endgame liefert, denn in dem Bereich ist das Spiel bisher noch etwas schwach auf der Brust. Zudem hoffe ich darauf, dass mein Handeln in naher Zukunft doch mehr Einfluss auf die Erscheinung des Big Apples hat.

Letzten Endes ist das aber alles wieder Meckern auf hohem Niveau, denn prinzipiell ist das Spiel keinen Deut monotoner als andere Action-Rollenspiele und auch die wissen über lange Zeit hinweg zu begeistern, wenn die Entwickler neue Gebiete und Items stetig nachliefern. Ich persönlich kann Division allen empfehlen, die eine Affinität für Shooter haben, zeitgleich aber Rollenspielelemente mögen und kein Problem damit haben, dass einzelne Gegner eben nicht mit einem gezielten Kopfschuss niedergestreckt werden können.

Besonders gut finde ich ...
  • Story und Nebenmissionen interessant gestaltet
  • gute Grafik mit grandiosen Lichteffekten
  • keine Performanceeinbrüche auf Konsole
  • Ausrüstung kann angepasst werden
  • eigene Basis kann ausgebaut werden
  • Kleidung hat keinen Einfluss auf Werte
Nicht so optimal ...
  • wenig Möglichkeiten beim Charaktereditor
  • teilweise hakelige Steuerung
  • wenig Abwechslung bei Gegnern und Zivilisten
  • Spielmechanik auf Dauer monoton (Deckung)
  • Erkundung Manhattans relativ ereignislos
  • Storyfortschritt hat keinen Einfluss auf die Stadt

Nawrock hat Tom Clancy's: The Division auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.

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  • Entwickler:Massive Entertainment
  • Publisher:Ubisoft
  • Genre:MMORPG
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:08.03.2016

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