Blues and Bullets - Review 7

Die Unbestechlichen werden viele von euch als gleichnamigen Film kennen, vielleicht auch unter dem Original-Titel "The Untouchables". Der Klassiker, in dem unsterbliche Legenden der Leinwand, wie Sean Connery, Robert de Niro sowie Kevin Costner mitspielen, entstand vor fast 30 Jahren und handelt von den mafiösen Machenschaften in Chicago und dem legendären Al Capone. A Crowd of Monsters greifen diese Thematik in ihrem Detektiv-Thriller Blues and Bullets neu auf, schicken den Anführer der unbestechlichen Truppe, Eliot Ness, jedoch in eine komplett andere Geschichte nach Santa Esperanza. Was euch im episodischen Film-Noir-Adventure erwartet, erfahrt ihr in meiner Review.


No, not creepy at all!



Der Einstieg ins Spiel zeigt einem gleich, wie der Hase läuft. Wir sehen ein kleines Mädchen, das, irgendwo in einem versifften Kerker, verängstigt auf einer Matratze kauert. Der Junge in der Zelle nebenan winkt mit einer Art Schlüsselbund und ruft mit zittriger Stimme: "Du bist dran". Dass dies keine Einladung für ein spaßiges Spielchen ist, wird einem sofort klar – die schwarz-weiße Noir-Kulisse verstärkt die bedrückende Atmosphäre zudem umso mehr.

Instinktiv nehme ich die Schlüssel entgegen, während der Junge weiterhin ängstlich vor sich hin brabbelt und immer lauter wird. Pssscht! Halt die Klappe, du Idiot. Ich knacke das Schloss meiner Zelle und weiß gleichzeitig, dass "etwas Schlimmes passieren wird". Vereinzelt deuten rote Hotspots auf mögliche Interaktionen hin ... ich kann das Zellenschloss des Jungen knacken oder zum traurigen Kind gegenüber laufen, aber auch den hässlichen Altar im Raum untersuchen. Bevor ich mich entscheiden kann, entriegelt sich mit einem lauten, stählernen Krachen die erste von drei Schließvorrichtungen an der eisernen Tür zu unserem Verlies. Unsere Peiniger haben etwas bemerkt, die Zeit wird knapp – die Zeit für Entscheidungen. Rette ich den Jungen? Haue ich ab? Für beides wird es nicht reichen.

Ich öffne die Zelle des Jungen und verschwinde anschließend in einem Schrank. Doch meine Gutmütigkeit und Aufopferung unter Lebensgefahr waren vergebens – der kleine Drecksbastard verrät mich bei erster Gelegenheit, als die eiserne Tür sich öffnet und eine gruselige Gestalt den Raum betritt. Ich werde ... Aaaahhhhhhh!!!


Blues and Bullets
Die Film-Noir-Atmosphäre weiß zu gefallen.


Eliot Ness meets Al Capone, twice.



Noch ehe ich die Einstiegsszene halbwegs verarbeiten kann, lande ich im namensgebenden Blues and Bullets Diner, das vom ehemaligen Polizisten Ness geführt wird und dem wir fortan bei seiner Detektivarbeit helfen werden. Die Story möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht weiter ausführen, zumal aktuell erst zwei von insgesamt fünf geplanten Episoden veröffentlicht wurden. Eine gewisse Rahmenhandlung darf jedoch verraten werden, ohne dass gleich die Spoiler-Warnleuchten anspringen.

Der einstige Todfeind des unbestechlichen Ermittlers, Al Capone, wurde aus dem Gefängnis entlassen, lädt nach Jahrzehnten zum Gespräch und bietet Eliot einen Job an. Klingt komisch, ist aber so. Wir nehmen an, denn der Fall weckt alte Erinnerungen und das Detektiv-Blut in uns. Außerdem sind Kinder im Spiel.


Dialoge, Rätsel und Rail-Shootings



Spricht man von Episoden-Abenteuern, denkt man an Telltale Games. Die Kalifornier haben spätestens seit der "The Walking Dead" Serie die Veröffentlichungsmethodik und den Rhythmus für viele Adventures neu definiert. Angelehnt an klassische Fernsehserien klappt das mit den regelmäßigen neuen Episoden jedoch im Falle von Videospielen nicht immer wie geplant. Ob Telltale-Serien, Life is Strange von Dontnod Entertainment oder auch das vorliegende Blues and Bullets – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Beim Gameplay ähneln sich die heutigen Episoden-Adventures ebenfalls immer mehr. Auch wenn hier natürlich jeder dem bekannten Telltale-Erfolgsschema seine eigene Note hinzufügen möchte. Blues and Bullets gelingt das in gewisser Weise sehr gut. Denn, fernab der üblichen "Laufe rum und entdecke Dinge", "Drücke Dies und Das, wenn es aufleuchtet" sowie "Spreche mit Leuten und wähle dabei unterschiedliche Antworten" Möglichkeiten, bietet das Film-Noir-Adventure auch andere, interessante Facetten. Nahezu echte Detektiv-Arbeit im Stile eines Cole Phelps (L.A. Noire), bei der wir uns diverse Hinweise erarbeiten und dann zusammen puzzeln müssen, um zu erfahren, was an einem Schauplatz oder Tatort passiert ist, zum Beispiel. Oder auch Passagen, in denen wir in bester Rail-Shooter-Manier gegen schlechtgelaunte Widersacher antreten.

Die Abwechslung und Kombination der Elemente sind gelungen und gefallen mir bisher gut. Dialoge und vermeintliche Entscheidungen, gepaart mit stillen, düsteren und emotionalen Szenen, dazu noch die erwähnte Detektiv-Arbeit sowie die Action-Shooter-Einlagen - das passt. Allerdings dürfte sich Eliot gerne auch mal schneller bewegen, wenn er bei der Wahl zum langsamsten Detektiv des Jahres nicht den ersten Platz belegen will.


Blues and BulletsBlues and Bullets
Rot ist das neue Orange.


Vielversprechend



Der Film-Noir-Stil ist konsequent und gut umgesetzt. Er verleiht der interessanten und okkulten Story einen gewissen Kick und die glaubwürdige Atmosphäre, während uns die Geschichte dank Rückblenden an verschiedene Schauplätze transportiert. Ganz ähnlich, wie dies bereits im Film-Klassiker Sin City geschah. Die Sprecher sind hochwertig – Eliot Ness wird zum Beispiel von keinem geringeren als Doug Cockle, besser bekannt als Geralt von Riva (The Witcher 3), gesprochen. Er und andere bringen den Detektiv-Thriller glaubwürdig rüber. Dass hierbei ausschließlich Englisch gesprochen wird, muss man wohl bei kleineren Studios einfach akzeptieren. Immerhin werden bereits direkt zum Start deutsche (und diverse andere) Untertitel sowie eine komplette Übersetzung der Ingame-Texte geboten, so dass man keine Probleme haben sollte, der Story zu folgen.

Technisch gibt sich das Spiel (in der von mir getesteten PS4-Version) keine Blöße. Eine gute Kapitelwahl mit entsprechenden Checkpoints und der Möglichkeit, nach dem Durchspielen verpasste Sammel- oder Hinweisobjekte zu entdecken, ohne dass Entscheidungen aus dem Hauptspiel – wie auch immer diese sich auswirken – beeinträchtigt werden, ist super. Die Ladezeiten sind sehr human und die Optik okay, stellenweise hätte ich mir bei den Nahaufnahmen schärfere Texturen gewünscht – doch das beeinträchtigt das Spielerlebnis schlussendlich kaum. Den Soundtrack von Damian Sanchez darf ich an dieser Stelle nochmal besonders hervorheben. Dieser liefert den Blues und fügt sich nahtlos in das Spiel, die Zeit und alles, was über den Bildschirm flimmert, ein.

Nach dem Staffel-Start im vergangenen Jahr über Steam und auf der Xbox One folgte nun kürzlich die Veröffentlichung für die PlayStation 4 – inklusive der zweiten Episode. Es bleibt zu hoffen, dass das spanische Entwicklerstudio einen guten Release-Flow für die restlichen drei Episoden geplant hat. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.



Kithaitaa

Fazit von Kithaitaa:

Videospiele im Film-Noir-Stil gibt es viel zu wenige, wenn man ehrlich ist. Als Fan der schwarz-weißen Atmosphäre hat mir Blues and Bullets direkt bei der Ankündigung zugesagt. Nach dem kürzlichen PS4-Release und des bisher überwiegend positiven Feedbacks der User (auf Steam) habe ich mich in ein weiteres Episoden-Adventure gewagt. Bisher wurde ich nicht enttäuscht und finde sowohl den Gameplay-Mix als auch die überaus mysteriöse Story sehr gelungen. Ob sich die "Entscheidungen" irgendwann bemerkbar machen, bleibt abzuwarten, aber darauf kommt es (mir) bei Blues and Bullets eigentlich gar nicht an. Ich will eher wissen, was es mit den Kindern auf sich hat. Wie die Story weitergeht. Wann es weitergeht. Für mich haben A Crowd of Monsters bisher alles richtig gemacht und legen auch mit Spielzeiten von 90-120 Minuten je Episode gute Werte vor. Der Veröffentlichungs-Rhythmus der insgesamt fünf Episoden dürfte jedoch entscheidender sein.

Besonders gut finde ich ...
  • Film-Noir-Stil & Atmosphäre
  • interessante Story
  • unübliche "Adventure-Gameplay-Elemente"
  • überzeugende Sprecher
  • stimmungsvoller Soundtrack
  • Episoden-Spielzeit
  • deutsche Untertitel
Nicht so optimal ...
  • Episoden-Wartezeit (gemessen an Steam-Release)
  • lahmer Eliot Ness (bewegungstechnisch)

Kithaitaa hat Blues and Bullets auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von A Crowd of Monsters zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:A Crowd of Monsters
  • Publisher:A Crowd of Monsters
  • Genre:Adventure
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:23.07.2015
    (Xbox One) 28.08.2015
    (PS4) 20.04.2016

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: HerrBeutel, ATeC, ... und 5 Gästen.
  • HerrBeutel
    #1 | 11. Mai 2016 um 20:19 Uhr
    Meh, PS4 only. Schade, klingt super spannend!
  • Kithaitaa
    #2 | 11. Mai 2016 um 20:24 Uhr

    Haschbeutel: Meh, PS4 only. Schade, klingt super spannend!


    Ist nicht PS4-only. Ein Blick nach rechts (zu den Spieldaten) genügt =)
  • HerrBeutel
    #3 | 11. Mai 2016 um 20:54 Uhr
    Da stand doch eben nur PS4 ... du Schelm!
  • Kithaitaa
    #4 | 11. Mai 2016 um 20:56 Uhr

    Haschbeutel: Da stand doch eben nur PS4 ... du Schelm!


    Nö.

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