DOOM - Review
Der Blutdurst nach mehr: Hirn aus, Feuer frei!
Vornehmlich die ältere Spielergeneration verbindet eine lange Tradition mit der DOOM-Reihe. Wie wird sich ein Reboot einer Reihe aus längst vergangenen Tagen gegen die modernen Spielelemente heutiger Genre-Vertreter schlagen können? Ich habe mich in die Hölle gewagt und bin Zeuge einer spannenden Zeitreise geworden, die mich nicht nur einmal an die Anfänge der Videospielgeschichte erinnert hat. Zeitgleich habe ich in der rund zehnstündigen Kampagne wohl so viel Blut vergossen wie der Bodensee Wasser fasst. Hier ist sie, noch mit frisch blutverschmierter Stirn: die Review.

Ungewohnt schnelles Gameplay trifft auf herausragendes Gunplay
Zugegeben, die Geschichte die in DOOM erzählt wird, interessiert wohl die wenigsten. In recht kurzen bruchstückhaften Visionen wird näher erläutert, wie es zum Ausbruch der Dämonen gekommen ist und welche Wege gefunden werden müssen, um die Invasion rückgängig zu machen. Dabei plätschert die Story bis kurz vor Ende der Kampagne meist vor sich hin und wird zwischenzeitlich immer wieder künstlich aufgebauscht - gleichwohl sich kaum etwas wie Spannung aufbauen mag. Wesentlich bedeutsamer sind hingegen die fordernden Auseinandersetzungen mit den Dämonen, die mich dank verdammt schnellem Gameplay und überaus brutalen Moves mit Freude an den heimischen Monitor gefesselt haben. Anders als noch in DOOM 3 wurde die Spielgeschwindigkeit nämlich derart erhöht, dass auf eine spezielle "Rennen-Taste" auf dem Gamepad bzw. der Tastatur komplett verzichtet wurde. Folglich springe ich mit ordentlich Zunder unterm Hintern durch die Levels, nutze spezielle Jump-Pads um von A nach B zu kommen, und achte darauf, jede Ecke der kleinen Arenen auszunutzen, um den Angriffen der Gegner zu entgehen. Überdies halte ich stets meine Augen nach Rüstungen und Munition offen, die überall im Areal gut sichtbar am Boden liegen.
In gleicher Weise häufe ich wichtige Energiepunkte an, die mir später das Überleben gegen die Gegnerhorden erleichtern. Darüber hinaus kann ich durch spezielle Energieknoten meinen Anzug in verschiedenen Weisen aufrüsten. Diese Knoten sind in den abundant vorkommenden Verzweigungen der recht linearen Levelabschnitte zu finden. Jene möchten in den ruhigeren Phasen des Spiels erkundet werden und bieten Sammelfans allerlei witzige Easter-Eggs oder den Zugang zu speziellen Runenprüfungen.


Oldschool und Neuzeit
Obschon sich längst vergessene Tugenden und moderne Spielelemente gegenüberstehen, schafft DOOM eindrucksvoll den Spagat, beides prima miteinander zu kombinieren - und das in einer Art und Weise, in der keines der implementierten Features aufgesetzt wirkt. Die in den Leveln gestellten Herausforderungen, die mich beispielsweise dazu animieren, einen bestimmten Gegnertypen nur mit Nahkampfangriffen auszuschalten, machen ebenso viel Spaß wie die altbekannten Versteckspielchen, um irgendwelche Schlüsselkarten zu finden, die mir den Zugang zum nächsten Areal gewähren. Dass die Entwickler hier auf das lästige Backtracking der letzten Iteration verzichtet haben, ist in jedem Fall lobenswert.
Ohnehin steht die Action mehr als denn je im Vordergrund - würde man etwas Böses unterstellen wollen, könnte man DOOM auch darauf herunterbrechen, dass auf ein ruhiges Areal eine Kampfarena folgt und gleich darauf erneut ein ruhigeres Areal, dass zum Erkunden oder einigen Sprungeinlagen einlädt. Ergänzend hierzu sollte man sich vor Augen führen, dass der Action-Shooter, der all seine Horror-Elemente über Bord geworfen hat, sich komplett auf die Kämpfe gegen die Scharen konzentriert und dabei ein herausragendes Gunplay zu Tage trägt.
Letzteres führt dazu, dass man sich über den Spielverlauf verschiedene Taktiken für die ungeheuer vielen Ungeheuer zurechtlegt und sich noch vor der nächsten Kampfarena überlegt, welchen coolen Move man als nächstes zücken wird. Egal, ob ich den Feinden mit einer doppelläufigen Schrotflinte, einer Chain-Gun oder dem Plasmagewehr den Garaus mache, machen die Gefechte auch nach einigen Stunden Spielzeit noch jede Menge Laune. Obwohl der Durst nach frischem Dämonenblut gegen Ende des Spiels dann doch deutlich nachlässt, da sich die Levelabschnitte oftmals vorangegangenen gleichen und sonst leider kaum noch für Abwechslung gesorgt wird. Immerhin: Die sporadisch implementierten Bosskämpfe fordern einiges an Skill und lassen die ans Herz gewachsene BFG-Waffe zum Einsatz kommen.


Runenprüfungen und die Sache mit den Upgrades
Um letztere möglichst adäquat, brutal und schnell zu erledigen, sollten einige der optional und teilweise verdammt gut versteckten Runenprüfungen absolviert werden. In einem eigens generierten Areal kämpfe ich in solcher gegen verschiedene Gegner und muss diese mit einer bestimmten Waffe in einem vorgegebenen Zeitlimit erledigen. Ist die Herausforderung geschafft, folgt die Freischaltung einer besonderen Fähigkeit für meinen Anzug. So erhalte ich durch eine Rune beispielsweise einen Munitionsboost, der mir die Sorgen um die recht knappe Munition im Spiel erst einmal vertreibt. Grundsätzlich lassen sich darüber hinaus alle gefundenen Waffen in der Kampagne durch bestimmte Perks verbessern, wenngleich bis zum Ende des Spiels derart viele Waffenmarken gefunden werden, dass ohnehin fast alle Waffen voll aufgerüstet sein werden.
Durch den gekonnten Einsatz der sogenannten Glory-Kills, welche die Gegner stilvoll in all ihre Einzelteile zerlegen, erhalte ich überdies einiges an Lebenspunkten sowie Munition direkt von den eliminierten Gegnern zurück. Daher empfiehlt es sich, während des Blutvergießens immer wieder zwischen Nah- und Fernangriffen zu wechseln, um das optimale Spielerlebnis herauszuholen. Insbesondere auf den höheren der insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade wird jener Ratschlag schnell zur Pflicht, sofern man nicht ständig den Bildschirmtod sterben möchte. Untermalt werden die Gefechte mit wuchtigem Metal-Gitarren-Sound, welcher teilweise an den Soundtrack der Devil-May-Cry-Reihe erinnert.

Das Leid mit den Abstürzen
Obgleich ich in der Vergangenheit sehr gerne schnelle Arena-Shooter wie Quake, Unreal Tournament und das zuletzt etwas verunglückte ShootMania Storm gespielt habe, hat mich der Multiplayer-Part bisher nicht packen können. Ähnlich anderer Genre-Vertreter verfügt dieser über die bekannten Modi Team-Deathmatch, reines Deathmatch, Domination und viele mehr. Angepasst an das DOOM-Universum kann ich im Deathmatch-Modus nach ausreichend gesammelten Seelen in die Rolle eines Dämons schlüpfen und so mit Leichtigkeit mein eigenes Punktekonto in die Höhe treiben. Der Beitritt zu Multiplayergefechten gestaltet sich leider recht zäh über Lobbys, verbunden mit recht langen Wartezeiten - schade.
Ungeachtet dessen scheint die große DOOM-Community derzeit den SnapMap-Editor auf Herz und Nieren zu testen und sorgt online schon für erste Remakes von Maps der Serienerstlinge. Allein aus diesem Grunde werde ich dem Multiplayer-Part mit Sicherheit noch ein paar Besuche abstatten.
Aus technischer Sicht ist die Umsetzung der von mir getesteten PC-Version durchaus gelungen. Die Ladezeiten sind angenehm flott, die Spielwelt sowie die Charaktermodelle hinterlassen einen detaillierten Eindruck und die herausragende Lichtstimmung sorgt für die perfekte Höllen-Atmosphäre. Darüber hinaus bringen die überzeugenden Rauch- und Nebeleffekte die richtige Stimmung und lassen die teils verwaschenen Texturen, die mit Nachladeproblemen zu kämpfen haben, vergessen. Die Bildrate bewegt sich meist auf stabilem Niveau, selbst dann, wenn sich viele Gegner in der Arena tummeln. Jammerschade sind dahingehend die Probleme auf meinem Testsystem gewesen, die mich mehrmals dazu gezwungen haben, das Spiel neu zu starten, wenn sich jenes nicht zuvor schon ohne Vorwarnung geschlossen hat. Meist nach den Runenprüfungen, also nach einer Ladezeit, rutschte die Bildrate ins Unspielbare und sorgte teilweise für einen Komplettabsturz des Spiels. Umso tragischer ist, dass mit einem solchen Absturz der Verlust des Levelfortschritts einhergeht. Hier hoffe ich inständig auf einen Patch, der die Probleme aus der Welt schafft.
Fazit von Kevin:
Es ist schön, einen Shooter wie DOOM im Jahre 2016 spielen zu dürfen. Die Jungs von id Software wissen, wie man ein gealtertes Franchise in die "Neuzeit" der Videospiele verfrachtet. Das herausragend ausbalancierte Gunplay, die mega-brutalen Glory-Kills sowie der stets passende Soundtrack und die hübsche Optik sorgen für ein geniales Gesamtpaket, das selbst mich als Fan des Vorgängers überzeugt hat. Und das, obwohl ich letzteren eher wegen den Horror-Elementen gespielt habe.
Eben weil die aktuelle Iteration der DOOM-Serie so verdammt schnell, actionreich und ohne nervige Deckungskämpfe auskommt, macht das schier endlose Abmetzeln der Dämonen unglaublich viel Spaß. Hirn aus, Gewehr in die Hand und ab geht die Post!
- schnelles Gameplay
- brutale Glory-Kills
- cooles Upgrade-System
- abwechslungsreiche Runenprüfungen
- umfangreicher SnapMap-Editor
- herausragendes Gunplay
- coole Bosskämpfe
- stimmiger Soundtrack
- solide deutsche Synchronisation
- ordentliche Optik
- stabile Bildrate
- flotte Ladezeiten (PC)
- lahme, vorhersehbar Story
- Abstürze nach Ladezeiten (PC)
- Gefechte teils repetitiv
- schwacher Schlussteil
Kevin hat DOOM auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Bethesda Softworks zur Verfügung gestellt.
Fazit von Philipp:
Als ich gestern endlich DOOM beendet habe, sackte ich erleichtert auf der Couch zusammen. Es ist lange her, dass man sich die Credits eines großen AAA-Titels so dermaßen hart erkämpfen musste. Generell ist es lange her, dass ich etwas wie DOOM gespielt habe und eigentlich dürfte dieses Spiel in der heutigen Zeit gar nicht mehr existieren. Denn auch wenn es eine Art "Skilltree" und Waffen-Upgrades gibt, täuscht es nicht darüber hinweg, dass DOOM in dieser Art auch vor 20 Jahren hätte erscheinen können: bunte Armor-Powerups, schimmernde Healthpacks, kein Nachladen, vorhersehbare Arena-Kämpfe - alles Relikte aus einer längst vergangenen Zeit - und dennoch spielt es sich erfrischend neu und angenehm vertraut. Trotz der Linearität gibt es in den recht komplex aufgebauten Karten vieles zu entdecken, wenn man sich die Zeit nimmt. So unwichtig die Story auch ist, man hat sich die Mühe gemacht jedem Monster, jedem Charakter und jeder Waffe eine kleine Hintergrundgeschichte zu verpassen, damit die doch recht abstruse Hölle-Mars-Story zumindest in der erzählten Welt funktionieren kann. Das, kombiniert mit dem tollen, schnellen Gunplay, der kompromisslosen Härte und dem treibenden Metal-Soundtrack, macht DOOM zu einem der beste Shooter-Erlebnisse seit einer gefühlten Ewigkeit. Hier gibt es keine Quicktime-Events oder regenerative Gesundheit. DOOM will, dass man sich seinen Respekt verdient - und das macht unfassbar viel Spaß. Ein wenig erinnerte mich DOOM an Mad Max: Fury Road, das trotz moderner Zugeständnisse viel wert auf die Wurzeln des Genres gelegt hat. Da DOOM das Genre der Ego-Shooter damals mitbegründet hat, sind die Anleihen natürlich umso deutlicher.
- blutig, dreckig, "roh"
- extrem schnelles 60FPS-Gameplay
- tolles, forderndes Gunplay
- kreatives Monsterdesign
- fordernde Bosskämpfe
- abwechslungsreiche Level
- viele versteckte Boni
- fordernd, aber nie unfair
- Ladezeiten (Xbox One)
- gegen Ende etwas gestreckt
- Übersichtskarte fummelig
Philipp hat DOOM auf der Xbox One gespielt.


#1 | 24. Mai 2016 um 18:44 Uhr