Resident Evil 5 - Remastered Review
Neuauflage mit alten Tücken: Koop-Spaß ist trotzdem garantiert
Stark auf Koop-Gameplay ausgerichtet, ist Resident Evil 5 einer der Titel, welcher unter Fans noch heute stark umstritten ist. Während bereits der vierte Teil der Grusel-Reihe erhebliche Änderungen am Konzept vornahm, ging Capcom damals beim Nachfolger konsequent einen Schritt weiter und entführte die Spieler ins sonnige Afrika. Folglich wurden nahezu alle bekannten Horrorelemente über Bord geworfen und das Spiel mutierte zu einem reinen Action-Shooter. Für Hardcore-Fans sicher ein Stich ins Herz, aber nicht alle Änderungen am Spielkonzept sind gleich schlecht zu reden. Nun, fast sieben Jahre nach dem ersten Release stellt sich natürlich die Frage: wie viel Innovation und Zauber sind von damals übrig geblieben?
Die Koffer sind gepackt. Ab nach Afrika!
Im Großen und Ganzen bleibt das eigentliche Spielerlebnis unberührt. Letztlich streife ich wie anno 2009 mit einem leicht aufgehübschten Chris Redfield und seiner weiblichen Begleitung Sheva Alomar durch die Savannen von Afrika, die in sechs unterhaltsame Kapitel gegliedert sind. Dort erwarten mich neben den Zombiehorden immer wieder fordernde Bossgegner, die allesamt über eine eigene Schwachstelle verfügen, welche für ein Bezwingen zuvor ausfindig gemacht werden muss. Jene Kämpfe können sich aufgrund der mangelnden Ressourcen auf den höheren Schwierigkeitsgraden gerne mal als Geduldsprobe erweisen, zumal hinter jeder Tür schon der nächste größere Kampf verborgen liegen kann. Dahingehend muss große Rücksicht auf die Umgebung gelegt werden. Erschwert werden die Schießereien durch die klobige Steuerung, die es nicht ermöglicht, während des Laufens zu schießen. Weiterhin stellt das sehr begrenzte Inventar eine große Hürde dar. Zwar kann ich überaus umständlich Munition und Gegenstände mit meinem Partner tauschen, bin aber während dieser Zeit jeglichen Gegnerangriffen schutzlos ausgeliefert. Angesichts der blutrünstigen Gruppen von Feinden steigt somit die Anspannung und das Adrenalin selbstredend in jedem Kampf.

Ein grausiger Verdacht: Wenn der Partner hirntot erscheint
Im Rahmen der hektischen Schusswechsel fällt die Bildrate leider oftmals unter die angepeilte 60fps-Marke. Dabei ist Letztere dafür verantwortlich, dass die Steuerung wesentlich reaktionsfreudiger und flüssiger vom Gamepad geht als vor sieben Jahren. Immerhin hat Capcom in Bezug auf dieses Problem bereits Besserung versprochen und schiebt einen Patch nach. Gleichermaßen hoffe ich auf eine Verbesserung einiger Cutscenes. Diese wirken durch die höhere Bildrate völlig unnatürlich und strotzen nur so vor Bildzeilensprüngen. Infolge kann die ein oder andere Quick-Time-Sequenz zur ganz speziellen Herausforderung werden. Tatsächlich stellen sich diese heutzutage sogar eher als lästige Pflicht heraus und hätten gerne entschärft werden können.
Ebenso wäre eine Überarbeitung der künstlichen Intelligenz meiner Begleiterin wünschenswert gewesen. Sheva stolpert nahezu durch die Levels und lässt sich von den Untoten auf magische Art und Weise anziehen. Manchmal vermute ich, dass sie, ähnlich wie die Anwohner, vom Virus befallen ist. Weiterhin verschwendet sie die seltenen Heilsprays und übergibt mir immer in den ungünstigen Momenten Munitionspacks, die sich meist als völlig nutzlos erweisen. Aufgrunddessen fühle ich manchmal wie ein Erzieher im Katastrophenszenario, der nicht nur seine eigene Haut, sondern auch noch die seiner Partnerin retten muss. Ferner gibt es im Spielverlauf kleinere Rätsel zu lösen, die das sonst sehr actionlastige Gameplay etwas auflockern.

Auf ein weiteres Mal
Durch den rasanten Spielverlauf ist der Titel außerdem prädestiniert für weitere Durchläufe. Mit einem kompetenten Online-Partner, der jederzeit durch ein sehr gut funktionierendes Drop-In-Drop-Out-Verfahren dem Spiel beitreten kann, sind weitere Durchläufe immer ein ganz besonderes Erlebnis. Nebenbei lassen sich dann allerhand Waffen bis zum Anschlag aufmotzen, unendlich Munition oder gar aberwitzige Kostüme freispielen. Des Weiteren sind die gebotenen DLC-Inhalte ebenso im Koop-Modus spielbar und zeigen unter anderem, dass das Spiel noch ganz andere Facetten zu bieten hat. In der gruseligen Spencer-Villa, die wohl nur durch Zufall an das Herrenhaus aus dem Serienerstling erinnert, geht es beispielsweise weniger um Action als um das Lösen verschiedener Rätsel und geschickte Zusammenarbeit, um die furchterregenden Wesen zu erlegen.
Überdies bietet der Mercenaries-Modus unter Einbeziehung aller DLC-Inhalte eine weitere Herausforderung für Einzelspieler & Koop-Freunde. Ziel ist es, gegen die Zeit so viele Gegner wie nur möglich zu erledigen. Mit großem Zeitdruck im Nacken stellen sich diese Herausforderungen als äußerst schwer heraus und bieten mehrere Stunden Spielspaß auf hohem Niveau, sofern man daran interessiert ist, sich in Bestenlisten mit anderen Spielern auf aller Welt messen zu wollen. Angetrieben wird der Spielmodus selbstredend durch den eigenen Ehrgeiz den nächsten Durchlauf mit noch mehr spektakulären Combos abschließen zu wollen. Für jene Spieler, die lieber das direkte Duell suchen, bietet sich der Versus-Modus an. In gleich zwei verschiedenen Spielmodi können die Gefechte gegen die harte Konkurrenz ausgetragen werden. Diese funktionieren überraschend gut und stehen dem erst kürzlich veröffentlichen Umbrella Corps in nichts nach.
Fazit von Kevin:
Tatsächlich macht die Umsetzung von Resident Evil 5 heute noch genauso viel Spaß wie damals. Mit einem geeigneten Koop-Partner, egal ob Online oder im Split-Screen, bietet der Re-Release eine der besten Koop-Erfahrungen auf den Current-Gen-Konsolen. Wenngleich ich mir eine verbesserte Optik gewünscht hätte, bündelt diese Edition alle erschienenen Inhalte zu einem umfangreichen und unterhaltsamen Paket und das noch zu einem fairen Preis.
Einzig die etwas lieblose Umsetzung kann man Capcom ankreiden. Mit Sicherheit wären noch Ressourcen übrig gewesen, um einige Texturen aufzuhübschen und an der KI von Sheva zu arbeiten. Schlussendlich ist Resident Evil 5 auf PS4 und Xbox One zwar kein vorbildiches Remaster, doch das überragende Spiel im Kern überstrahlt einige dieser Nachteile und sei auch heute noch allen empfohlen, die das Spiel nicht schon bis zum Erbrechen durchgespielt haben - und das ganz ohne Horror!
- coole Koop-Erfahrung
- Umfang
- passender Soundtrack
- gute Verteilung der Checkpoints
- motivierendes Belohnungssystem
- alle DLC-Inhalte an Bord
- spektakuläre Bosskämpfe
- viel Freischaltbares
- überarbeitete Kamera
- KI von Sheva mangelhaft
- zu viele Quick-Time-Events
- schwankende Bildrate
- Bildzeilensprünge in Cutscenes
- klobige Steuerung
- einige Clippingfehler
Kevin hat Resident Evil 5 auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.


#1 | 25. Juli 2016 um 19:11 Uhr
#2 | 26. Juli 2016 um 10:45 Uhr