Disney Art Academy - Review

Mit Disney Art Academy ist jetzt der neueste digitale Zeichenkurs aus dem Hause Nintendo für den 3DS erschienen. Nachdem uns zuletzt Vincent die klassische Kunst auf der Nintendo Wii U näher brachte und auch die allseits beliebten Pokémon Taschenmonster einen Ableger spendiert bekamen, widmet sich die Malschule im Taschenformat nun den Figuren aus dem Disney- und Pixar-Universum. Als talentfreier Leinwand-Künstler habe ich dennoch den Griff zum Stylus gewagt und mich meinem Kunstunterricht-Trauma gestellt.

Wie sich die Zeiten doch ändern: Was früher noch als altbacken und öde beschimpft wurde, ist heute angesagt und cool. Das Wandern ist so ein Fall. Die piefige Freizeitbeschäftigung unserer Großeltern hat sich ohne viel Aufhebens an die Spitze einer gesundheitsbewegten Gesellschaft gesetzt. Diese Liste lässt sich nahtlos mit dem Malen (nach Zahlen) fortsetzen. Und es ist nicht etwa der quengelnde Nachwuchs, der mit einer Schachtel Buntstifte und einem Malbuch ruhig gestellt werden will. Nein: stattdessen sitzen die Erwachsenen über den Malbüchern der neuesten Generation und zeichnen fleißig die vorgefertigten Motive aus. So hat am Ende auch diese so konservativ wie kreative Liebhaberei einen hippen Anstrich verpasst bekommen.

In diesem Zusammenhang passt es nur zu gut ins Bild, dass mit Bob Ross der (im Jahr 1995 verstorbene) Guru aller Hobby-Zeichner noch eine späte Karriere im Spartenkanal BR alpha und auf YouTube hinlegte. Und auch bei mir, der im Kunstunterricht dereinst vor der Leinwand oder dem weißen Blatt Papier regelmäßig versagte, hat die Kombination aus meditativer Erklärstimme und sensationeller Minipli-Frisur bleibende Spuren hinterlassen. Obwohl mir das Talent zum Zeichen im Grunde komplett abgeht, hatte ich Lust auf eine ungezwungene Kritzelei, was mich wiederum zu Disney Art Academy greifen ließ. Immerhin motiviert mich persönlich ein nachgezeichnetes (Findet-)Nemo-Portrait mehr als das Lächeln der Mona Lisa unter Zuhilfenahme des Goldenen Schnitts! Ihr merkt es vielleicht: die Art Academy möchte ihrem Bildungsauftrag gerecht werden und die Grundlagen des Zeichnens vermitteln. In diesem Fall geht es aber mehr um die gängigen Techniken des Animationsfilms, denn um die alten Meister vom Kaliber eines Rembrandt oder van Gogh.


Disney Art Academy
Der kleine Clownfisch Nemo ist der Star des Pixar-Universums und darf natürlich nicht fehlen


Im Spiel sind 80 der beliebtesten Disney und Pixar-Charaktere enthalten



Die Architektur des 3DS bietet sich für ein Spiel à la Art Academy natürlich geradezu an. Während ich auf dem oberen Bildschirm meine Figur und spätere Kreation sehe, bleibt der untere Screen den Malutensilien, wie Pastellkreide, Pinsel oder Markierstift und der Zeichenfläche vorbehalten. Eine besondere Neuerung ist der Zauberstift. Mit ihm kann ich meiner Zeichnung noch eine extra Portion Glamour, wie Sterne, Seifenblasen oder Glitzer verleihen. Ob Micky Maus, Nemo, Elsa, Buzz Lightyear oder Simba: 80 der beliebtesten Disney und Pixar-Charaktere gilt es auf die virtuelle Leinwand zu bannen. Dabei entsteht aus Linien und Konturen allmählich das Bild einer Figur, die ich im Laufe der Jahre durch cineastische Perlen, wie "Toy Story" und "Der König der Löwen" kennen und lieben gelernt habe. Um dem pädagogischen Malen noch einen – wenn auch dünnen – roten Faden zu verpassen, findet das Ganze auf einem nicht näher definierten Inselparadies statt. In einem Ferienresort muss sich unser Novize (also ich) für das Disney-Kulturfestival mit den Basics des Skizzierens vertraut machen. Auf dem Weg zu Ruhm und Ehre durchlaufe ich dabei Lektionen für Einsteiger, Studenten und Fortgeschrittene.


Disney Art AcademyDisney Art Academy
Micky Maus und Schneemann Olaf sind ebenfalls in der Art Academy mit dabei


Form, Schatten oder Farbenlehre: Art Academy lehrt mich das 1x1 des Zeichnens



Am Beginn des interaktiven Malkurses steht für mich natürlich die Mutter aller Zeichentrickfiguren. Mit Micky fange ich an, hätte mich aber im Sinne der Gleichberechtigung auch für Minnie entscheiden können. Das Konterfei des Mäuserichs ziert fortan auch mein Profil, welches im Klubhaus hinterlegt ist. Hier kann ich mir auch jederzeit in einer Galerie alle meine Kunstwerke ansehen, die ich im Laufe des Spielverlaufs so auf die Leinwand gepinselt habe. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass der virtuelle Zeichenlehrer schon sehr wohlwollend mit meinen Bildern ins Gericht geht. Egal wie hingerotzt meine Zeichnung am Ende auch sein mag. Die Art Academy brennt dennoch ein Feuerwerk ab und belohnt mich immer (und ich sage immer) mit einem "Gut gemacht".

Als Bonus erhalte ich einen Stempel in mein (Klassen-)Buch und schalte auf diese Weise neue Lektionen und Figuren frei. Als großer Fan der Monster-AG wage ich mich zunächst an den unvergleichlichen Mike Glotzkowski und übe mich damit in der Kunst des Ausdrucks. Im Laufe meiner malerischen Fortbildungs-Tour lerne ich, dass sich alles im Grunde auf vier Hauptausdrücke reduzieren lässt, nämlich Trauer, Angst, Wut und Freude. In diesem Fall wird die Pastelkreide großzügig aufgetragen, um den runden Körper und das hervorstechende Auge prominent in Szene zu setzen. Schön auch die Figur "Kummer" aus dem Film "Alles steht Kopf". Hier gehe ich mit Sprühfarbe zu Werke und trage später mit einem Pinsel dicke Striche auf, um den markanten Haaren eine charakteristische Textur zu verleihen. Und wer wissen will, in welcher Beziehung Mr. Incredible aus dem Film "Die Unglaublichen" zu der Theorie des negativen Raums steht, sollte am besten sofort das Modul starten und mit dem Zeichnen beginnen.

Als eher untalentierter Leinwandkünstler muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich an der Möglichkeit des freien Zeichens eher verzweifelt bin. Mal eben ein vorgefertigtes Gitter ausmalen und der Figur damit Leben einzuhauchen, mag ja ein Leichtes sein. Die Formen allerdings ohne jegliche Hilfe zeichnen zu wollen, bedarf schon mehr Geschick und Übung. In diesem Sinne bietet das Programm genügend Futter, um sich dutzende Stunden darin zu verlieren. Was ich allerdings sehr schade finde ist, dass das Programm den 3D-Effekt nahezu komplett ignoriert, obwohl sich gerade dieses Feature bei der Ansicht der Bilder nicht nur angeboten, sondern geradezu aufgezwungen hätte. Wie praktisch wäre es denn gewesen, wenn ich das zu zeichnende Objekt zunächst von allen Seiten hätte begutachten können, bevor ich daran gehe, eine möglichst werkgetreue Kopie hiervon anzufertigen. Doch vielleicht bekomme ich diese Funktion ja beim nächsten Mal spendiert.



Jari

Fazit von Jari:

Mit der Disney Art Academy ist im Grunde ein typisches Nintendo-Produkt mit all seinen bekannten Vor- und Nachteilen erschienen. Damit meine ich, dass mich die Geschwätzigkeit des Tutorials mit seiner Vielzahl an Textboxen an jeden anderen Titel erinnert, in dem anstelle von Sprache immer wieder auf die Schriftform gesetzt wird. Jeder kleine Pinselstrich wird in epischer Breite erklärt. Dies ist zwar nicht uninteressant, kann aber auch nerven. Ansonsten erfindet die Art Academy das Rad nicht neu, sondern ergänzt die erprobte Formel um die Figuren aus dem Disney- und Pixar-Universum. Sie sind dann allerdings auch das größte Pfund, mit dem das digitale Malprogramm am Ende zu punkten vermag. Immerhin hat wahrscheinlich jeder irgendwann in seinem Leben eine der Figuren aus Toy Story und Co. in sein Herz geschlossen. Auch die Bedienung geht komfortabel von der Hand und die Palette an Werkzeugen kann sich sehen lassen. Für die kleine Kritzelei am Abend oder Unterwegs bieten sich die Lektionen an. In ihnen werde ich im ausreichenden Maße an die Hand genommen, wodurch sich meine künstlerischen Fertigkeit lediglich auf das akurate ausmalen der vorgezeichneten Formen beschränkt. Für mich war das vollkommen OK. Alle anderen überspringen diesen Teil und stürzen sich sofort in den Freistil.

Besonders gut finde ich ...
  • tadelloses Zeichenprogramm
  • Malutensilien lassen sich eingägig bedienen
  • Die besten Figuren aus der Disney- und Pixarwelt
  • Bilder können per Miiverse, Facebook und Twitter geteilt werden
  • Freies Zeichen jederzeit möglich
Nicht so optimal ...
  • 3D-Funktion wird überhaupt nicht genutzt
  • Tutorial sehr textlastig und „geschwätzig“
  • Grafik bestenfalls Durchschnitt

Jari hat Disney Art Academy auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.


Disney Art Academy - Boxart
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  • Entwickler:Nintendo
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Casual
  • Plattform:3DS
  • Release:15.07.2016

Kommentare & Likes

Folgenden Usern gefällt der Beitrag: 3 Gästen.
  • Andi
    #1 | 2. September 2016 um 02:58 Uhr
    Sehr cooler, ausführlicher Bericht! Ist zwar nicht ganz so meins, aber hatte es eventuell als Geschenk für jemand bekannten in Erwägung gezogen. Die kleine würde sich sicherlich freuen   

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