Gwent: The Witcher Card Game - Preview

Was man früher vor allem auf dem Tisch spielte, findet heute auch digital großen Anklang: Kartenspiele. Nicht erst seit Blizzard mit Hearthstone Millionen Spieler an den Bildschirm fesselt, ist das virtuelle Sammeln und Legen von Karten wieder in. Nun steigt auch CD Projekt in das Genre ein - mit einer edlen, massiv erweiterten Standalone-Version von Gwent, dem Ingame-Kartenspiel von The Witcher 3: Wild Hunt. Auf der gamescom durfte ich mich an einen alten Eichentisch setzen und in uriger Atmosphäre mit einem Xbox-Controller in der Hand und Headset auf dem Kopf erste Partien spielen.

Bevor die Partie beginnen durfte, gab es zunächst eine halbstündige Einführung. Und dabei beantwortete CD Projekt auch gleich die Frage, die sich so mancher bei der Ankündigung auf der E3 im Juni wohl gestellt haben dürfte: Warum macht man überhaupt eine Standalone-Version von einem "Minispiel", das in The Witcher 3 ja eigentlich nur als Nebenbeschäftigung angedacht gewesen war? Die Antwort ist so simpel wie offensichtlich - und wurde beeindruckend in einem Video dargestellt: Tausende Mails waren bei den Entwicklern eingegangen, etliche Spieler hatten darum gebeten, Gwent auch gegen ihre Freunde in einem richtigen PVP-Modus spielen zu können. Keine Frage also, dass Gwent eine größere Zukunft beschert sein würde. Und ganz gemäß der Studio-Tradition gab man sich mit einem einfachen Ausklinken des Spiels in der bekannten Ästhetik und einem PVP-Modus nicht zufrieden.


Gwent: The Witcher Card GameGwent: The Witcher Card Game
Kein Vergleich zu der Version aus Witcher 3: Der Tisch im neuen Gwent ist edel und übersichtlicher.


Mehr als nur ein Kartenspiel



Stattdessen gibt es Gwent schon bald als ein umfangreiches Free-to-Play-Spiel mit edler Präsentation, vier ausbalancierten Fraktionen, mehreren Kampagnen mit eigenständigen Geschichten inklusive Entscheidungen und Konsequenzen. Und obwohl gerade ich dem Begriff "Free-to-Play" regelrecht feindlich gegenüberstehe, freue ich mich riesig auf das, was CD Projekt da vorbereitet - denn die Eindrücke meiner ersten Partie im neuen Gwent sind positiv.

Am generellen Grundkonzept wird sich freilich nicht allzu viel verändern. Logisch, denn zum einen reicht das Regelkonzept auch für langfristige Tiefe absolut aus, zum anderen wollten die Fans ja auch genau DIESES Gwent mit ihren Freunden spielen. Deshalb ist es vor allem das Drumherum, an dem gebastelt wurde und bis zum Release Ende dieses Jahres noch gebastelt wird. Eine große Überraschung ist der umfangreiche Singleplayer-Modus, in dem es mehrere Kampagnen geben wird - jede soll dabei mehr als zehn Stunden Spielzeit bieten. Auf einer offenen Oberwelt navigiert man seine Party um Protagonist Geralt durch Städte, Felder, Wälder und Ruinen, führt Dialoge und trifft Entscheidungen, die bedeutsame Konsequenzen tragen sollen. In der Präsentation etwa stieß die Gruppe auf eine alte Ruine - doch fürchteten einige der Begleiter, dort womöglich auf diebisches Gesindel oder noch schlimmere Gefahren zu treffen. Gleichzeitig durchbrach ein Schrei aus der Ruine das Gespräch. Und nun liegt es eben am Spieler, zu entscheiden: Soll die Ruine erkundet werden oder nicht?

Der Entwickler entschied sich für Ja und als Belohnung winkte ein neuer Begleiter, somit auch eine neue Karte. Hätte er sich gegen die Erkundung entschieden, würden sich hingegen durch die dadurch bewirkten Geschehnisse ganze Sidequests verändern oder sie gar komplett verschwinden. Erzählerischen Unterbau liefern dabei Geschichten aus dem Witcher-Universum, die in den großen Spielen und DLCs bisher nicht behandelt worden waren. Alles war aufwendig und edel in Szene gesetzt worden, auch die Originalsprecher aus dem Hauptspiel sind an Bord.


Gwent: The Witcher Card Game
Natürlich trifft man wieder auf alte Bekannte, die in besonderen Spielkarten verewigt wurden.


Kommt es zum Kampf, bleibt spielerisch alles weitestgehend beim Alten und als Gwent-Fan fühlte ich mich auch sofort wieder heimisch. Wie gewohnt gibt es auf jeder Seite drei Spielreihen, auf denen Karten abgelegt werden, deren individuelle Stärke sich zur Armeestärke addiert - strategische Tiefe entsteht durch Buffs, Debuffs, besondere Effekte, Spezialfähigkeiten und Bluffen. Zu den Nördlichen Königreichen, den Monstern, Nilfgaard und den Scoia'tael stößt die fünfte Fraktion Skellige hinzu. Das Balancing wurde dabei von Grund auf neu vorgenommen. Dass Gwent in The Witcher 3 nicht wirklich ausbalanciert war und Geralt stets im Vorteil sein sollte, war damals eine bewusste Entscheidung gewesen, wie CD Projekt während der Präsentation selbst offenbarte - nicht zuletzt wegen dem PVP wird das dieses Mal anders sein. Generell sei Gwent: The Witcher Card Game nur optisch das gute alte Gwent - aus technischer Sicht sei es jedoch ein vollkommen neu entwickeltes Spiel.

Selbstverständlich gibt es etliche neue Karten und Effekte, wer aber schon einmal eine Partie Gwent gespielt hat, kommt auch dieses Mal sofort damit klar. Und auch hier lohnt es sich wieder, bewusst eine Runde zu verlieren und den Gegner dazu zu bringen, seine Trümpfe schon früh auszuspielen - immerhin gilt es ja, zwei von drei Runden zu gewinnen. Am spannendsten wird mit Sicherheit der PVP-Modus, in dem Xbox-Spieler auch per Cross-Platform-Play gegen PC-Zocker antreten können. Der hat in Witcher 3 bekanntlich gefehlt.


"There will be no Pay-to-Win in this game."



Und was ist nun mit dem Free-to-Play? Pay-to-Win soll es jedenfalls definitiv nicht geben, verspricht CD Projekt: Das einzige, was man mit Echtgeld kaufen können wird, sind Premium-Versionen von Karten, die man bereits besitzt - ähnlich den Skins in etwa League of Legends verwandeln sich die Karten dann optisch, indem sie keine "flachen" Bilder zeigen, sondern 3D-Animationen darstellen. Das sieht übrigens wahnsinnig schick aus - ob es dafür auch einen kostenfreien Weg zum Freispielen gibt, ist noch unklar. Ob und wie gut das Free-to-Play-Konzept Gwent steht, kann ich logischerweise noch nicht abschätzen. Aber wenn es einen Entwickler gibt, dessen Versprechen ich bedingungslos trauen würde, dann wäre es CD Projekt. Dem jetzigen Stand der Dinge nach zu urteilen, wird Gwent: The Witcher Card Game mein erstes F2P-Spiel und ich freue mich wahnsinnig drauf. Dass ich das einmal schreiben würde ...

Am 25. Oktober startet Gwent in die geschlossene Beta auf Xbox One und dem PC - hier kann man sich dafür anmelden -, etwas später soll es auch auf der PlayStation 4 soweit sein. Nach dem Release der Vollversion soll es dann weitere zusätzliche Inhalte geben. Leider ist keine klassische Box-Version geplant. Das wird sich bis dahin aber vielleicht noch ändern.


Gwent: The Witcher Card Game - Boxart
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  • Entwickler:CD Projekt
  • Publisher:CD Projekt
  • Genre:Kartenspiel
  • Plattform:PC, PS4, Xbox One, Android, iOS
  • Release:23.10.2018
    (PS4, Xbox One) 04.12.2018
    (iOS) 29.10.2019