Metroid Prime: Federation Force - Review
Achtung: Dieses Spiel kann Spuren von Metroid Prime enthalten
Das hatten sich Next Level Games, Nintendo und die Fans allesamt anders vorgestellt. Doch anstatt das neue Metroid, immerhin der erste neue Teil in sechs Jahren und das erste Prime seit 2007, zum 30. Geburtstag der Serie zu feiern, wurde es anfangs kollektiv zerrissen und jetzt, zum Release, kollektiv Ignoranz gestraft. Dabei macht dieses zugegebenermaßen etwas surreale Metroid Prime: Federation Force für den Nintendo 3DS in seiner neuen Rolle als kooperativer Multiplayer-Shooter gar keine schlechte Fig- ... was schreibe ich da überhaupt? Das ist doch kein Metroid mehr!

Die vier Musketiere und die Weltraum-Piraten
Und was ist es nun ganz konkret? Ein kooperativer Multiplayer-First-Person-Shooter für den Nintendo 3DS mit Mech-Anzügen, Weltraum-Piraten und weitestgehend linearen Levels in einer missionsbasierten Struktur. Als fleißige Mitglieder der galaktischen Föderation werden meine Mitstreiter und ich - alternativ auch ich alleine, wobei ich das nicht empfehlen würde - damit beauftragt, diejenigen Probleme im Universum zu lösen, für die Samus Aran gerade keine Zeit hat. Zwar schaut sie zwischendurch immer mal wieder vorbei, wird in den Missionsbriefings erwähnt, aber der Großteil der Action liegt an uns, dem Tim Squad. Die knapp über 20 Aufträge dauern dabei meist so zwischen 10 und 20 Minuten und involvieren neben hitzigen Feuergefechten, Puzzles und einer Prise Erkundung auch Herausforderungen, in denen unsere Geschicklichkeit, Fingerspitzengefühl und das Zusammenarbeiten als Team auf die Probe gestellt werden. Manchmal muss man auch zuerst nachdenken, um überhaupt herauszufinden, was genau eigentlich die Aufgabe ist - und wehe dem, der keine zuverlässigen Mitspieler oder Freunde auf der heimischen Couch oder in der separaten Skype-Konferenz hat.
Ein Beispiel: In einer bestimmten Mission sind meine zufällig über das Internet gefundenen Teamkollegen alle paar Minuten im krachenden Blitzgewitter gestorben, weil ich ihnen nicht mitteilen konnte, dass wir die Loren nur dann ins offene Feld schieben können, wenn der Sturm gerade pausiert. Wie so oft genügten die vorgefertigten Nachrichten nicht, um adäquat zu kommunizieren; erst recht dann nicht, wenn sie nicht in andere Sprachen übersetzt werden und mein deutsches "Mir nach" bei einem Spanier oder Japaner 1:1 genauso klingt. Nintendo macht es einem einfach gerne schwer, online eine gute Zeit zu haben. Freunde und TeamSpeak oder Skype können da Wunder bewirken, der Umweg über den PC ist aber eben umständlich.


Unter den richtigen Voraussetzungen ...
Federation Force ist ein Teamspiel, in dem es oft darauf ankommt, Rollen untereinander zu verteilen. Du schießt, ich schiebe - so in der Art. Hat man die richtigen Mitspieler zur Hand, funktioniert das wirklich gut und macht, ähnlich wie auch The Legend of Zelda: Tri Force Heroes, viel Spaß. Zumal Next Level sich einiges überlegt haben, um das meiste aus diesem Coop-Ansatz herauszuholen, und die Missionen deshalb wirklich abwechslungsreich sind. So sollten wir einmal Eistitanen in Käfigen fangen, in einer anderen Mission ein seltenes Relikt aus zerfallenen Ruinen bergen, uns einzeln in eine Weltraum-Piraten-Anlage schleichen, um erst am Ende wieder aufeinanderzutreffen, oder uns gegenseitig Geleitschutz geben, weil zwei Mitspieler aus ihren Mechs herausgeschlüpft waren und als wehrlose kleine Männchen über schmale Brücken sprinten mussten. Da waren gute Ideen und Konzepte dabei! Und zu viert hat das auch super funktioniert. Aber vier Spieler zur gleichen Zeit zusammenzukriegen, die sich bestenfalls kennen, über ein separates Voice-Chat-Tool kommunizieren können und wollen, einen 3DS samt Federation Force besitzen und genau jetzt Lust darauf haben - das ist tricky.
Aber wenn es läuft, dann läuft es rund: Mit dem Circle Pad und Gyrosensor wird zielsicher gefeuert, auf Knopfdruck die sekundäre Munition gewechselt oder geheilt, die Navigation der Spielfigur klappt ebenfalls prima - zumindest, nachdem man sich ein wenig eintrainiert hat. Anfangs empfand ich die Steuerung noch als gewöhnlich, letztendlich funktioniert sie aber absolut zufriedenstellend. Splatoon wäre ein guter Vergleich. Zwar ist Federation Force gerade zu viert doch einen Ticken zu einfach, aber wenn sich der Spaß einmal eingestellt hat, dann bleibt er auch eine Weile erhalten. Und auch wenn das Spiel natürlich nicht das ist, was man sich unter einem Metroid vorstellen würde, so gibt es im Gameplay doch zumindest ein paar Gemeinsamkeiten. So sind in den Missionsszenarien stets kleine nützliche Mods versteckt, für deren Auffinden man Bonuspunkte erhält - immerhin ein bisschen Erkundung gibt es also doch.


Es spielt sich besser als es aussieht
Diese Punkte, die man auch für das gekonnte Eliminieren von Feinden, für Heilen und sauberes Spielen erhält, werden am Ende zusammenaddiert und wenn sich das Team gut angestellt hat, gibt es eine oder mehrere wertvolle Medaillen. Diese wiederum schalten Skins für den Mech und zusätzliche Munitions- und Modslots frei - in letztere kann man die ergatterten Mods einsetzen, um zum Beispiel mehr Schaden anzurichten, mehr einstecken zu können oder kräftiger zu heilen. Eine nette Belohnungs- und Wiederspielschleife, die bewirkt, dass man auch bereits abgeschlossene Missionen gerne mehrfach spielt, um doch noch an die letzte Medaille heranzukommen. Mit dem einfachen Durchspielen der Aufträge allein ist es also nicht getan. Einen spannenden kleinen Nervenkitzelfaktor gibt es obendrauf: Stirbt man in einem Auftrag, besteht die Gefahr, dass die angelegten Mods kaputt und für immer verloren gehen.
Hinfort also mit den Fackeln und Mistgabeln: Federation Force ist ein durchaus solides und unterhaltsames kleines Spiel, sofern die richtigen Bedingungen gegeben sind. Nichts anderes war von den Entwicklern von Luigi's Mansion: Dark Moon und Punch-Out!! zu erwarten gewesen. Wovon ich allerdings deutlich mehr erwartet hatte, sind Inszenierung, Story und Artdesign - alle drei wirken völlig unspektakulär und belanglos. Die staubtrocken und charakterlos geschriebenen Textbriefings sind dabei noch das kleinere Problem, die weitestgehend uninteressanten Umgebungen und Designs von Helden und Gegnern dagegen eine echte Enttäuschung. Vor allem die vier spielbaren Föderationssoldaten sehen mit ihren übergroßen Köpfen einfach langweilig aus und die Mechs sind nicht viel besser. Gerade für eine Serie wie Metroid, die immer ein unglaublich gutes Artdesign vorweisen konnte, finde ich das wirklich schwach, auch wenn es dem Spin-Off-Status geschuldet sein mag. Gleiches gilt auch für die gesamte Soundkulisse. Schade, dass all das offenbar nur zweitrangig war.
Als unterhaltsamer kleiner Bonus befindet sich auch Metroid Prime: Blast Ball auf dem Speichermodul - ein Multiplayer-Minispiel ähnlich dem populären Rocket League, in dem man einen überdimensionierten Ball mit präzisen Schüssen und Charge Shots in das gegnerische Tor befördern muss. Blast Ball gibt es auch kostenlos im Nintendo eShop zum Download. Wieso man allerdings nicht mit Freunden zusammenspielen kann, ist mir ein Rätsel.
Fazit von Tim:
Federation Force ist für Metroid das, was TriForce Heroes für Zelda war: ein solides kleines Spin-Off, das sich durch sein Coop-Konzept das Leben selbst schwer macht, weil die Rahmenbedingungen einfach zu schwierig zu erreichen sind - und alleine macht es nicht nur wenig Spaß, sondern fühlt sich auch "falsch" an, weil man als einsamer Wolf nicht mehrere Spielerrollen gleichzeitig übernehmen kann. Das Spiel ist per se kein schlechtes und es macht, wenn man doch die richtigen Leute zusammentrommeln und eine Skype-Session starten kann, viel Spaß. Es stecken nette Ideen drin, Teamwork ist elementar und die Abwechslung im Level- und Missionsdesign ist groß. Ich kann also auch gerne darüber hinwegsehen, dass Federation Force mit meiner Vorstellung von Metroid nicht mehr viel zu tun hat. Aber was ich absolut enttäuschend finde, ist das Drumherum, in welches das gelungene Gameplay eingebettet ist: Artwork, Story, Inszenierung und Sound sind erschreckend belanglos, Samus Aran wird als müdes Cameo verbraten und fühlt sich völlig überflüssig an. Die Probleme, die Federation Force mit sich herumschleppt, sind hausgemacht und nicht die Folge des radikalen Richtungswandels. Es war trotzdem ein unterhaltsames kleines Experiment. Mehr davon brauche ich aber nicht unbedingt.
Unter den richtigen Bedingungen kann Federation Force gut unterhalten. Allerdings lassen Story, Kommunikationsmöglichkeiten und Präsentation zu wünschen übrig.
- Leveldesign fördert und fordert Teamwork
- sehr abwechslungsreiche Levels und Aufträge
- zu zweit, zu dritt & zu viert gut spielbar
- motivierendes Suchen nach versteckten Mods
- Mods & Waffenauswahl mit spürbarer Wirkung
- für einen Handheld gutes Shooter-Handling
- Blast Ball als cooler kostenloser Zusatz
- langweilige Erzählung, öde Text-Briefings
- klassische Metroid-Atmosphäre fehlt ganz
- uninspiriertes Artdesign ohne Highlights
- macht nur im Multiplayer wirklich Spaß
- Kommunizieren ohne Voice Chat schwierig
- keine Freundesuche in Blast Ball möglich
Tim hat Metroid Prime: Federation Force auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

