NBA 2K17 - Review 3

Ein weiser Mann sagte einst: "Basketbälle sind nicht nachtragend!". Jahr für Jahr beweist das hauseigene 2K Sports Entwicklerteam von Visual Concepts diesen Spruch, indem sie trotz der fehlenden Konkurrenz die Spiele der 2K-Reihe in etlichen Belangen auf ein immer höheres Level heben. Für die diesjährige Auflage NBA 2K17 wurden unter anderem die jüngst abgedankte Lakers-Legende Kobe Bryant und der Creed-Schauspieler Michael B. Jordan ins Boot geholt. Was sich dazu auf dem Parkett getan hat und ob es reicht, den grandiosen Vorgänger zu überbieten, erfahrt ihr in meiner Review.

Auch große sportliche Karrieren neigen sich zwangsläufig einem Ende entgegen. Die Stars, die im Kinderzimmer als Poster an der Wand verewigt wurden, verschwinden entweder langsam aber sicher als Rotationsspieler in der Versenkung, beenden ihre Karriere aufgrund schwerer Verletzungen oder treiben ihren Körper in wenigen Fällen bis zum letzten Spiel ans Äußerste. Letzteres trifft auf jeden Fall auf Kobe Bryant zu. Der viel dekorierte Shooting Guard der Los Angeles Lakers mühte sich nach einem Achillessehnenriss vor einigen Jahren bis zuletzt ab, ehe er in seinem Abschiedsspiel im April noch einmal wie in einem Videospiel die Zeit zurückdrehen konnte und 60 Punkte erzielte.

Saisonrekord in der NBA! Generell ist die Bilderbuchkarriere des Ausnahme-Athleten Grund genug, um sie im Rahmen von NBA2K inklusive Limited Editions gebührend zu feiern. Ein unscheinbarer Gast gesellte sich zudem an jenem Abend von Kobes letzter Galavorstellung unter die Zuschauer: Hayali Ötzgetürkt. Nach seiner bevorstehenden, zum Scheitern verurteilten Formel 1-Karriere fand der Alleskönner im Basketball seine neue Leidenschaft und setzte sich das Ziel, gemäß dem Vorbild der ehemaligen Nummer 8 zur Legende der Korbwerfer aufzusteigen.


NBA 2K17
Andre Drummond von den Detroit Pistons fixiert sein Ziel - den Korb.


Story wieder ohne Spike Lee, aber nicht ganz ohne Hollywood-Kitsch



Allerdings beginnt die Karriere nicht im ausverkauften Staples Center, sondern in der lokalen High School-Halle, in der man sich mit dem dortigen Coach ein letztes Mal trifft, bevor man die schwerwiegende Entscheidung trifft, welchem der zehn verfügbaren Colleges die Zusage gegeben wird. Auf dem College werden ähnlich wie in den letztjährigen Versionen die Weichen dafür gelegt, an welcher Stelle man im Draft von einem NBA-Team ausgewählt wird. Letztendlich ist die Wahl des jeweiligen Colleges mehr oder weniger nur eine nette Dreingabe, da sich die verschiedenen Teams außer in den Farben lediglich minimal in den Kaderbesetzungen unterscheiden. Serientypisch werden diese Einstiegsspiele von Zwischensequenzen begleitet, die dazu dienen, eine Geschichte zu etablieren.

Fast alle Charaktertypen aus dem letzten Jahr sind dieses Mal ebenfalls anzutreffen: die Mutter (der Vater ist bereits in der Kindheit gestorben), die Freundin, der Agent und der Trainer. Neu ist hingegen die Funktion des Teamkollegen und Freundes Justice Young, dargestellt von Michael B. Jordan. Egal von welchem Team man nach dem College selektiert wird, Justice und ein gewisser Denver Levins werden stets als Guards zusätzlich unter Vertrag genommen. Zusammen erlebt man im Folgenden die Irrungen und Wirrungen einer jungen Sportlerkarriere, bei der Leistungsdruck und fortwährende Anrufe der Mutter an der Tagesordnung sind. Insgesamt ist die Story wesentlich bodenständiger als das Spike Lee-Desaster vom Vorjahr, von Namen wie Aaron Covington (u.a. Drehbuchautor von Creed) ist trotzdem etwas mehr zu erwarten.

Denver gerät im Laufe der Saison aufgrund fehlender Einsatzzeit immer mehr ins Abseits, wohingegen Justice Young begleitet von steigenden Attributen zum Star mutiert. Auf dem Platz manifestiert sich außerdem die Bromance von Justice und Hayali im Orange Juice-System: Schiebt man sich gegenseitig genügend Assists zu, erhält man kurzzeitig die Möglichkeit, beide Spieler zu steuern, um so noch mehr Punkte erzielen zu können. Diese interessante Mechanik verleiht dem spielerischen Aspekt des Karrieremodus zusätzliche Tiefe.


NBA 2K17
Kyrie Irving zelebriert einen erfolgreichen Dreipunktewurf.


Davon abgesehen lassen sich abseits des Spielbetriebes SMS-Gespräche mit anderen NBA-Stars führen, Pokerabende mit Teamkollegen verbringen oder lukrative, mehrstufige Werbeverträge unterschreiben. Letztere stellen eine gute Möglichkeit dar, um Virtual Currency (kurz VC) zu verdienen, mit denen sich wie bekannt unter anderem die Attribute des virtuellen Pros steigern lassen. VC anzuhäufen ist dieses Jahr wichtiger denn je, da die Entwickler zum ersten Mal in der Geschichte des Modus auch jegliche Dribble-Moves bezahlpflichtig gemacht haben. Es erhöht zwar den Druck, den Prozess des Grindens durch den Griff ins Portemonnaie zu verkürzen nicht immens, ist dann aber doch ein kleiner Dorn im Auge. Um echtgeldfrei die Wettbewerbsfähigkeit seines virtuellen Schützlings zu verbessern, dienen wie letztes Jahr die Quizfragen in der allwöchentlichen 2K TV-Folge, die überdies elegant in den Ladebildschirm eingebunden ist, sowie die Companion-App MyNBA2k17.


Immenser Umfang, der theoretisch für Jahre reicht



Ebenfalls zurück ist die Kopplung des erstellten MyPlayers an die Spielmodi Pro Am und MyPark, die sich innerhalb eines Jahres nicht großartig verändert haben. Geändert hat sich hingegen, dass die Entwickler nun einen noch größeren Fokus auf eSport legen, was sich zwar einerseits in immensen Preisgeldern äußert, andererseits für reguläre nicht-kompetitive Spieler einen großen Nachteil hat. Aus Balancing-Gründen wählt man bei der Charakter-Erstellung nämlich neben der Position obendrein einen sogenannten Archetyp aus, der wiederum jeweilige Attributs-Obergrenzen festlegt. Im Hinblick auf die Online-Modi ist es sinnvoll, dass gewisse Rollen im Team wie Spielaufbau, Dreipunktewürfe und Rebounding auf mehrere Personen verteilt sind.

Als Offline-Akteur ist es infolgedessen aber zum Beispiel nicht möglich, einen sogenannten und in der richtigen NBA häufig vorkommenden 3&D-Spieler zu erstellen, der gleichzeitig sehr gut verteidigen und von außen werfen kann. 2K stellt vor die Wahl, ob man das eine oder das andere beherrschen möchte. Es ist zudem gänzlich unmöglich, einen Superstar à la LeBron James oder Michael Jordan zu modellieren, der so gut wie alle Facetten der Sportart gemeistert hat. In der Vergangenheit lag gerade bei der sukzessiven Heranzüchtung eines Basketball-Übermenschen sehr viel Spielspaß, der durch die genannten Einschränkungen massiv eingeschränkt wurde. Es bleibt zu wünschen, dass die Entwickler die Modi insofern entkoppeln, als dass die Obergrenzen der Attribute online weiterhin bestehen, aber offline erweiterbar oder ganz abgeschafft werden.


NBA 2K17
Cover-Star Paul George plant schon den nächsten Angriff


Positiv sind wiederum die Neuerungen in den MyGM bzw. MyLeague-Modi zu bewerten. Es besteht nun die Möglichkeit, vor dem Start einer Saison die Anzahl der Teams in der Liga von 30 auf bis zu 36 zu erhöhen. Entweder lässt man seiner Kreativität im Editor freien Lauf, greift auf Team-Kreationen der Entwickler zurück oder labt sich am ausgeprägten Einfallsreichtum der Community. Die deutsche Nationalmannschaft, die nicht mehr existenten Seattle SuperSonics oder ein an Kanye West orientiertes Team sind so in Windeseile in der NBA anzutreffen.

Der virtuelle Kartenmodus MyTeam zeichnet sich indes dieses Jahr durch ein umfassendes Tutorial und der Einführung von Dynamic Duos aus. Spieler, die im wahren Leben in irgendeiner Weise in Verbindung stehen, erhalten einen Attribut-Bonus, wenn sie zusammen auf dem Platz stehen. Darüber hinaus ist die charmante Animation beim Öffnen eines einzelnen Packs anzumerken, die stark an das Aufreißen einer echten Sammelkartentüte erinnert. Da werden Kindheitserinnerungen wach! Ferner wurde auch an der generellen Einsteigerfreundlichkeit geschraubt. Serienneulinge können in der 2K University die Schulbank drücken, um die Feinheiten der komplexen Steuerung kennenzulernen. Dies ist wie gehabt bitter nötig, um der KI auf den höheren Schwierigkeitsstufen geschweige denn Gegnern aus Fleisch und Blut Paroli bieten zu können. Letztere stellen allerdings vor allem dadurch ein großes Hindernis dar, weil 2K nach wie vor wenig Geld in Serverstrukturen vor allem in Europa zu investieren scheint. Konfrontationen mit echten Spielers sind unabhängig vom gewählten Modus von einem zeitweise starken Delay geprägt, der das Spielerlebnis leider erheblich schmälert.


Präsentation weiterhin unübertroffen



Wenngleich 2K17 nicht ganz ohne Kritikpunkte daherkommt, lässt sich die grafische Umsetzung und Gestaltung abermals als fantastisch beschreiben. Fotorealistische Spielermodelle und vor Leben strotzende Arenen lassen die Grenzen zwischen TV-Übertragung und Videospiel mitunter verschwimmen, während sie bei 1080p und mit 60 Bildern pro Sekunde auf den Bildschirm gezaubert werden. Bei diesem Niveau am Rande der technischen Möglichkeiten der Konsolen stört es nicht, wenn sich gegenüber dem Vorjahr nicht viel geändert hat. Die Qualität der Kommentatoren ist weiterhin hervorragend und die Expertenrunde um Shaquille O’Neal stimmt erneut wunderbar auf jedes bevorstehende Match ein. Unter den 50 Songs, die von Imagine Dragons, Noah Shebib und Grimes selektiert wurden, sollte zudem für jeden Geschmack etwas dabei sein.



Predator

Fazit von Predator:

NBA 2K17 ist nicht nur jedem Basketball-Fan wärmstens ans Herz zu legen. Auch allen sonstigen Sportspiel-Veteranen sei zumindest der Download der offiziellen Demo namens „Der Auftakt“, die einen Einblick in die ersten Stunden der Karriere gewährt, empfohlen. Wohl nach wie vor kein anderes Sportspiel kann mit einer ähnlich detailtreuen und umfangreichen virtuellen Abbildung seines Vorbildes aufwarten. Der Status der Online-Welt sowie weitere kleinere Ungereimtheiten trüben zwar das Gesamtbild etwas, dennoch wird der Genreprimus für Monate vor den Bildschirm fesseln können und ist als Steigerung gegenüber NBA 2k16 anzusehen. Die Neuerungen wie der Wurfbalken bei Korblegern verfeinern das Spielgeschehen zunehmend und wurden sinnvoll implementiert. Sollte das Problem mit den Archetypen im Karrieremodus noch dieses oder zumindest nächstes Jahr bei einer gleichbleibend soliden Story ausgebessert werden, kann man von einem nahezu perfekten Sportspiel reden.

Besonders gut finde ich ...
  • Erneut glänzende Präsentation
  • Volles NBA-Lizenzpaket samt Euroleague-Teams
  • Storymodus ohne Spike Lee
  • Gesamtumfang
  • Abwechslungsreicher Soundtrack
Nicht so optimal ...
  • Online-Delay
  • Archetypen

Predator hat NBA 2K17 auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von 2K Games zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:2K Sports
  • Publisher:2K Games
  • Genre:Sportspiel
  • Plattform:PC, PS3, PS4, Xbox360, XboxOne
  • Release:16.09.2016

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