Resident Evil 7 - Review 9

Meine erste Berührung mit der Resident-Evil-Reihe hatte ich als gerade mal achtjähriger Knirps. Damals waren meine Hosen schneller voll als ich bis drei zählen konnte. Die herausragende Horror-Atmosphäre und das Gefühl, dass an jeder Ecke das Ende lauern könnte, faszinieren mich heute noch so sehr, dass ich den ersten Teil immer wieder gerne ausgrabe, um mich zu gruseln und in die gute alte Zeit zurückzuversetzen. Aus heutiger Sicht sieht die damals bahnbrechende Grafik natürlich fürchterlich aus, weshalb ich hoffte, dass mit Resident Evil 7 jenes Gefühl in neuem Gewand erneut Einzug halten kann. Das klappte leider nur bedingt.

Dass sich die Resident-Evil-Reihe in eine Art spielbaren Actionfilm gewandelt hat, muss ich hier nicht weiter ausführen. Schon vor Jahren versprachen die Entwickler, dass man sich wieder an den Wurzeln des Survival-Horros orientiere und ließen damit nicht nur mich im kalten Regen stehen. Umso mehr freute es mich, als die ersten Gameplay-Szenen zu Resident Evil 7 veröffentlicht wurden und schnell klar wurde, dass sich die Kreativköpfe ordentlich am eingestellten Silent Hills orientiert haben.


Gelungene Gameplayänderungen



Entsprechend wandele ich in der Ego-Perspektive durch das gruselige Horror-Haus, in welchem es an jeder Ecke knarrt und auf dem stets ein unheimlicher Schleier liegt. Dabei sind es nicht die wohlbekannten Zombies, die für das einmalige Erlebnis sorgen: Die dort lebende Familie Baker überrascht mit wahnsinnigen Charakteren und füllt so zumindest etwas mehr als die Hälfte der Spielzeit mit hartem Psychohorror, der selbst meine Augenbraue das eine oder andere Mal zum Zucken brachte. Doch was suche ich dort eigentlich? In der Rolle des Ethan Winters, dessen Frau seit über drei Jahren als verschwunden gilt, mache ich mich auf einer Farm, tief in den Sümpfen von Louisiana, auf die Suche nach ihr.

Dort angekommen schaue ich mir das Anwesen erst einmal genauer an: Überall riecht es unangenehm, an jeder Ecke hängen Spinnenweben. In der Mikrowelle finde ich gar eine bereits verweste Krähe. Ob von ihr der strenge Geruch kommt? Wenige Schritte weiter treffe ich auf eine Person, die ich so schnell nicht im Spiel erwartet hätte. Es folgt eine derart krasse Zwischensequenz, dass selbst Liebhaber von Filmen wie Texas Chainsaw Massacre überlegen werden, sich das Schauspiel komplett anzuschauen. Besonders in VR wird die hier genannte Szene wohl für Angstschreie sorgen. Schließlich folgt, was folgen musste: Der Familienvater Jack Baker stürzt durch die Mauer wie ein Wahnsinniger und lässt mein Blut in den Adern gefrieren. Ohne Waffen, ohne auch nur einen Hauch einer Chance streckt er mich nieder - Schwarzblende.


Resident Evil 7
Verdammt! Wer lauert da hinter der Tür?


Zurück zu alten Tugenden



Noch völlig benommen von der Auseinandersetzung mit dem Familienoberhaupt finde ich mich am Küchentisch der Familie wieder. In meine Nase steigt direkt ein übler Geruch. Kein Wunder, die Familie verspeist Innereien - überall finden sich abgetrennte Knochen und sonstiger Kram, der nicht näher zu identifizieren gewesen ist. Mir gegenüber sitzen außerdem die überaus reizende Mutter Marguerite sowie der völlig durchgeknallte Sohn Lucas, die im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle spielen werden. Darüber hinaus darf natürlich nicht die mysteriöse Großmutter im Rollstuhl fehlen, welche allein durch ihren Anblick schon für Angstschauer sorgt. Liebevoll, wie meine Gastgeber sind, möchten sie natürlich auch, dass ich von ihrem Festmahl speise. Glücklicherweise hindert ein Telefonanruf Jack daran, mir eine undefinierte Masse in den Mund zu stecken, sodass ich wenig später die Gelegenheit ergreife, mich aus den Fesseln zu befreien und das Haus auf eigene Faust zu durchsuchen.

Nun beginnt das eigentliche Survival-Horror-Psycho-Festival der besonderen Art: Nur wenige Meter weiter kommt mir Jack schon wieder entgegen und ich bin dazu gezwungen, die Örtlichkeit näher zu untersuchen, um mich vor ihm zu verstecken. Hier greift ein ähnliches Katz-und-Maus-Prinzip, wie es beispielsweise in Alien: Isolation der Fall gewesen ist. Ohne mich zur Wehr setzen zu können, rast mir Jack, stets mit einer riesigen Schaufel bewaffnet, hinterher und zwingt mich in die nächste Bodenluke. Ich erreiche den Waschraum, in dem es die Möglichkeit gibt, an einem Kassettenrekorder meinen Spielstand festzuhalten. Auf einem höheren Schwierigkeitsgrad sind diese Bänder, ähnlich der Farbbänder in den ersten drei Teilen, begrenzt, sodass wohl überlegt sein sollte, wann man seinen Fortschritt wirklich speichert. Im Gegensatz dazu werden auf den ersten beiden Schwierigkeitsgraden sogar Checkpoints gesetzt, sodass selbst weniger Survival-erfahrene Spieler die Möglichkeit haben, das Spielerlebnis ohne Frust genießen zu können.


Rätsel der besonderen Art



Neben den überaus wertvollen Kassetten kehrt Capcom ebenfalls zum Item-Management zurück. Zwar kann ich etwas mehr Gegenstände tragen als dies im Ur-Resident-Evil der Fall gewesen ist, dennoch bin ich immer wieder dazu angehalten, Munition oder andere Gegenstände liegen zu lassen, da sich mein Inventar stets am Limit befindet. Geändert werden kann dies nur durch Rucksäcke, die sich im Spiel an verschiedenen Orten finden lassen. Verpasse ich einen davon, habe ich Pech gehabt und komme nicht in den Genuss, mehr tragen zu können.

Immerhin kann ich bereits verwendete Schlüssel oder angeschaute Videobänder in der Kiste ablegen, welche allesamt miteinander verbunden sind, sodass ich an jeder Kiste auf jeden Gegenstand zugreifen kann. Dies erlaubt es klug zu taktieren, um eventuell doch noch die chemische Flüssigkeit einzusammeln, die ich benötige, um entweder aus Heilkräutern richtige Heilungspakete zu zaubern oder spezielle Munition herzustellen. Das erinnert vor allem an den dritten Teil der Serie, der ähnliche Funktionen zur Verfügung stellte. Weiterhin halten die Rätsel wieder Einzug in die Reihe und fordern durchaus heraus, die Augen stets nach Hinweisen und wichtigen Gegenständen offen zu halten. Folglich benötige ich beispielsweise eine Holzskulptur, um mit deren Schatten ein vorgegebenes Bild abzudecken, welches schlussendlich dazu führt, dass sich ein geheimer Gang öffnet, in dem ich wiederum einen wichtigen Schlüssel finde, der mir das Fortkommen im Anwesen ermöglicht.


Resident Evil 7
An Käfigen wie diesen können spezielle Waffen gekauft werden.


Psychoterror par excellence



Später im Spiel erhalte ich außerdem mächtige Waffen, die mir das Überleben im Hause Baker erleichtern. Im Keller finden sich anstatt der Zombies übrigens die sogenannten Molded. Diese erinnern an die aus Teil fünf bekannten Uroboros-Gegner, um die sich eine schwarze Schleimschicht gebildet hat und die einige Treffer vertragen. Infolge dieser Eigenschaften können sie ihre Form verändern und sich von einer modrig-langsamen Schleimmasse zu einem flinken Gegner entwickeln, der abseits der Bakers ordentlich auf Trab hält. Die absolute Unterlegenheit und das Wissen, dass man nicht mit einem Supersoldaten á la Chris Redfield unterwegs ist, sorgen zumindest bis zur Hälfte des Spiels für ein beklemmendes Gefühl. Selbstredend lernt man mit so einer Drucksituation aber auch umzugehen und schnell verliert Resident Evil 7 den Glanz des starken Einstiegs, wenn ich den Granatwerfer in der Hand halte und die soeben noch übermächtigen Gegner als durchaus schlagbar erscheinen. Zwar gab es in der Reihe schon immer Möglichkeiten, selbst nahezu unbesiegbare Gegner zu töten, der siebte Ableger lässt mich allerdings zu schnell, zu unüberlegt erstarken, sodass einiges an Atmosphäre verloren geht. Wenngleich die Entwickler sich diesem Umstand wohl bewusst gewesen sind, da sie das Spiel nach dem ersten Drittel anders ablaufen lassen. Die hier getroffenen Änderungen sind zwar cool eingewoben, erinnern aber eher an eine billige Kopie von Until Dawn - nur mit anderem Setting.


Die Sache mit den VHS-Kassetten



Gleiches gilt für die im Spiel integrierten VHS-Kassetten, die mich in speziellen spielbaren Sequenzen in die Vergangenheit schauen lassen und mir gleichzeitig Hinweise auf mein eigenes Fortkommen geben. Diese sind zwar allesamt atmosphärisch gestaltet und eigentlich ein kluger Kniff, um mich tiefer in die Materie eintauchen zu lassen, wirken aber beim genaueren Hinsehen eher als künstliche Spielzeitverlängerung. So erledige ich in der Videosequenz eine Abfolge bestimmter Rätsel, um nur wenig später das gleiche Rätsel leicht abgeändert erneut zu lösen. Dies wirkt dann doch sehr aufgesetzt und nervig, sodass der Grundgedanke der Videobänder hier leider nicht wirklich greift. Ohnehin verliert sich das Spiel insbesondere gegen Ende im Nirgendwo, sodass sich ein WTF-Moment an den nächsten reiht. Es wirkt so, als wäre man zwanghaft auf der Mission gewesen, noch etwas Spielzeit herauszuschlagen, die nicht ansatzweise das Niveau erreicht, über die die ersten beiden Spielstunden verfügen.


Resident Evil 7
Lucas lädt mich auf eine ganz spezielle Party ein.


Ordentliche Präsentation und herausragender Sound



Dennoch haben die Jungs von Capcom den richtigen Weg eingeschlagen und bieten ein gutes Survival-Horror-Abenteuer, welches über etwas mehr als sechs Stunden streckenweise begeistern kann. Die Präsentation des Spiels ist gelungen, die Licht- und Schatteneffekte sorgen für ordentlich Atmosphäre und lassen das Anwesen in seinem ganz eigenen Glanz erstrahlen. Leider wirken die Familienmitglieder sowie die Molded plastisch und erinnern teilweise an die vergangene Konsolengeneration. Immerhin ist für Fans der Roten Bete gesorgt: Selten war ein Titel der Reihe derart brutal inszeniert worden. Es werden munter Köpfe geteilt, in die Innereien toter Menschen gefasst sowie Fingernägel auf besonders schmerzhafte Art und Weise entfernt. Der geniale Soundtrack, der stets minimalistisch daherkommt, sorgt bereits von Beginn an für den subtilen Horror, der das Spiel anfänglich auszeichnet. Überall klappert es, jede Tür knarzt und der Soundtrack, welcher nur im Saveroom abgespielt wird, sorgt für ein kurzes Gefühl der Sicherheit. Mit PlayStation VR wird diese Atmosphäre nochmals verstärkt, wie Kollege Phil feststellen durfte. Die deutsche Synchronisation kann sich absolut hören lassen und erinnert insbesondere bei Lucas an den aus Borderlands 2 bekannten Handsome Jack. Wer möchte, kann aber ebenso auf die englische Sprachausgabe wechseln und den herrlichen Südstaaten-Akzent genießen.



Predator

Fazit von Predator:

Für mich steckt im siebten Ableger der Resident-Evil-Reihe zu wenig Identität. Der erste Teil der Serie war absolut bahnbrechend und damals orientierten sich die Entwickler anderer Spiele am herausragenden Werk Capcoms. Heute wirkt es leider so, als habe man sich einfach an allen anderen Genre-Vertretern orientiert und das Beste daraus übernommen. Die Hetzjagd mit Jack wirkt sehr nach dem Katz-und-Mausspiel aus Alien: Isolation oder einem Amnesia. Später bedient man sich munter an SAW und Until Dawn, während der Schlussabschnitt wieder an das vermurkste Resident Evil 6 erinnert.

Leider fehlt mir der rote Faden: Die Bakers sind zwar super und geben der Reihe eine Grundlage dafür, wieder zu alten Wurzeln zurückzukehren. Leider verpasst es Capcom aber, gleichzeitig auch die herausragende Vorlage zu nutzen, und strauchelt selbst schon während der ohnehin relativ kurzen Spielzeit darüber, dass sie wohl selbst nicht ganz genau wussten, was sie mit dem siebten Teil der Reihe anstellen wollten. Trotzdem überzeugen die ersten Spielstunden in einem besonderen Maße, sodass jeder Fan des Genres bedenkenlos zugreifen kann. Für Besitzer der VR-Brille stellt das Spiel ohnehin eine Killerapplikation dar.

Besonders gut finde ich ...
  • glaubwürdiges Setting
  • Familie Baker
  • Ego-Perspektive
  • solide Rätseleinlagen
  • sehr gute deutsche Synchronisation
  • stark inszenierte Bosskämpfe
  • herausragender Einstieg
  • Besinnung auf alte Tugenden (Kiste, Kassetten ..)
  • Soundtrack
Nicht so optimal ...
  • Checkpoints teilweise unfair gesetzt
  • Clippingfehler
  • letztes Spieldrittel
  • teilweise nerviges Backtracking

Predator hat Resident Evil 7 auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Capcom
  • Publisher:Capcom
  • Genre:Horror-Action
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Virtual Reality:PlayStation VR
  • Release:24.01.2017

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Atze, ATeC, HerrBeutel, CookieMonster, ... und 5 Gästen.
  • ATeC
    #1 | 21. Februar 2017 um 02:56 Uhr
    Das Spiel ist absolut geil geworden find ich, habs noch nicht durch aber soweit wie ichs hab kann ichs nur jedem empfehlen der Horror Spiele mag TOP !

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