Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands - Review 2

Die Ghosts sind zurück. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit entführen uns die Ubisoft-Studios mit Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands in das idyllische Bolivien und bieten mit der bisher größten Open-World des französischen Herstellers einen riesigen Spielplatz für spannendes Koop-Gameplay. Ich war im südamerikanischen Staat unterwegs, um das gefährliche Drogenkartell des El Sueño auseinander zu nehmen. Für Lacher im Koop war dabei stets gesorgt - aber bieten das Konzept und das Szenario auch genug Futter, um unzählige Stunden gut zu unterhalten?

Es ist warm, die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit machen ordentlich zu schaffen. Die gleißende Hitze stellt Mensch und Maschine ordentlich auf die Probe. Ich befinde mich im Einsatz vor einer kleinen Militärbasis, in der sich ein wichtiger Informant versteckt halten soll. Mit meinem Koop-Partner, selbstverständlich stets über die Party im Ohr verbunden, nehmen wir das Gebiet näher unter die Lupe. Zunächst greifen wir zur Drohne, die ein größeres Gebiet abdeckt, und markieren alle möglichen Gegner. Weit kommen wir mit dieser Variante nicht, da sich schon wenige Meter vor uns ein Drohnenstörgerät befindet, welchen diesen Weg der Erkundung vorerst blockiert - bis wir es zerstören. Folglich wechseln wir die Position und greifen zum Fernglas, welchem wir vor kurzem noch einen Nachtsichtmodus über den Einsatz von bestimmten Fähigkeitspunkten spendiert haben. Beim Markieren stolpere ich fast über einen Gegner, den ich kurzerhand mit einem gekonnten Nahkampfangriff aus dem Busch erledigen kann - Glück gehabt.

Sind alle Einheiten markiert, besprechen wir die genaue Vorgehensweise und markieren jene Gegner, die wir zuerst ausschalten möchten. Wichtig hierbei ist, stets das Sichtfeld anderer Widersacher im Blick zu behalten, sodass diese nicht durch eine Leiche in deren Blickfeld misstrauisch werden. Wir widmen uns zuerst den Snipern auf dem Dach und dessen Bewacher am unteren Ende der Holztreppe und fordern einen Simultanabschuss. Wäre ich mit meinen KI-Partnern unterwegs, könnte ich nun einen Befehl geben, sodass meine Kollegen die Arbeit vollends übernehmen. Da ich aber nur mit einem menschlichen Mitspieler unterwegs bin, zählen wir klassisch von drei rückwärts und erledigen das ausgemachte Ziel. Nun gilt es nur keinen weiteren Staub aufzuwirbeln oder gar für Krach zu sorgen, auf den die Rebellen äußerst empfindlich reagieren.


Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands
Die gigantische, verblüffend detailverliebte Spielwelt kann mit verschiedensten Vehikeln erkundet werden.


Hitzige Gefechte bei Nacht fordern die gesamte Konzentration



Langsam lässt die Hitze nach und die Sonne geht unter. Infolgedessen müssen wir die Kampfstrategie ändern - in der Basis ist nun alles hell erleuchtet, sodass wir direkt auffliegen, sobald wir uns dem Ziel nähern. Letztlich bleibt nur der Weg, einige Scheinwerfer zu zerstören, um an den nächstgelegenen Stromgenerator zu kommen und die Rebellen somit vollends zu verwirren. Tatsächlich klappt diese Vorgehensweise äußerst gut, wenn wir da diesen einen Wachmann im Gebäude nicht übersehen hätten. Der hat uns nämlich durch das Fenster beobachtet und schlägt selbstverständlich sofort Alarm. Damit ist auch klar: Verstärkung ist auf dem Weg. Jetzt muss alles ganz schnell gehen - jede zuvor ausgemachte Taktik wird über den Haufen geworfen und wir greifen zum Sturmgewehr, um die zahlreichen Widersacher niederzustrecken.

Diese sind völlig unerschrocken und gehen immer auf direkten Konfrontationskurs. Auf ein gekonntes Einkesseln wie in Sniper Elite 4 verzichten die Rebellen hier. Dementsprechend wird in guter Rambo-Manier wild um sich geschossen, um den flüchtigen Informanten noch zu erwischen. Das gelingt auch und die Ghosts kommen an die gefragten Informationen, mit welchen sie zugleich den nächsten Auftrag starten können. Doch bevor wir das nun gesäuberte Gebiet verlassen, widmen wir uns noch den zahlreichen Sammelobjekten, die überall in der Gegend vorzufinden sind. So finden wir in der Waffenkiste ein neues Laservisier für unsere Pistolen und stauben noch ein paar Ressourcen ab, die wir benötigen, um neue Fähigkeiten freischalten zu können. Außerdem stoßen wir auf ein Dokument, von denen sich in jeder Region in etwa 10-12 versteckt halten, und erhalten nähere Hintergrundinformationen zur Story.

Tom Clancy's Ghost Recon WildlandsTom Clancy's Ghost Recon Wildlands
Egal ob zu Fuß oder mit dem Fallschirm: Wie ich das Einsatzgebiet erreiche obliegt mir immer selbst.


Die vier Säulen des Kartells



Die ist eigentlich schnell und einfach erklärt: Stellt euch einfach vor, dass Bolivien in naher Zukunft zum größten Kokainproduzenten der Welt aufsteigt. Das überaus einflussreiche und gefürchtete Santa-Blanca-Drogenkartell hat hierbei die Macht übernommen und sich mit der korrupten Regierung verbündet. Gemeinsam wurde das Land in einen sogenannten Narco-Staat verwandelt, in dem Anarchie und Angst an der Tagesordnung stehen. Erst kürzlich ereignete sich dabei ein Bombenanschlag auf die amerikanische Botschaft in La Paz, bei dem zwei Botschaftsangestellte schwer verletzt wurden. Nur wenige Stunden später finden die amerikanischen Behörden zudem Ricky Sandoval tot auf, einen in das Santa-Blanca-Kartell eingeschleusten DEA-Agenten. Seine Leiche weist Spuren tagelanger Folter auf. Selbstverständlich lässt die US-Regierung das nicht auf sich sitzen, erklärt das Kartell kurzerhand zu einer Terrororganisation und hat El Sueño, dem Anführer des Kartells, einen Spitzenplatz auf der Liste der meistgesuchten Personen spendiert. Folglich wird Operation Kingslayer, ein von der CIA und amerikanischen Spezialeinheiten gemeinsam durchgeführter Interventionseinsatz, ins Leben gerufen. Da ein offener Krieg gegen das Land nicht als die angemessene Antwort erscheint, werden die Ghosts entsandt, die das Bündnis zwischen der korrupten Regierung und dem Kartell nach und nach aufsprengen sollen.

Dies gelingt nur über die Zerstörung der vier wichtigen Säulen, auf denen das Kartell aufgebaut ist. Dabei muss erst einmal die Wurzel gepackt und die Neurekrutierung verhindert werden. Unter dem Vorsitz von El Cardenal werden unter Mithilfe religiöser Hintergründe immer wieder neue Soldaten rekrutiert, die den Willen von El Sueño auszuführen. Dementsprechend machen es sich die Ghosts zur Aufgabe, die Hintermänner nach und nach auszuschalten, um so die Ordnung im Land wiederherzustellen. Dies gilt ebenso für die Säulen des Schmuggels, der Produktion sowie der Sicherheit. Für letztere Säule zeichnet El Muro verantwortlich, der zugleich als Leibwächter El Sueños fungiert.


Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands
Insbesondere die Gefechte bei Nacht lassen das Adrenalin in die Höhe schnellen.


Große weite Welt und unbändige Sammelwut



Aufgeteilt sind diese Säulen auf die rund 21 Regionen im Spiel, die stets von einem Boss geleitet werden. In jeder dieser Regionen gibt es zahlreiche Nebenmissionen zu erfüllen, die dazu dienen, die Story weiter voranzutreiben. Leider verpasst es Ubisoft hier, einen Spannungsbogen aufzubauen, der mich als Spieler dazu motiviert, der Story wegen weiterzuspielen. Tatsächlich tröpfelt die eigentlich vielversprechende Geschichte nämlich absolut höhepunktarm vor sich her, sodass es mir meist herzlich egal ist, wen ich da gerade erledigt oder verhört habe. Die Geschichte dient leider nur mehr als gegebener Rahmen, um mich auf die Reise durch das riesige Bolivien zu schicken, welches durch seine abwechslungsreichen Gebiete durchaus überzeugen kann.

Es macht unglaublichen Spaß, egal ob mit Helikopter, Boot oder Auto, durch die üppigen Dschungelgebiete, die riesige Salzwüste oder die Laguna Colorado mit ihren Flamingos zu reisen. Weiterhin zahlt es sich aus, dass Ubisoft vor der Entwicklung vor Ort gewesen ist und dort Dutzende Stunden Videomaterial aufzeichnete, um eine glaubwürdige Spielwelt abzuliefern. Dies gelingt allerdings nur insoweit, dass die dort lebenden NPCs leider meist zu Statisten verkommen und keinen wirklichen Tagesablauf verfolgen. Dieser Umstand zerrt an der Glaubwürdigkeit des Spiels und der Einsätze, die zudem leider meist nach dem gleichen Schema mit leicht verändertem Setting ablaufen. So müssen selbst kleinste Vorposten zunächst auskundschaftet und dann gesäubert werden, um an den nächsten Fähigkeitspunkt oder eine neue Waffe zu kommen. Immerhin bieten mir die Wildlands fast grenzenlose Freiheit bei der Reihenfolge, wie ich die Dinge angehe, sodass ich in eines der Endgebiete reisen kann und schon vorab das beste Scharfschützengewehr im Spiel erhalte. Das fördert den Entdeckungstrieb nach immer neuen und besseren Teilen und hält somit den Motor der Sammelwut stets am Laufen, wenngleich das wieder einmal dem Prinzip des üblichen Ubisoft-Rezepts entspricht.


Tom Clancy's Ghost Recon WildlandsTom Clancy's Ghost Recon Wildlands
Abseits der Missionen ist Zeit für verrückte Stunts mit Freunden: Wahlweise mit dem Helikopter oder dem Fallschirm.


Bastelspaß im Editor



Um dem Ghost ein Gesicht zu verpassen, bietet Wildlands mehrere Möglichkeiten, den spielbaren Charakter nach seinen eigenen Vorstellungen zu erstellen. Im Vorfeld des Spiels, nach einer ewig langen Installationszeit, bleibt mir aus voreingestellten Gesichtszügen die Qual der Wahl, wie mein Held aussehen soll. Hier hätte ich mir mehr Einstellungsmöglichkeiten gewünscht, da selbst ein FIFA-Titel der PlayStation-2-Generation mehr Möglichkeiten zu bieten hatte. Als äußerst praktisch stellen sich hingegen die verschiedenen Kleider, Tarnanzüge und Bemalungen heraus, die ich je nach Region auch immer wieder anpassen kann. Schlussendlich macht es nämlich wenig Sinn, in der Salzwüste mit einem auffälligen Dschungeloutfit auf die Jagd nach Feinden zu gehen, wenn diese mich dann schon auf großer Entfernung entdecken können. Gepaart sind diese Anpassungsmöglichkeiten genretypisch mit einem Skilltree, in welchem ich meine gefundenen Fähigkeits- sowie Ressourcenpunkte einsetzen muss, um zum Beispiel an neue Gadgets für meine Drohne zu kommen. Die Ressourcenpunkte erscheinen aber völlig willkürlich gewählt: Wer braucht schon einen Medikamentennachschub, um eine Blendgranate freizuschalten? Wirklich sinnvoll erscheint mir das System leider nicht und es dient wohl leider nur zur künstlichen Spielzeitverlängerung, zumal die meisten Ressourcen nur durch den Überfall der immer wiederkehrenden Konvois zu erreichen sind.

Ohnehin ist das Gameplay mit andauernder Spielzeit sehr repetitiv, sodass unbedingt zu empfehlen ist, sich mit Freunden nach Bolivien zu begeben. Leider verpasst es Wildlands, mich als Spieler nach einem unentdeckten Vorgehen ordentlich zu belohnen. Egal wie ich mein Ziel erreiche, die dafür veranschlagten Erfahrungspunkte bleiben immer gleich. Dies führt oftmals dazu, dass man dann doch eher zur Rambo-Taktik greift, da das vorliegende Gebiet so schneller gesäubert ist und man direkt mit dem nächsten Ziel fortfahren kann. Die Reise führt man dann meist mit dem Auto fort, welches über eine fürchterliche Fahrphysik verfügt und außer dem nervtötenden Propaganda-Radiosender nichts weiter zu bieten hat. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht - Far Cry 4 hat es vorgemacht. Technisch läuft das Spiel auf der Amateur-Variante der PlayStation 4 weitestgehend flüssig und die Anbindung zu den Servern klappt meist problemlos. Nur einmal wurde ich Zeuge, als die Abschüsse der Gegner bis zu zwei Sekunden verzögert gewertet wurden, sodass ein normales Fortkommen im Einsatz quasi unmöglich wurde.



Predator

Fazit von Predator:

Ghost Recon Wildlands bietet einen riesigen Spielplatz, der unzählige Möglichkeiten eröffnet. Was man daraus macht und wie taktisch man das Spielerlebnis gestaltet, bleibt einem dabei aber immer selbst überlassen. Gehe ich als Rambo vor oder kundschafte erst alles aus, um möglichst verdeckt den Einsatz zu beenden? Die Qual der Wahl macht das Spiel erst interessant und lässt urkomische Situationen entstehen, an die man sich auch Wochen später erinnern wird - vorausgesetzt, man spielt online mit anderen. Hier trumpft Wildlands vollends auf und lässt selbst die viel zu vielen Sammelobjekte weniger nervtötend erscheinen, weil man sie eh "im Vorbeigehen" mitnimmt.

Im Vergleich zu den Vorgängern eröffnet der Koop-Shooter neue Möglichkeiten und verzichtet dabei maßgeblich auf eine bestimmte Marschrichtung. Weg von den beengten Levels der Vorgänger obliegt es mir nun selbst zu entscheiden, wie taktisch ich vorgehen möchte. Meist stehen dabei die Action, der Loot und das Crafting im Vordergrund. Stealth-Veteranen könnten sich hier verprellt fühlen, da die unentdeckte Vorgehensweise in keinerlei Hinsicht honoriert wird.

Das fürchterliche Deckungssystem sowie die nervige Fahrphysik machen einem trotz alledem immer wieder einen Strich durch die Rechnung, sodass für einige Frustmomente gesorgt ist. Dennoch bietet Wildlands durchaus solide Unterhaltung und vor allem einen riesigen Umfang, der locker über 30 Stunden beschäftigen wird, sofern man nicht nach dem zweiten Boss direkt das Ende des Spiels anstrebt. Alles in allem verpasst Ubisoft leider die Möglichkeit, das Potenzial zu nutzen und bietet somit nur durchschnittlich gute Kost, die Koop-Spieler trotz einiger kleiner Bugs für die nächsten Wochen beschäftigen dürfte.

Manchmal ist die Größe eben doch nicht entscheidend: Die riesige und detailverliebte Spielwelt kann leider nicht über das repetitive Missionsdesign hinwegtäuschen. Im Koop ist dagegen Spaß garantiert!

Besonders gut finde ich ...
  • riesige, glaubwürdige Spielwelt
  • mehr als 60 Fahrzeuge
  • über 50 Waffen und über 100 Waffenteile
  • Koop-Modus für bis zu vier Spieler
  • ordentliche deutsche Lokalisierung
  • HUD lässt sich anpassen
  • drei wählbare Schwierigkeitsgrade
Nicht so optimal ...
  • nerviges Deckungssystem
  • fürchterliche Fahrphysik
  • schwache Story
  • Befehlssystem zu kompliziert
  • zu viele Sammelobjekte
  • KI hat auf beiden Seiten Aussetzer
  • unausgewogenes Belohungssystem

Predator hat Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Ubisoft Paris
  • Publisher:Ubisoft
  • Genre:Action
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:07.03.2017

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: ATeC, ... und einem Gast.

Name:*
E-Mail (wird nicht angezeigt):*
Eigene Homepage (optional):
Dein Kommentar:*
              
Antispam:*
 
Captcha