The Legend of Zelda: Breath of the Wild - Review 7

Freiheit ist ein Wunschgedanke - ein Traum, der sich niemals in allen seinen Facetten umsetzen oder leben lässt. Nicht in der Realität und schon gar nicht in einem Videospiel, welches auch im Jahr 2017 immer noch ein Produkt unzähliger Codezeilen ist. Freiheit ist etwas, das jeder anders interpretiert, und streng genommen nur eine Illusion. Aber diese Illusion zu erschaffen, dieses Gefühl zu vermitteln, alles tun und überall hin gehen zu können - das ist eine Kunst für sich. Nintendo hat diese Herausforderung mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild gemeistert. Link wandert, klettert, reitet, schwimmt und gleitet durch ein apokalyptisches Hyrule und erlebt ein Abenteuer, das in vielen Jahren noch als Meisterwerk gepriesen werden wird. Und das zu Recht. In dieser Welt fühle ich mich seit langem wieder frei.

Woher kommt dieses angenehme, ungewohnte, im besten Sinne befreiende Gefühl, von dem so viele Open-World-Spiele träumen, das aber nur die wenigsten von ihnen vermitteln können? Und wie kann es sein, dass ausgerechnet einem The Legend of Zelda, das nie wirklich mit einer offenen Welt experimentiert hat, plötzlich genau das gelingt? Die Gründe sind zahlreich, vielfältig und teilweise schwierig in Worte zu fassen. Im besten Sinne ist dieses Breath of the Wild aber eine Umkehr dessen, was die letzten 3D-Zeldas waren. Wo mich Skyward Sword permanent an die Hand nahm und durch das Abenteuer führte, mich ständig darauf hinwies, was ich alles tun kann und wie es funktioniert, setzt mich BotW einfach in der Welt aus und motiviert mich dazu, die Dinge selbst herauszufinden. Wo ich in Twilight Princess stets von A nach B geschickt wurde, erst die Bomben, dann den Bumerang, dann den Bogen finden musste, steht mir Hyrule in BotW nach dem großartigen Tutorial-Plateau offen.


The Legend of Zelda: Breath of the Wild
Die Dimension von Hyrule lässt sich in Screenshots kaum darstellen. Nach 50 Stunden hatte ich vielleicht die Hälfte gesehen.


Ein Videospiel-Märchen, in dem die Welt die Hauptfigur ist



Norden, Westen, Süden, Osten - ich kann überall hin und das jederzeit. Dabei geht es auch nicht nur darum, die unglaublich große Welt einfach nur auszukundschaften, sondern es geht um Geschichten, um Missionen und um Spielfortschritt, und egal, welchen Weg ich wähle, nirgends bin ich eingeschränkt, weil ich nicht zuerst woanders gewesen war. Wenn ich wollte, hätte ich auch direkt nach dem Tutorial zum Endboss gehen können. Diese Freiheit ist einzigartig in allen Open-World-Spielen, die ich bislang erlebt habe, und anders als in den aktuelleren Titeln von Ubisoft versteht es Nintendo sogar, in dieser Welt auch viele kleine und große Geschichten zu erzählen, die epischer und berührender sind als man es von The Legend of Zelda gewohnt ist.

Breath of the Wild ist kein Witcher und rein narrativ auch nicht so vielschichtig - aber das ist auch weder sein Anspruch noch sein Ziel. Breath of the Wild ist ein Videospiel-Märchen, dessen Geschichte nicht durch die eigentliche Handlung interessant wird, sondern dadurch, wie das Spiel sie erzählt. Wenn Link nach einem 100-jährigen Schlaf halbnackt im Schrein des Lebens erwacht und langsam herausfindet, was vor 100 Jahren in Hyrule geschah, ist das kein besonders ausgefallenes Szenario für das Medium, zumal es letztendlich gemäß der Serientradition wieder darum geht, die Welt vor dem Bösen zu retten, in diesem Fall der Verheerung Ganon. Aber wenn man im Verlaufe dieser über 80 Stunden Erinnerungen wiederfindet, die Szenen von vor 100 Jahren zeigen, schöne Momente und traurige Momente, alte Freunde und Bekannte, die man längst vergessen hat bzw. an die man sich zunächst nicht erinnern kann - dann wird das Gewöhnliche zum Ungewöhnlichen, auch, weil Nintendo diese tollen Zwischensequenzen und manche Dialoge mit einer überraschend hochwertigen deutschen Sprachausgabe unterlegt.


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Was ist vor 100 Jahren geschehen? Wo ist Prinzessin Zelda? Und warum kann sich Link an nichts von alldem erinnern?


Hyrule steckt voller Überraschungen und kleiner liebevoller Details



Aber auch abseits dieser Hauptstory ist das apokalyptische Hyrule voller kleiner Geschichten, Zivilisationen, interessanter Individuen und sympathischer Dialoge, die sich je nach den Umständen verändern: Wenn es regnet, halten sich die Fischer in Angelstedt zum Schutz die Hände über den Kopf und eilen in ihre Hütten; wenn ich Link seine Klamotten ablegen lasse und ein Gespräch beginne, wird angemerkt, ich solle mir doch bitte etwas anziehen. Hyrule ist eine lebendige Welt, die auf mich reagiert und sich mit mir verändert, aber doch so wirkt, als würde sie auch ohne mich funktionieren - und so muss eine offene Welt sein.

Über fünf Jahre habe ich auf dieses Spiel gewartet. Und nach der großen Enthüllung auf der vergangenen E3, dem mehrstündigen Treehouse-Stream, mehreren Anspiel-Sessions und zahlreichen Trailern hatte ich befürchtet, schon einen Großteil dessen gesehen und erlebt zu haben, was dieses Zelda auszeichnet. Ich lag falsch. Nintendo hat die eigentliche Essenz von Breath of the Wild auch in all dieser Zeit unter Verschluss gehalten: die riesige Welt, die größer scheint als alles, was ich bisher in Videospielen erkundet habe. Fast alles, was wir davor von Zelda gesehen hatten, war das Great Plateau, ein klitzekleiner Teil von Hyrule, der obendrein nur einen obligatorischen Tutorial-Bereich darstellt. Kurzum: Wir haben gar nichts gesehen.

Und genau deshalb ist das Durchstreifen dieser weitläufigen Dschungel, Savannen, Wüsten, Berge und Sümpfe auch so ein Genuss: weil es überall etwas zu entdecken gibt, von dem man nicht weiß, dass es existiert. Breath of the Wild braucht dafür auch gar keine Fragezeichen auf der Weltkarte - stattdessen setzt man sich diese Symbole selbst. Anders als in etwa einem Far Cry, in dem man das Gefühl hat, eine bereits erforschte Welt noch einmal zu erforschen, ist man hier wirklich der erste, der sich die Mühe gibt, eine vollständige Karte zu entwerfen. Geheime Orte entdeckt man nicht, weil man einem Punkt auf der Karte gefolgt ist, sondern weil man zufällig auf sie stößt. Oder weil jemand in einem Dorf Gerüchte gehört hat, dass irgendwo nördlich des Stalls eine heilige Quelle sei; aber wo genau, das muss man selbst herauszufinden, und das komplett ohne Missionsrahmen.


The Legend of Zelda: Breath of the Wild
Auch ohne klassische Dungeons versprüht dieses Zelda Rätselflair - vor allem in den über 100 Prüfungsschreinen.


Alte Zöpfe und neue Tugenden - The Legend of Zelda erfindet sich neu



Breath of the Wild ist immer noch ein The Legend of Zelda und so trifft man auf einige bekannte Gesichter, kann auf zähmbaren Wildpferden durch die Steppe von Hyrule reiten, erlangt irgendwann das heilige Bannschwert alias Master-Schwert und kommt auch um den intensiven Einsatz von Bomben, Schild und Pfeil und Bogen nicht herum. Aber es ist in vielerlei Hinsicht auch ein Neuanfang für diese ruhmreiche Reihe. Anstatt mehrstufige Dungeons zu meistern und ihre Rätsel zu knacken, findet man über 100 Prüfungsschreine, die meistens in wenigen Minuten abgehakt sind. Man erhält im Verlauf der Story nicht mehr irgendwann "die nächste Waffe", sondern findet Waffen überall und nutzt sie so lange, bis sie irgendwann zerbrechen und für immer verschwinden. Es gibt auch keine versteckten Herzcontainer mehr - stattdessen erweitert man seine Gesundheit, indem man aufgelesene Ressourcen zu leckeren Mahlzeiten kocht, oder tauscht Abzeichen, die man für bestandene Schreine erhält, gegen Herzteile oder Ausdauer ein. Kochen ist auch essentiell, um in den verschiedenen Klimazonen Hyrules zu überleben, denn nur Gerichte mit Chili- oder Glutling-Zutat wärmen Links Körper ausreichend, um immerhin für ein paar Minuten die Kälte der Hebra-Berge auszuhalten. Zumindest, bis man sich für ein paar Tausend Rubine die Kälteschutz-Ausrüstung leisten kann ...

Vieles, was ich an Skyward Sword oder Majora's Mask geliebt habe, fehlt mir in Breath of the Wild ein wenig, weil mein nostalgisches Herz nun mal daran hängt - vor allem die großen und komplexen Dungeons mit ihren cleveren Puzzles und das anschließende Bekämpfen mächtiger Bossgegner. Generell kommt mir der Rätselanteil zu kurz und die Rätsel, die es gibt, sind mir größtenteils zu einfach. Aber für jede kleine Tradition, mit der dieses Spiel bricht, kommt eine neue kreative Stärke oder Überraschung hinzu, sodass sich dieses Zelda so frisch anfühlt wie seit Ocarina of Time vor 25 Jahren nicht mehr.


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Bei Ställen, die überall in Hyrule verteilt sind, kann man gezähmte und registrierte Pferde abgeben oder abholen.


Wind, Wetter, Stealth und Spielphysik: Breath of the Wild lädt zum Experimentieren ein



Nehmen wir die Spielphysik oder das Wetter. Wenn es gewittert, sollte man seine metallene Ausrüstung schleunigst gegen hölzerne austauschen, um nicht vom Blitz getroffen zu werden - Metall zieht bekanntlich Blitze an. Umgekehrt kann man das auch zu seinem Vorteil nutzen: Wirft man ein Eisenschwert im strömenden Regen in ein feindliches Camp, kann man sitzen bleiben und warten, bis der Blitz dort einschlägt und die Hölle losbricht. Ein anderes Beispiel wäre, bei Sonnenschein trockenes Gras mit einer Fackel anzuzünden und sich mit dem Paraschal von der aufsteigenden Luft in den Himmel heben zu lassen. Oder man fällt einen Baum mit einer Axt und nutzt den Stamm als Floß. Je nach Wetter, Klimazone, Tageszeit und eigener Ausrüstung ergeben sich etliche Möglichkeiten zum Experimentieren. Im ersten Moment mag all das, genau wie die gigantische offene Welt, ungewöhnlich wirken für eine Serie wie The Legend of Zelda, aber desto länger man spielt, desto mehr man sieht, lernt und erforscht, umso beeindruckender ist das, was Nintendo mit Breath of the Wild geleistet hat - zumal mir auch bei einer derart riesigen Welt und komplexen Physik kein einziger Bug oder Glitch aufgefallen ist. In Zeiten von Mafia 3 oder Mass Effect: Andromeda ist das leider keine Selbstverständlichkeit und deshalb umso bemerkenswerter und definitiv ein Sonderlob wert.

Was das Kampfsystem und den Schwierigkeitsgrad angeht, habe ich viele Vergleiche zu Dark Souls gelesen. Das ist natürlich Unsinn. Breath of the Wild ist - anders als die meisten seiner Vorgänger - sicherlich ein anspruchsvolleres Spiel, aber weit von den Abenteuern aus dem Hause From Software entfernt und das ist auch richtig so. Zwar kann man durchaus hier und da mal sterben, nicht zuletzt deshalb, weil die Kämpfe gerade gegen mehrere Gegner schwieriger sind und man leichter getroffen wird, aber von "Schwer" kann keine Rede sein, zumal man jedem Kampf in der Regel auch entfliehen kann. Ohnehin ist blindes Anstürmen selten eine clevere Option, weil Breath of the Wild oberflächliches Schleichen erlaubt und man mit Pfeil und Bogen auch aus der Distanz agieren kann. Wer sorgfältig mit seinem Arsenal umgeht, der hat auch immer genug Pfeile dabei.

Erst gegen die vielen Zwischenbosse in Hyrule braucht es rohe Waffengewalt und gerade Gegner wie die Zentauren-ähnlichen Leunen verlangten mir wirklich alles ab, was ich in diesem Spiel gelernt habe - ohne perfektes Ausweichen und Mahlzeiten-Buffs hätte ich vor allem anfangs keine Chance gehabt. Aber das ist eben auch wieder etwas, was dieses Zelda so gut macht: Es wartet immer wieder mit kleineren Überraschungen auf. Dazu zählen für mich auch ebenjene Zwischenbosse. Der einzige Haken an der Sache ist, dass sie sich auf Dauer zunehmend wiederholen und man irgendwann feststellen muss, dass das nicht nur für sie, sondern auch für alle "normalen" Gegnertypen gilt. Nioh lässt grüßen, es mangelt Breath of the Wild an Variation im Gegnerdesign - schon bald kennt man sie alle und ihre Verhaltensmuster. Hieran merkt man zwischen all dem Schwärmen und der Faszination der Welt, dass auch dieses Zelda unter dem Strich noch weit davon entfernt ist, ein perfektes Spiel zu sein.


The Legend of Zelda: Breath of the Wild
Die Völker Hyrules müssen zusammenarbeiten, um die Verheerung aufzuhalten. Und Link muss das Master-Schwert finden ...


Ein Meisterwerk - aber kein perfektes Spiel



Nach über 80 Stunden in Hyrule blickt man zwar nicht weniger beeindruckt auf dieses Spiel, aber mit einem kritischeren Auge, und dann gibt es irgendwann eben doch noch einige andere kleine Aspekte, die negativ hervorstechen - gerade in Bezug auf die 120 Prüfungsschreine. War es etwa wirklich nötig, dass alle Schreine im Inneren gleichartig aussehen und von der gleichen Musik begleitet werden? Und noch viel wichtiger: Hätte man die recycelten "Kampfschreine" nicht lieber gleich komplett streichen sollen? Gerade in einer Welt wie dieser, die überall kleine Geheimnisse versteckt und zum Erkunden motiviert, fallen die Wiederholungen umso mehr auf. Die mit Abstand interessantesten Schreinprüfungen finden unterdessen sogar außerhalb der eigentlichen Schreine statt - etwa auf der Insel "Eventide Island", die ich an dieser Stelle aber natürlich nicht spoilern werde.

Dafür ist es ein - und das kann man ohne jegliche Untertreibung sagen - wahnsinnig großes Spiel und die wenigen sich wiederholenden Elemente hielten mich kaum davon ab, mich immer und immer wieder von Details und Nebenbeschäftigungen ablenken zu lassen. Noch einen Schrein hier, zwei Krogs sammeln dort, dann noch eine Quest, den Shieka-Turm im Nordwesten aktivieren und hey, was ist eigentlich dieses grelle bläuliche Leuchten dort auf dem Hügel? Es fiel mir selten so schwer, dem "roten Faden" zu folgen, und das ist in diesem Fall ein großes Kompliment, weil man das Gefühl hat, immer wieder etwas Neues zu entdecken. Vor allem die Krogs, kleine Baumwesen, die sich hinter unauffälligen Umgebungsrätseln verstecken, motivieren dazu, sich jede Ecke der Welt zwei Mal anzuschauen - findet man genug von ihnen, kann man sein Waffen-, Bögen- und Schildinventar um jeweils einen Slot erweitern, sodass das Ganze auch spielerisch einen Sinn hat, man also nicht nutzlose Collectibles anhäuft. Und dank der Nintendo Switch kann man diesen epischen Zeitfresser auch überall mitnehmen und die Suche unterwegs fortsetzen, sofern man sich für die neue Konsole entschieden hat. Die Wii-U-Version soll übrigens genauso gut sein - es braucht also keine Switch, um BotW zu genießen. Schön, dass die Wii U mit solch einem Highlight verabschiedet wird.

Ich habe es ja bereits in meinem Erfahrungsbericht zur Switch geschrieben: Der Bildschirm des Geräts ist klasse und hat genau die richtige Größe und Helligkeit, damit man auch ein Spiel wie Zelda optimal darauf genießen kann. Als sich hier wieder einmal die Mittagssonne im TV-Display spiegelte, habe ich einfach die Switch aus dem Dock genommen, die Joy-Con angesteckt und auf dem Balkon unter der Markise weitergespielt, wobei die Grafik auch auf dem kleineren Bildschirm immer noch sehr hübsch und detailliert aussah. Als Bonus sind auch die Framedrops im Handheld-Modus seltener. Am TV hingegen kann die Bildrate in manchen Gebieten stark in die Knie gehen, wobei ich sagen muss, dass sie mein Spielerlebnis nie wirklich beeinträchtigt hat.


The Legend of Zelda: Breath of the WildThe Legend of Zelda: Breath of the Wild
Wind, Wetter, Klimazonen, Spielphysik und andere Faktoren beeinflussen entscheidend, wie man Situationen lösen kann.


Das Lösungsbuch von Piggyback - ein willkommener Begleiter auf dem Weg durch die Zelda-Welt



Wie es sich für ein Spiel dieser Größenordnung gehört, gibt es selbstverständlich auch ein dazugehöriges Lösungsbuch von Piggyback, dessen gebundene Collector's Edition ich hier liegen habe und die mich durch das Abenteuer begleitet. Wie gewohnt und erwartet haben die Autoren und Designer zumeist vorbildliche Arbeit geleistet und wirklich jede Quest, jedes Geheimnis und (fast) jeden Sammelgegenstand sorgfältig dokumentiert und aufgezeichnet - auch detaillierte Screenshots und liebevoll illustrierte Karten sind auf den über 350 Seiten abgedruckt. Obendrein liegt dem Buch auch eine große ausfaltbare Weltkarte bei, auf der sämtliche 900 Koroks vermerkt sind. Allerdings haben sich hier und da auch ein paar Fehler eingeschlichen, etwa bei der Benennung von Belohnungen für Quests, und den einen oder anderen Tippfehler habe ich ebenfalls entdeckt.

Nichtsdestotrotz: Wer wirklich alles in Hyrule sehen, sammeln und erkunden will, findet mit diesem Lösungsbuch auf jeden Fall einen geeigneten Begleiter auf dem Weg zu den 100%. Das Buch gibt es in drei Varianten: Standard, Collector's Edition und Deluxe Edition, wobei letztere erst ab dem 11. April erhältlich ist, über ein Spezial-Großformat sowie ein Vintage-Cover verfügt und auf 16 Seiten die 30-jährige Geschichte der Zelda-Spiele vorstellt. In meiner Collector's Edition sind neben einem Hardcover-Verbund auch einige Seiten mit Konzeptzeichnungen enthalten, für die reinen Lösungsinformationen tut es natürlich auch die Taschenbuch-Variante - wobei ich finde, dass sich die Collector's Edition mit dem Kletter-Artwork auf dem Cover sehr schick im entsprechenden Regalfach neben anderem Zelda-Merchandise macht und deshalb für echte Fans auch den Aufpreis wert ist. Einen ersten Blick in das Buch werfen könnt ihr mit der Leseprobe von Piggyback, auf YouTube gibt es auch Bewegtbilder.



Tim

Fazit von Tim:

Lange wurde kein Videospiel mehr so gefeiert, gepriesen und gehyped wie dieses The Legend of Zelda: Breath of the Wild - und mit einer Durchschnittswertung von 97 kratzt es am Thron der besten Spiele aller Zeiten. Woher rührt diese Euphorie? Die Antwort ist so einfach wie erstaunlich: Nintendo hat es im ersten Anlauf geschafft, eine fast grenzenlose offene Welt zu erschaffen, die das Gefühl von Freiheit vermittelt - eine Welt, in der man jederzeit und ohne Einschränkungen überall hin reisen kann, in der man Abenteuer erlebt, ohne vorher eine Quest annehmen zu müssen; eine Welt, die gewissermaßen einen markanten Kontrapunkt setzt zu all diesen anderen offenen Welten der Gegenwart, an denen man sich satt gesehen hat. Breath of the Wild trifft einen besonderen Nerv, weil es in dieser offenen Welt keine lineare Story erzählt, sondern sich auch spielerisch öffnet: Anstatt einem vorgegebenen Pfad zu folgen, kann ich die Geschichte sowohl im Norden als auch im Westen fortsetzen, in der Wüste oder im Vulkangebirge Eldin, und nirgends fühlt es sich an, als hätte ich etwas verpasst, weil ich nicht vorher woanders gewesen bin. Gleichzeitig wird über Erinnerungen und Dialoge eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, die sich dank toll geschriebener Dialoge und liebenswerter Charaktere geradezu märchenhaft anfühlt. Breath of the Wild kann der Beginn einer neuen Art und Ära von Open-World sein.

Ein perfektes Spiel ist es noch nicht und mir persönlich fehlt neben mehr und komplexeren Rätseln vor allem eine stärkere musikalische Komponente - zumindest in den Momenten, die sich dafür eignen. Aber sich an solchen Kleinigkeiten aufzuhängen, wäre ein Frevel ob all dieser kreativen neuen Stärken, der durchdachten Mechaniken und dem Zeichen, das dieses Zelda in einer Zeit von Wegwerf-Open-Worlds hinterlässt. Für mich ist The Legend of Zelda: Breath of the Wild nicht weniger als ein Meisterwerk, das jeder, wirklich jeder selbst erlebt haben sollte - egal ob auf Switch oder Wii U, egal ob heute oder morgen.

In Zeiten von 08/15-Open-Worlds, symbol-überladenen Minikarten und Collectible-Wahnsinn setzt Breath of the Wild einen markanten Kontrapunkt und trifft mit seinem Gefühl von Freiheit und Entdeckerdrang einen ganz besonderen Nerv: Dieses Zelda ist ein episches und märchenhaftes Abenteuer, über das in Jahren noch gesprochen werden wird.

Besonders gut finde ich ...
  • Hyrule ist eine wunderschöne, riesige, weitläufige Welt voller kleiner und großer Geheimnisse, Charaktere und Aktivitäten
  • selbstständiges Erkunden einer großen Welt fast ohne Marker
  • toll abgestimmte Soundkulisse fängt das Gefühl der Wildnis ein
  • über 100 Prüfungsschreine mit angenehm komplexen Rätseln
  • man kann jederzeit überall hingehen, ohne Einschränkungen
  • NPCs reagieren auf Wetter, Tageszeit, Kleidung und mehr
  • interessantes Koch-System lädt zum Experimentieren ein
  • motivierendes und belohnendes Sammeln hunderter Krogs
  • toll geschriebene Dialoge mit sehr guter deutscher Vertonung
  • Spielwelt mit Klimazonen, Wetter- und Tageszeitenwechsel
  • etliche Möglichkeiten beim Experimentieren mit der Spielphysik
  • Minimap und Teile des UI lassen sich dauerhaft abschalten
Nicht so optimal ...
  • viel zu wenige und sich so immer wiederholende Gegnertypen
  • Waffen zerbrechen zu schnell, wodurch Kämpfen kaum lohnt
  • feindliche Stützpunkte beherbergen nur selten Nützliches
  • z.T. massive, reproduzierbare Framedrops, v.a. im TV-Modus
  • Soundtrack ist zwar gut, aber sehr minimalistisch und selten

Tim hat The Legend of Zelda: Breath of the Wild auf der Nintendo Switch gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

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  • Entwickler:Nintendo
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:WiiU, Switch
  • Release:03.03.2017

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: CookieMonster, ATeC, ... und 5 Gästen.
  • Jari
    #1 | 29. März 2017 um 09:39 Uhr
    Ich spiele BOTW seit zwei Tagen auf der Wii U und ich kann alle Besitzer dieser Konsole beruhigen: Zelda lässt sich auch hier ganz wunderbar spielen. Ich habe in meinen langen Jahren als Gamer noch kein einziges Zelda durchgespielt und eigentlich bin ich auch kein großer Fan der Serie. Ja: A Link to the Past ist ein Meisterwerk, Ocarina of Time auch (habe ich ungefähr zu 2/3 auf dem 3DS gespielt) und die SNES-Hommage A Link Between Worlds ist auch ganz liebevoll gemacht, aber irgendwie hat es mich nie so richtig gepackt. Bei BOTW muss selbst ich als Skeptiker sagen, dass mich das Spiel gleich ganz anders abholt. Das Entdecken macht Spaß, das Kochen ist lustig und auch intuitiv gemacht, das Kämpfen ist anspruchsvoll aber niemals unfair und man kann endlich Klettern (!!). Man merkt einfach, dass sich ein Brocken wie das neue Zelda eben nicht an einem Wochenende programmieren lässt, sondern dass die Macher wirklich viel, viel Arbeit in die vergangenen sechs Jahre gepackt haben. Sehr schön finde ich auch, dass das Spiel sehr ruhig ist und die Musik nur sehr reduziert und leise eingesetzt ist. Dies verstärkt die Atmosphäre, wenn man über die Ebenen Hyrules streift, einfach ungemein. Auch dass es nun nicht mehr eine Handvoll große Dungeons, sondern 100 kleine gibt, finde ich als Motivationshilfe ungemein gut gemacht. Man könnte nun natürlich lästern, dass dies auch der kürzeren Aufmerksamkeitsspanne der Spieler generell geschuldet ist, aber das würde diesem neuen Ansatz sicherlich nicht gerecht. Fazit: Ich werde nach meinen ersten Stunden im neuen Zelda sicherlich noch viele Stunden weiterspielen.

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