Snake Pass - Review 2

Wenn man sich Snake Pass nur oberflächlich anschaut, könnte man meinen, dass das neue Werk von Sumo Digital ausschließlich auf die jüngere Generation zugeschnitten ist. Der knuffige, bunte Stil täuscht aber nicht darüber hinweg, dass hinter der Fassade ein richtig schwerer Puzzle-Plattformer steckt, der einiges an Frustpotential bereit hält. Für wen ist das überaus süß inszenierte Abenteuer also geeignet?

Als ich Snake Pass das erste Mal sah, dachte ich direkt an Spiele für das Nintendo 64 und die gute alte Rare-Ära. Die sympathische Inszenierung von Noodle, dem "Protagonisten", und seinem Begleiter, einem Kolibri, erinnerte mich an Banjo-Kazooie und zog mich sofort in den Bann. Anders als im N64-Klassiker renne, hüpfe und fliege ich hier aber nicht mit einem dicken Brummbär und einem launischen Vogel durch die Welten, sondern schlängele mich filigran durch Baumwipfel und Anhöhen, die allesamt wunderschön anzuschauen sind. Auf diesem Wege sammle ich nebenbei noch allerlei Münzen, Orbs und vor allem Schlüsselsteine, die benötigt werden, um das Level abzuschließen.


Snake Pass
Badespaß ist garantiert: Auch unter Wasser gibt es allerlei Boni zu entdecken.


Denk wie eine Schlange, handle wie eine Schlange!



Dabei nimmt sich Snake Pass überaus ernst: Um auch nur ansatzweise Geschwindigkeit aufbauen zu können, halte ich dauerhaft den rechten Trigger und muss zusätzlich den linken Stick so bewegen, dass Noodle ins Schlängeln kommt. Das wirkt zunächst sehr ungewohnt und fordert durchaus Fingerspitzengefühl. Für das Erklimmen von Anhöhen muss ich zusätzlich den X-Button halten: Nur dann hebt der knuffige Hauptprotagonist seinen Kopf und unerreichbare Orte können schnurstracks erreicht werden. Die zahlreichen Bambusstäbe überwinde ich, indem ich den Kopf immer in Richtung Ziel halte und nie dafür sorge, dass der Rest des Schlangenkörpers hinunter fällt. Das klingt so kompliziert wie es tatsächlich ist - denn tritt der Fall ein, dass unter diesen Stangen der Abgrund wartet, kann bei einem Absturz der gesamte Fortschritt seit dem letzten Checkpoint verloren gehen. Nur ein gekonntes Zusammenspiel aus all diesen Faktoren sorgt dafür, dass das ferne Ziel eines jeden Levels erreichbar wird.

Als wäre dieser Drahtseilakt nicht schon anstrengend genug, muss man sich nebenbei noch um die passende Kameraführung kümmern. Ganz traditionell wird diese über den rechten Analogstick gesteuert und ist daher immer genau dann unpassend, wenn man ohnehin schon kurz vor dem Abstürzen ist. Besonders in relativ engen Gebieten kann das durchaus für Frust sorgen und versperrt hier und da sogar den Weg in versteckte Gänge, in denen besondere Boni auf mich warten. Somit verkommt das Spiel oft zu einem Kampf um das Weiterkommen und hat bei mir dazu geführt, dass ich es oft nicht geschafft habe, mehr als zwei Level hintereinander abzuschließen. Ein entspannter Familienurlaub sieht also anders aus.


Snake Pass
Vorsicht Abgrund: Noodle wieder in Sicherheit zu bringen, ist oft mit einem Adrenalinschub verbunden.


Belohnender Effekt



Snake Pass sortiert schon in den ersten Leveln unerfahrene Spieler gnadenlos aus und fordert mit seinem immer weiter steigenden Schwierigkeitsgrad selbst hartgesottene Genre-Veteranen. Sumo Digital ist es dabei gelungen, ein Spiel zu schaffen, in dessen Konzept man vollends eintauchen muss, um es erfolgreich abschließen zu können. Man muss sich ohne Umschweife in Noodle hineinfühlen und bis zur letzten Sekunde denken wie eine Schlange. Das betrifft im Übrigen auch die Gewichtsverlagerung und das letzte Ende des Schwanzes, welches stets um die Bambusstangen gewickelt sein sollte, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Dieses Prinzip ist zwar nicht für jedermann geeignet, belohnt aber umso mehr, sofern man dem Konzept eine Chance gibt und sich in die Spielmechanik hineinfuchsen kann.

Hindernisse, an die ich mich vorher nie herangetraut hätte, wirken mit zunehmender Spielzeit durchaus passierbar und die Münze im letzten Eck des Levels einzusammeln, belohnt ungemein. Ohnehin nimmt man sich immer größere Ziele vor und der Ehrgeiz führt dazu, dass selbst das heftigste Hindernis überwunden werden möchte - selbst wenn dafür gut und gerne mal eine Viertelstunde draufgeht.


Snake PassSnake Pass
In den Leveln finden sich kleinere Schalterrätsel, die durch den gekonnten Einsatz des Körpers gelöst werden müssen.


Drahtseilakt par ex­cel­lence



Umso ärgerlicher ist es dann, wenn man kurz vor dem Ziel doch Bekanntschaft mit dem Abgrund macht. Snake Pass verfügt nämlich nur über fest installierte Checkpoints, die mich - meist nach einem schweren Abschnitt - dazu nötigen, im Level weit zurückzuschlängeln, um zu speichern. Sicherlich brauche ich euch nicht erzählen, was auf diesem Weg so alles passieren kann. Dieses Backtracking ist äußerst nervig, auch wenn es dazu führt, dass das Adrenalin immer wieder in die Höhe schnellt, da man den soeben gemeisterten Abschnitt nicht noch einmal wiederholen möchte.

Leider steigt die Lernkurve nicht allmählich an, sondern ziemlich rapide: Während die ersten Level durchaus machbar sind, wird Snake Pass plötzlich unerwartet schwer, weshalb ich dringlichst dazu rate, nach einem ersten Durchlauf das erste Kapitel zu wiederholen und zunächst alles einzusammeln, um somit gut für kommende Kapitel vorbereitet zu sein - denn wer möchte schon in der brodelnden Lava landen?

Umgekehrt fehlen allerdings hinten heraus die Herausforderungen, sobald die Physik nach einiger Spielzeit in Fleisch und Blut übergangen ist. Mich erwarten die immer gleichen Hindernisse, sich sehr ähnelnde Locations und sogar die immer gleichen Geheimnisse. Folglich befindet sich die letzte versteckte Münze nahezu immer in einem geheimen Gang in einem Teich oder unter einem Felsvorsprung - das ist wenig kreativ und hätte man besser lösen können. Mit ein bisschen Eingewöhnungszeit und dem nötigen Fingerspitzengefühl sind die insgesamt 15 Level also durchaus zu meistern und beschäftigen, je nach Fähigkeiten, zwischen vier und sechs Stunden.


Schöne, aber teils uninspirierte Welten



Begleitet wird das nervenaufreibende Abenteuer durch den Soundtrack von David Wise, der übrigens ebenfalls für den Soundtrack der Donkey-Kong-Country-Reihe verantwortlich zeichnet. Entsprechend passt die musikalische Untermalung stets zum Spiel, wenngleich ich mir gewünscht hätte, dass sie sich den brenzligen Situationen anpassen und so für noch mehr Spannung sorgen würde. Die grafische Präsentation kann auf der von mir gespielten PS4-Version überzeugen: Das Gras bewegt sich im Wind, die Lava glüht eindrucksvoll und die Bildrate bleibt meist stabil. Nur Noodle selbst sieht manchmal unglücklich aus, da sich beim Verknoten einzelne Elemente der Schlange überlagern und es daher zu unnötigen Clipping-Fehlern kommt.



Predator

Fazit von Predator:

Ein Puzzle-Plattformer wie Snake Pass hat natürlich immer damit zu kämpfen, alle Spielergruppen abzuholen und sie gekonnt ans Ziel zu führen. Leider ist den Entwicklern dieser Spagat nicht ganz gelungen, weshalb Spieler ohne ausreichend Frustresistenz und Ehrgeiz das Gamepad trotz der hübschen Optik sicherlich schnell zur Seite legen werden. Für all jene, die sich an den Bambusstangen halten können, hält das Abenteuer jedoch jede Menge spannende Hindernisse bereit, die ein ums andere Mal fordern und nur selten langweilen. Auch belohnt mich das Spiel für meine unzähligen Fehlversuche und gibt mir das Gefühl, alles schaffen zu können. Das treibt meine Motivation in ungeahnte Höhen und lässt mich stellenweise längere Zeit an einem Hindernis verweilen. Leider verpasst Sumo Digital es jedoch, eine spannende oder zumindest humorvolle Story um Noodle und Doodle zu erzählen. Mir fehlen lustige Dialoge oder spitze Kommentare, wenn ein Hindernis abermals nicht überwunden wurde. Dennoch können das gewagte Spielkonzept und die knuffige Spielwelt durchaus überzeugen und ich kann die 15 Welten jedem uneingeschränkt ans Herz legen, sofern man genug Fingerspitzengefühl und Geduld mitbringt.

Für Snake Pass benötigt man viel Geduld, weshalb davon abzuraten ist, das Spiel unseren Kleinsten in die Hände zu drücken. Geschicklichkeitsveteranen, denen keine Herausforderung zu schwer ist, sind jedoch gut mit dem Titel bedient.

Besonders gut finde ich ...
  • glaubhafte Physik
  • herrlicher Soundtrack
  • farbenfrohe Kulisse
  • ungewöhnliche Spielidee
Nicht so optimal ...
  • zu steile Lernkurve
  • nervige Kamera
  • zwanghaftes Backtracking
  • teils uninspirierte Welten

Predator hat Snake Pass auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Sumo Digital zur Verfügung gestellt.

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  • Entwickler:Sumo Digital
  • Publisher:Sumo Digital
  • Genre:Plattform-Puzzler
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne, Switch
  • Release:29.03.2017

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