Abatron - Preview 1

Die Early-Access- bzw. Indie-Abteilung auf Steam ist wie ein überdimensionaler Flohmarkt: Überall wird fleißig Ware angeboten. Dabei schwankt die Qualität der Spiele stets irgendwo zwischen "Kunst" und "Kann weg". Eines dieser potentiellen Schätzchen könnte Abatron werden. Das Action-RTS, das sich aktuell noch in der Alpha befindet, versucht, einen Spagat zwischen schneller Echtzeitstrategie á la StarCraft und First- bzw. Third-Person-Action der Marke Quake oder Unreal Tournament zu schlagen. Potential ist dabei schon jetzt vorhanden - aber auch viel Luft nach oben.

2013 war es, da hat sich in Kansas City, im US-Bundesstaat Missouri, ein Grüppchen begeisterter Entwickler zu den W3 Studios formiert und sich daran gemacht, ihr erstes Spiel zu entwickeln. Seit März 2017 kann man nun die frühe Version dieses Shooter-RTS-Hybriden auf Steam erwerben oder mittels einer Alpha-Demo antesten. Nach einigen Runden zeigt Abatron definitiv großes Potential, aber auch noch haufenweise Baustellen, die man in dem Stadium aber auch erwarten kann.


Klassisches RTS trifft auf Hybrid-MOBA-Shooter-Action



Dabei beginnt jede Runde wie ein klassisches Aufbau-Strategiespiel. In gewohnter Top-Down-Sicht bietet sich ein karges Bild einiger weniger Gebäude sowie ein paar Verteidigungswände. Um das zentrale Gebäude, den Core, errichtet man dann Ressourcen-Türme, die jeweils eine von drei möglichen Ressourcen abbauen. Danach gibt man noch weitere Einrichtungen wie zusätzliche Truppen-Gebäude oder Fabriken für schwere Geschütze in Auftrag. Während diese nun gebaut werden, kommt der zweite Aspekt von Abatron zum Tragen: der Supreme-Commander-Modus. Mit nur einem Knopfdruck springt man in die Haut einer Einheit aus dem eigenen Bestand und kann diese wahlweise in Third- oder First-Person-Modus steuern. Durch die Übernahme der Einheit wird diese nicht nur wesentlich größer und hält mehr aus, sondern bekommt auch ganz in MOBA-Manier spezielle Fähigkeiten freigeschaltet, die für jede Einheitenart einzigartig sind. Heiler können zum Beispiel gigantische Risse erschaffen, die Gegner hineinziehen, während die flinken, aber schwach gepanzerten Standard-Kämpfer mit Sprung- und Drehangriffen auftrumpfen.

Während also die Basis weiter aufgebaut wird, laufe ich in klassischer Shooter-Manier durch die Welt, erkunde den Standort der feindlichen Basen und beginne, meinen "Helden" aufzuleveln. Auch hier gilt: Wie in gängigen MOBAs gibt es kleinere KI-Einheiten, die die Welt bevölkern. Indem man sie bekämpft, sammelt man XP, wodurch man bis zu zehn Level aufsteigen kann. Dadurch werden neue Fähigkeiten freigeschaltet und die Eigenschaften wie Gesundheit und Rüstung verbessert. Stirbt man im Commander-Modus, bekommt man eine mit jedem Tod steigende Cooldown-Phase aufgebrummt, bis man wieder eine Einheit übernehmen darf.


AbatronAbatron
Erst Action von oben, dann mittendrin: Das Konzept gefällt.


Taktischer Anspruch und viel Gefummel



Hat man die ersten Level erklommen, dürften auch die Gebäude fertig errichtet sein. Zeit also, eine gewaltige Armee aufzubauen. Bisher gibt es eine überschaubare Liste von Einheiten, die überwiegend auf Fern- und Nahkampf ausgelegt sind. Dazu gesellen sich Spezialeinheiten wie klassische Heiler und schwere, langsame Kämpfer, die mit ihren dicken Kanonen als Artillerie im Hintergrund agieren. Da man seine Schutzwände auch mit Anti-Luft-Geschützen bestücken kann, darf man sich in Zukunft aber auch auf Flugeinheiten freuen. Sind die Aufträge für die Einheiten gesetzt, springt man so schnell wie möglich wieder in eine eigene Einheit und beginnt, Nadelstiche in der gegnerischen Basis zu setzen: Wände einreißen, KI-Minions in die Feindbasis locken, den gegnerischen Commander vernichten und Leveln unterbinden - langweilig wird es definitiv nicht.

Was hektisch klingt, ist durchaus auch so zu sehen. Gerade zu Beginn überfordert der Wechsel zwischen Einheiten- und Basiskontrolle immens, zumal die einzelnen Fähigkeiten in der Alpha-Version noch nicht einzeln vorgestellt werden. Mit der Zeit kristallisieren sich aber gewisse taktische Elemente heraus. Gerade das Taktieren vor der gegnerischen Basis und das strategische Ausspielen der KI-Kreaturen ist ein spaßiges Element, das die Aufbau-Phase stark aufwertet. Da man auch nur maximal fünf Ressourcen-Türme aufstellen kann, ist es wichtig, während des Matches immer wieder Türme gegen andere auszutauschen, um die Produktion einzelner Ressourcen je nach Einheitenbedarf anzupassen. Natürlich während man gleichzeitig noch seine eigene Armee strukturiert und im Commander-Modus den Aufbau der Armee des Gegners unterbindet.


Abatron
Schon in der Alpha weiß Abatron dank Unreal Engine und kreativem Einheitendesign zu gefallen


Reichlich Luft nach oben



Obwohl schon an vielen Stellen ein hohes taktisches Potential durchschimmert und auch die einen oder anderen eSports-Ambitionen ersichtlich sind, hat das Spiel natürlich auch noch haufenweise Baustellen, die ich trotz dem Spaß, den ich mit Abatron bisher hatte, nicht unter den Tisch fallen lassen möchte. Early Access hin oder her: Wer spielen will, muss aktuell um die 20€ auf den virtuellen Tresen knallen. Das Tutorial ist dafür sehr dürftig und gerade signifikante Elemente wie Fähigkeiten der Einheiten oder Produktionsketten bleiben weitestgehend ungeklärt. Die KI der Gegenspieler ist auch auf dem Intelligenz-Level von Brot angesiedelt, während das Leveln auf Stufe 10 momentan viel zu schnell geht und somit gerade dieses essentielle Spielelement eher zu einer redundanten Fleißaufgabe verkommt.

Auch das Management der Truppen ist momentan eine heftige Fummelei: Formationen vermisst man genauso sehr wie eine Beeinflussung des Verhaltenes eigener Einheiten. Die sind nämlich von Haus aus so aggressiv, dass sie in unbeobachteten Momenten auch mal einem feindlichen Soldaten bis ans Ende der Karte folgen, obwohl man gerade seine Armee sortieren wollte. Auch an der Präsentation muss geschraubt werden. Zwar befeuert die Unreal Engine das Spiel mit ordentlicher Grundoptik, doch gerade in der First-Person-Ansicht werden die repetitiven Animationen und Sounds der Waffen sehr schnell sehr langweilig, obwohl das Kreaturendesign wirklich abwechslungsreich und fantasievoll ausgefallen ist. Auch die bisher einzige Karte im Spiel muss dringend aufgepeppt werden, weil außer Steinen, Lava und Staub momentan nicht viel geboten wird.


Lust auf mehr



Natürlich sind viele dieser Punkte der frühen Entwicklungsphase geschuldet. Das Entwicklerstudio arbeitet hier auch sehr transparent und eng mit der Community zusammen, wodurch schon eine gute Vision für die Zukunft ersichtlich ist: Neue Rassen, neue Klassen und mehr taktische Komponenten sind ebenso angekündigt wie neue Features, die unter anderem Blueprints für die Layouts der Basis beinhalten, sowie neue Spielmodi wie zum Beispiel Capture the Flag. Auch visuell wird an neuen Skins, Planeten und Maps gearbeitet und der bisher maximal acht Spieler umfassende Multiplayer-Modus soll auf bis zu 16 Spieler gleichzeitig erweitert werden. Dazu kommen ein umfangreicher Modding-Support sowie ein Kampagnen-Modus, der die einzelnen Rassen und das Universum genauer vorstellen soll.

Aufgrund der schon jetzt vorhandenen eSports-Ambitionen der Entwickler wird man hier auch weiterhin sehr eng mit der Community am Spiel arbeiten und man kann sich sicher sein, dass hier nicht halbherzig zu Werke gegangen wird. Wer möchte, kann sich in meinem "Angespielt"-Video einen ersten Eindruck von Abatron machen.



HerrBeutel

Fazit von HerrBeutel:

Bei allem Lob und guten Ansätzen: Die W3 Studios haben mit Abatron noch einen weiten Weg vor sich. Doch bereits jetzt gefällt mir der Titel vom Konzept und der Idee her. Trotz der frühen Entwicklungsphase erkennt man in Ansätzen das gewaltige Potential, das der Action-Shooter-RTS-Mix aus Kansas mit sich bringt. Es ist von großem Vorteil, dass die Entwickler sehr eng mit der Community zusammenarbeiten und diese bereits jetzt guten Einfluss auf die weitere Reise des Titels hat. Aktuell sind die knapp 20€ ein recht hoher Invest und Vertrauensvorschuss für das, was man im Endeffekt geboten bekommt, doch die Menge an Updates, die mehr oder minder regelmäßig erscheinen, sowie die geplante Roadmap zeigen, dass hier in Zukunft einiges geboten werden wird. Ich bleibe auf jeden Fall gespannt und hoffe, dass am Ende ein guter Genre-Hybrid die Spieler begeistert und man nicht nur einer an sich guten Idee mit leider schlechter Umsetzung hinterhertrauert.


  •  
  • Entwickler:W3 Studios
  • Publisher:W3 Studios
  • Genre:RTS/Shooter-Mix
  • Plattform:PC, Mac
  • Early Access:10.03.2017
  • Release:2017

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