Puyo Puyo Tetris - Review 1

Würde ich "Wer kennt Tetris?" in die Runde fragen, gingen mit großer Wahrscheinlichkeit sofort alle Hände hoch, und nicht anders dürfte die Reaktion auf die Folgefrage sein, wer ebenjenes Tetris auch schon einmal selbst gespielt hat. Tetris ist ein Klassiker, ein zeitloses Phänomen, das sich seit 1984 quasi nicht verändert hat und heute trotzdem genauso viel Spaß macht wie damals. Aber kennt auch jemand Puyo Puyo? Mir war das Puzzle-Konzept aus Japan kein Begriff - bis jetzt. Denn mit Puyo Puyo Tetris bringt Sega die beiden zeitfressenden Serien in einem Hybriden zusammen.

Das Schöne an Spielen wie Tetris und Puyo Puyo: Beherrscht man sie einmal, verlernt man sie nicht - und kann man sie dann auch noch mitnehmen, sind sie die perfekten Begleiter für Bus, Bahn und Flugzeug. Das war jedenfalls Anlass für mich, mir Puyo Puyo Tetris für die Nintendo Switch vorzuknöpfen. Wer hätte da schon ahnen können, dass mich ausgerechnet ein Puzzlespiel wie dieses stundenlang vor den Fernseher ketten würde - selbst dann, wenn gerade kein Mitspieler zur Hand war? Dass ich teilweise bis spät in die Nacht online gegen andere Spieler antreten würde? Dass man aus diesem einfachen Konzept so viel herausholen kann? Puyo Puyo Tetris hat mich sehr positiv überrascht und wird mich noch lange Zeit beschäftigen.


Puyo Puyo Tetris
Im Modus "Swap" wechseln Tetris- und Puyo-Puyo-Spielbrett alle 30 Sekunden. In "Fusion" werden sie gar gemischt.


Sorry für die Floskel: Puyo Puyo Tetris ist wirklich das Beste beider Welten



Auf seinen absoluten Kern reduziert, geht es in Puyo Puyo Tetris entweder darum, Reihen aufzulösen, oder darum, vier oder mehr farbige Spielsteine miteinander zu verbinden, wodurch diese ebenfalls vernichtet werden. Das war's - komplizierter wird es streng genommen nicht mehr. In dieser Hinsicht sind sich Tetris und Puyo Puyo auch ziemlich ähnlich. In beiden ist es das Ziel, das Spielbrett möglichst leer zu halten, nicht zu weit nach oben zu bauen, weil ganz oben nicht der Himmel, sondern das "Game Over" wartet. Tetris brauche ich sicherlich nicht erklären und auch Puyo Puyo ist schnell verinnerlicht, wenn man es erst einmal selbst versucht hat. Der Clou ist hier, dass das Puyo-Duo, das von oben herabfällt, nicht fest miteinander verbunden ist, sodass der eine Puyo weiter fällt, wenn der andere hängenbleibt. Puyos sind, klar, die bunten Spielsteine mit den lustigen Gesichtern, vier Puyos beieinander lösen sich auf und lassen das ganze Gebilde hinabfallen, und damit sind eigentlich alle Regeln erklärt.

Freilich lassen sich die Puyos wie in Tetris drehen und so fühlen sich beide Spielvarianten irgendwie ähnlich an. Besser als mein Versuch einer Erklärung veranschaulicht es dieses Video. Aber auch im Spiel selbst werden sowohl Tetris als auch Puyo Puyo in jeweils drei Lektionen professionell erläutert und vorgespielt, sodass man natürlich nicht ins kalte Wasser geworfen wird. Auch in Sachen Tetris kann man da noch einiges dazulernen - zum Beispiel über anspruchsvollere Tricks wie T-Spin und Back-to-Back.

Das Beeindruckende an Puyo Puyo Tetris ist, was das Spiel alles aus zwei so einfachen Konzepten macht. Die Auswahl an Modi und Varianten ist wahrlich riesig: Man kann offline und online im Multiplayer mit einem bis drei Gegnern oder gar alleine den Adventure-Modus spielen, der Dutzende an Herausforderungen mit Zwischensequenzen, Dialogen und sogar einer Story (kein Witz) unterlegt. Nun sind die Geschichte wahrlich nicht spannend und das Gequieke der Charaktere auf Dauer ganz, ganz schlimm, aber alleine die Tatsache, dass man sich überhaupt die Mühe für einen solchen Modus gemacht hat, ist bemerkenswert und für die vielen verschiedenen Challenges lohnt sich das Abenteuer allemal - zumal man die Cutscenes dankbarerweise auch allesamt überspringen kann. Außerdem lernt man hier Stück für Stück sowohl Tetris als auch Puyo Puyo kennen und dank dem moderat ansteigenden Schwierigkeitsgrad und einer Bewertung von ein bis drei Sternen macht das auch richtig Spaß. Ein netter Nebeneffekt: Mit den Punkten, die man in der "Kampagne" sammelt, kann man sich im Shop zusätzliche Skins und Soundeffekte kaufen - übrigens ganz ohne Echtgeldkomponente. Und man schaltet weitere Charaktere, Musikstücke und Hintergründe frei.


Puyo Puyo TetrisPuyo Puyo Tetris
Für die Dialoge braucht man den Adventure-Modus nicht spielen, aber für die Challenges lohnt es sich sehr.


Reihen auflösen. Mal anders.



Derweil laden etliche Modi aus dem Hauptmenü dazu ein, Freunde herauszufordern oder sich an Highscores zu versuchen: Endless Tetris, Endless Puyo, Swap, Fusion, Big Bang, Party und so weiter und so fort - für Abwechslung und Vielfalt ist im Rahmen dessen, was möglich war, auf jeden Fall gesorgt. "Fusion" und "Swap" haben sich dabei schnell als meien Favoriten für den Multiplayer herauskristallisiert: In "Swap" wechseln sich Tetris- und Puyo-Puyo-Spielbrett in regelmäßigen Abständen ab, in "Fusion" treffen gar beide Spielsteintypen und Ideen auf einem einzigen Brett aufeinander. "Big Bang" testet Schnelligkeit und Präzision, indem man vorgegebene Steine so rasch wie möglich in die entsprechenden Lücken einsetzen muss, und "Party" wirft zusätzlich zu Tetris oder Puyo Puyo auch noch Items in den Raum - so kann man beim Gegner zum Beispiel bis auf einen schmalen Lichtkegel alles verdunkeln, ihm das Drehen der Steine verbieten oder bei sich selbst nur 1x1-Blöcke herabfallen lassen. Alle diese Modi und noch einige mehr gibt es auch online und auch wenn nicht alle gleich spaßig sind ("Big Bang" wirkt überflüssig), ist der Spaßfaktor irrsinnig hoch und noch eine Runde geht bekanntlich immer - auch wenn es dann mal später werden kann als geplant. Einzig ein kompetitiver Sprint-Modus á la "Löse 40 Reihen auf, bevor es dein Gegner tut" fehlt mir im Repertoire und hätte die leere Stelle im Battle-Menü adäquat ausfüllen können. Vielleicht wird das ja per Patch nachgereicht.

Und natürlich ist gerade die Nintendo Switch prädestiniert für ein Spiel wie Puyo Puyo Tetris: Egal ob man unterwegs eine Runde zockt oder zuhause jedem Spieler einen Joy-Con in die Hand drückt und selbst zum Pro Controller greift - sowohl Hardware als auch Software eignen sich perfekt dafür, überall und jederzeit alleine oder unterwegs eine Runde Tetris oder Puyo Puyo zu spielen. Falls ich mich übrigens für eines der beiden Spiele entscheiden müsste, würde ich nach wie vor Tetris wählen - der Klassiker ist einfach unkaputtbar und jeder versteht sofort, worum es geht, während man Puyo Puyo erst in ein paar Minuten erklären und lernen muss. Aber, und das möchte ich hier noch einmal extra betonen, in Sachen Tiefe und Spielspaß steht Puyo Puyo dem in nichts nach. Es wäre verwerflich und schade, das Paket einfach nur auf Tetris zu reduzieren.



Tim

Fazit von Tim:

Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie langlebig und unkaputtbar das Prinzip Tetris doch ist. Völlig egal, wie viele hundert Stunden ich schon damit verbracht habe, Blöcke zu drehen, einzusetzen und so möglichst viele Reihen am Stück aufzulösen - es wird einfach nicht langweilig. Und Puyo Puyo steht dem tatsächlich in fast nichts nach, ist eher noch komplizierter bzw. tiefgründiger - hier gibt es mehr und komplexere Strategien und die Möglichkeit, bis zu 8 Puyos auf einmal aufzulösen, verleiht dem Bauen der Spielsteingebilde sogar einen leichten taktischen Touch. Puyo Puyo Tetris ist ein Zeitfresser sondergleichen, wenn man dem Puzzle-Konzept auch nur ein klein wenig abgewinnen kann. Besonders gefreut habe ich mich über den coolen Adventure-Modus und die vielen verschiedenen Einzel- und Mehrspielermodi sowie "Fusion" und "Swap". Puyo Puyo Tetris ist nicht einfach nur eine Sammlung von Tetris- und Puyo-Puyo-Modi, sondern auch ein Hybrid, und das Spiel verbindet, auch wenn die Floskel billig erscheint, wahrlich das Beste beider Welten.

Egal ob alleine oder mit Freunden, zuhause oder unterwegs, Tetris oder Puyo Puyo: Mit diesem wunderbaren Crossover kommen Puzzle-Freunde auf jeden Fall auf ihre Kosten. Viel mehr kann man mit dieser Formel kaum machen.

Besonders gut finde ich ...
  • Tetris und Puyo Puyo einzeln oder fusioniert spielbar
  • zeitlose Puzzle-Konzepte machen immer noch viel Spaß
  • jede Menge Spielmodi für Einzel- und Mehrspieler
  • Online-MP wahlweise als Rangkampf oder "just for fun"
  • cooler Adventure-Modus mit ausgefallenen Challenges
  • viele Skins, Musikstücke und Charaktere freischaltbar
  • Tutorials in drei Stufen für Neulinge und Veteranen
  • Marathon-Quickplay-Funktion vom Titelbildschirm aus
  • eignet sich perfekt für eine Runde unterwegs (Switch)
Nicht so optimal ...
  • nervtötendes Gequieke der Charaktere (v.a. Dialoge)
  • Texte nur auf Englisch, keine deutsche Übersetzung
  • kein kompetitiver Sprint-Modus vorhanden

Tim hat Puyo Puyo Tetris auf der Nintendo Switch gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Deep Silver zur Verfügung gestellt.

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  • Entwickler:Sega
  • Publisher:Deep Silver
  • Genre:Puzzle
  • Plattform:PS4, Switch
  • Release:28.04.2017

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  • DarkRaziel
    #1 | 13. Mai 2017 um 12:37 Uhr
    Aber keine 40 Euro werd auf der Switch zumal die PS4 standardmäßig 10 Euro weniger kostet.
    Nintendo sollte wirklich mal ihre Preispolitik überdenken   

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