Little Nightmares - Review 5

Das Debütwerk der schwedischen Tarsier Studios hat in den vergangenen Monaten häufig von sich reden gemacht, zuletzt sogar den Indie-Award auf der gamescom abgeräumt. Auch bei mir katapultierte sich Little Nightmares, die düstere Variante von Unravel, gleich nach seiner Ankündigung unweigerlich auf die Wunschliste. Während Yarny noch immer darauf wartet, dass ich ihn durch die Gefahren Nordschwedens manövriere, habe ich das Abenteuer mit der kleinen Six bereits beendet.

In der Rolle von Six erwachen wir zu Beginn plötzlich aus einem ungemütlichen Traum an einem noch ungemütlicheren Schlafplatz. Der karge, dunkle Raum wirkt wie ein feuchtes Gefängnis und versprüht eine beängstigende Atmosphäre. Das kleine Mädchen in ihrem gelben Regenmantel passt nicht so recht in dieses Szenario, daher entschließe ich mich auch intuitiv, die Flucht zu ergreifen. Six hat außer ihrem Regenschutz, der mit seiner übergroßen Kapuze auch ihr Gesicht verdeckt, augenscheinlich nichts weiter am Leib. Einzig ein Feuerzeug kann die Kleine zur Hilfe nehmen, um die vielen düsteren Ecken auszuleuchten oder spärlich verteilte Lampen zu entzünden. Die Atmosphäre in Little Nightmares packt mich vom Start weg, auch weil die akustische Untermalung die bedrohliche Stimmung wunderbar einfängt.


Little Nightmares
Die packend düstere Atmosphäre ist ein großer Pluspunkt des Spiels.


Egal wo wir hier sind, wir müssen hier weg!



Ganz ähnlich wie Playdead Games mit Limbo oder Inside lassen euch auch die schwedischen Entwickler im Hinblick auf die Hintergrundgeschichte im Unklaren und werden im Verlauf des Spiels auf jegliche Erklärung oder gar Sprache verzichten. Lediglich die Spielbeschreibung auf der Verpackung bzw. im jeweiligen Online-Shop verrät ein paar wenige Einzelheiten. Stelle dich deinen Kindheitsängsten - das ist die kurze, spoilerfreie Zusammenfassung. Und getreu dieses Mottos führt mich Little Nightmares in einer rund zwei- bis vierstündigen Puzzle-Tour durch unterschiedliche Räumlichkeiten eines Schiffes, das von schaurigen Figuren bevölkert wird.

Die Spielmechanik und die Abläufe bleiben im Grunde bis zum finalen Schauplatz ähnlich: Finde den Weg zum Vorankommen, vermeide jeglichen Kontakt und verschwinde. Daher spielt sich Little Nightmares in weiten Teilen wie ein Stealth-Puzzler. Mit dem Blick aus Kinderaugen wirken sowohl die Umgebung als auch die ominösen Figuren überdimensioniert, wodurch sich Vor- und Nachteile ergeben. Schubladen, Koffer und Stühle dienen uns als Kletterhilfen, während dunkle Ecken und Nischen ideale Verstecke darstellen. Die spielerischen Freiheiten sind jedoch weitestgehend eingeschränkt, da jedes Rätsel nur eine Lösung bereithält.


Little NightmaresLittle Nightmares
Die kleine Six in Aktion - Hilfsmittel beschaffen und vor bösen Menschen verstecken.


Meuterei auf dem Fleischkutter



Als exemplarisches Beispiel soll hier ein Ausschnitt aus der Demo dienen, der bereits in einem offiziellen Gameplay-Video vorgestellt wurde und daher kaum etwas vorwegnimmt. Ich befinde mich mit Six in der Küche des schwimmenden Gefängnisses, in der ein äußerst hässlicher Zeitgenosse mit der Zubereitung von Fleisch beschäftigt ist. Sein Schnaufen und das scharfe Hackebeil sind beängstigend genug, damit ich mit äußerster Vorsicht vorgehe. Langsam durch eine Luke schlüpfen, hurtig auf leisen Sohlen unter dem Tisch zum anderen Ende des Raumes tippeln, schon habe ich Six im Hauptraum der Küche platziert.

Aus sicherer Position beobachte ich den gruseligen Koch, versuche mir sein Handeln und seine Laufwege einzuprägen. Jetzt nur keinen Fehler machen. Gerade als ich elegant unter den Küchentisch rutsche und bereits den Durchgang zum nächsten Raum erblickt habe, höre ich einen lauten, unheimlichen Schrei. Der Koch hat etwas bemerkt und nähert sich stampfenden Schrittes. Mist! Ich husche unter einen nahegelegenen Küchenschrank, warte zusammengekauert in der dunkelsten Ecke auf mein Schicksal. Doch Intelligenz wird auf diesem Kutter scheinbar nicht serviert. Ich bleibe unentdeckt, baue mir im Kühlraum nebenan eine Wurstkette und verabschiede mich schwungvoll aus diesem Abschnitt. Mein Tipp: Wer alles richtig machen will, wirft bei dieser Gelegenheit gleich noch ein paar Lebensmittel in den brodelnden Kochtopf.

Neben derlei Versteckspielchen bieten die insgesamt fünf Kapitel noch Puzzleaufgaben mit bekannten Elementen sowie kleinere Sammelgegenstände. Geisha-Figuren aus Porzellan zum Beispiel, die es zu zerschmettern gilt, sowie Lampen und Kerzen, die wir mit unserem Feuerzeug entzünden können. Außerdem wuseln hier und da kleine Wichtel umher, die noch kleiner als Six sind und scheinbar auch noch verängstigter. Eine sanfte Umarmung derselbigen versprüht wenigstens ein wenig Wärme an diesem sonst so trostlosen Ort.


Little NightmaresLittle Nightmares
Der düstere Grundton der Schauplätze trägt zur Spannung bei und erinnert an Inside.


Am Ende eines Traums



Die düster gehaltenen Szenen bieten verhältnismäßig wenig Abwechslung, sind aber dennoch liebevoll gestaltet. Vor allem die Atmosphäre, welche durch zahlreiche Details intensiviert wird, verfehlt ihre packende Wirkung zu keinem Zeitpunkt. Auch die Animationen mit ihren Licht- und Schatteneffekten sowie das kindlich schwache Agieren von Six wirken authentisch und überzeugend. Dass die Tarsier Studios das Geschehen und die Geschichte im Spiel nicht näher erklären, mag vermutlich gewollt sein. Schließlich spielen Kinder gerne mit ihrer Fantasie. Der böse Mann aus dem Schrank, die vielen fetten Monster und andere Dinge, die einem in Little Nightmares begegnen, ließen sich so auch erklären. Das zunehmend verstörende Verhalten unserer kleinen Protagonistin und "das große Fressen" als omnipräsentes Kernthema allerdings eher weniger.

Als kurzweiliges, solides Abenteuer kann ich Little Nightmares dennoch weiterempfehlen, sofern man auf Spiele wie zum Beispiel Inside steht. Sicherlich wäre beim Thema Kindheitsängste mehr drin gewesen und auch bei den Puzzles hätten die Tarsier Studios in punkto Herausforderung noch einen Zacken zulegen können, auch wenn manche Stellen nicht offensichtlich sind und zum "Trial und Error" verleiten. Die Spielzeit ist mit 2-4 Stunden sehr überschaubar und kurz gehalten, dafür aber nicht zuletzt aufgrund der guten Atmosphäre auch ein rundes Erlebnis. Achievement- und Trophy-Jäger dürfen sich zudem auf einen fehlerfreien Run vorbereiten, der innerhalb einer Stunde absolviert werden muss.



Kithaitaa

Fazit von Kithaitaa:

Das ursprünglich als "Hunger" angekündigte Debütwerk der spanischen Tarsier Studios hat mir durchaus Spaß gemacht. Dennoch habe ich aufgrund der im Vorfeld aufgebauten Spannung etwas mehr erwartet. Dass die Entwickler die Hintergrundgeschichte und viele Fragen im Spiel nicht näher erläutern, könnte beabsichtigt sein, schließlich soll man sich seinen Kindheitsängsten stellen und die Fantasie spielen lassen. Ein paar Antworten hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Immerhin empfand ich das Ende als weniger verstörend als den letzten Abschnitt aus Inside. Insbesondere bei der Atmosphäre, den skurrilen Figuren und schaurigen Schauplätzen, dem Zusammenspiel zwischen Licht und Schatten sowie der musikalischen Untermalung kann das kurzweilige Abenteuer punkten. Es wäre schön, mehr von Six und ihrer Geschichte erfahren zu können.

Little Nightmares appelliert an eure kindliche Fantasie, inbesondere die düsteren Kindheitsängste. Ein solides, kurzweiliges Puzzle-Abenteuer für zwischendurch, das ihr in 2-4 Stunden absolvieren könnt und welches gewohnte Puzzlekost mit einer tollen Atmosphäre verbindet. Am Ende der Reise bleiben viele Fragen unbeantwortet, dennoch hinterlässt das Spiel ein gutes Gefühl und bleibt im Gedächtnis.

Besonders gut finde ich ...
  • spannend düstere Atmosphäre
  • tolle Animationen (Six)
  • stimmige Sounduntermalung
  • kurzweiliges Spielerlebnis
Nicht so optimal ...
  • offene Storyfragen
  • überschaubarer Schwierigkeitsgrad, gewohnte Puzzlekost
  • recht kurze Spielzeit (2-4 Stunden)

Kithaitaa hat Little Nightmares auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Bandai Namco Entertainment zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Tarsier Studios
  • Publisher:Bandai Namco Games
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:28.04.2017

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: ATeC, ... und 4 Gästen.

Name:*
E-Mail (wird nicht angezeigt):*
Eigene Homepage (optional):
Dein Kommentar:*
              
Antispam:*
 
Captcha