Super Mario Odyssey - Preview 4

Einer der Höhepunkte der E3 2017 stammte von Nintendo. Und ähnlich wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild im Vorjahr ist auch Nintendos diesjähriger Vorzeige-Titel eine Abkehr von festgetretenen Pfaden, gewissermaßen ein Schritt in eine neue (alte) Richtung. Super Mario Odyssey orientiert sich erstmals seit über 15 Jahren, also seit Sunshine für den GameCube, wieder an Super Mario 64 und wechselt damit von einem level-basierten, linearen Jump'n'Run zu einem explorativen Platformer mit großen Welten und zahlreichen Geheimnissen. Auf dem Nintendo Post-E3-Event in Frankfurt durften Jari und ich mit Mario und Cappy erste Monde und Eindrücke sammeln.

Mario ist Mario, sagt man gerne. Aber Mario-Spiel ist nicht gleich Mario-Spiel - das merkt man schon beim Vergleich zwischen Super Mario Galaxy und Super Mario 3D World, aber noch deutlicher spürt man es, wenn man nach dem Spielen eines beliebigen Teils der letzten 15 Jahre zum ersten Mal die Joy-Con in die Hand nimmt und erste Schritte in Super Mario Odyssey für die Nintendo Switch wagt. Odyssey wirkt von der ersten Minuten an viel größer und viel offener, Mario steuert sich anders und hat komplett andere Fähigkeiten und Sprungtechniken, selbst optisch ist sofort erkennbar, dass das hier eine andere Art von Spiel ist als die, die sich in den letzten Jahren etabliert hat. Lässt man die Serienhistorie seit dem Wii-Launch Revue passieren, fällt auf, dass Mario-Levels immer "enger" wurden, immer linearer, selbst die Oberwelt, einst noch so präsent und beliebt, wurde über kurz oder lang zu einer schnöden Weltkarte minimiert. Jetzt ist in Super Mario Odyssey plötzlich wieder alles anders. Und gemessen an den 40 Minuten, die ich das Spiel bei Nintendo in Frankfurt anzocken durfte, war das eine sehr gute Entscheidung, denn schon lange hat sich kein Mario-Spiel mehr so erfrischend anders und risikofreudig angefühlt wie dieses hier.


Super Mario Odyssey
Die Hochzeit zwischen Bowser und Peach steht vor der Tür und Mario muss sich beeilen, das noch zu verhindern.


Powermonde in New Donk City und im Königreich des Sandes



Zwei Welten standen in der Demo zur Auswahl - wie viele es am Ende sein werden, ist noch nicht bekannt, aber sechs sind auf jeden Fall schon bestätigt. Ich habe mir zuerst das Sand Kingdom angeschaut, eine weitläufige Wüstenwelt mit auf dem Kopf stehenden Pyramiden, lila leuchtenden Giftsümpfen, vereinzelten Eiskristallen und einer Portion mexikanischem Flair: Schon wenige Schritte nach dem Startpunkt tanzen Skelette mit Sombreros und Mariachis, Mario kann sich sogar selbst einen Poncho überstreifen. Die Demo war pro Spielsitzung auf zehn Minuten beschränkt, also zögerte ich nicht lange und machte mich auf in die erstaunlich große weite Wüstenlandschaft, in der es weit mehr zu sehen und zu entdecken gab, als in den zehn Minuten möglich war. Zunächst verschlug es mich auf einen hohen Turm in der Mitte des Levels, wobei das Spiel mich zum Erkraxeln in die zweite Dimension schickte und ich Mario á la The Legend of Zelda: A Link Between Worlds als 2D-Gemälde entlang des Turmes navigieren musste - das war schon einmal ziemlich cool und nur ein Beispiel für die vielen Spielereien und den Abwechslungsreichtum, den Odyssey verspricht. Am Gipfel des Turmes wartete nicht nur der erste Powerstern Mond, sondern auch ein guter Ausguck, um den Rest der Wüste zu inspizieren. Und da gab es viel zu sehen: die auf dem Kopf stehende Pyramide etwa, deren Pforte in einen eigenen Platform-Parcours führt; den lila Giftsumpf, um den merkwürdige Steinstatuen mit Sonnenbrillen herumlaufen; und irgendwo in der Distanz stand sogar ein Mensch (!) mit einem eingefrorenen Taxi herum.

Was es mit all dem auf sich hat, konnte ich mangels Zeit noch nicht herausfinden, aber hinter fast allem verbirgt sich eine kleine oder große Mission, ein eigenes kleines Level, ein Laybrinth, ein Puzzle, in jedem Fall aber ein weiterer Mond, den Mario später brauchen wird, um das Luftschiff, die Odyssey, in entferntere Welten zu steuern. Ein nettes Detail am Rande: Mit Super Mario Odyssey ist die Serie "Sonne, Mond und Sterne" nun abgeschlossen, denn während man in Super Mario 64 noch Powersterne und auf der Delfino-Insel in Super Mario Sunshine Sonnen gesammelt hat, sind jetzt bekanntlich Monde das Objekt der Begierde.


Super Mario OdysseySuper Mario Odyssey
Mario kann in verschiedene Kostüme schlüpfen, seine Mütze werfen und sich in eine Pixel-Version verwandeln.


Hut ab!



Ich will gar nicht zu sehr auf die vielen kleinen Geheimnisse eingehen, die sich in den Demo-Welten versteckten, denn gerade das ist ja der große Reiz an Super Mario Odyssey: die Dinge selbst herauszufinden. New Donk City, die zweite Demo-Welt, stand dem Sand Kingdom in der Hinsicht auch in kaum etwas nach, hatte aber vielleicht unter dem Strich meiner bisherigen Einschätzung nach die interessanteren und anspruchsvolleren Platforming-Parcours. Unter anderem führte mich mein Weg dort durch das Rathaus, eine Baustelle hinauf, über Kräne und Stromleitungen (wobei sich Mario hierfür in eine Art "Stromkugel" verwandelt) - und in einem grünen Park konnte ich einen Mond erobern, indem ich beim Seilhüpfen die 30er-Marke geknackt habe. Man findet überall Monde, was etwas an die Pagies aus Yooka-Laylee erinnert, hier aber etwas besser in die Welt eingebettet scheint. Dadurch dass es keine "Quest-Übersicht" gibt, wird die Erkundungsfreude auch nochmal gepusht. Es sieht jedenfalls sehr danach aus, als ob dieses neue 3D-Mario das Zeug dazu hat, in die großen Fußstapfen von 64 zu treten, denn bislang versprechen die Welten tatsächlich viele Geheimnisse und vor allem auch eine große Vielfalt. Und über die Liebe zum Detail kann man sich ohnehin nicht beschweren: Die Übersichtskarte für jede Welt ist etwa einem Reiseführer nachempfunden, in dem interessante Spots und Sehenswürdigkeiten hervorgehoben sind. Da die Welten relativ groß ausfallen, gibt es sogar eine Schnellreise-Funktion zu bereits aktivierten Flaggen - ein Novum für ein Mario-Spiel und symbolisch für den neuen Ansatz.

Genug der Beispiele, den Rest dürft ihr im Oktober selbst herausfinden. Stattdessen möchte ich lieber kurz beschreiben, wie sich Super Mario Odyssey denn tatsächlich spielt. Marios Moveset etwa ist viel, viel größer als in Galaxy oder 3D World: Mario kann nun einen Hechtsprung aus der Luft starten, kann sich zu einer Kugel zusammenrollen, in mehreren Tempostufen sprinten, kann klettern und natürlich seine Mütze werfen - und das in verschiedenen Richtungen und Wurftechniken. Man kann die Mütze in einem Kreis um sich werfen, geradeaus nach vorne oder auch nach oben. Hält man die Taste gedrückt, bleibt die Mütze an Ort und Stelle und wird zu einer zusätzlichen Hüpfplattform - das ist sehr praktisch für große Abgründe. Und besonders cool ist, dass man mit "Cappy" auch Besitz von Gegnern und Objekten ergreifen, sich quasi in sie verwandeln kann - so wächst einem Gumba oder Bullet Bill plötzlich ein Schnauzer und man bewegt sich dann als das jeweilige Verwandlungsobjekt weiter fort. Das Leveldesign spielt überall mit diesen Möglichkeiten und so fühlt sich Mario Odyssey trotz des gewohnt exquisiten Platformings nach etwas ganz Neuem, herrlich Ungewohntem an. Später wird man, wie im E3-Trailer angedeutet, in einer prähistorischen Dschungel-Welt auch in die Haut eines riesigen T-Rex schlüpfen können - alleine dafür muss man dieses Spiel schon mögen!


Super Mario Odyssey
Will man in New Donk City Wolkenkratzer erklimmen, bewegt sich Mario einfach an einer Stromleitung entlang.


Kreativität ja - aber um jeden Preis?



Trotz aller Vorfreude muss ich aber auch anmerken, dass es durchaus Dinge an Super Mario Odyssey gibt, die mir noch nicht so recht zusagen bzw. bei denen ich mir noch etwas Sorgen mache. Die Technik, auf der das Spiel fußt, ist eines davon. Sicher sind die Welten jetzt größer, die Möglichkeiten vielfältiger, aber rein optisch hat mich das Spiel bisher nicht überzeugen können. Im Vergleich zu 3D World ist es weitaus weniger organisch, stellenweise beißen sich die verschiedenen grafischen Stile und Elemente extrem - was einerseits natürlich für die Kreativität und die neue Risikofreude spricht, andererseits aber auch "unsauber" wirkt, gerade wenn man sich New Donk City anschaut. Die NPCs, die dort herumstehen, blieben in der Demo unbeweglich an Ort und Stelle und geben gerade einmal einen kurzen Textfetzen von sich. Ob das in 2017 noch so zeitgemäß ist?

Und dann wäre da noch die Sache mit Cappy und der Steuerung: Da man Cappy in verschiedene Richtungen werfen kann, muss man den Analogstick entsprechend bewegen, für einen kreisrunden Wurf sogar einmal um 360° drehen - das fühlt sich nicht ganz so präzise an und sogar noch unangenehmer als das Schütteln der Controller, wenn man mit getrennten Joy-Con spielt. Vielleicht ist das aber auch nur eine Sache von Übung und Gewohnheit. Bislang hat mich noch kein Mario in Sachen Steuerung vor Probleme gestellt und ich hoffe sehr, dass das so bleibt. Immerhin darf man alternativ auch zum Pro Controller greifen.



Tim

Fazit von Tim:

Super Mario Odyssey ist überraschend anders und spielt sich erwartungsgemäß hervorragend. Nach The Legend of Zelda hat sich Nintendo also auch seiner zweiten ruhmreichen Hausmarke angenommen und sie umgekrempelt, gewissermaßen auf den Kopf gestellt: Aus dem engen Levelkorsett der letzten 15 Jahre werden wieder große und offene Welten, es geht nicht mehr nur um punktgenaues Platforming, sondern auch um Erkundung und Auskundschaften weitläufiger Umgebungen voller Geheimnisse und Aktivitäten. Die zwei Welten, die ich in Frankfurt ausprobieren durfte, versprachen jedenfalls schon einen hohen Grad an Kreativität und Abwechslungsreichtum und ich bin zuversichtlich, dass Nintendo die besten Ideen und Levels wie gewohnt noch zurückhält und uns bislang nur einen kleinen Einblick in das gewährt hat, was wirklich hinter Super Mario Odyssey steckt. Vor allem die Möglichkeit, sich in andere Objekte verwandeln zu können, bietet viel Potential für vielfältige Herausforderungen - genannt sei da etwa ein Labyrinth, durch das ich einen Bullet Bill mit Mütze und Schnauzer steuern musste, wobei jeglicher Kontakt mit Wänden tödlich ausging.

Noch bin ich mir nicht sicher, ob mir Odyssey auch das liefern kann, was ich an den Mario-Spielen der vergangenen Jahre so mochte, und das sind anspruchsvolle Platforming-Parcours - denn die gehen gefühlt in den weitläufigen Welten zugunsten der Erkundung etwas unter. Aber Odyssey ist eben auch ein ganz anderes Spiel als es Galaxy, 3D World & Co. noch waren, und fühlt sich entsprechend ungewohnt an. Ich freue mich jedenfalls ungemein darauf, mit Mario und Cappy um die Erdkugel zu reisen, Powermonde zu sammeln und selbst herauszufinden, wie viele Geheimnisse wirklich in den kunterbunten Welten stecken. Am 27. Oktober geht es los und bislang stehen die Zeichen gut, dass neben Zelda noch ein weiteres Nintendo-Spiel um einen Platz in meinen Top 3 des Spielejahres kämpfen wird. Switch-Besitzer dürfen sich jedenfalls auf ein weiteres Highlight freuen.


Jari

Fazit von Jari:

Ich bin zwar nicht der größte Mario-Experte dieses Planeten, aber nachdem ich in Frankfurt jeweils 20 Minuten einen mexikanisch angehauchten Level und die Straßenschluchten New Donk Citys des im Oktober erscheinenden Super Mario Odyssey erforschen durfte, wurde auch mir schnell klar, dass Nintendo einer bereits schon immer experimentierfreudigen Serie eine weitere Innovations-Spritze verpasst hat. Es klingt zwar abgedroschen, aber es ist sicherlich nicht falsch, dass oftmals zitierte Ideen-Feuerwerk zu bemühen, das Nintendo ein ums andere Mal abfeuert, um das wertvollste Pferd im Stall frisch zu halten. Da ich mich zunächst an die ungewohnte Joy-Con-Steuerung gewöhnen musste, habe ich nur ein Bruchteil dessen gesehen, was bereits in der Demo möglich war.

Vom Gameplay einmal abgesehen, ist mein persönlicher Favorit allerdings der unglaublich ohrwurmige Titel-Track „Jump Up, Super Star“. Den hätte ich am liebsten in einer Dauerschleife gehört (aber wofür gibt es schließlich YouTube). Davon einmal abgesehen macht es einfach Laune, die Mütze wie einen Bumerang einzusetzen oder sich in eine Rakete mit Schnauzbart (!) zu verwandeln. Die Retro-Stages hat ja mein Kollege Tim bereits erwähnt. Auch das hat Charme und schlägt eine Brücke zwischen dem reichhaltigen Erbe der Serie und der Gegenwart. Was mir auch gefallen hat: In New Donk City kann ich mich auf eine Vespa schwingen und in GTA-Manier die Nachbarschaft unsicher machen. Das Motorgeräusch hatte für mich einen sehr satten und auch authentischen Sound. Und dies war nur ein klitzekleiner Ausschnitt dessen, was uns im fertigen Spiel erwartet. Mehr davon!


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  • Entwickler:Nintendo
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Jump'n'Run
  • Plattform:Switch
  • Release:27.10.2017

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