WipEout: Omega Collection - Review 1

Ihr seid absolut schwindelfrei und lasst auf der Autobahn alle anderen im Rückspiegel verschwinden? Idealerweise habt ihr auch noch den Weltraum-Tauglichkeitstest der NASA im Schlaf überstanden? Dann solltet ihr euch die WipEout: Omega Collection genauer anschauen. Nach dem herausragenden Debüt im Jahre 1995 entführt euch diese Collection zurück zu den Wurzeln und unterstreicht außerdem eindrucksvoll, warum es unbedingt einer Fortsetzung der Rennspiel-Reihe bedarf.

Welcher kleine Junge hat nicht davon geträumt? Rasante Rennen mit Hochgeschwindigkeits-Gleitern, die jenseits der 1000km/h-Marke unterwegs sind. Obendrauf gibt es dann noch verdammt geile Waffen, die im Mario-Kart-Style dafür sorgen, dass das Feld ordentlich durchgemischt wird. Sony ist im Jahre 1995, dem Geburtsjahr der ersten PlayStation in Europa, direkt ein Coup gelungen: Mit dem ersten WipEout hat man nicht nur eine ganze Generation Zocker angesprochen, sondern den Grundstein für eine herausragende Rennserie geschaffen, deren Strahlkraft heute scheinbar verblasst ist. Zeit, das zu ändern. Deshalb rufen die Macher die Marke mit der Omega Collection heute wieder in die Köpfe der Spielerschaft und sorgen für ein Erlebnis, welches nicht einmal die geistigen Nachfolger Redout oder Fast RMX erreichen.


WipEout: Omega Collection
Erbarmungslose Kämpfe und hohe Geschwindigkeiten bei dröhnenden Techno-Beats: Dafür steht die WipEout-Serie.


Gigantischer Umfang



Mit der Power der PlayStation 4 ist es nun endlich möglich, die Serie so zu präsentieren, wie sie wohl schon 1995 auf den Konzeptbildern ausgesehen hat. Grund genug also, ein Gesamtpaket zu schnüren, das neben WipEout 2048, welches bisher nur für die PlayStation Vita erschienen ist, auch den HD-Klassiker inklusive Fury-Erweiterung beinhaltet. Dieser ist zwar schon fast zehn Jahre alt, bietet aber heute noch genug Unterhaltung, auch wenn man ihm trotz seines futuristischeren Settings anmerkt, dass er ursprünglich zur frühen Zeit der PlayStation 3 erschienen ist.

Jeder Ableger ist über sein eigenes Menü anwählbar - dies führt leider dazu, dass in einer Online-Lobby immer wieder der Titel gewechselt werden muss. Ein übergreifendes Menü wäre hier wünschenswert gewesen. Ansonsten konzentriert sich die Collection auf die pure Inszenierung der Action: Es gibt keine Story, keine Zwischensequenzen - nur eine Aneinanderreihung verschiedener Events und in verschiedenen Klassen. Während insbesondere zu Beginn die Rennen lächerlich leicht sind, steigt der Schwierigkeitsgrad und damit die Lernkurve von Mal zu Mal enorm. Schlussendlich wird eine perfekte Streckenkenntnis vorausgesetzt, um das geforderte Mindestziel zu erreichen.


Die Qual der Wahl



Darüber hinaus werde ich immer wieder gezwungen, mir selbst die Frage zu beantworten, ob ich jetzt lieber das Speedpad am Boden nutze oder mich doch für die enorme Feuerkraft einer Plasma-Kanone entscheide. Ohnehin verzeiht WipEout später kaum Fehler und verfügt nicht über die klassische Gummiband-KI, weshalb jeder noch so kleine Crash das Ende bedeuten kann. Ferner ist die Wahl des richtigen Gleiters für die gegebenen Streckenverhältnisse entscheidend. Diese werden nach Abschluss eines Rennens freigeschaltet und bieten oft eine passende Alternative. Die Möglichkeit, den Gleiter nach Belieben optisch oder leistungstechnisch anzupassen, gibt es nicht - vermisse ich hier aber auch nicht wirklich.

Wenn die Wahl auf einen von insgesamt 26 Gleitern gefallen ist, darf ich mich im Karrieremodus über eine Vielzahl verschiedener Modi freuen. Neben den klassischen Platzierungsrennen, in denen selbstredend nur der erste Platz zählt, sind mir die Zonenrennen recht schnell ans Herz gewachsen. Ohne andere Mitspieler und ohne gewaltige Feuerkraft geht es hier nur darum, mit einem immer schneller werdenden Gleiter die vorgegebene Strecke zu passieren. Mit jedem Crash wird dem Renngefährt Energie entzogen - bis schlussendlich das Unvermeidbare folgt. Dieses Konzept erinnert sehr an Race the Sun und motiviert allein schon für Stunden auf der Jagd nach immer höheren Highscores. Begleitet werden diese nervenaufreibenden Sessions von psychedelischen Farben, die sich je nach Fortkommen immer wieder verändern und schon mal für einen extremen Grünstich auf dem Monitor sorgen können. Sicherlich gewöhnungsbedürftig und nicht für jedermann, werten diese Rennen die Karriere merklich auf und brechen etwas die Monotonie auf, die durch das simple Abklappern der Rennen durchaus entstehen kann.


WipEout: Omega Collection
WipEout 2048 spielt in der Zeitlinie etwa 150 Jahre vor Fury.


Ein Leben am Limit



Für Chaos und Adrenalinschübe sorgen indes die Kampfrennen, in denen pausenlos mit hartem Waffenarsenal um sich geschossen wird. Ähnlich dem blauen Panzer in Mario Kart kann hier die sogenannte "Welle" dafür sorgen, dass aus dem Führenden schnell mal der Letztplatzierte wird. Wie im PlayStation-Klassiker entscheiden der richtig getimte Einsatz und das Quäntchen Glück über Sieg oder Niederlage. Nicht selten habe ich bis zur letzten Sekunde mit der KI um die Führung gekämpft und mir heftige Duelle geliefert. Hat es dann doch mal nicht gereicht, konnte ich über die komfortable Option einer Rennwiederholung ohne Verlust der vorangegangenen Erfolge einen erneuten Versuch wagen.

Eindrucksvoll ist auch das Streckendesign, welches bei allen Spielen wie aus einem Guss wirkt: Ich fliege in schwindelerregender Geschwindigkeit durch neonbeleuchtete Häuserschluchten und in WipEout 2048 mache ich sogar Bekanntschaft mit einem Grasabschnitt, der auf coole Art und Weise die Entstehungsgeschichte des Sports zeigt, der in Fury seinen Höhepunkt erlebt. Die Rennen wirken absolut zeitlos und spätestens dann, wenn die Beherrschung der Luftbremse sitzt, mit der man selbst durch die engsten Kurven mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen kann, findet man sich selbst in einer Suchtspirale gefangen.


WipEout: Omega Collection
Die Zonenrennen brechen mit ihren Reizen gekonnt das Eis zwischen dem schnöden Karrierealltag.


4K-Gaming auf hohem Niveau



Musikalisch untermalt werden die Rennen von einer hochkarätigen Playlist, die von den Chemical Brothers bis zu The Prodigy reicht. Durch die Symbiose mit den restlichen Sounds und dem Surren der Gleiter entsteht ein fantastisches Soundspektakel, welches die heimische Wohnzimmeranlage zum Dröhnen bringt. Gefesselt wird man außerdem durch den wunderschönen Stil der Strecken, den enormen Weitblick - insbesondere bei WipEout 2048 - und die immer stabile Bildrate. Wer eine PlayStation 4 in der Pro-Edition sein Eigenen nennt, kann mit der Deaktivierung des Blur-Effekts die umwerfende Kulisse sogar in 4K und butterweichen 60 Bilder pro Sekunde genießen. Sony hat hier ganze Arbeit geleistet und insbesondere den Vita-Ableger derart aufpoliert, dass man ihm seine Herkunft kaum anmerkt. Die Integration des Splitscreens für zwei Spieler sorgt außerdem noch für heimischen Koop-Spaß, auch wenn leider die Möglichkeit fehlt, die Karriere gemeinsam zu bestreiten.



Predator

Fazit von Predator:

Der Zauber von einst ist zwar etwas verflogen, aber noch heute begeistert das Spielkonzept enorm, weshalb nicht nur ich mir einen weiteren vollwertigen Ableger erhoffe, der mich zurück in die futuristischen Welten der Rennserie befördert. Wie Sony das nach der Schließung des Studios Liverpool allerdings anstellen möchte, steht wohl noch in den Sternen. Trotzdem ist das Remaster ist durchweg gelungen und bietet allen, die den Vita-Ableger verpasst haben, ein gutes und vor allem einzigartiges Rennerlebnis, welches über Stunden zu unterhalten weiß.

Die Zonen- und Kampfrennen bringen Abwechslung beim Abklappern der Events und das Freischalten der verschiedenen Gleiter sorgt schnell für eine Suchtspirale. Dennoch ist die Collection sehr speziell: Nicht jeder, der Rennspiele mag, wird mit dem Konzept der furchtbar schnellen Gleiter zurechtkommen oder daran Gefallen finden. Man muss schon der Typ sein und Ausdauer beweisen, denn insbesondere nach dem recht leichten Beginn kann das Spiel frustrieren. Selbst mir ging es oft so, dass ich einzelne Rennen mehrmals wiederholen musste, um sie mit Erfolg abschließen zu können. Doch jeder Fleiß zahlt sich aus und das Gefühl, dem zweiten Platz durch den rettenden Schild entgangen zu sein, ist unbezahlbar.

Was für eine Rückkehr! Das zeitlose Konzept sowie die äußerst gute Arbeit katapultieren WipEout zurück in die Spielerherzen. Wer auf schnelle und erbarmungslose Action steht, ist hier bestens bedient.

Besonders gut finde ich ...
  • abwechslungsreiches Streckendesign
  • enormer Umfang
  • hoher, aber stets fairer Schwierigkeitsgrad
  • Lenkunterstützung für Anfänger
  • geniales Geschwindigkeitsgefühl
  • Splitscreen-Modus
  • passender Soundtrack
Nicht so optimal ...
  • Schwierigkeitsgrad nicht anpassbar (WipeEout 2048)
  • teilweise uninspirierte Zeitrennen
  • Soundtrack wiederholt sich recht schnell
  • nerviges Zeitlimit in Kampfrennen
  • Online-Lobbys der einzelnen Titel nicht miteinander verbunden
  • Speicherstände von PS3/Vita lassen sich nicht importieren

Predator hat WipEout: Omega Collection auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Sony Interactive Entertainment zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Sony XDev
  • Publisher:Sony CEE
  • Genre:Rennspiel
  • Plattform:PS4
  • Release:07.06.2017

Kommentare-Kommentier-Show


Folgendem User gefällt der Beitrag: ... einem Gast.

Name:*
E-Mail (wird nicht angezeigt):*
Eigene Homepage (optional):
Dein Kommentar:*
              
Antispam:*
 
Captcha