Final Fantasy XII: The Zodiac Age - Review 2

Unter Fans der Final Fantasy-Reihe gilt der zwölfte Ableger oft als das Schwarze Schaf und somit als Beginn des Untergangs der bis dato sehr beliebten JRPG-Reihe. Im Schatten des grandiosen zehnten Ablegers hatte es dieser Hybrid im Veröffentlichungsjahr 2006 zurecht sehr schwer - dabei ist Teil 12 aus retrospektiver Sicht moderner als man glauben mag. Den Höhepunkt stellt nun die überarbeitete Final Fantasy XII: The Zodiac Age-Edition dar, die neben aufpolierter Optik ebenso Veränderungen an essenziellen Gameplay-Elementen bietet, die das Spielerlebnis aufbessern sollen - doch ist das für heutige Standards genug?

Wenn heute über die Final Fantasy-Reihe gesprochen wird, kommt man nicht um die Frage herum, welcher Serienteil denn nun der Beste sei. Viele sprechen von Final Fantasy X oder Final Fantasy VII - die wenigsten über die zwölfte Iteration. Vermutlich liegt dies darin begründet, dass Square Enix sich damals dazu entschloss, mit einigen Traditionen zu brechen und das Gameplay grundlegend zu verändern. So warf man die Zufallskämpfe über Bord: Plötzlich waren die Monster von weitem sichtbar und man hatte die Wahl, ob man sich auf einen Kampf einlässt oder den Donnerpudding lieber umgeht. Die Kämpfe selbst liefen nicht mehr rundenbasiert, sondern in Echtzeit ab. Unterstützend wirkte damals das sogenannte Gambit-System, von welchem die neuen Ableger nur träumen dürfen. Waren das damals einfach zu viele Veränderungen auf einmal?


Beliebiger Held und wirre Hintergrundgeschichten



Ein großes Problem stellte darüber hinaus für viele Fans und auch für mich die Story dar: In einem undurchsichtigen und abrupt endenden Politdrama steuert man einen Straßenjungen und Gelegenheitsdieb, der die meiste Zeit völlig farblos ist und einfach nicht das Gefühl aufkommen lassen will, dass man es wirklich mit einem Helden zu tun hat. Die Gruppendynamik und Hintergrundgeschichten der einzelnen Begleiter wirken teilweise ziemlich hanebüchen und hastig erzählt. Und auch sonst fühlt man sich in der Welt von Ivalice meist einfach nicht richtig aufgehoben und verloren. Daran ändert natürlich auch die überarbeitete Zodiac-Edition nichts, die Spielern in Europa erstmals das überarbeitete Jobsystem bietet.


Final Fantasy XII: The Zodiac Age
Nebencharakter Balthier (r.) besitzt mehr Profil als Protagonist Vaas (l.).


Ein Job ist nicht genug? Dann muss eben ein zweiter her!



Während sich in der Ursprungsversion alle Charaktere ein Lizenzbrett teilten, auf dem nach dem Erlangen von Erfahrungspunkten entsprechende Fähigkeiten, Zauber und Ausrüstungen freigeschaltet werden konnten, können die Charaktere nun nur noch zwei sogenannte Berufe lernen - dies verhindert vor allem hochgezüchtete Superhelden, die alle Fähigkeiten beherrschen. Die Lizenzbretter sind individueller gestaltet und regen zum geschickten Taktieren an. Leider lassen sich einmal festgesetzte Berufe im späteren Verlauf nicht mehr ändern, sodass eine falsche Auswahl durchaus zu frustigen Passagen führen kann. Dennoch sehe ich die Veränderung hier weniger als Einschränkung, sondern als Bereicherung, da nun verschiedene Krieger für verschiedene Situationen eingewechselt werden müssen und man sich so mit der ganzen Party auseinandersetzen muss. Durch das entsprechende Reagieren auf verschiedene Phasen in den Gefechten gewinnen die Auseinandersetzungen dadurch an Spannung und Abwechslung und bieten infolgedessen einen höheren Unterhaltungswert.

Als Ergänzung dient außerdem das herausragende Gambit-System, welches es mir möglich macht, den Kämpfern für bestimmte Situationen entsprechende vorgefertigte Befehle zuzuordnen. Treffe ich also auf einen Gegner mit einer Schwäche für Blitzzauber, greift ein Charakter aus der Party mit dem passenden freigeschalteten Zauber und zugewiesenem Gambit den Gegner völlig automatisch an. Dies führt bei richtiger Anwendung aber leider auch dazu, dass die Kämpfe - insbesondere in den Dungeons - nahezu automatisch ablaufen und ohne mein Zutun gewonnen werden. Auf Dauer also ein zweischneidiges Schwert, aber durchaus komfortabler als immer wieder die gleichen Befehle ausüben zu müssen. Weitaus nerviger ist es allerdings, dass Gambits, Zauber und Waffen nicht nur auf dem Lizenzbrett für jeden Charakter freigeschaltet werden müssen, sondern noch für jede Menge Geld bei verschiedenen Händlern in verschiedenen Städten gekauft werden müssen. Da jeder Händler auch über ein anderes Sortiment verfügt, kann es daher gefühlte Ewigkeiten dauern bis der neue Zauber zum Einsatz kommt, obwohl er bereits seit mehreren Spielstunden auf dem Lizenzbrett freigeschaltet ist.


Final Fantasy XII: The Zodiac AgeFinal Fantasy XII: The Zodiac Age
Trotz Echtzeitkämpfen muss vor einem Angriff gewartet werden, bis der Aktionsbalken vollständig gefüllt ist.


Dank Komfortoptionen schneller ans Ziel



Bei all diesem undurchsichtigen Dschungel haben die Macher dem Remaster immerhin einige Spielereien spendiert, die die Reise durch die Welt komfortabler machen. So kann ich mittels Knopfdruck auf den linken Analogstick die Karte transparent über das Spielgeschehen legen. Dies erleichtert die Wegfindung enorm und ich wüsste nicht, wie oft ich mich in den immer gleich aussehenden Arealen ohne diese Funktion verlaufen hätte. Zusätzlich kann ich das Spielgeschehen beschleunigen, sodass ich die immer gleichen Wege zumindest zeitlich verkürzen kann. Ohne diese Funktion wären das Grinden sowie die immer wieder eintretenden Längen des Spiels nahezu unerträglich geworden.

Selbst die Kämpfe machen im Turbomodus, der im Übrigen schon in der PS4-Version von Final Fantasy VII zum Einsatz gekommen ist, mehr Spaß und lassen mich einige Dungeons in Windeseile durchstreifen. Dennoch sollte man darauf achten, dass man sich durch den inflationären Einsatz jenes Features sich die Atmosphäre des Spiels nicht selbst zerstört. Die verschiedenen Gebiete sind im Übrigen weiterhin durch Ladezeiten voneinander getrennt, diese verlaufen nun zwar etwas flotter als damals, stören aber dennoch den Spielfluss enorm. Immerhin wird nach jedem Verlassen der Zone das Spielgeschehen unabhängig von der manuellen Speicherfunktion an den Kristallen gespeichert, sodass bei einem Ableben maximal der Fortschritt in dem aktuellen Gebiet verloren gehen kann.


Final Fantasy XII: The Zodiac Age
Gegen diese Gegner helfen vor allem Eiszauber, die über das Gambit-System entsprechend vorkonfiguriert werden können.


Überaus klangvoll aber optisch allenfalls solide



Optisch kann das Remaster erwartungsgemäß keine Bäume ausreißen. Einen Vergleich zu aktuellen Titeln lässt sich hier natürlich nicht ziehen, wenngleich die Optik teilweise nicht einmal mit dem schon recht fürchterlich aussehenden Remaster von Final Fantasy: Type-0 mithalten kann. Dennoch hat man sich bemüht die 3D-Modelle der Charaktere aufzubohren und der Umgebung schärfere Texturen zu spendieren. Im direkten Vergleich mit der PS2-Version machen sich vor allem die höhere Auflösung und die stabile Bildrate bemerkbar, die das Spielerlebnis zumindest Full-HD tauglich machen. Immerhin hat man ebenso die Rendervideos auf die entsprechende Auflösung skaliert, sodass sich diese noch immer beeindruckend aussehenden Sequenzen gegenüber ihren aktuellen Pendants nicht verstecken müssen.

Während man hier also kein Grafikwunder erwarten darf, hat sich Square Enix beim Soundtrack mächtig ins Zeug gelegt. Die aus der Feder von Hitoshi Sakimoto erstellten Melodien wurden allesamt durch ein Orchester neu eingespielt und dröhnen nun in schönstem 7.1 aus der Soundanlage. Hier und da sind ebenfalls einige Ohrwurmmelodien dabei, die die Atmosphäre des Spiels zu weiten Teilen tragen und einen klaren Wiedererkennungswert mit der Serie darstellen. Zusätzlich gibt es im Menü die Auswahl zwischen dem originalen Soundtrack von damals und der japanischen Tonspur, die jederzeit im Spiel zugeschaltet werden kann. Eine deutsche Tonspur gibt es, wie im Original, nicht.


Leichterer Einstieg durch verbessertes Balancing



Indes hat man auch am Balancing gearbeitet. Besonders zu Beginn hatte man mit den Gegnern stellenweise hart zu kämpfen, weshalb der Einstieg nun fluffiger und leichter von der Hand geht. Das heißt aber noch lange nicht, dass der zwölfte Ableger der Reihe ein leichtes Spiel ist. Mit stupidem Draufhauen kommt man hier nicht weit. Man ist trotz der Anpassungen von Beginn an damit beschäftigt, die Schwächen der Gegner zu durchleuchten und darauf abgestimmt zu agieren. Mit der Fähigkeit Analyse, die man durch das Lizenzbrett oder ein Accessoire freischalten kann, fällt das aber zunehmend leichter, zumal die effektiven Attacken zusätzlich auf dem Bildschirm angezeigt werden. Bossgegner lassen sich hingegen schwerer erlegen und oft ist die Party erst nach einem längeren Grind wirklich konkurrenzfähig.

Wem das nicht genügt, kann sich im neuen Prüfungsmodus austoben und den 100 Kampfherausforderungen stellen. Ideal für hochgezüchtete Charaktere, können hier Veteranen gegen neuartige Gegner kämpfen. Voraussetzung hierbei ist es natürlich das Gambit-System perfekt zu beherrschen und die Truppe entsprechend ausgerüstet zu haben. Geld für jene Ausrüstung erhält man im Übrigen durch die zahlreichen Nebenquests und Jagdaufträge, durch die das Spiel ergänzt wurde.



Predator

Fazit von Predator:

Das Remaster hat es mir nicht wirklich leicht gemacht: Die schwache Story sowie die drögen Gegenden machen Final Fantasy XII: The Zodiac Age zu keinem Genuss. Da hilft auch die recht gelungene Überarbeitung des Jobsystems nicht mehr. Die Optik ist allenfalls solide und das Spielerlebnis weitgehend durchwachsen. Aus retrospektiver Sicht war Teil 12 seinen Vorgängern klar seiner Zeit voraus und bot Features, die allesamt so ähnlich noch heute in anderen Spielen vorzufinden sind. Dennoch passt das Gesamtpaket einfach nicht, weshalb man getrost zu Alternativen greifen kann. Für Fans der Reihe bietet sich hier beispielsweise Final Fantasy: Type-0 an, welches ebenfalls eine Politik-Story erzählt, diese aber in ein besseres Gewand zu verpacken weiß.

Die Final Fantasy XII: The Zodiac Age-Editon ist eine gelungene Überarbeitung eines soliden Titels der Reihe, der seinerzeit Voraus war, aber durch die schwache Story und der langweiligen Gegenden auch heute nicht vollends zu überzeugen weiß.

Besonders gut finde ich ...
  • neu eingespielter Soundtrack
  • Turbomodus
  • neues Jobsystem
  • neue Jagdaufträge/Nebenquests
  • angepasstes Balancing
  • neuer Herausforderungsmodus
  • lange Spielzeit (40h und mehr)
Nicht so optimal ...
  • langweilige, wirre Politik-Story
  • blasse Charaktere
  • schlechte Tonabmischung bei Dialogen
  • ständiges Backtracking
  • Popups in Städten
  • dröge Gegenden, langweilige Dungeons

Predator hat Final Fantasy XII: The Zodiac Age auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Square Enix zur Verfügung gestellt.

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  • Entwickler:Square Enix
  • Publisher:Square Enix
  • Genre:JRPG
  • Plattform:PS4
  • Release:11.07.2017

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