F1 2017 - Review 4

Das neue Reglement der FIA (Federation Internationale de l'Automobile), welches nicht nur für Fahrer und Teams einiges auf den Kopf gestellt hat, bietet Codemasters beim diesjährigen Formel-1-Ableger F1 2017 einigen Handlungsspielraum, um das ohnehin schon gute Spielerlebnis noch einmal zu toppen. Ich habe mich wie in jedem Jahr hinter das Lenkrad begeben und bin in die Tiefen der Karriere eingetaucht, die erfreulich frisch daherkommt. Dennoch wurden nicht alle Hausaufgaben gründlich erledigt und einige Kritikpunkte aus dem Vorjahr bestehen leider nach wie vor.

Im vergangenen Jahr hat mich in F1 2016 vor allem die Überarbeitung und Integration des Karrieremodus begeistert. Wie im letzten Jahr kann ich, anders als bei FIFA oder der NBA2K-Reihe, meinen Fahrer nur aus einer Vielzahl vorgefertigter Gesichter erstellen - hier hätte ich mir mehr Möglichkeiten gewünscht. Immerhin konnte ich den im Vorgänger erstellten Fahrer direkt in die Karriere importieren und ohne größere Umschweife mit dem Kampf um die Krone der Königsklasse beginnen. Mit an Bord ist auch wieder die nervige Managerin, die sich nach Auswahl des für mich am attraktivsten Rennstalls um meine Belange kümmert. Freie Begehungen des Fahrerlagers sind ebenso unmöglich wie das Ansprechen der Mechaniker, die sich von Zeit zu Zeit bei mir bezüglich Verbesserungen am Wagen melden.

Während die Rennwochenenden nämlich exakt dem gleichen Ablauf folgen und über das Abspulen der Streckenakklimatisierung, dem Reifen- und Benzinmanagement sowie dem Qualifikationsmodus nicht viel mehr zu bieten haben, gibt es nun bis zu 115 Teile, die mit Hilfe eines Skillbaumes, der so in diversen Rollenspielen verwendet werden könnte, aufgewertet werden können. Die nötigen Ressourcenpunkte, die hierfür aufgewendet werden müssen, verdiene ich den eben angesprochenen Modi, in denen mir immer wieder neue Herausforderungen gestellt werden. Mit der Zeit verlieren diese allerdings, ähnlich wie im Vorjahr, ihren Reiz und können durchaus nerven.


F1 2017
Für das richtige Feeling während der Karriere sorgen die Gespräche mit den Mechanikern.


Sofern man dann gar keine Ahnung hat, kann man sich zudem vom eigenen Rennstall eine Empfehlung für die nächste Verbesserung geben lassen. Interessant: Am unteren Bildschirmrand wird immer die Performance der anderen Teams angezeigt, so dass man immer Rückschlüsse ziehen kann, ob man den eigenen Schwerpunkt auf eine verbesserte Aerodynamik setzt oder sich doch lieber für eine bessere Haltbarkeit der Motorteile entscheidet. Diese spielt dank der neuen Regelung nämlich eine große Rolle: Fahre ich meinen Motor zu oft im höheren Drehzahlbereich, kann sich die Leistung nachhaltig verschlechtern. Ein solches Defizit macht sich natürlich schnell bemerkbar, so dass hier vorausgesetzt wird auch außerhalb des Rennens zu taktieren. Entsprechende Aggregate und Getriebe sind nämlich begrenzt. Obgleich es durchaus nerven kann, dass man den Motor nicht immer voll ausfahren darf und so gegebenenfalls mal nicht das Rennen gewinnt, gibt diese Änderung doch einen sehr guten Einblick in das wahre Rennsportleben und motiviert auf Dauer am Ball zu bleiben und die Taktik während des Rennens entsprechend zu ändern, um die Komponenten zu schonen.


Comeback der Klassik-Inhalte



Aufgelockert wird der triste Rennalltag durch spannende Events, die zwischen den Rennwochenenden platziert werden. Hier schlüpfe ich in historische Wagen und muss beispielsweise innerhalb kürzester Zeit einige Rennboliden vor mir überholen. Spaß macht das vor allem deshalb, weil sich ein Silberpfeil aus dem Jahre 1998 natürlich ganz anders verhält als einer der aktuellen F1-Flitzer. Ebenso bieten die Wagen eine einzigartige Klangkulisse und bringen das Soundsystem eindrucksvoll zum Röhren. Schade, dass man es hier allerdings verpasst hat, klassische Rennstrecken wie den alten Hockenheimring zu integrieren oder das alte Rennreglement anzuwenden. Wer wünscht sich nicht die spannenden Boxenstopps zurück bei denen das Tanken einen ganz entscheidenden Teil ausgemacht hat? Ebenso fehlen die historischen Fahrer wie Mika Häkkinen oder Michael Schuhmacher gänzlich, so dass nur Fantasienamen zum Einsatz kommen, die die Atmosphäre einer solchen Zeitreise enorm eindämmen.

Abseits davon gibt es darüber hinaus natürlich die Einzelrennen und die Möglichkeit eigens erstellte Mini-Meisterschaften auszutragen. Die Bedingungen hierfür kann ich weitgehend selbst festlegen: Egal ob ein Nachtrennen in Monaco oder dass der Sieger des vorherigen Rennens diesmal von ganz hinten startet - hier sind der Kreativität und somit der Abwechslung kaum Grenzen gesetzt.


F1 2017
Die historischen Boliden sorgen für frischen Wind im sonst recht tristen Rennalltag.


Veränderungen auch auf der Piste



Der tiefere Heckflügel und die breiteren Reifen heben die Boliden in diesem Jahr nicht nur visuell von denen des Vorjahres entscheidend ab. Die Änderungen an den Wagen, die sich nach wie vor in ausführlichen Setup-Einstellungen anpassen lassen, machen sich vor allem bei der Fahrphysik bemerkbar: Die Flitzer verfügen nun über eine wesentlich bessere Bodenhaftung und damit auch über eine höhere Kurvengeschwindigkeit. Dennoch ist besonders beim Beschleunigen aus der Kurve Fingerspitzengefühl gefragt: Zwar helfen das optional zuschaltbare ABS und die Traktionskontrolle das PS-Monster auf der Piste zu halten, wie auf Schienen lassen sich die Rennen trotzdem nicht absolvieren. Besonders das Feedback beim Überfahren der Randsteine wurde überarbeitet, so dass man es sich lieber zwei Mal überlegen sollte, das Risiko eines Abfluges einzugehen. Das überarbeitete und damit herausragende Force-Feedback, welches mich sogar spüren lässt, wenn ich über eine Bodenwelle fahre oder die Reifen zu sehr belaste, sorgt für ordentliche Rennstimmung im heimischen Wohnzimmer.

Anders sieht das mit der teilweise noch immer sehr ungestümen KI aus, die weiterhin gerne mal ins eigene Heck fährt und so den Sieg verhindert. Zwar kann man die Kollegen nun stufenlos auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen, ausgewogen reagieren diese meist immer noch nicht. Immerhin: Gefühlt bauen die KI-Kollegen aber auch untereinander hier und da Unfälle, so dass das Safety-Car öfter mal in Erscheinung tritt. Besonders blöd können solche Auseinandersetzungen in der Boxengasse ausgehen: Ohne Rücksicht auf Verluste biegen die anderen Fahrer nämlich zu ihrer Box ab, so dass ein Crash vorprogrammiert ist. Jene Boxenstopps lassen sich in diesem Jahr wahlweise sogar manuell abspulen: Bereits im Vorfeld kann ich mit der Crew über das HUD oder Sprachbefehle kommunizieren und das Gemisch des Benzins oder taktische Änderungen an der Reifenwahl vornehmen. Vor der Boxeneinfahrt muss ich nun die Geschwindigkeit drosseln und zum richtigen Zeitpunkt den Pit-Limiter einschalten. Beim Losfahren darf ich wie beim Rennstart die Kupplung treten und im richtigen Drehzahlbereich Gas geben. Hier ist das richtige Timing entscheidend und kann durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das Anfahren und Ausfahren aus der Box verläuft im Übrigen noch automatisch - aber immerhin wurde hier ein adäquater Spagat gefunden, der selbst Veteranen zufriedenstellen dürfte.


F1 2017F1 2017
Regenrennen stellen das Highlight im Rennkalendar dar - ein Schauer kann alles durcheinanderwirbeln.


Technisch aufgebohrt aber noch nicht ganz traumhaft



Weniger zufriedenstellend sind dagegen die Kommentare von Heiko Wasser und Stefan Römer, die man zum Großteil komplett aus dem Vorjahr übernommen hat. Ebenso sehen die Zwischensequenzen im Fahrerlager sowie die Champagnerduschen am Ende eines jeden Rennens sehr hölzern aus. Auch bei 20 Fahrern auf dem Feld bleibt das Renngeschehen die komplette Zeit flüssig, so dass man sich genüsslich auf den Rennverlauf konzentrieren kann. Die Ladezeiten sind im angenehmen Bereich und die nervigen Bildrateneinbrüche im Fahrerlager gehören der Vergangenheit an. Wunderschön wirken unterdessen die dynamischen Wettereffekte, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern ebenso das Renngeschehen durcheinander würfeln können. Mit einem Project Cars kann F1 2017 in dieser Kategorie nicht mithalten, dennoch sind die angebotenen Dämmerrennen sowie das Nachtrennen in Monaco eins der absoluten Highlights in diesem Jahr.



Predator

Fazit von Predator:

Codemasters liefert auch in diesem Jahr ein Rennspektakel, das seinesgleichen sucht. Die Karriere wurde durch die Einladungsevents gekonnt aufgelockert und die Integration der historischen Rennboliden verleihen ein Gefühl von Einzigartigkeit. Dennoch fehlen weiterhin die Möglichkeit einer Split-Screen-Meisterschaft am heimischen Bildschirm oder der Wunsch nach mehr Individualität beim Erstellen des eigenen Fahrers. In Anbetracht der Konkurrenz, bei der selbst ein FIFA mittlerweile einen Story-Modus bietet, wünsche ich mir für das kommende Jahr einen solchen. Wer würde nicht mal gerne seine Rennkarriere ganz unten starten und an der Hand einer Koryphäe an die Spitze der Königsklasse geführt werden? Es besteht also noch eine Menge Luft nach oben - doch in diesem Jahr wurde fast alles richtig gemacht, weshalb man bedenkenlos zugreifen kann.

Marginale Verbesserungen und der neue Mini-Meisterschaftsmodus sorgen für unterhaltsamen Rennspaß. Im nächsten Jahr dann aber bitte mit ausuferndem Storymodus und lizenzierten Klassik-Fahrern!

Besonders gut finde ich ...
  • sehr gutes Fahrgefühl
  • herausragendes Force-Feedback
  • Comeback der Klassik-Boliden
  • Online-WM
  • flüssige Bildrate
  • manuelle Boxenstopps
  • dynamische Wetter -und Tagesbedingungen
  • Skillbaum
Nicht so optimal ...
  • undurchsichtiges Strafensystem
  • Kommentatoren wiederholen sich zu häufig
  • klassische Rennstrecken fehlen
  • langweilige Trainingsaufgaben
  • hölzerne Gesichter und Animationen
  • KI-Aussetzer beim Überrunden
  • Texturen laden oft erst spät nach

Predator hat F1 2017 auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Codemasters zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Codemasters Racing
  • Publisher:Codemasters
  • Genre:Rennsimulation
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:25.08.2017

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