Raiders of the Broken Planet - Preview 5

Asymmetrien sind voll im Trend - zumindest was Multiplayer-Games angeht. Nicht erst seit Evolve versuchen sich Entwickler daran, Teams mit unterschiedlichen Spielerzahlen aufzustellen und ihnen individuelle Aufgaben zu geben. Das nächste große Spiel mit einem 4-gegen-1-Modus ist Raiders of the Broken Planet von MercurySteam. In der Beta und auf der gamescom durfte ich erste asymmetrische Multiplayer-Partien absolvieren. In Köln hatte ich zudem die Gelegenheit, mit Dave Cox und Enric Alvarez zu sprechen - über Raiders, MercurySteam und Metroid: Samus Returns.

Für das etwa 140-köpfige Team von MercurySteam ist Raiders ein besonderes Projekt - und auch ein besonders wichtiges. Denn nicht nur ist es ein Spiel, das man so schon viele Jahre geplant und vorbereitet hatte und nun endlich in die Realität umsetzen kann, es ist auch der erste Titel, den das spanische Entwicklerstudio komplett unabhängig und selbstständig produziert und veröffentlicht. Es stehen weder Konami dahinter wie bei Castlevania: Lords of Shadow noch Nintendo wie bei Metroid: Samus Returns. Diese kreative Freiheit ist etwas Neues und erlaube es dem Team, zusammen mit der Community genau das Spiel zu entwickeln, das die Spieler wollen, sagt Enric Alvarez, Co-Gründer von Mercurysteam und Interviewpartner bei meinem Termin auf der gamescom. Die Erfahrung, die man mit Lords of Shadow gesammelt hat, und die Größe des Teams eröffne neue Möglichkeiten. Und Raiders of the Broken Planet sei nicht einfach ein kleines Indie-Spiel, sondern ein "AAA-Indie" mit einem entsprechend hohen Budget - ist allerdings gleichzeitig auch für kleines Geld zu kaufen, ohne dabei in Free-to-Play-Gefilde abzudriften. Was das bedeutet, dazu komme ich später. Die Ähnlichkeit zu Hellblade von Ninja Theory benennt Alvarez selbst.


Raiders of the Broken Planet
Harec (links) muss alleine gegen die vier Raiders bestehen und versuchen, ihnen zehn Leben abzuknöpfen.


Auf der gamescom bekomme ich die Gelegenheit, eine Mission aus der Kampagne "Alien Myths", die ich schon aus der Closed Beta kenne, aus der anderen Perspektive zu spielen - nämlich nicht als Raider, sondern als Antagonist. Denn Raiders of the Broken Planet, im Kern ein Third-Person-Deckungsshooter im Stile eines Gears of War mit einem Pool an einzigartigen Helden, kann man sowohl auf der Seite der Guten als auch der Bösen spielen. Und das nicht gegen die KI, sondern auch gegen menschliche Spieler. So wird daraus ein 1-gegen-4-Modus, denn ich als Antagonist durfte gegen vier MercurySteam-Raider antreten, die von zuhause aus in Spanien spielten - tatsächlich lief die Internetverbindung auch von der koelnmesse aus stabil.

In der gespielten Mission mussten die Raiders sich Stück für Stück durch eine Art Flugzeug kämpfen und schließlich die Sicherheitssysteme an mehreren Terminals lahmlegen, während es meine Aufgabe war, gemeinsam mit Horden an computergesteuerten Kameraden ebendies zu verhindern. Das Coole daran ist nicht nur, dass ich natürlich ebenfalls einen Helden auswählen darf, sondern auch, dass ich nach jedem Tod an einer anderen Stelle im Level respawnen und so den Raiders etwa in den Rücken fallen kann. Wenn ich vorsichtig vorgehe, nicht drauflos ballere und eher langsam laufe, dann kann ich meine Ziele sogar ausschalten, ohne dass ihre Kollegen das mitbekommen. Dafür gibt es eine interessante Stress-Mechanik: Wer sich auffällig verhält, dessen Stress-Level steigt an, wodurch das Skelett der Figur für alle anderen sichtbar wird - auch durch Wände hindurch. Aber Schleichen ist nicht immer gut, denn manche Helden profitieren gar davon, den Stress auf das Maximum zu treiben; nur dann lädt sich etwa Lycus' praktischer Kugelschild wieder auf. Generell sind die Helden sehr unterschiedlich: Manche eignen sich vor allem für den Nahkampf, andere sind Experten in Stealth und wiederum andere können sich in den Levels teleportieren, um Gegner abzulenken. Waffen sind jeweils an den Helden gebunden, d.h. es ist nicht möglich, andere in der Umgebung aufzusammeln. Notwendig ist das aber sowieso nicht, da das Zusammenspiel aus Techniken, Nahkampf und Primär- und Sekundärwaffe schon für ausreichend Abwechslung und Tiefgang sorgen - und Teamwork gibt es bekanntlich auch.


Raiders of the Broken PlanetRaiders of the Broken Planet
In Raiders of the Broken Planet muss man sowohl schießen als auch zuschlagen - nur letzteres bringt den Tod.


Bei unserem asymmetrischen Match war ich jedenfalls nicht auf Teamwork angewiesen und habe es alleine im finalen Akt des Kapitels geschafft, die vier MercurySteam-Raider auszuschalten - auch wenn ich insgeheim ja vermute, dass man dort in Spanien extra etwas nachlässiger gespielt hat. Hat man der 4er-Gruppe erst einmal zehn Leben abgeknöpft, wird es erst richtig spannend. Dann nämlich gerät die Mission als solche in den Hintergrund und stattdessen muss der Solist versuchen, innerhalb eines Zeitlimits alle vier Raiders auszuschalten - und ist ein Raider tot, dann bleibt er es auch. Am Ende kam es zum unvermeidlichen 1-gegen-1 und ich bin tatsächlich als Sieger hervorgegangen; allerdings ohne selbst etwas getan zu haben, denn es waren meine KI-Kollegen, die den letzten überlebenden Raider erledigt haben. Nichtsdestotrotz war gerade dieses Finale mit Countdown und Permadeath sehr spannend und sehr spaßig. Letzteres natürlich auch deshalb, weil die Steuerung schnell in Fleisch und Blut überging und auch das automatische Huschen in Deckung vergleichsweise gut funktioniert.

Raiders of the Broken Planet ist aber kein arcadiger Multiplayer-Shooter ohne größeren Zusammenhang, sondern spielt in einem, wie Alvarez erklärt, riesigen und aufwendig gestalteten Universum mit einer komplexen Lore. Jeder Held und auch die NPCs und Völker des Planeten haben ihre eigenen Hintergrundgeschichten und Ambitionen, die man in den verschiedenen Kampagnen des Spiels behandele. Das erinnerte mich zunächst alles ein wenig an Battleborn, auch wenn ich Raiders of the Broken Planet einen größeren Erfolg wünsche als dem gefloppten Gearbox-Titel. Gespielt habe ich auf der gamescom eine Mission aus der Kamnpagne "Alien Myths" - eine von zwei, die zum Launch des Spiels am 22. September erhältlich sein werden.

Dabei setzen MercurySteam auf ein neues und faires Geschäftsmodell. Man habe sich bewusst gegen einen 60-Euro-Komplettpaket-Release entschieden, sagt Alvarez, und wolle den Spielern stattdessen die Wahl geben, selbst zu entscheiden, welche Inhalte sie spielen wollen und zu welcher Zeit. Deshalb wird das Basis-Spiel mit einem Prolog kostenlos und alle mehrstündigen Kampagnen dann separat erhältlich sein - für jeweils 9,99 Euro. Wenn eine Kampagne wegen ihrer Helden oder des Szenarios uninteressant sei, könne man diese einfach überspringen und eine andere kaufen, ohne dabei für die erste bezahlen zu müssen. Für mich klingt das ebenfalls nach einem fairen Deal, auch wenn ich die Qualität und den Umfang der Kampagnen noch nicht abschätzen kann. Mit "Hades Betrayal" und "Council Apocalypse" sind zwei weitere Kampagnen in Entwicklung, von denen eine Ende des Jahres, die andere Anfang 2018 erscheinen soll. Natürlich würde man auch danach gerne noch weitere Kampagnen entwickeln und Geschichten erzählen - dies hinge entsprechend vom Feedback der Spieler auf Raiders of the Broken Planet ab.


Raiders of the Broken Planet
Die vier story-lastigen Kampagnen erzählen die Geschichten der Charaktere - dieser Teil ist aus "Alien Myths".


Ein kurzes Gespräch mit Cox und Alvarez über Metroid: Samus Returns und Nintendo



Nach der Präsentation und dem Anzocken habe ich die Chance genutzt, um mich noch ein wenig mit Dave Cox, Senior Producer für Raiders of the Broken Planet, und Enric Alvarez, Co-Owner von und Game Designer bei MercurySteam, über weitere Dinge, Geschehnisse im Studio und natürlich Metroid: Samus Returns sowie die Kooperation mit Nintendo zu unterhalten. Ein ausführliches schriftliches Interview kann ich euch an dieser Stelle leider nicht anbieten, da es auf der gamescom schlicht zu laut für eine brauchbare Aufnahme war.

Trotzdem habe ich einige interessante Informationen mitgenommen. So waren es nicht etwa MercurySteam, die Nintendo bezüglich Metroid kontaktiert hatten - auch den vieldiskutierten "Metroid Pitch" für Wii U und 3DS, der vor ein paar Jahren in der Presse kursierte, habe es nie gegeben, wie Alvarez behauptet. Stattdessen sei Nintendo wegen dem technisch beeindruckenden Castlevania: Lords of Shadow - Mirror of Fate an MercurySteam herangetreten und bereits der erste Prototyp habe Nintendo und Yoshio Sakamoto überzeugt, dass das spanische Studio der richtige Partner für Metroid ist - was ich nach dem Anspielen von Samus Returns absolut bestätigen kann. Das 3DS-Metroid basiere dabei ebenso wie Lords of Shadow und Raiders of the Broken Planet auf der hauseigenen MercuryEngine; womöglich scheint eine Switch-Version also in Zukunft doch nicht komplett ausgeschlossen. Auf die Frage, ob das Team auch in die Entwicklung von Metroid Prime 4 involviert sei, kam übrigens nur ein "Wir konzentrieren uns im Moment ganz auf Samus Returns und Raiders of the Broken Planet". Konkreteres konnte ich leider nicht herauskitzeln. Die Kollegen von Eurogamer haben auf der gamescom übrigens ein interessantes Interview mit Sakamoto geführt, in dem er auch über die Zusammenarbeit mit MercurySteam spricht.

Mit Metroid: Samus Returns und Raiders of the Broken Planet sind beide großen aktuellen Projekte des spanischen Studios gar nicht mehr weit entfernt: Metroid erscheint bereits am 15. September exklusiv für den Nintendo 3DS, der 4-gegen-1-Shooter Raiders wird ab dem 22. September für PC, PlayStation 4 und die Xbox One erhältlich sein.



Tim

Fazit von Tim:

Raiders of the Broken Planet ist ein spannendes Projekt - bei dem ich allerdings noch nicht so recht sagen kann, ob der Plan aufgeht oder nicht. Auf der einen Seite finde ich das asymmetrische 4-gegen-1-Konzept, die verschiedenen Helden, das faire Geschäftsmodell mit den individuellen Kampagnen und die generell gelungene Spielmechanik ansprechend. Auf der anderen Seite hat mich das Universum noch nicht ganz überzeugt, obwohl sich MercurySteam mit den Kampagnen im Spiel und mehreren interaktiven Comics redlich Mühe geben. Erst beim Spielen der Kampagnen, beginnend mit "Alien Myths" und "Wardog Fury" im September, wird sich zeigen, wie spannend die Geschichte wirklich ist. Ich mache mir ein wenig Sorgen, dass Raiders of the Broken Planet endet wie Battleborn - was angesichts der Qualität des Spiels und der Tatsache, dass MercurySteam es selbstständig veröffentlicht, wirklich schade wäre. Ich bleibe gespannt, wie sich dieses ungewöhnliche und interessante AAA-Indie-Projekt entwickelt und drücke die Daumen, dass mich zum Release auch die Geschichte mitreißen kann, dass der Multiplayer rockt und sich eine treue Community bildet.


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  • Entwickler:MercurySteam Entertainment
  • Publisher:MercurySteam
  • Genre:Action
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:22.09.2017

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