Monster Hunter World - Preview 4

Seit Monster Hunter Tri liebe ich Monster Hunter. Und ich habe seitdem jeden einzelnen Teil dutzende bis hunderte Stunden gespielt. Die Fortschritte zwischen den einzelnen Teilen wurden aber mit jeder Iteration kleiner; von einem technischen Sprung kann ob der 3DS-Exklusivität sowieso keine Rede sein. Aber Monster Hunter World ist endlich ein Monster Hunter, das toll aussieht, in offene Jagdgebiete lädt, die lange vermisste Evolution verspricht - und trotzdem im Kern das gute, alte Monster Hunter bleibt. In Köln bin ich selbst auf die Jagd nach Anjanath und Groß-Jagras gegangen.

Für viele Spieler wird Monster Hunter World Anfang 2018 vermutlich das erste Monster Hunter sein - immerhin war die Erfolgsserie über die letzten knapp zehn Jahre bis auf einige Spin-Offs und ein MMORPG, die aber alle ausschließlich im asiatischen Markt vertrieben wurden, exklusiv auf der Wii, Wii U und dem Nintendo 3DS zu finden. Nun führt der Weg für die hochspannenden und traditionsgemäß anspruchsvollen Monsterjagden auf PC, PlayStation 4 und Xbox One - der 3DS und auch die neue Nintendo Switch bleiben außen vor. Das ist zwar einerseits schade für Nintendo-Fans und gewissermaßen auch ein Schlag ins Gesicht für eine über Jahre aufgebaute Fanszene, die auf ihren Geräten nun den nächsten Hauptteil nicht mehr spielen können wird - auf der anderen Seite erlaubt die technische Leistung der neuen Plattformen es Capcom, mit World nicht nur einen, sondern zwei oder gleich drei Schritte nach vorne zu gehen und Monster Hunter endlich spürbar weiterzuentwickeln.


Monster Hunter World
Ein gefährliches Biest: Der Anjanath wirkt wie ein entfernter Verwandter des Groß-Jaggi oder Dämonjho.


Diese Weiterentwicklung zeigt sich zuallererst in der Grafik des Spiels, die realistischer denn je wirkt und mit dichtem Gestrüpp, ansehnlichen Effekten und vor allem prächtig animierten Monstern begeistern kann - zumindest dann, wenn man sich schon vorher länger mit der Serie beschäftigt hat, denn nüchtern betrachtet gibt es gerade auf der PlayStation 4 so einige Spiele, die noch ein ganzes Stück besser und detaillierter aussehen. Aber zieht man einmal den Vergleich zwischen Monster Hunter XX, dem vom 3DS hochskalierten Switch-Port, und ebendiesem World, dann liegen hier gefühlt ganze Konsolengenerationen dazwischen. Zwar konnte ich in der Demo nur den bereits von der E3 bekannten Dschungel erkunden, aber der kurz vor der gamescom veröffentlichte Trailer zeigt mit der Wildturm-Ödnis auch eine richtig ansehnliche Steppe mit Matschbecken für Plesioth und Barroth - an Vielfalt sollte es den Jagdgebieten letztendlich wie gewohnt nicht mangeln und ich freue mich darauf, mehr Szenarien in dieser wirklich schicken neuen Kulisse zu betrachten. Aber hier soll es ja um mehr gehen als nur um die Grafik.

Ebenfalls Teil der Evolution von Monster Hunter ist die Abkehr der in einzelne, durchnummerierte Areale separierten Jagdgebiete. Die neue Welt von Monster Hunter ist offen und frei erkundbar, innerhalb der Jagdgebiete gibt es keine Ladezeiten mehr und wenn ein Monster fliehen möchte, dann kann man ihm folgen, ohne es plötzlich durch ein unsichtbares Portal aus den Augen zu verlieren. Dadurch bekommt auch die Vertikalität der Welt eine größere Bedeutung. Und weil die Jagdgebiete alles andere als klein ausfallen, kann man sich mit einem Greifhaken von A nach B schwingen oder sich gar von Flugsauriern an weiter entfernte Plätze tragen lassen. Auf dem Papier klingt das gut und in den Videos schaut es ebenfalls cool aus, ausprobiert habe ich es in der Demo allerdings nicht. Dafür war ich zu sehr damit beschäftigt, zuerst den Groß-Jagras und anschließend den gefährlicheren Anjanath zu erlegen - denn die Zeit war leider begrenzt und im Mittelpunkt steht nach wie vor der Kampf.


Monster Hunter WorldMonster Hunter World
Glühwürmchen führen die Jäger zum Ziel. Beim Anjanath kann man schon mal die harten Geschütze auspacken ...


Wie findet man ein Monster? Zunächst folgt man den Hinweisen des Gildenweibchens und sucht dann das Jagdgebiet nach Spuren ab - nach Exkrementen, Fußabdrücken oder anderen Hinterlassenschaften. Eine Art Glühwürmchen hilft dann dabei, dem Monster auf die Schliche zu kommen, indem die kleinen leuchtenden Viecher sich nach ausreichendem Spurensammeln direkt in Richtung des Monsters aufmachen - dann braucht man ihnen nur noch bis zum Versteck des Ziels zu folgen. Ich kann mir zwar vorstellen, dass das Aufspüren auf Dauer etwas ätzend werden kann und Monster womöglich langfristig immer an den gleichen wenigen Stellen auftauchen, aber diese neue Herangehensweise ist in jedem Fall besser als das willkürliche Abgrasen der Areale in Monster Hunter 4 Ultimate und generell all den letzten Monster-Hunter-Teilen seit Geburt der Serie. Außerdem hat es ja nicht lange gedauert, Ajanath und Groß-Jagras zu finden - und wenn man erst mal im finalen Spiel im 4-Spieler-Team unterwegs ist, dürfte das sowieso ein Klacks werden. In der Demo bin ich aber nur mit einem Felyne als Partner losgezogen.

So radikal sich das Drumherum auf den ersten Blick verändert hat, so beständig und traditionell bleiben hingegen das eigentliche Kampfsystem und die Bewegungen des Jägers. Ein Blick auf das Waffenmenü offenbarte die gleichen bekannten 13 Waffen inklusive der zuletzt eingeführten Insektenglaife, und auch wenn ich mit Morph-Axt und Energieklinge nur zwei testen konnte, war die Handhabung fast exakt identisch zu Monster Hunter Generations für den Nintendo 3DS - nur sieht alles jetzt eben ein ganzes Stück spektakulärer aus. Vor allem haben die schweren Waffen immer noch ordentlich "Punch", denn wenn man die Axt erst schwingt und dann mit voller Kraft auf den Schädel des Monsters schmettert, dann klingt das nicht nur in der Beschreibung schmerzhaft, sondern fühlt sich dank einem gelungenen Feedback auch nach einem gewaltigen Schlag an.


Monster Hunter WorldMonster Hunter World
Manchmal stößt man während der Jagd auch auf Überraschungsgäste wie diesen schlecht gelaunten Rathalos (links).


Die Grundidee des Kampfes bleibt in World so, wie sie es schon immer in Monster Hunter gewesen ist: Man weicht Angriffen des Bestien aus, sprintet um sie herum, zielt sorgfältig auf die zerstörbaren Körperteile (beim Anjanath etwa Schwanz und Kopf) und legt in den richtigen Momenten eine kurze Pause ein, um sich per Megatrank zu heilen. Auch kann man Monster wieder wie in der letzten Generation der Reihe erklettern und sie, wenn man sich nicht herabwerfen lässt, umwerfen. Ansonsten gibt es eigentlich alles, was man an der Serie kannte und mochte: Fallgruben, ein Crafting-System, das Looten von erlegten Monstern, einen Missions-Timer - und den obligatorischen 30-Sekunden-Countdown nach Erfüllen der Mission. Ob es auch die berühmten Posen gibt, konnte ich in der Demo leider nicht überprüfen, aber ich drücke die Daumen, dass das Stolzieren wieder möglich ist.

Meinem ersten Eindruck nach ist Monster Hunter World also vor allem eines: ein Monster Hunter in schöner und einer offeneren Welt. Davon abgesehen bleibt sich die Serie jedoch bei vielem treu; vielleicht sogar bei zu viel. Denn vor allem das Inventar und das Management von Beute, Ressourcen und Ausrüstung hätten dringend eine Überarbeitung nötig gehabt. Ich will nach einer kurzen Demo mit zwei Missionen freilich noch kein finales Urteil treffen, aber es scheint nicht so, als hätte sich an dieser altbackenen Menüführung etwas geändert. Positiv fällt dagegen auf, dass die Anspielversion nicht nur bereits auf Deutsch verfügbar war, sondern es sogar eine gar nicht mal so schlechte deutsche Sprachausgabe gab. Alleine wegen der unterschiedlichen Bezeichnungen mancher Monster und Items werde ich das Spiel, wenn es im Frühjahr 2018 erscheint, dennoch lieber auf Englisch spielen, um mit meinen internationalen Monsterjäger-Kumpanen kommunizieren zu können.

Zwar hat Capcom kurz vor der gamescom auch einen neuen Trailer zur Wildturm-Ödnis veröffentlicht, ich habe für diesen gamescom-Bericht allerdings bewusst das Gameplay-Walkthrough der E3 eingebettet, da ich genau diese Demo gespielt habe.



Tim

Fazit von Tim:

Monster Hunter World verspricht mit seinen offenen Jagdgebieten, der wirklich schicken Grafik und der bewährten, nur hier und da sinnvoll erweiterten Kampfmechanik genau dieser nächste große Schritt zu werden, den die Reihe nach all den Jahren gebraucht hat - die einzige Frage, die sich mir also stellt, ist: Warum heißt es nicht Monster Hunter 5? World bringt alles mit, was eine neue Generation für Monster Hunter auszeichnet: neue Monster, neue Ideen, neue Jagdgebiete - und endlich auch eine optische, längst überfällige Frischzellenkur. Was ich auf der gamescom spielen durfte, hat mich nicht nur deshalb äußerst positiv gestimmt, weil es technisch sehr überzeugend war, sondern vor allem deshalb, weil trotz der neuen Ausrichtung auf den westlichen Markt keine Einbußen in Sachen Komplexität zu erkennen waren. Dass beide gespielte Missionen sehr einfach ausfielen und ich sowohl Anjanath als auch Groß-Jagras in wenigen Minuten erledigt hatte, schiebe ich an dieser Stelle auf die Demo. Es bleibt abzuwarten, ob es wirtschaftlich die richtige Entscheidung war, die Fanbasis auf den Nintendo-Plattformen zu ignorieren und den japanischen Markt zu vernachlässigen. Aber spielerisch und inhaltlich könnte World das beste Monster Hunter seit Jahren werden, und ich freue mich riesig darauf.


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  • Entwickler:Capcom
  • Publisher:Capcom
  • Genre:Action-RPG
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:26.01.2018
    (PC) 2018

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Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Kithaitaa, ... und 3 Gästen.
  • Kithaitaa
    #1 | 4. September 2017 um 19:18 Uhr
    Sah schon interessant aus, zwar blieb mir nicht genügend Zeit alle (im Video gezeigten) Möglichkeiten auszuschöpfen, die Steuerung war da noch etwas ungewohnt, und auch die Kamera war stellenweise etwas fummelig, aber so insgesamt hat es mir recht gut gefallen. Könnte in der Tat mein erstes Monster Hunter werden.
  • Nobody
    #2 | 5. September 2017 um 08:03 Uhr
    Im Artikel wurden die Namen der Monster vertauscht.
    Ajanath ist das dinoartige Riesenvieh.
    Der Groß-Jagras, oder great-Jagras im englischen, ist der deutlich kleinere und schwächere der beiden, der Ähnlichkeiten mit Echsen hat.

    Ansonsten ein ganz guter Artikel.
  • Tim
    #3 | 5. September 2017 um 11:13 Uhr

    Nobody : Im Artikel wurden die Namen der Monster vertauscht.


    Da hat mich die Ähnlichkeit zum Groß-Jaggi wohl irritiert. Danke für den Hinweis, ist korrigiert!   

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