My Memory of Us - Preview 9

Krieg. Krieg bleibt immer gleich, heißt es in einem bekannten Zitat und wenn man seinen Blick über die Landschaft der Videospiele wandern lässt, ist die kriegerische Auseinandersetzung nach wie vor ein omnipräsentes Thema, speziell im Shooter- und Strategie-Genre. Doch überwiegend dient die Geschichte auf Basis historischer Ereignisse meist nur als Kulisse – wie auch jüngst bei Battlefield 1 und dem kommenden Call of Duty: WWII. Selten wird tiefer in die Materie eingestiegen, um einem Hintergründe oder Wissenswertes über die Konflikte näher zu bringen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel und ganz ähnlich wie Valiant Hearts: The Great War vor rund drei Jahren versucht auch das polnische Entwicklerstudio Juggler Games mit My Memory of Us ein schwieriges Thema "spielerisch" zu vermitteln.

Während es beim Debütwerk des Warschauer Studios ganz offensichtlich um den Holocaust, die schrecklichen Kriegsverbrechen der Nazis und ganz konkret um die Besatzung Polens sowie die Deportation der Juden geht, verpacken die Entwickler die Geschichte in eine Erzählung über eine Freundschaft. Die Freundschaft zweier Kinder – und gewissermaßen auch all derer, die wieder zueinander gefunden haben. Anders als bei This War Of Mine: The Little Ones werdet ihr dabei jedoch nicht einem strategischen Überlebenskampf ausgesetzt, sondern erlebt ein Puzzle-Abenteuer mit gelegentlichen Action-Minispielen.


My Memory of Us
Eine der vielen Metaphern: ein Deportationszug in Form eines fliegenden Walkoloss.


Bereits bei seiner Ankündigung Anfang des Jahres konnte das Spiel direkt mein Interesse wecken und daher ließ ich mir die Chance nicht nehmen, My Memory of Us auf der gamescom 2017 näher anzuschauen. Insbesondere der Artstyle – welcher durch Naïve Art und die frühen Micky-Maus-Cartoons inspiriert wurde - hat es mir dabei angetan. Da traf es sich gut, dass der Creative Director und Mitbegründer von Juggler Games durch die Präsentation führte. Während Jakub Jablonski die Hintergründe zum Spiel näher erläuterte und ein offenes Ohr für Fragen hatte, bediente sein Kollege Mikolaj Pawlowski den Controller.

Jakub betonte, dass man ganz bewusst Orte und Personen nicht explizit im Spiel benennt, man diese aber ganz offenkundig erkennen wird, wenn sie einem begegnen. Auch bekannte Symbole der Kriegszeit wie das Hakenkreuz oder der Judenstern kommen nicht vor, selbst die Nazisoldaten sind der Perspektive aus Kinderaugen gewichen und werden gänzlich durch Roboter und Maschinenwesen ersetzt – ganz ähnlich wie das auch im jüngsten Wolfenstein geschieht. Der metaphorische Stil zieht sich durch die gesamte Präsentation. Die neue Erscheinungsform macht unsere Widersacher jedoch nicht ungefährlicher oder gar weniger furchteinflößend.

Spielerisch geht es überwiegend darum, mit den beiden Kindern im kooperativen Miteinander Puzzleaufgaben zu lösen oder Gefahren geschickt zu umgehen. Dabei agieren beide unterschiedlich und haben verschiedene Stärken und Schwächen, die es zu koordinieren gilt. Kleine Details können dabei entscheidend sein: Übernimmt zum Beispiel das Mädchen die Führungsrolle des Duos, können sich beide gemeinsam schneller bewegen, in der umgekehrten Konstellation befindet ihr euch in einer Art Schleichmodus. Neben den klassischen Rätseln, welche die beiden häufig auch getrennt voneinander bewältigen müssen, zeigte das Demolevel auch ein Minispiel, das mich direkt an eine Passage in Valiant Hearts erinnert hat. Mit einem Motorrad flieht unser Duo vor einem Drohnenschwarm und muss dabei gleichzeitig den Hindernissen auf der Straße ausweichen sowie die fliegenden Blechdosen vom Himmel schießen, um der Verfolgung zu entkommen.

Eine recht witzige Anekdote aus den bisherigen Präsentationen hatten die Entwickler an diesem Tag auch gleich parat. Im vorgespielten Level befindet man sich zu Beginn auf einem (fliegenden) Zug und muss dabei die Gefangenen aus ihren Zellen befreien. Die Tatsache, dass die Käfige gleichzeitig als Rettungskapseln dienen und somit "vom Zug abgeworfen" werden können, ist offenkundig. Löst man das Zugrätsel, passiert auch genau das - allerdings waren in der präsentierten Fassung des Spiels die Fallschirme noch nicht integriert. Jakub schaute daher recht unfreiwillig in entsetzte "Was habt ihr getan?!" Gesichter und musste den Umstand erklären. Den Beweis, dass den Geretteten nichts passiert ist (und später wirklich Fallschirme montiert sein werden) lieferte dann auch gleich der nächste Abschnitt.


My Memory of UsMy Memory of Us
Düster und grausam, aber nicht hoffnungslos.


Während die Welt in Grautöne gehüllt ist und auch die Maschinen die dunkle, kalte Macht der Invasoren versprühen, markiert die Farbe Rot Gefahr und Interaktionsmöglichkeiten zugleich. Gefahr deshalb, da Wachdrohnen, Schießanlagen und die Roboter-Soldaten nicht zögern, auf alles zu schießen, was ihnen in dieser Farbe vor das Visier kommt. Äußerst ungünstig, dass unser Mädchen und auch alle Gefangenen des Regimes mit roten Kleidungsstücken umherlaufen (müssen). Vorsicht ist also geboten! Gleichermaßen stechen so jedoch auch Schalter und weitere Details in der Spielwelt sofort für uns ins Auge. Erzählerisch greifen die Entwickler auf wahre Ereignisse und Erzählungen dieser Zeit zurück, ohne dabei echte Sprache zu nutzen. Vielmehr agieren die Figuren mit einer universellen Bildsprache untereinander, die sicherlich international verständlich ist und nicht selten emotionale Momente auslöst.

Generell sollte man bei diesem Thema sicherlich nicht "zu nah am Wasser gebaut" sein, da einen dieses und die Atmosphäre im Spiel – trotz der vermeintlich kindlichen Optik – direkt packen, insbesondere in den Zwischensequenzen, welche die Geschichte nochmals tiefer beleuchten. In der gezeigten Demo beobachtet man an einer Stelle zum Beispiel einen Propaganda-Film, der einem eine heile Welt mit fröhlichen Menschen vorgaukelt. Haben wir jedoch zuvor ein Rätsel in diesem Bereich (korrekt) entschlüsselt, zeigt sich auf der Leinwand die traurige Wahrheit in Bewegtbildern.

Im finalen Spiel, das in der ersten Jahreshälfte 2018 erscheinen soll, wird es 18 Level geben, die insgesamt mehr als 6-8 Stunden Spielzeit bieten sollen, je nachdem wie clever man sich bei den Rätseln und kniffligen Passagen anstellt. Grundsätzlich sollte man aber, schon allein der vielen Details wegen, sicherlich mehr Zeit einplanen. Zunächst ist für My Memory of Us eine Veröffentlichung für den PC vorgesehen, spätere Konsolenfassungen - auch für die Nintendo Switch - sollen nach dem Release jedoch ebenfalls ein Thema werden.



Kithaitaa

Fazit von Kithaitaa:

Zweifelsfrei, wer bereits bei Valiant Hearts: The Great War zeitweise feuchte Augen bekommen hat und das Spiel als "pädagogisch wertvoll" einstufen würde, sollte sich auch unbedingt Juggler Games' My Memory of Us auf seine Liste packen. Neben dem grafischen Stil sind es vor allem die vielen erzählerischen Details - wie das oben angesprochene Beispiel mit dem Propaganda-Film -, die mich bereits in der gezeigten Demo überzeugt haben. Emotional wird einen das Spiel sicherlich nicht unberührt lassen, dafür ist das Thema zu schwer. Doch durch den geschickten Einsatz von spielerischen Elementen werden die Geschichte sowie die einzelnen Ereignisse nicht als "großer schwerer Brocken" am Stück präsentiert, sondern in verträglichen Dosen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf das finale Werk und schon jetzt ziemlich sicher, dass uns hier ein Indie-Kleinod erwartet.


  •  
  • Entwickler:Juggler Games
  • Publisher:IMGN.PRO
  • Genre:Puzzle-Adventure
  • Plattform:PC
  • Release:2018

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Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Evoli, HerrBeutel, ... und 7 Gästen.
  • HerrBeutel
    #1 | 27. September 2017 um 09:51 Uhr
    Sieht super spannend aus, danke für den Bericht. Wird direkt vorgemerkt  
  • ATeC
    #2 | 27. September 2017 um 14:51 Uhr
    sieht sehr vielversprechend aus leider hatte ich es noch nicht auf dem schirm nun schon muss ich mir unbedingt merken danke für den tipp kurtze off topic frage wird über cuphead evtl auch noch nen beitrag kommen ?
  • Kithaitaa
    #3 | 27. September 2017 um 15:40 Uhr

    ATeC: frage wird über cuphead evtl auch noch nen beitrag kommen ?


    Im Rahmen der gamescom-Artikel nicht mehr, aber sicherlich als Review. Das Spiel kommt ja schon Ende der Woche =)
  • ATeC
    #4 | 27. September 2017 um 19:12 Uhr

    Kithaitaa: Im Rahmen der gamescom-Artikel nicht mehr, aber sicherlich als Review. Das Spiel kommt ja schon Ende der Woche =)


    cool freu mich drauf  

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