Lonely Mountains: Downhill - Preview 17

In diesem Jahr standen bei mir insbesondere die kleineren Teams und Spiele auf dem Terminkalender und auf der "Muss ich mir anschauen"-Liste für die gamescom. Zum einen, da ohnehin ein Faible für Indiespiele bei mir besteht, zum anderen, da dort auch meist die interessanteren Spiele zu finden sind und man von den Blockbustern sowieso genug zu sehen bekommt. Eines davon ist Lonely Mountains: Downhill vom Berliner Entwickler-Duo Megagon Industries, das eine simple Spielidee mit einem coolen Look und der nötigen Prise Spielspaß und Herausforderung kombiniert.

Der Ankündigungs-Trailer verdeutlicht die besagte simple Spielidee bereits eindrucksvoll und zeigt, wohin es geht: Bergab, mit dem Mountainbike. Natürlich klingt das einfacher als es in Wirklichkeit ist und wer sich schon mal ein Video von Downhill-Mountainbikern angesehen hat, der weiß, was einen erwartet. Während ich am Indie Arena Booth geduldig auf meinen Einsatz warte, kann ich mir bereits bei den Vorspielern zahlreiche Fehler und vermeintliche Tricks abschauen und mich gleichzeitig mit Jan Bubenik unterhalten, der gemeinsam mit Daniel Helbig das Team von Megagon Industries bildet.

Dann wird meine Startnummer aufgerufen und es geht los. Mitten in einem idyllischen Wald trete ich also in die Pedale meines Bikes und versuche, dabei möglichst lässig auszusehen. Die Steuerung ist nicht sonderlich kompliziert, allerdings kommt es, wie zum Beispiel bei den Trials-Spielen, auf das richtige Timing und Feingefühl an. Geschwindigkeit aufnehmen, Sprinten und Lenken, das ist eigentlich bereits alles, was man auf dem Controller koordinieren muss. Aufgrund einer 360-Steuerung wird einem dann allerdings doch auch mehr abverlangt, nämlich genau dann, wenn die Kamera sich dem Spielgeschehen anpasst und man Links-Rechts und die Geschwindigkeit unseres Low-Poly-Bikers wohldosiert umsetzen muss.

Zweifellos braucht man an manchen Passagen mehrere Anläufe, um sich die Strecke einzuprägen und knifflige Stellen im Hinterkopf zu behalten – das ist auch der Clou an der Sache. Besonders cool ist dabei vor allem, dass die handgemachten Levels jede Menge Abkürzungen und Wow-Ahhh-Ohh-Momente enthalten. Die konnte ich bereits in der kurzen Anspielsession erleben und bin mir sicher, dass es davon noch einige geben wird. Konkret: Während ich geschmeidig die nächste Kurve meistere und den schmerzhaften Felsen geschickt umschiffe, wird mir meine Geschwindigkeit auf den folgenden Metern direkt zum Verhängnis – der Versuch, mein Bike gerade noch vor dem nächsten Crash zu retten, endet in einem unfreiwilligen Sprung von der Klippe, der zu meiner Verwunderung mit einer perfekten Landung auch noch erfolgreich verläuft. Doch noch während ich ein freudiges "Wow!" bekunde, radelt mein Low-Poly-Biker geradewegs in einen Teich. Ohh.


Lonely Mountains: DownhillLonely Mountains: Downhill
Der Wald ist der Weg. Die Strecken vermitteln ein Open-World-Like-Feeling.


Trotz eines guten Einstiegs brauchte ich für manche Abschnitte also durchaus mehrere Versuche, doch zu keinem Zeitpunkt hat das Scheitern an verschiedenen Stellen Frust aufkommen lassen, ganz im Gegenteil. Der Motivationsfaktor war – zumindest in diesem Level – sehr hoch, was sicherlich auch den witzigen, knallharten und kurzen "Unfallszenen" meines Bikers und dem direkten innerlichen Reflektieren "Boah, wie dumm" geschuldet ist. Umso toller ist dann der Moment, wenn man über die Ziellinie brettert. Ob die finale Zeit dann ebenfalls überzeugt, steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber gerade diese "Highscore-Jagd" dürfte ebenfalls einen guten Reiz des Spiels ausmachen. Apropos Biker: Ja, es wird auch BikerInnen geben, hat mir Jan bestätigt. Generell soll später im finalen Spiel die Möglichkeit bestehen, die Radler und das Bike anzupassen, allerdings wird sich das ausschließlich auf kosmetische Features beschränken.

Im kurzen Talk mit Jan habe ich unter anderem auch einen Level-Editor angesprochen, der sich für so ein Spiel natürlich super anbieten und auch weiteres Potential durch die Community erschließen würde. Die Entwickler selbst würden dieses Feature auch gerne einbauen und sehen, allerdings sind hier umfangreiche Anpassungen an der Engine notwendig – bei einem Zwei-Mann-Team daher eher problematisch, wenn auch nicht undenkbar. Daher wird es schon bald, voraussichtlich im Oktober, eine Kickstarter-Kampagne geben, die die weitere Entwicklung des Spiels finanzieren und sichern soll. Bisher war das Feedback überaus positiv, selbst manch Publisher hat schon bei Megagon Industries angeklopft.

Ich persönlich wünsche dem Team auf jeden Fall einen großen Erfolg, da mich die Spielidee und der Spielspaß dahinter sehr begeistern. Wenn man dann noch Dinge wie ein Wetter-System, dynamische Tag-Nacht-Wechsel, ein Replay-and-Share-System sowie geheime Orte und vieles mehr auf der Feature-Liste der Entwickler entdeckt, steigen die Möglichkeiten und die Vorfreude weiter an. Erscheinen soll Lonely Mountains: Downhill im kommenden Jahr zunächst für PC, natürlich ist eine Umsetzung für Konsolen angedacht, allerdings ist diese auch an die Manpower des Entwicklerteams und den Erfolg der Crowdfunding-Kampagne gekoppelt. Wie cool die Kombination des kleinen Poly-Bikers mit der echten Welt wirkt, das zeigen übrigens zahlreiche Schnappschüsse auf der Instagram-Seite der Entwickler.



Kithaitaa

Fazit von Kithaitaa:

Kleine Spiele ganz groß. Für mich war Lonely Mountains: Downhill definitiv ein kleines Highlight auf der gamescom 2017, da es mich direkt in seine Spielwelt und die Herausforderung hineingesaugt hat. Die intuitive Steuerung mit seinem Kniff, der coole Low-Poly-Look mit seinen vielen Details und der beruhigende Sound im Hintergrund, der einem die idyllische Stimmung des Waldes über das Headset direkt in die Glücksregion des Gehirns transportiert, waren insgesamt ein gutes Gefühl. Nun wird sich hoffentlich das bisherige positive Feedback auch in der kommenden Kickstarter-Kampagne niederschlagen, wünschenswert wäre es dem Entwickler-Duo auf jeden Fall. Packt euch Lonely Mountains: Downhill auf die Watchlist und verfolgt die weitere Entwicklung, es könnte durchaus ein Hit werden.


  •  
  • Entwickler:Megagon Industries
  • Publisher:Megagon Industries
  • Genre:Sportspiel
  • Plattform:PC, Mac
  • Release:2018

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Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Tim, Frankstar, HerrBeutel, ... und 14 Gästen.
  • Frankstar
    #1 | 16. September 2017 um 17:42 Uhr
    Danke für das Preview!
    Das Spiel hät ich glatt übersehen ...
  • Tim
    #2 | 17. September 2017 um 15:00 Uhr
    Hat mir auf der gamescom auch gut gefallen. Am Anfang bin ich zwar mit der Steuerung ein bisschen überfordert gewesen, aber das ist einfach Übungssache. Schaut nach einem schönen kleinen Indiespiel aus - spannend wird am Ende wohl vor allem, wie lange das Spielprinzip Spaß macht und wie vielseitig die Strecken werden.
  • Kartodis
    #3 | 17. September 2017 um 18:12 Uhr
    Klingt nach einem netten Spiel für zwischendurch. Werde ich mir auf jeden Fall noch anschauen. Schön wäre natürlich auch die Möglichkeit, zu zweit gegeneinander zu fahren. Nicht unbedingt gleichzeitig aber vielleicht nacheinander, um am Ende die besten Zeiten zu ermitteln. Kann ja noch kommen.

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