Assassin's Creed: Origins - Preview 4

Vier Jahre hat Ubisoft Montreal an der Umsetzung des neuen Assassin's Creed: Origins gearbeitet. Nachdem die Serie in den Augen der Community mit den beiden Episoden Unity und Syndicate ein wenig an Schwung verloren hatte, versuchen die Macher nun einen echten Neustart. Hierfür wurde sogar auf den bisher üblichen – jährlichen – Erscheinungszyklus verzichtet. Für das Comeback haben sich die Black-Flag-Macher das antike Ägypten als Schauplatz und mit Bayek und Aya zwei Charaktere ausgesucht, die in einer Prequel-Story an der Entstehung der Assassinen-Bruderschaft beteiligt sind.

Wer sich jemals mit antiker Geschichte beschäftigt oder an einer besonders anspruchsvollen Latein-Klausur die Zähne ausgebissen hat, für den ist Gaius Julius Cäsar kein Unbekannter. Der römische Feldherr hat im Laufe seines Lebens der Menschheitsgeschichte mehr als einmal seinen Stempel aufgedrückt - sei es der Gallische Krieg oder der berühmte Ausspruch, wonach der Würfel gefallen sei ("alea iacta est"). Nachdem Cäsar dieses in der Rückschau ikonische Zitat in die Welt gesetzt hatte, überschritt der Staatsmann im Jahr 49 v. Chr. den Rubikon und stürzte das Römische Reich damit in einen Bürgerkrieg. Warum erwähne ich dies überhaupt im Zusammenhang mit einer AAA-Videospiel-Produktion aus dem Hause Ubisoft? Ganz einfach: weil die Geschichte von Assassin's Creed: Origins genau in diesem Jahr beginnen wird und ich bzw. Bayek dem römischen Strategen begegnen werden. Aufeinandertreffen mit historischen Persönlichkeiten sind im Assassin's-Creed-Universum natürlich nicht neu, gehörten doch schon Napoleon Bonaparte (Assassin's Creed Unity), Leonardo da Vinci (Assassin's Creed II) oder George Washington (Assassin's Creed III) zum illustren Personenkreis früherer Teile.


Assassin's Creed: Origins
Bayek und das antike Ägypten samt ihrer Pyramiden bestimmen das Setting des neuen Assassin's Creed.


Innerhalb der neuen Quest-Struktur kann ich mich frei in der Spielwelt bewegen



Für die Story – oder besser Stories – von Assassin's Creed: Origins bedeutet dies aber, dass die Macher aus der vollen Bandbreite zwischenmenschlicher Intrigen und Eifersucht schöpfen können. Zumal mit Kleopatra noch ein weiterer Top-Akteur der Antike das Spiel um die Macht maßgeblich mitbestimmen wird. Als weiblicher Pharao musste sie sich nach dem Tod des Vaters die Herrschaft mit ihrem minderjährigen Bruder Ptolemaios XIII. teilen. So wollte es die Tradition. Doch im Jahr 49 v. Chr. wurde die Königin des ägyptischen Ptolemäerreichs durch die Berater ihres Bruders aus der Regierung gedrängt. Innerhalb der Erzählung ist für dieses Komplott der "Orden der Ältesten" verantwortlich, mit dem Ergebnis, dass Kleopatra ins Exil gezwungen wurde. Um ihre alte Stärke zurückzugewinnen, geht sie einen Pakt mit den Römern ein, womit wir wieder bei Cäsar wären. Was aus den Geschichtsbüchern am Ende in welcher Form in das fertige Spiel Einzug halten wird, bleibt abzuwarten.

Vom historischen Hintergrund einmal abgesehen, heißt das aber auch, dass sich Ubisoft von einer durchgängig linearen Geschichte verabschiedet hat. Stattdessen wird es ein Quest-basiertes System geben, in dem ich nach Belieben neue Missionen aufgreifen und aktivieren, diese aber auch jederzeit unterbrechen und mich stattdessen mit etwas anderem beschäftigen kann - zum Beispiel damit, ein Pyramidengrab zu plündern. Auch neu ist, dass es mit Ägypten nun ein komplettes Land zu entdecken gibt. Da gibt es etwa die Hauptstadt Memphis, zum Zeitpunkt des Spiels bereits 3000 Jahre alt, und die Hafenstadt Alexandria mit ihrem als eines der sieben Weltwunder bekannten Leuchtturm oder die Oase Siwa, aus der unsere beiden Helden stammen. Bayek und Aya gehören im Übrigen den Medjay an, einer Art antiker Polizeitruppe.

Während der rund 20-minütigen Demo, die ich während der gamescom gleich zweimal gespielt habe, verschlug es mich mit Faiyum in den südlichen Teil Ägyptens. Zunächst durchquerte ich auf meinem Pferd eine staubige Wüstenlandschaft. Eine Entfernungsmarkierung zeigte mir bereits mit einer Siedlung mein Ziel an. Während ich den direkten Weg wählte, wollte mein Kollege Tim gleich mal austesten, was die Open World denn so alles zu bieten hat - und ob die Welt von Origins dieses Mal lebendiger und authentischer auf den Assassinen reagiert. Seine erste Entdeckung wenige Meter abseits der Missionspfade: ein senkrecht in die Luft ragendes Bambusboot, das auf den ersten Blick noch wie ein merkwürdig verrenkter Baum aussah. Ein durchaus witziger Anblick, bis zum Erscheinungstag am 27. Oktober sind diese und mögliche andere technische Fehler aber hoffentlich ausgemerzt.


Assassin's Creed: OriginsAssassin's Creed: Origins
Kleopatra kämpft um den Thron und gegen die Intrigen innerhalb der eigenen Familie.


Mit dem Adler Semu kann ich die Umgebung ausspähen und Ziele markieren



Bevor ich hingegen die Stadtgrenze überschritt, schickte ich mit Semu einen Adler in die Luft, der in Assassin's Creed: Origins die Ausspähung interessanter Punkte übernimmt und von mir gesteuert werden kann. Am Bestimmungsort angekommen, mische ich mich in einen Streit ein. Ein Priester bezichtigte einen Jungen des Diebstahls. Genauer gesagt ging es um eine Sobek-Statue und damit um ein Abbild des ägyptischen Krokodilgottes. Ich erkläre mich dazu bereit, das verlorene Relikt zu suchen und damit den Beschuldigten zu entlasten - wie es ein Sheriff der Antike eben so macht! Da sich das Objekt in einem gesunkenen Schiffswrack befinden musste, tauchte ich auf den Grund der Bucht hinab und hob die Skulptur. Doch damit war die Mission natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Auf zwei in der Bucht vor Anker liegenden römischen Kriegsschiffen warteten noch Gegner auf mich, denen mit Diplomatie nicht beizukommen war.

An dieser Stelle zeigte sich eine weitere gravierende Änderung des neuen Assassin's Creed. Das Kampfsystem kennt weder geskriptete Animationen noch stumpfes Buttonmashing. Ein Grund hierfür ist wohl auch, dass Ubisoft echte Bosskämpfe im Spiel haben wollte und aus diesem Grund die Steuerung komplett überarbeitet hat. Um Bayek von den Fesseln der früheren Assassinen zu befreien, setzen die Franzosen jetzt auf das so genannte "Hitbox"-System, d.h. Abstand und Position zum Gegner sind von entscheidender Bedeutung. Immer wieder betonten die Macher, dass "in die Luft schlagen" nun auch "in die Luft schlagen" bedeutet. Für den Nahkampf stehen mir acht Waffengattungen zur Verfügung, darunter Hiebwaffen und Doppelklingen. Neben der Position, die ich während eines Kampfs einnehme, spielen auch die Faktoren Reichweite, Schaden und Geschwindigkeit eine Rolle. Zwar kann ich mit einem Speer mehr Flächenschaden anrichten, bin damit aber langsamer als mit einer kurzen Klinge, die mich zudem auch näher an den Feind bringt.

Darüber hinaus wird es noch vier Bogenarten geben (Schnellfeuer, Scharfschütze und andere). Jede Waffe verfügt – wie in einem Rollenspiel – über einen Statuswert. Meinen Assassinen kann ich per Item-Slots mit Rüstung und Waffen ausstatten. Auch einen Fähigkeitsbaum für die Kategorien Schleichen, Kämpfen und Mystizismus wird es geben. Dass Bayek nun auch per Erfahrungspunkte "leveln" kann, ist ein weiteres Feature, das Assassin's Creed: Origins an den Standard "moderner" Action-RPGs heranführt. Nicht zu vergessen die speziellen Fähigkeiten: Sobald sich eine Adrenalin-Leiste gefüllt hat, darf der Held entweder einen brachialen Einzelhieb oder eine wilde Angriffskette ausführen. Ausweichmanöver und Paraden mit meinem Schutzschild runden die Kampf-Optionen ab.


Desynchronisation gehört hoffentlich der Vergangenheit an



In diesem Sinn hat Ubisoft Montreal augenscheinlich nicht davor zurückgeschreckt, die Axt an grundlegende Prinzipien des Assassin's-Creed-Designs zu legen. Der Schritt in eine komplett offene Welt steht auch für die Abkehr vom starren Erzählprinzip hin zu einer quest-basierten Lösung. Dies wird wohl auch bedeuten, dass es keine Desynchronisation mehr geben wird. Stattdessen reagiert das Spiel nach Aussage von Ubisoft in Echtzeit sowohl auf Erfolge als auch auf meine Fehlschläge und befreit mich auf diese Weise hoffentlich von jeglicher Limitierung, was die Herangehensweise an mir gestellte Aufgaben angeht. Wenn jetzt auch noch die notorischen und von mir äußerst ungeliebten Verfolgungsmissionen auf dem Pixelhaufen der Videospielgeschichte landen würden, wäre ich persönlich ein sehr glücklicher Mensch. Allzu oft endeten nämlich diese Abschnitte vor einer Hauswand oder an einer Dachkante, wenn sich mein Held dem Kletter- oder Sprungimpuls hartnäckig verweigerte. Weitere Änderungen: Die Mini-Map ist einem Elder-Scrolls-ähnlichen Kompass gewichen, der nun an den oberen Bildschirmrand verschoben wurde. Zudem soll Bayek im fertigen Spiel nahezu alle Bauwerke oder andere Strukturen erklimmen können. Erfolgreiches Klettern ist damit nicht mehr an einen Handlauf oder einen speziell markierten Stein gebunden, an dem ich mich entlanghangeln oder hochziehen kann.



Jari

Fazit von Jari:

Wenn Lara Croft auf Geralt von Riva und den Loot-Wahnsinn eines Destiny trifft: So könnte das Fazit meiner ersten Begegnung mit Assassin's Creed: Origins lauten. Als großer Fan der Serie habe ich der Vergangenheit nur allzu gern über die Schwächen der Reihe hinweggesehen. Hierzu gehörten neben der vielen Bugs auch einige problematische Designentscheidungen wie die nervigen Verfolgungsmissionen. Auch wenn ich mehr als nur einmal in den Controller hätte beißen wollen: Am Ende hat zumindest bei mir (fast) immer die Faszination des historischen Settings über alle technischen Limitationen obsiegt. Umso zuversichtlicher macht es mich, dass Ubisoft sich nun anscheinend deutlich an den Genregrößen wie The Witcher 3 und – was das Loot- und Item-System angeht – an Destiny orientiert hat und damit die Zeiten eines starren Spielverlaufs und störender Spielabbrüche durch die Desynchronisation der Vergangenheit angehören. Auch das Setting halte ich persönlich für einen Volltreffer. Als ein von römischer Geschichte faszinierter Gamer hätte ich mir noch mehr vom Imperium Romanum gewünscht, aber dies kann ja noch werden. Immerhin hat Ubisoft das Rad der Geschichte schon mal in die richtige Epoche gedreht.


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  • Entwickler:Ubisoft
  • Publisher:Ubisoft
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:27.10.2017

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Folgenden Usern gefällt der Beitrag: ... 4 Gästen.
  • Tim
    #1 | 25. September 2017 um 20:06 Uhr
    Mir hat die Demo auf der gamescom eher nicht so gefallen, aber da schwingt auch ein bisschen die AC-Müdigkeit mit - selbst nach der Pause letztes Jahr. Das Setting finde ich aber super und irgendwann "zwischen den Jahren" werde ich mir Origins auch anschauen. Das Boot war übrigens einer der seltsamsten Bugs, die ich seit langem in einem Spiel erlebt habe. Der Typ darin hat sogar noch fleißig gepaddelt   
  • HerrBeutel
    #2 | 25. September 2017 um 22:17 Uhr
    War von der Demo auch eher ernüchtert. Das Ding war vollgestopft mit exakt den gleichen Bugs, die man aus anderen AC Teilen auch kennt. Setting war cool, aber spielerisch leider dann doch "more of the same". Schauen wir mal.
  • Kithaitaa
    #3 | 25. September 2017 um 22:38 Uhr

    HerrBeutel: Das Ding war vollgestopft mit exakt den gleichen Bugs, die man aus anderen AC Teilen auch kennt.


    Mag sein, dass die Demo hier und da (oh Gott, ein Boot steht senkrecht) so ihre Macken hatte, aber "die anderen AC-Teile" sind (wenn man sie selbst spielt) mal so gar nicht "vollgestopft" mit Bugs. In der Ansammlung auf Youtube und in Foren vielleicht, im eigenen Spiel weitaus weniger, bis gar nicht. Da spreche ich jetzt von Syndicate, Unity und Black Flag zusammen genommen. Wenn überhaupt, kann ich mich da nur an witzige Bugs aus der Kategorie "zuckelnde NPC" erinnern, habe alle Teile aber auch nicht direkt zum Day-1 gespielt.

    Tim: M Der Typ darin hat sogar noch fleißig gepaddelt


    =D

    Bin mal gespannt auf das neue Setting und die Neuerungen - insbesondere spannende Nebenquests, Kampf und Levelsystem -, klang für mich schon alles recht nice, wenn auch nicht generell neu. Dafür aber neu in Assassins Creed. Mal sehen, ob es funktioniert. Ein wenig graust mir aber schon etwas vor der "riesigen" Welt.
  • Jari
    #4 | 26. September 2017 um 10:01 Uhr
    Was man ja überhaupt noch nicht gesehen hat - vielleicht hinter verschlossenen Türen im Pressebereich - ist eine mögliche Storyline außerhalb des Animus in der Gegenwart. Ich bin mal gespannt, ob es diese Handlung wieder geben wird. Ich fand diesen Teil eigentlich durchweg in allen Teilen am schwächsten.

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