Romancing SaGa 2 - Review 3

Weltweit zeitgleiche Releases, der Download von Spielen via Internet oder das Fehlen von Regionssperren mögen im Jahr 2018 nichts Ungewöhnliches mehr sein. In den 1990er-Jahren sah dies jedoch noch anders aus. Nicht wenige Titel aus dem fernen Osten, allem voran Rollenspiele mit aufwendiger Textlokalisation, erblickten daher in Europa damals nie das Licht der Welt. Square Softs Romancing-SaGa-Serie für das Super Nintendo Entertainment System stellt dabei eine dieser hier eher unbekannten Spielereihen dar. Mit dem HD-Remake von Romancing SaGa 2 dürfen Interessierte nun zumindest einen der drei Teile endlich nachholen. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Lange Zeit wurden sieben auserkorene Helden von der Bevölkerung des Lands Avalon groß verehrt, da sie sich die Bekämpfung der Feinde des Landes als höchstes Ziel gesetzt hatten. Doch in Zeiten des Friedens verschwanden die sieben Helden und auch als das Land sie nach vielen Jahren durch den erneuten Aufstieg dunkler Mächte wieder bitter benötigte, schien ihre Rückkehr ungewiss. Eines Tages erschienen sie wie aus dem Nichts nun aber doch in Avalon – zum Entsetzen der Bürger des Landes allerdings aus zunächst unbekannten Gründen mit feindlichen Absichten. Leon, König von Avalon, macht sich nun auf die Suche nach Antworten für deren seltsames Verhalten und erklärt die einstigen Helden zu Staatsfeinden ...


Romancing SaGa 2
Das Königreich Avalon bietet alles an Ausrüstung, was das Kriegerherz begehrt.


Auf den ersten Blick weist Romancing SaGa 2 frappierende Ähnlichkeiten zu den ebenfalls aus dem Hause Square Enix stammenden SNES-Ablegern von Final Fantasy auf. In bester Rollenspielmanier bewegt man sich durch monsterverseuchte Dungeons und plättet diese in klassischen rundenbasierten Kämpfen über Befehlmenüs durch den Einsatz von Einzelaktionen wie Angriffe mit Schwertern, Bögen oder Magie. Leider bietet das Spiel kein Active-Battle-System, wie es manche vielleicht aus Final Fantasy IV und den Folgetiteln gewohnt sind, wodurch das Kampfsystem aus heutiger Sicht ein klein wenig rückständig und antiquiert wirken mag. Glücklicherweise gibt es aber auch, anders als in den früheren Final Fantasys, keine Zufallskämpfe. Stattdessen sieht man die Monster als Sprite-Figuren auf der Oberwelt herumstreunen und kann so mit etwas Geschick einigen Kämpfen ausweichen.


Bäumchen wechsel dich!



Ein weiterer Unterschied ist die Tatsache, dass das eigene Team im Verlauf des Spiels völlig austauschbar ist und man somit zu vielen Figuren aus der Truppe wohl keine engere Bindung aufbauen wird. Fallen einige Kameraden im Kampf, sind sie zwar für den weiteren Spielverlauf für immer verloren, können dann aber gegen neue Rekruten mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten ausgetauscht werden. Im Kampf lohnt es sich dann, die Figuren entsprechend ihrer Fähigkeiten zu formieren. Eher defensive Kämpfer sollten dabei eher in den vorderen Reihen platziert werden, während Magier mit hoher Angriffsreichweite eher in den hinteren Rängen bleiben sollten. Die Möglichkeiten sind dabei recht vielfältig und es ist von Vorteil, jede Formation einmal ausprobiert zu haben, denn gerade in späteren Kämpfen macht sich eine stumpfe "Hau-drauf"-Taktik selten bezahlt. Dass sich das komplette Team nach jedem Kampf komplett heilt, mag nach einem großzügigen Feature klingen, doch wird dies durch die Tatsache ausgeglichen, dass im Kampf fallende Team-Mitglieder für immer sterben und auch nicht direkt ersetzt werden. Etwas Köpfchen und die richtige Taktik sind hier also gefragt.


Romancing SaGa 2Romancing SaGa 2
Um Kämpfe erfolgreich zu bestreiten, muss man als Regent im Königreich auch die richtigen Entscheidungen fällen.


Alles für das Wohl des Königreichs



Abseits der Kämpfe enthält Romancing SaGa 2 zusätzlich einen simulationsartigen Gameplay-Anteil. In der Rolle des künftigen Kaisers oder der künftigen Kaiserin von Avalon (ja, das Geschlecht der Hauptfigur darf zu Beginn selbst bestimmt werden) gilt es, dem Königreich zu mehr Reichtum oder der Entwicklung neuer Ausrüstung und Zaubersprüche zu verhelfen, indem der Kontakt zu den Bürgern gehalten wird. Dies stellt eine gelungene Abwechslung zum sonst eher einseitigen kampf-basierten Rest des Spiels dar. Je nachdem, welche Entscheidungen getroffen werden, können sich spätere Kämpfe ebenfalls einfacher oder schwieriger gestalten.

In punkto Technik meisterte Square Enix den perfekten Spagat aus der Beibehaltung des Originals und einer zeitgemäßen Anpassung des Spiels. Die Grafik wurde runderneuert und besonders die Hintergründe und Textboxen sehen deutlich hübscher und schärfer aus als im SNES-Original, während die leicht aufgebohrten Pixelsprites auch auf dem HD-Bildschirm eine gute Figur machen. Selbiges lässt sich über den gelungenen 16-Bit-Soundtrack sagen, welcher glasklar aus den Soundboxen des TVs oder Switch-Gamepads ertönt. Wie es sich für ein ordentliches Rollenspiel gehört, punktet Romancing SaGa 2 auch mit einer beträchtlichen Spielzeit von mindestens 40 Stunden - selbstverständlich nur, wenn man auch bis zum Schluss durchhält.



Fazit von Karimoto:

Es ist schön zu sehen, dass Square Enix mit Romancing SaGa 2 einen SNES-Klassiker knapp 25 Jahre nach dem Erst-Release in Japan auch einem westlichen Publikum zugänglich macht. Statt einem bombastischen Grafik- und Gameplay-Update hat man hier auch als vermutlicher Nicht-Kenner der japanischen SNES-Version die Möglichkeit, den Titel recht originalgetreu nachzuholen. Hier liegt jedoch auch der Knackpunkt, denn die Zielgruppe des Spiels dürften eindeutig Fans und Liebhaber von 16-Bit-Japan-Rollenspielen sein, was sich neben der Optik an dem recht knackigen Schwierigkeitsgrad und dem etwas behäbigen rundenbasierten Kampfsystem bemerkbar macht. Englischkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil, wenn nicht sogar schon Pflicht, da dem Spiel keinerlei deutsche Texte spendiert wurden. Leider (oder zum Glück für englische Lesemuffel) kann die Story qualitativ allerdings ohnehin nicht mit ähnlichen Vertretern wie Final Fantasy VI mithalten. Wen es nach dem Ende der SNES-Final-Fantasy-Ära schon nach mehr vom gleichen dürstete, und wer sich voll und ganz auf das klassische SNES-Rollenspiel einlässt, der dürfte trotzdem einige unterhaltsame Stunden mit Romancing SaGa 2 verbringen.

Romancing SaGa 2 stellt einen spaßigen Vertreter des 16-Bit-Rollenspiel-Genres dar - wenn man bereits ähnliche Titel aus dieser Zeit kennt. Der typische SNES-Charme, sowohl spielerisch als auch technisch, wird Veteranen und Nostalgiker begeistern, bietet aber für Rollenspiel-Unerfahrene einen eher schweren Einstieg.

Besonders gut finde ich ...
  • liebevolle HD-Umsetzung des SNES-Originals im 16-Bit-Stil
  • Simulations-Komponente im Königreich sorgt für Abwechslung
  • keine Zufallskämpfe enthalten
  • hohe Spieldauer von über 40 Stunden
Nicht so optimal ...
  • für Einsteiger relativ hoher Schwierigkeitsgrad
  • Kampfsystem und Menüführung aus heutiger Sicht antiquiert
  • Story könnte mehr fesseln
  • nur englische Bildschirmtexte vorhanden

Karimoto hat Romancing SaGa 2 auf der Nintendo Switch gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Square Enix zur Verfügung gestellt.

Romancing SaGa 2 - Boxart
  •  
  • Entwickler:Square Enix
  • Publisher:Square Enix
  • Genre:JRPG
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne, Switch, PSVita, iOS, Android
  • Release:26.05.2016
    (PC, Konsolen) 15.12.2017

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