Star Wars: Battlefront 2 - Review 4

Star-Wars-Jünger können sich aktuell glücklich schätzen: Jedes Jahr bringt Disney einen neuen Film in die Lichtspielhäuser und das Merchandise-Regal füllt sich unaufhörlich mit Comics, Büchern und Figuren. Lediglich im Bereich Videospiele sieht es eher mau aus - dabei würden sich viele Fans da draußen für einen neuen Jedi-Knight-Ableger sicher ungefähr 78 Arme von einem Rancor ausreißen lassen. Was bleibt, ist Star Wars: Battlefront II, bei dem Electronic Arts endlich auch eine Kampagne mitgeliefert hat - die inmitten des Lootbox-Fiaskos fast untergegangen ist. Zu Unrecht?

Iden Versio, Offizierin im Dienste des Imperiums und Kopf des sogenannten Inferno-Squads, einer Elite-Einheit, muss während der Schlacht auf Endor mit ansehen, wie der zweite Todesstern am Himmel explodiert. Dieses Ereignis markiert den endgültigen Wendepunkt im Krieg, welcher mit dem vorübergehenden Sieg der Rebellen später auf Jakku enden wird.


Star Wars: Battlefront 2
Battlefront II führt mit Iden Versio einen neuen Charakter auf Seiten des Imperiums in den Kanon ein.


Eine Welt(raum)reise



Dies ist aber noch ein langer Weg. Ohne große Spoiler kann man festhalten: Die Kampagne schafft es nicht, die interessante Prämisse, eine Geschichte auf imperialer Seite zu spielen, aufrecht zu erhalten. Die ersten Missionen aus der Sicht von Iden Versio bieten im Prinzip die übliche Shooter-Kost, während man als Spieler immer wieder in den Cockpits verschiedener Fluggeräte Platz nimmt. Die stellen den spaßigsten Teil des Spiels dar, sind jedoch übertrieben einfach, selbst auf den höheren Schwierigkeitsgraden. Das Gameplay dieser Flugpassagen wurde im Gegensatz zum Vorgänger etwas erweitert - wer also bereits viele Stunden in einem Raumschiff verbracht hat, muss sich erst an die neue Steuerung gewöhnen. Der größte Unterschied dürfte sein, dass man Gegner nicht mehr aufschalten kann, im Gegenzug fühlt sich das Fliegen insgesamt weniger nach einer bloßen Schießbude an. Das liegt auch an den variierenden Missionszielen inklusive Start und Landung.

Anders präsentiert sich das Spiel am Boden: Ist man mit Iden unterwegs, kann man - neben dem traditionellen Ballern - auch geduckt an Gegner heranschleichen und diese mit einem Knopfdruck schlafen legen. Alternativ bietet der stets an ihrer Seite verweilende, fliegende Droide Dio die Option, einen oder mehrere Feinde mit einem Elektroschock kampfunfähig zu machen. Weitere Abwechslung gibt es in Missionen, in denen man in die Haut bekannter Helden schlüpft, darunter Lando Calrissian, Han Solo oder Luke Skywalker. Besonders letzterer bleibt leider hinter seinen Möglichkeiten zurück und wird im Grunde zum Kammerjäger degradiert, was dem einen oder anderen sicher negativ aufstoßen könnte.

Star Wars: Battlefront 2Star Wars: Battlefront 2
Die Kampagne bietet beides: Action zu Lande und in der Luft.


Vorbereitung für die großen Schlachten



Ganz selten hat die Regie auch ihre kleinen Höhepunkte, wenn sie die Handlung des Spiels geschickt mit den Filmen verknüpft. In Episode VII fragt man sich noch, was der gute Han Solo wohl Maz angetan hat, weil sie ihn auf Takodana eher unbegeistert in Empfang nimmt. Hier spielt man exakt diesen Teil. Und ja, jeder wäre sauer, wenn jemand einen imperialen Sternenzerstörer im See vor der eigenen Cantina versenkt. Das ist nicht gut fürs Geschäft. Die entsprechenden Figuren nutzen die Spezialfähigkeiten, die sie im Multiplayer-Part von Battlefront II beherrschen, und ebenso sind leider viele Maps Versatzstücke aus den Mehrspielerkarten. Das ist faules Recycling und hätte nicht sein müssen - schade, dass man sich nicht mehr Mühe beim Leveldesign gegeben hat. Die reinen Schlauchpassagen, die in engen Schiffskorridoren stattfinden, weichen auf verschiedenen Planeten offeneren Arealen, bei denen es dem Spieler immerhin mal überlassen ist, sich von mehr als einer Position aus an die Gegner heranzuschleichen - was spielerisch meist jedoch nicht sonderlich von Belang ist: Am Ende scheppert es trotzdem und die Blaster glühen. Wenn ein mächtiger AT-ST vor einem auftaucht, sollte man die Umgebung gut beobachten, denn hier und da haben die Entwickler ein paar mächtigere Waffen verstreut, welche die Chancen gegen die gepanzerten Ungetüme verbessern.

Wie auch schon in anderen aktuellen Shootern kann man viele Elemente der Kampagne unterm Strich als "Training" für den Multiplayer-Part sehen. Stellen, an denen man unter Zeitdruck einen bestimmten Teil der Map oder einen wichtigen NPC vor heranstürmenden Gegnerhorden beschützen muss, sind altbekannt, aber auch hier gibt es sie. Die Gegner stellen sich dabei nicht unbedingt intelligent an, haben aber keine großen Ausreißer, was ebenso für den eigenen KI-Begleiter gilt. Zwischen den Missionen ist es möglich, die im Multiplayer viel diskutierten Star Cards neu zu verteilen, welche man aus einem vorgeschriebenen Pool auswählen kann. Diese ermöglichen die Benutzung von Waffen oder Waffenmods, ebenso wird der zu spielende Charakter in die Lage versetzt, sich gegebenenfalls zu heilen. Dadurch kann man sich zumindest minimal den eigenen Spielstil zurechtlegen.


Star Wars: Battlefront 2
Das letzte Aufbäumen des Imperiums: Was hat es mit der "Operation Asche" auf sich?


Zu viel Star Wars. Geht das überhaupt?



Man merkt, dass irgendwann die Entscheidung getroffen wurde, so viel Star Wars wie nur möglich in die Kampagne zu packen. Dies hätte vielleicht sogar funktionieren können, bei einer Spielzeit von nur rund fünf Stunden wirkt jedoch alles viel zu überladen. Die Hauptfigur Iden Versio hingegen kommt viel zu kurz. Erst im pünktlich zum Kinostart von "The Last Jedi" veröffentlichten DLC-Kapitel wird die Story erneut aufgegriffen, lässt einen dann am Ende aber noch immer gefühlt mitten in der Action zurück und endet abrupt dann, wenn man gerade so richtig loslegen möchte. Die spielbaren Helden mögen viel zum Fanservice beitragen, der Geschichte und dem Spannungsbogen tun sie jedoch nicht gut. Klar: Wer Star Wars mag, wird über die gesamte Spielzeit sehr gut unterhalten. Aber für einen rundum guten Singleplayer-Part reicht das einfach nicht. Der eingangs erwähnte Mangel an Spielen im Franchise macht hungrig, das Essen könnte jedoch besser schmecken.

Optisch braucht sich Star Wars: Battlefront 2 natürlich nicht zu verstecken. Die Frostbite-Engine aus dem Hause DICE liefert, wie auch schon im Vorgänger, den schönsten Wald von Endor, den man bis dato gesehen hat, und gerade die Gesichter der Protagonisten fallen sofort positiv auf. Dabei schafft es das Spiel, auch auf schwächeren Rechnern noch immer eine hohe Framerate zu liefern. Optimierung kann DICE einfach. Im Detail wurde aber die Kantenglättung verändert und ebenso sind Pop-Ups und etwas schwächere Texturen zu erkennen, wenn man denn genau hinsehen mag. Dies ist wohl der Preis für den allgemein gestiegenen Detailgrad. Es sind die Kleinigkeiten wie aufgeschreckte Vögel, umherfliegendes Laub oder zunehmend mit Schlamm verdreckte Rüstungen, die immer wieder das Auge erfreuen. Ein spannender Luftkampf im TIE-Fighter vor der untergehenden Sonne bleibt eines der grafischen Highlights und gehört zu den Momenten, in denen die Kampagne kurz durchscheinen lässt, was sie hätte sein können.



Fazit von Metfass:

Ich bin hin- und hergerissen. Hat mir das alles Spaß gemacht? Auf jeden Fall. Hey, ich liebe ja auch dieses Universum. Aber: Die Kampagne von Star Wars: Battlefront II macht es einem nicht leicht. Es reiht sich ein bekannter Held an den nächsten und so ziemlich jedes Fluggerät darf einmal gesteuert werden. Damit verliert das Spiel sehr schnell seine eigentliche Hauptakteurin aus den Augen und stückelt das eigentliche Gameplay in verschiedene Bereiche, die in eine viel zu kurze Spielzeit komprimiert werden. Die Story, welche teils enttäuschende Wendungen nimmt, kann nichts Positives dazu beitragen außer dem Star-Wars-Kanon neue Figuren zu schenken, die in bereits erhältlichen Büchern besser beschrieben werden.

Wer Star Wars mag, wird durchaus unterhalten. Aber blendet man alles aus, was thematisch damit zu tun hat, bleibt ein generischer Shooter, der gut aussieht, aber nichts Neues bietet. Die Star-Wars-Atmosphäre kann da viel retten, aber nur, wenn man sich dafür interessiert und zwischen Blasterfeuer und dem Heulen eines TIE-Fighters zu Hause fühlt.

Besonders gut finde ich ...
  • vollgestopft mit Star Wars
  • neue Charaktere im Kanon
  • spaßige Passagen in allen möglichen Schiffen
  • tolle Grafik mit vielen Details
Nicht so optimal ...
  • mit fünf bis sechs Stunden (inklusive DLC) viel zu kurz
  • Kampagne wirkt trotz bzw. wegen der Kürze überladen
  • zerstückelte Story durch Springen zwischen Helden
  • Story verliert die Hauptfigur schnell aus dem Fokus
  • generische Mechaniken, kaum neue Spielideen

Metfass hat Star Wars: Battlefront 2 auf dem PC gespielt.

Star Wars: Battlefront 2 - Boxart
  •  
  • Entwickler:DICE
    Motive Studios
  • Publisher:Electronic Arts
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:PC, PS4, XboxOne
  • Release:17.11.2017

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