Bayonetta 2 - Review 3

Bayonetta ist zurück - mal wieder. Nicht erst seit ihrem Auftritt in Super Smash Bros., einem eigenen amiibo und der Ankündigung eines dritten Teils ist die Umbra-Hexe fester Bestandteil des Nintendo-Universums geworden. Insofern überrascht es auch nicht, dass man Besitzer einer Nintendo Switch mit Bayonetta 1 + 2 schon einmal darauf vorbereiten will, was sie in diesem oder im nächsten Jahr mit Bayonetta 3 erwartet: Schnelle, dynamische Combo-Action mit Sex-Appeal, monströsen Bossgegnern und einer gehörigen Menge Blut. Ich habe mir die beiden Neuauflagen angeschaut.

Ganz allgemein kann man sagen: Bayonetta bleibt Bayonetta - und Bayonetta 2 bleibt Bayonetta 2. Für ihren ersten Auftritt auf der Nintendo Switch hat sich die Umbra-Hexe weder neu gekleidet noch umgestyled und die zwei Abenteuer, die sie in den jeweiligen Spielen erlebt, haben sich inhaltlich nicht verändert. Bayonetta 1 + 2 sind keine Remakes, sondern Portierungen im klassischen Sinne und deshalb kommen sie auch ohne Untertitel wie "Remastered" oder "Definitive Edition" aus. Und deshalb gibt es auch nicht allzu viel über die neuen Versionen zu sagen, denn über die Qualität beider Spiele haben Kollege Phil in seiner Bayonetta Video-Review und ich in meiner Bayonetta 2 Wii U Review bereits mehr als genug Worte verloren. Nutzen wir die Zeilen lieber für einen Check, wie gut sich das Konzept im Jahr 2018 gehalten hat - und wie es mit Bayonetta 3 weitergehen könnte.


Bayonetta 2
Bayonetta kämpft nicht einfach, Bayonetta tanzt - und das macht auch auf der Switch einen Heidenspaß. (Bayonetta 2)


Nichts neu macht die Nintendo Switch



Der Check hat sich dabei ziemlich schnell erledigt, denn Bayonetta hat sich ziemlich gut gehalten und wirkt auch heute noch frisch und angenehm unkonventionell - was natürlich zu einem großen Teil auch der Tatsache zu verdanken ist, dass das Genre combo-getriebener Actionspiele in den letzten Jahren nicht unbedingt reichhaltig mit neuen Titeln bestückt wurde. Das letzte Devil May Cry stammt aus 2013, das nächste God of War hat nicht mehr allzu viel mit der klassischen Genre-Definition zu tun, und so bleibt Bayonetta gewissermaßen außer Konkurrenz - auf der Nintendo Switch sowieso. Und was Platinum Games damals mit dem ersten Teil geleistet hat, funktioniert auch heute noch blendend, denn das schnelle, dynamische Kampfsystem samt Luft-Combos und Hexenzeit (Slow-Motion nach perfektem Ausweich-Timing) macht nach wie vor großen Spaß.

Das gilt alles ganz genauso auch für Bayonetta 2. Für mich ist der Nachfolger, der seinerzeit auf der Nintendo Wii U leider zu Unrecht unterging, übrigens immer noch das bessere Spiel, weil er zwar spielerisch wenig ändert, dafür aber inszenatorisch aufdreht und vor allem mit einem glänzt: mehr Farben! Das erste Bayonetta empfand ich damals schon als trist und grau; umso schöner, dass Teil 2 in allen erdenklichen Farben schimmert, ohne dabei an Atmosphäre und Style einzubüßen. Das einzige, was man dem Sequel ankreiden könnte, sind neben fehlender Neuerungen wohl das enttäuschende Finale und ein allgemein niedrigerer Schwierigkeitsgrad.

Wir können also festhalten: Bayonetta funktioniert auch im Jahr 2018 noch - und wer es bislang nicht gespielt hat, insbesondere den zweiten Teil, der sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, das auf der Nintendo Switch nachzuholen. Es ist schön, dass ein Spiel wie dieses eine zweite Chance auf einer Plattform bekommt, die auch tatsächlich gekauft und genutzt wird.

Warum habe ich bislang kaum über Grafik, Technik und Performance gesprochen? Weil sich daran gegenüber den originalen Versionen nur recht wenig geändert hat. Das heißt, Bayonetta 1 und 2 flutschen auch auf der Switch mit weitestgehend flüssigen 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm, die Auflösung ist mit 720p zwischen Handheld- und TV-Modus absolut identisch. Kantenflimmern gibt es nach wie vor, was ich jedoch nicht wirklich als störend wahrgenommen habe - auch wenn es natürlich wünschenswert gewesen wäre, das zumindest im TV-Modus mit ein bisschen Anti-Aliasing auszugleichen. Unter dem Strich gibt es an der Umsetzung der beiden Spiele für die Switch aber nicht viel zu meckern und es fühlt sich, wie bei so vielen Spielen für Nintendos jüngste Konsole, einfach cool an, auch im Zug, Bus oder Hotelzimmer Engel und Dämonen zu verdreschen.


BayonettaBayonetta
Preise für die Grafik gewinnt Bayonetta im Jahr 2018 nicht mehr, aber der Stil bleibt großartig. (Bayonetta 1)


Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft von Bayonetta und Platinum Games



Bleibt die Frage danach, wie es in Zukunft weitergeht - mit Bayonetta und mit Spielen von Platinum Games auf der Nintendo Switch. Noch vor dem dritten Abenteuer der Umbra-Hexe würde ich mir eine Umsetzung von The Wonderful 101 für die Switch wünschen, weil das Superhelden-Action-Adventure auf der Wii U ein noch traurigeres Nischendasein fristet als das bei Bayonetta 2 der Fall war. Zumindest haben Platinum Games mit einem entsprechenden Artwork im letzten Jahr eine Neuauflage angedeutet - drücken wir die Daumen, dass das nicht nur ein anlassloser Gag war. Oder warum nicht gleich einen Nachfolger?

Und Bayonetta 3? Es wird eine große Herausforderung für Hideki Kamiya und das Team Little Angels, an die beiden Vorgänger anzuknüpfen, denn ein weiteres Bayonetta im gleichen Stil wird mich vermutlich nicht mehr so umhauen können - zumal mit der Hölle auch das zweite große Setting des Universums ausgeschöpft wurde. Etwas Neues müsste her, gepaart mit einem zumindest spürbar erweiterten Kampfsystem. Der Teaser Trailer, den Nintendo bei den vergangenen TGAs im Dezember präsentiert hat, deutet immerhin schon mal eine düstere, ernste Richtung an, die vielleicht den erhofften frischen Wind mit sich bringen kann. Denn man muss bedenken, dass viele Spieler auf der Switch vielleicht das erste Mal mit Bayonetta in Berührung gekommen sind - und nun schon zwei recht ähnliche Spiele erlebt haben. Kann ein drittes der gleichen Machart da noch so euphorisieren? Ich bin skeptisch, bleibe aber optimistisch. Bislang haben mich Platinum Games noch nie enttäuscht.



Tim

Fazit von Tim:

Diese zweite Chance hat sich Bayonetta 2 redlich verdient - und ich hoffe, dass nun mehr Spieler in den Genuss dieses wunderbar inszenierten und auch vier Jahre seit seinem Erst-Release herrlich abgedrehten Action-Trips kommen, der immer noch genauso unkonventionell und gelungen ist wie auf der Nintendo Wii U. Platinum Games und Nintendo haben sich für die Umsetzung für die Nintendo Switch zwar kein Bein ausgerissen und hätten gerade an Auflösung und Anti-Aliasing noch ein bisschen arbeiten können, aber auch so bleiben Bayonetta 1 und 2 zwei großartige Spiele, die nach wie vor weitestgehend konkurrenzlos sind - zumindest so lange, bis Capcom endlich Devil May Cry wiederbelebt, um das sich aktuell ja viele Gerüchte ranken. Als Appetitanreger für Bayonetta 3 funktioniert das Switch-Combo-Pack jedenfalls hervorragend und ist die optimale Gelegenheit für alle ohne Wii U, den zweiten Teil nachzuholen.

Weniger ein Remake und mehr eine 1:1-Umsetzung, bleiben Bayonetta 1 und 2 auch auf der Nintendo Switch zwei großartig inszenierte und toll spielbare Action-Erlebnisse - die man ab sofort auch überallhin mitnehmen kann.

Besonders gut finde ich ...
  • leicht verbesserte Umsetzung zweier Genre-Klassiker
  • alles, was schon in den Originalversionen gut war
  • auch im Jahr 2018 tolles Kampfsystem mit genug Tiefe
  • überzeugende, stabile Performance im Handheld-Modus
  • Tag Climax nun lokal zu zweit spielbar (Bayonetta 2)
Nicht so optimal ...
  • immer noch kein Anti-Aliasing und nur 720p am TV
  • alles, was schon in den Originalversionen schlecht war

Tim hat Bayonetta 2 auf der Nintendo Switch gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Bayonetta 2 - Boxart
  •  
  • Entwickler:Platinum Games
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Action
  • Plattform:WiiU, Switch
  • Release:24.10.2014
    (Switch) 16.02.2018

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