Sekiro: Shadows Die Twice - Preview

Offiziell mag die Souls-Reihe vorerst abgeschlossen sein; das Remaster des ersten Teils und die kürzlich angekündigte Trilogy-Edition einmal ausgenommen. Doch es gibt ein Leben nach Souls. Auch für From Software: Nach den bisherigen Kooperationen mit Sony Interactive und Bandai Namco Entertainment bandelt das Studio um Chef und Kreativkopf Hidetaka Miyazaki nun mit Activision Blizzard an - und begibt sich mit Sekiro: Shadows Die Twice auf die Spuren von Tenchu. Auf der gamescom in Köln konnte ich das neue Werk erstmals spielen und mich davon überzeugen, dass die Zusammenarbeit mit dem Call-of-Duty-Publisher kein Grund zur Sorge ist.

Nach dem ersten Teaser im vergangenen Jahr bei den "The Game Awards" und der offiziellen Enthüllung auf der E3 in Los Angeles im Juni dieses Jahres hat Activision die Gelegenheit genutzt, Sekiro: Shadows Die Twice auf der gamescom abermals ins Rampenlicht zu rücken - und zwar nicht nur mit einer Termin-Ankündigung samt Collector's Edition, sondern sogar einer spielbaren Demo auf dem Showfloor. Für mich als alten Souls-Hasen und Bloodborne-Fan war damit auch gleich klar, wohin mich mein Weg in den morgens noch recht leeren Messehallen führen würde: nämlich in Halle 7, direkt in Richtung des Activision-Booths, vorbei an einer übergroßen Samurai-Statue und hinein in den engen Raum, in dem sich die Anspielstationen für das Ninja-Stealth-Actionspiel aneinanderreihten. Und obwohl meine Erwartungen sowieso schon ziemlich groß waren, hat es From Software schon mit dieser kurzen Demo geschafft, meine Euphorie noch zu befeuern. Souls-Freunde, hört ihr mich? Dieses Sekiro: Shadows Die Twice wird ein echter Leckerbissen.


Sekiro: Shadows die Twice
Wie kommt man diesem schwer gepanzerten Samurai am besten bei? In der Demo hatte ich kaum eine Chance ...


Die Demo - gespielt wurde auf einem PC - führte mich durch die "Ashina Castle Grounds", eine winterliche japanische Festung. Meine Souls-Erfahrung riet mir zunächst, mich langsam und vorsichtig fortzubewegen; hinter jeder Ecke könnte schließlich ein Gegner warten, jeder Meter womöglich eine tödliche Falle offenbaren. Doch schon mit der ersten Aktion wurde schnell klar: Dieses Sekiro ist nicht nur kein Souls - es ist auch ein schnelles Action-Adventure, das mehr als jedes andere From-Spiel darauf abzielt, die Umgebung zu seinem Vorteil zu nutzen. Das gilt vor allem für die Vertikale, denn mit dem neuen Grapple, jederzeit einsetzbar über einen Druck der Schultertaste, kann man sich elegant an Dächern, Vorsprüngen oder auch an dicken Ästen heraufziehen. Von oben wiederum kann man ebenso elegant herabspringen und Gegnern mit einem gut getimten Angriff auf brutale Art und Weise das Leben nehmen. Das alles spielt sich herrlich dynamisch und mit einem beeindruckenden Flow ab, neben dem das vermeintlich schnelle Bloodborne geradezu langsam erscheint. Nachdem Souls-Spiele mit Bloodborne und Dark Souls III schon immer schneller geworden sind, ist das behäbige Blocken mit schweren Schilden in Sekiro endgültig vorbei.

Es gibt keine Klassen, keine Seelen, keine Levelaufstiege - für so vieles, an das man durch die letzten Spiele von From Software gewohnt war, ist in Sekiro kein Platz mehr. Denn Sekiro ist kein Action-RPG mehr, sondern ein waschechtes Action-Adventure. So stehen Action und Kampf noch stärker im Vordergrund als bisher. Und die machen einen Heidenspaß! Schwächere Gegner lassen sich schon mit kurzen Combos vergleichsweise schnell und grazil ausschalten, indem man ihre Verteidigung bricht und bei einem rot aufleuchtenden Kreis zum gnadenlosen Todesstoß ins Herz ansetzt. Für den Schwerttanz spielt das Ausweichen eine wichtigere Rolle als bislang, denn auch wenn man mit dem Katana blocken kann, konsumiert das deutlich mehr Ausdauer als gewohnt - und schwere Attacken können den Block auch leicht durchbrechen. Umgekehrt hat man aber auch selbst durch den transformierenden linken Arm verschiedene Möglichkeiten, böse auszuteilen und sich auf Gegner individuell einzustellen.


Sekiro: Shadows die TwiceSekiro: Shadows die Twice
Mit dem Grapple kann man sich in Windeseile fortbewegen. Im Kampf zeigt sich Sekiro brutal - und brutal gut.


Einen schweren Schild knackt man mit der mächtigen Axt; einen Bogenschützen auf dem Dach wiederum nimmt man am besten mit Shuriken ins Kreuzfeuer. Und für den gefesselten Giganten, der am Ende der Demo wartete, bietet sich ein kräftiger Feuerstoß an. "Prothetische Werkzeuge" nennt From Software diese neue Komponente, die den typischen Hardcore-Nahkampf um ein weiteres Element erweitert. Den ersten knapp 15 Minuten nach zu urteilen, ist Sekiro übrigens - wer hätte es gedacht? - das erwartet anspruchsvolle Spiel, in dem jeder Gegner und jeder Fehler den Tod bedeuten können. Zwar sterben Schatten zwei Mal und so kann man sich nach dem Bildschirmtod an der jeweiligen Stelle sofort wiederbeleben (was wiederum für taktische Optionen sorgt), aber einfach ist hieran nichts. Im Gegenteil: Während der Boss noch ganz gut machbar war, habe ich mir an dem gepanzerten Samurai auf der Treppe die Zähne ausgebissen. Ich freue mich darauf, ihm das im März zurückzuzahlen.

Auch Schleichen gehört für ein Ninja-Abenteuer natürlich mit zum spielerischen Repertoire: Indem man sich duckt, kann man sich langsam an abgelenkte Gegner heranschleichen und diese hinterrücks meucheln - bequemer als in Souls übrigens, wo der heimliche Angriff oft nicht so richtig funktionierte. In hohem Gras kann man sich verstecken und wird unsichtbar; klettert man mit dem Grapple auf hohe Bäume hinauf, kann man von oben aus sicherer Distanz die Umgebung überblicken. Sekiro bringt viele neue Elemente und Ideen mit, die das bekannte Gameplay um neue Möglichkeiten und Potentiale anreichern. Ich hoffe auf eine noch stärkere Erkundung, auf alternative Bereiche und auf kuriose NPCs - eben auf das, was Dark Souls & Co. in der Vergangenheit auszeichnete. Ja: Sekiro heißt natürlich nicht Souls und möchte ein anderes Spiel sein.

Das ist nicht nur völlig okay, sondern auch absolut wünschenswert und richtig so. Aber da sich ähnliche Titel des Genres wie zum Beispiel Nioh und The Surge 2 ebenfalls vor allem auf den harten Nahkampf konzentrieren, wäre es dennoch toll, wenn zumindest Sekiro auch außerhalb dessen noch ein wenig mehr "Drumherum" mitbringen würde. Davon war bisher noch recht wenig zu sehen - ich bleibe aber gespannt und optimistisch. Zumindest spielerisch hat Sekiro mich schon nach dieser kurzen Zeit vollends überzeugt, ja geradezu begeistert!



Tim

Fazit von Tim:

Wenn Sekiro: Shadows Die Twice das Leben nach Souls bedeutet, dann steht uns eine großartige Zeit bevor. Die Demo in Köln hat mich schwer begeistert: Das Spiel ist schneller und offener als bisher, der Kampf ist gewohnt hart und dreckig und doch spürbar anders, das elegante Heranziehen mit dem Grapple und heimliche Meucheln aus dem Hinterhalt funktionieren prima und optisch ist das Abenteuer bereits jetzt sehr stimmungsvoll, zumal die tollen Kampfanimationen dem Flow in den Duellen noch einen Extra-Schub geben. Gleichzeitig bleibt das Spiel From-Software-typisch schwer und gnadenlos, denn Fehler werden sofort bestraft - der zweite Versuch nach dem Ableben ist dabei kein Kniefall vor der Masse an Spielern, die Dark Souls & Co. zu schwierig fanden, sondern sogar ein cleveres taktisches Element. Ich fühlte mich in der Demo sofort heimisch und doch in einer erfrischend anderen Art von Spiel und hätte wahnsinnig gerne weitergespielt oder die Demo noch einmal gestartet. Nach der gamescom kann ich den 23. März 2019 kaum erwarten.


Blog-Archiv August 2018#Sekiro#ShadowsDieTwice#gamescom2018
Sekiro: Shadows Die Twice - Boxart
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  • Entwickler:From Software
  • Publisher:Activision
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:PC, PS4, Xbox One
  • Release:22.03.2019

Kommentare & Likes

Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Kithaitaa ... und 3 Gästen.
  • Darius
    #1 | 25. August 2018 um 19:06 Uhr
    Bin zwar kein Souls-Spieler und auch in Bloodborne bin ich bisher nicht richtig reingekommen, aber Sekiro finde ich dann doch ausgesprochen zugänglich und interessant - wenn auch recht herausfordernd. Könnte wirklich gut werden und das Japan-Samurai-Setting wirkt nach wie vor ziemlich frisch und unverbraucht.

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