Trüberbrook - Review

Für Fans von Dioramen und selbstgebauten Figuren ist Trüberbrook ein echter Hingucker! Was dieses Point'n'Click-Adventure zu etwas Einzigartigem macht, sind die Arbeit und das handwerkliche Geschick, welches seine Entwickler in jede Szene gesteckt haben. Hier hängt viel Herzblut dran. Aber leider können das Science-Fiction-Setting der 60er-Jahre und die durchaus unterhaltsame Story nicht über die Schwächen des Spiels hinwegtäuschen. Warum also wird Trüberbrook nicht zum Geheimtipp für Rätsel-Enthusiasten?

Ich bin großer Warhammer-Fan - damit meine ich die Tabletop-Geschichte. Püppchenschubser sagen sie zu uns, mit Zettel, Stift und Regelbuch bewaffnet und immer für neue Abenteuer zu haben. Einen Großteil der Faszination macht aber auch das Aufstellen und Bemalen der Figuren und Landschaften aus. Hier kann ich Tage damit verbringen, einzelne Assets, Bäume, Häuser, Flüsse und Krieger zu grundieren, mit der passenden Farbe zu lackieren und gen Schluss etwas Patina für den Used-Look aufzutragen. Da mich dieses Handwerk schon immer sehr begeistert hat, wurde ich auf Trüberbrook aufmerksam. Das in Deutschland entwickelte Mystery-Adventure setzt nämlich genau hier an.

Alle Landschaften und Umgebungen wurden als Miniaturkulissen in einer Werkstatt gebaut. Das Prinzip: Sie wie Filmsets mit echtem Licht inszenieren und anschließend durch Photogrammmetrie digitalisieren und grafisch aufbereiten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer sich darunter jedoch nichts vorstellen kann, sollte sich unbedingt den nachstehenden "Behind the Scenes"-Teaser anschauen. Der macht nämlich wirklich Lust darauf, diese kleine idyllische Bergwelt zu erforschen.




Akte X trifft Twin Peaks



Ich schlüpfte also vergangene Woche in die Schuhe eines gewissen Hans Tannhauser. Der verdient sein Tagebrot als Quantenphysiker in Amerika und tritt dank eines Preisausschreibens eine Reise ins verschlafene Trüberbrook, Germany an. Deutschland ist geteilt, der kalte Kriegt tobt: Es sind die späten 60er-Jahre. Doch im gemütlichen Luftkurort bekommt Tannhauser zum Glück nichts davon mit. Der Ausflug kommt dem guten Mann wie gerufen, möchte er doch eine Denkblockade beim Verfassen seiner Dissertation lösen - kingeln da bei euch auch die Alan-Wake-Sensoren?

Was sich anfangs wie ein öder Heimatfilm anhört, entpuppt sich bereits kurze Zeit später als handfeste Sci-Fi-Verschwörung. Kaum im Dorfhotel Waldeslust eingecheckt, werden sämtliche Unterlagen des ambitionierten Studenten gestohlen und bleiben erstmal verschwunden. Was geht hier vor? Wer interessiert sich in solch einem Kaff für Quantenphysik? Verfügt Trüberbrook wohl über dunkle Geheimnisse, von denen niemand weiß?

Trüberbrook ist ein klassisches Point'n'Click-Adventure im Stile von Monkey Island. Ich bewege Tannhauser mit der Maus durch Klicks auf den Boden von A nach B, lasse ihn mit Gegenständen und Personen über ein Funktionsrad interagieren und sammele mir so Informationen und Items zusammen. Dadurch erforsche ich nach und nach den Ort, den angrenzenden See, hohe Berggipfel oder ein stickiges Moor, um die Geschichte voranzutreiben. Die hat einen kleinen Twist und ein schönes Ende (inklusive unterhaltsamer Post-Credit-Szene). Leider ist die überraschende Wendung kein wirklicher "Oha"-Moment. Der Antagonist war mir vorher schon ziemlich egal und bleibt es nach seiner Offenbarung weiterhin. Das kommt wohl auch von der zeitweise gelangweilt wirkenden Synchronstimme. Die anderen NPCs hingegen haben mir fast alle gut gefallen. Hier findet man mitunter sehr interessante Charaktere, welche die Dorfklischees schön überzeichnet darstellen.


TrüberbrookTrüberbrook
Trüberbrook hat einen ganz speziellen Artstyle, der mir sehr gut gefällt.


Steckt hier etwa mehr dahinter?



Der Aufbau der Rätsel ist mein größter Kritikpunkt. Die Lösungswege sind in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar und oftmals ertappe ich mich beim wilden Herumgeklicke. Hinter einigen dieser Puzzles fehlt mir einfach die Logik, um sie zu lösen. Dazu gesellt sich die träge Kameraführung, weshalb das Hin- und Herlaufen zwischen den Szenen meine Nerven nach einiger Zeit unnötig strapaziert. Da das Spiel aber ohnehin in 6-8 Stunden zu schaffen ist, kann man darüber hinwegsehen. Um diese technischen Schwächen zu kaschieren, haben die Entwickler Trüberbrook mit einem Klick-Indikator ausgestattet. Sobald die Leertaste gedrückt wird, erscheinen kleine, rote Kreuze überall, wo man mit der Umgebung interagieren kann. Wer nicht lange suchen will, bekommt hier also Hilfestellung.

Ein weiterer Bestandteil ist außerdem der deutsche Humor. Die Gags sind garantiert nicht jedermanns Sache, aber mir haben sie gut gefallen. Trüberbrook ist nur so mit Anspielungen gespickt - ob das nun Easter Eggs oder Querverweise auf andere Games sowie Film und Fernsehen sind. Für Nerds ist hier garantiert viel zu holen. Das Spiel wirkt dabei oft wie eine Hommage an Filme von Wes Anderson - Grand Budapest Hotel lässt grüßen. Die Mischung aus Sci-Fi und Fantasy hat bei mir auch wohlige Erinnerungen an die tollen Rusty-Lake-Adventures ausgelöst. Wer die noch nicht ausprobiert hat, sollte das auf jeden Fall nachholen.

Ein weiterer Vorteil der kurzen Spielzeit: Trüberbrook ist nicht sonderlich groß. Die knapp 2GB sind auch mit unterdurchschnittlicher Internetanbindung recht fix auf den heimischen PC kopiert und das Adventure bietet dank schneller Ladezeiten eine kurzweilige Spielerfahrung.



Energiekuchen

Fazit von Tobias:

Leider hat mir Trüberbrook nicht so gut gefallen, wie ich anfangs dachte. Der echt charmante Artstyle und die tollen Kulissen werden zwar mit einer netten Geschichte verknüpft, aber technische Schwächen blicken doch an allen Ecken und Kanten hervor. Ob das nun die träge Kamera, der uninteressante Gegenspieler mit der einschläfernden Stimme oder inspirationslose Rätsel sind. Ich möchte hier bei Weitem nicht alle der Puzzles abstrafen, denn einige sind wirklich gut geraten und verfügen über einen aberwitzigen Lösungsweg. Jedoch fallen die wenigen Negativbeispiele umso schwerer ins Gewicht.

Von einem durch das Medienboard Berlin-Brandenburg geförderten Projekt, welches auch noch unzählige Kickstarter-Unterstützer an Bord ziehen konnte, hätte ich mir einfach ein klein wenig mehr Innovation erhofft. Schade drum. Und für die Kürze ist Trüberbrook dann doch etwas teuer. Wer auf Dioramen steht und bis zum nächsten Sale warten kann, sollte zu gegebener Zeit zuschlagen.

Besonders gut finde ich ...
  • die Story hält bei der Stange und bietet ein amüsantes Finale
  • wunderschöne Szenen und tolle Kulisse
  • interessante Charaktere mit viel Charme
  • unterschwelliger Humor mit Grips
  • mit sechs Stunden Spielzeit gut für zwischendurch geeignet
Nicht so optimal ...
  • die Rätsel sind teilweise doch arg aufs Ausprobieren ausgelegt
  • der "Gegenspieler" hätte durchaus mehr Pep vertragen können
  • der Humor wird nicht jedermanns Sache sein
  • träge Kamera stört den Spielfluss

Tobias hat Trüberbrook auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Headup Games zur Verfügung gestellt.

Trüberbrook - Boxart
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  • Entwickler:btf
  • Publisher:Headup Games
  • Genre:Adventure
  • Plattform:PC, PS4, Xbox One, Switch
  • Release:12.03.2019
    (Konsolen) 17.04.2019